Archiv des Autors: Frau ArGueveur

Yann und die Meerjungfrau

Es war einmal ein junger Fischer, der hieß Yann. Er wohnte gleich um die Ecke, in einem kleinen Häuschen hinter dem Deich. Yann hatte hart gearbeitet und konnte nun endlich ein altes Fischerboot sein eigen nennen. Es war nicht groß, aber er konnte damit gut seinen Lebensunterhalt verdienen. Auch sein Nachbar fuhr oft mit ihm zum Fischen hinaus. Gemeinsam warfen sie die Netze aus, hofften auf reichen Fang und erzählten sich dabei so einiges über ihr Leben und ihre Träume.

Blick in die Bucht, im Hintergrund fährt ein Segelboot an den großen, markanten Felsen vorbei

Wie sie eines Morgens zurück in die Bucht fuhren – die Sonne war gerade aufgegangen und erleuchtete der Strand und die Felsen – da sahen sie ein ungewöhnliches Funkeln. Sie hörten auf zu rudern und ließen sich vorsichtig um die nächste Felsformation herumtreiben, um der Quelle des Funkelns auf die Spur zu kommen.

Je näher sie kamen, desto deutlicher hörten sie ein Plätschern. Nicht so, wie die Wellen es verursachen, wenn sie an den Steinen brechen. Sondern eher so, wie wenn ein großer Fisch mit seiner Flosse schlägt. Ganz behutsam steuerten Yann und sein Nachbar das Boot um die Felsen herum und da sahen sie sie: eine Meerjungfrau.

„Welch ein Wunder“, flüsterte Yann. Denn er wusste genau, dass Meerjungfrauen normalerweise alles dafür tun, dass niemand sie sieht. Schon oft hatte er die Augen offen gehalten, um eine der legendären Damen zu sehen, und so manches Mal hatte er gedacht, einen Schatten eines silberglänzenden Fischschwanzes unter der Wasseroberfläche zu erahnen. Aber bisher hatte er noch nie das Glück gehabt, eine wirkliche Meerjungfrau mit eigenen Augen zu sehen.

Sie hatte ihren Kopf mit den langen blonden Haaren auf einen von den ersten Sonnenstrahlen erwärmten Felsen gelegt, die Augen geschlossen und ließ  ihren Fischschwanz entspannt in der Bucht treiben. „Das ist unsere Chance“, flüsterte Yanns Nachbar. Und bevor die Meerjungfrau wusste, wie ihr geschah, hatte der Fischer sie an ihren langen Haaren gepackt und mit einem großen Schwung ins Boot gezogen.

Entsetzt fing die blonde Schönheit an, mit ihrer Schwanzflosse zu schlagen, aber die beiden jungen Männer hielten sie ganz fest. „Bitte lasst mich frei“, flehte die schöne Meerjungfrau. „Wenn ich zu lange nicht im Wasser bin, muss ich sterben.“ Da bekam Yann Mitleid mit der schönen Fremden und wollte sie wieder freilassen. Sein Nachbar aber wollte nicht nachgeben. „Das ist unsere Chance, reich und berühmt zu werden. Stell dir doch nur mal vor, was die Leute im Dorf für Augen machen, wenn wir dieses Fabelwesen leibhaftig auf den Marktplatz schleppen.“

Da fing die Meerjungfrau an zu weinen. „Bitte, ich will noch nicht sterben. Lasst mich doch frei. Bitte. Es soll euer Schaden nicht sein.“ Doch der Nachbar lachte nur und sagte: „Verstehst du denn nicht, dass keiner uns glaubt, wenn wir dich nicht mitbringen?“ Doch Yann konnte die Tränen der Meerjungfrau nicht länger mitansehen und bot seinem Nachbarn erst sein ganzes Bargeld, dann sein Boot gegen die Freiheit für das Mädchen mit dem Fischschwanz. Als das immer noch nicht reiche, gab er seinem Nachbarn auch sein Haus und sein Grundstück. Und endlich ließ der Nachbar die Meerjungfrau frei. Sie tauchte sofort unter. Doch bevor sie ganz verschwand, überreichte sie Yann eine kleine Muschelflöte.

Der Nachbar, immer noch verärgert, stieß Yann aus dem Boot, das ja nun seins war, und fauchte: „Lass dich hier nie wieder blicken, du Feigling.“ Und so schwamm der unglückliche Jüngling ans Ufer und machte sich auf und davon. Im Hafen von Brest verdingte er sich als Matrose und war schon bald so geachtet, dass man ihm die Verantwortung für ein großes Schiff übertrug. Doch nachdem er einige Monate sorgenfrei zur See gefahren war, kam sein Schiff in einen großen Sturm. Die Mannschaft kämpfte Stunde um Stunde, doch am Ende mussten sie das völlig leck geschlagene Schiff aufgeben. Mit letzter Kraft konnten sich Yann und seine Männer auf eine kleine, unbewohnte Felseninsel retten. Um seine Mannschaft zu trösten und die Wartezeit bis zum Ende des Sturms und ihrer Rettung zu verkürzen, spielte Yann auf seiner Muschelflöte, die er seit dem Tag, an dem er sein Zuhause verloren hatte, immer bei sich trug.

Kaum hatte er die ersten unbeholfenen Töne gespielt, da glitzerte es plötzlich vor ihm im Wasser. Die Meerjungfrau, der er das Leben gerettet hatte, steckte den Kopf aus den Wellen und lächelte ihn schüchtern an: „Du hast mich gerettet. Nun möchte ich dich retten. Sag, was kann ich tun?“ Yann überlegte nicht lange: „Ich fürchte, du kannst uns nicht helfen, denn unser Schiff ist zerborsten und unser gesamter Fang verloren. Wir wären schon froh, wenn wir unser Leben retten und wieder ans Ufer gelangen könnten.“ Die Meerjungfrau lächelte vergnügt: „Lass mich nur machen.“ Sie tauchte davon und nur Minuten später tauchte sie mit einem größeren, moderneren Schiff wieder auf. Der Bauch des Kahns war bis zum Rand gefüllt mit großen Fischen und frischen Hummern. „Keine Sorge, mit diesem Boot kommt ihr sicher durch den Sturm zum Hafen“ flüsterte die Meerjungfrau Yann ins Ohr. Und so geschah es.

Ein Boot mit von Wind, Sand und Sonne braun gefärbten Segeln auf dem WasserIn den kommenden Wochen sah Yann seine Freundin jedes Mal, wenn er mit seinem neuen Boot hinausfuhr. Und immer fing er die meisten Fische. Viele junge Frauen in Brest wollten den erfolgreichen Seemann gerne freien. Doch Yann lehnte jedes Mal ab. Sein Herz hatte er doch schon verschenkt.

An einem sonnigen Frühlingstag, als Yann im Hafen ganz alleine das Deck schrubbte, sprang seine Meerjungfrau zu ihm an Bord. Sie schauten sich lange in die Augen und als Yann den Blick wieder lösen konnte, sah er, dass aus der schillernden Meerjungfrau ein hübsches Mädchen geworden war. Und dann…

Was dann passierte, wollt ihr wissen?

Natürlich haben die beiden geheiratet, mit einem großen Fest und einem Festmahl voller Fische und Flötenmusik. Und sie lebten glücklich, alle Tage ihres Lebens.

Mein Fairphone ist da. Juhu!

Nette Überraschung beim Nachhausekommen: Ein Päckchen aus Holland. Mit meinem Fairphone. Juhu, es ist endlich da!

Begrüßungsscreen des FairphoneWobei die Wartezeitkommunikation auch nicht zu verachten war. Da gab es regelmäßige Info-Mails, die mir genau sagten, warum es eine Verzögerung bei der Produktion gegeben hat und wie viel länger ich deshalb warten muss; oder die mir mitteilten, in welcher Woche mein Gerät zusammengebaut wurde. Und ich bekam Post (also: elektronische), als mein neues Schmuckstück sich per Schiff auf die Reise machte. Das alles in so nettem Ton, mit Dank für meine Geduld und vor allem mit wirklich ernst gemeint klingenden Bitten um Verständnis, das man gar nicht anders konnte, als genau dieses Verständnis aufzubringen. Wobei mir das auch leicht fällt, wenn ich so ausführliche Erklärungen der Gründe und informative Links – also wirkliche Information und nicht einfach nur „alles geil bei uns“-Werbung – zum Überbrücken der Wartezeit bekomme. Das wäre vielleicht auch mal was für unseren Internetanbieter oder die Bahn – davon träume ich dann aber ein anderes Mal.

Denn jetzt, wo mein Fairphone endlich da ist, habe ich dafür keine Zeit. Ich bin viel zu sehr damit beschätigt es großartig zu finden. Zum einen, es endlich zu haben (jajaja, nennt es ruhig mein neues Statussymbol 😉 ). Zum anderen die Art und Weise, wie es ankommt: In einem kleinen Karton mit wenig Schutzpolstern, nichts dabei außer einem kleinen Benutzerhandbuch (überraschend hilfreich) und einigen Postkarten, die gleichzeitig die Besonderheiten des Fairphones bestens ins Szene setzen.

Technische Details kriegt ihr von mir keine, die könnt ihr andernorts problemlos nachlesen. Ich als normale Anwenderin komme mit dem Gerät prima klar. Ehrlicherweise habe ich aber eben auch keine Profianforderungen an Prozessor oder Kern und sonstige Ausstattung.

Löst das Fairphone jetzt auch wirklich alle Probleme? Nein, natürlich nicht. Es gibt berechtigte Kritik, vor allem am Namen, der natürlich suggeriert, alles an diesem Gerät sei fair und gerecht und trüge zur Lösung der Probleme bei. Das ist nicht so und wer davon überrascht ist, hat sich mit dem Thema vermutlich noch nicht sehr lange auseinandergesetzt. Denn auch wer noch nicht in der Demokratischen Republik Kongo war, kann sich vorstellen, dass „konfliktfreie Minen“ in keiner Weise mit deutschem Arbeitsrecht gemessen werden können und das Mitbestimmung im Betrieb in China nicht mit der in Deutschland zu vergleichen ist – um nur zwei Beispiele zu nennen.

Aber es ist ein Anfang. Ein echtes Produkt, nicht nur eine Idee oder eine idealistische Träumerei. Ein wirklicher Versuch, über möglichst viele Dinge transparent zu kommunizieren (zum Beispiel über die Kosten). Den Fairphonemachern ist es zudem gelungen, eine Debatte zu forcieren, die die Produktionsbedingungen aller Handybestandteile zum Gegenstand macht.

Ein Ranking zur Frage „Wie fair ist dein Smartphone?“ ist zumindest in meiner Wahrnehmung noch nie so stark rezipiert worden, wie das aktuelle von rank a brand (wobei das Fairphone am besten, aber eben nicht perfekt abschneidet). In dieser Nachhaltigkeitsstudie (die man hier komplett downloaden kann) sieht man jedoch, dass auch andere Hersteller sich mehr bemühen. Das machen sie ja nicht einfach, weil sie gerade Lust darauf haben. Sondern weil die Verbraucher Wert darauf legen; oder weil es einen Sturm der Empörung gegeben hat nach Reportagen über die Produktionsbedingungen und hohen Selbstmordraten in den chinesischen Produktionszentren.

Und da ich sowieso ein neues Handy brauchte und auf gar keinen Fall irgendwas wollte, wo mir jedes Jahr automatisch der neue heiße Sch… geliefert wird und somit automatisch Berge von wertvollem Elektroschrott produziert werden, lag die Auswahl ganz nah.

Probleme mit der Kamera habe ich nicht, die Fragen, die sich beim Inbetriebnehmen gestellt haben (ich gehöre bei sowas absolut zu den Nullcheckerbunnies), konnte ich alle selber lösen oder dank des wirklich guten Supportforums lösen. Morgen darf es mit zur Arbeit. Jippie.

Tl; dr:
Ich bin happy, dass mein Fairphone da ist und bisher mehr als zufrieden 🙂

Glücksmomente am Meer

Ich war ein paar Wochen am Meer. Ist euch vielleicht aufgefallen. Jetzt bin ich wieder da, voller wunderbarer Erinnerungen. An ein paar davon dürft ihr hier in den nächsten Tagen teilhaben. Aber zurück zum Meer.

Am Meer zu sein macht mich zuverlässig glücklich. Allein schon die Vorfreude darauf ist jedes Mal schön. Der erste Blick aus dem Fenster auf dem Weg zu Meer – ein Glücksmoment. Zuverlässig. Jedes Mal. Dieses Mal wurde dieser Moment sogar – unfreiwillig – auf eine Stunde ausgedehnt. Die Pont de Normandie ist nicht der schlechteste Ort für einen Stau (okay, sie überquert „nur“ die Seine, aber wenn man sich Zentimeter für Zentimeter drüber schiebt, kann man ausführlich diskutieren, wo genau die Seine aufhört und das Meer anfängt. Und genießen. Natürlich).

Blick auf die Bucht, im Vordergrund das Gras der Dünen, im Hintergrund einige große Felsen, dazwischen ein kleiner Naturhafen mit einigen kleinen Booten

Nein, das ist nicht die Pont de Normandie. Aber das Meer. Natürlich.

Aber dann da zu sein. Am Meer. Ganz in echt.
Schon auf dem Spaziergang vom Ferienhäuschen zum Strand schleicht sich ein Dauerlächeln auf meine Lippen und in die Augen. Die letzten Meter hinauf auf den Deich, wenn ich das Plätschern und Rauschen schon hören, das Salz in der Luft schon auf den Lippen schmecken kann. Und dann der erste Blick auf die Wellen, den Sand. Die plötzliche Weite innen und außen. Das erste bewusste Ein- und wieder Ausatmen. Die paradoxe Gleichzeitigkeit des Gefühls von Freiheit und Angekommen sein, völliger Entfernung und totalem Da-Sein, von Magie und Realität.

Hohe Wellen, die sich mit großem Spritzen an einem Felsen brechen im orangenen Licht des SonnenuntergangsLäuft das Wasser gerade auf oder ab? War der Koeffizient der letzten Flut hoch? Gibt es viele Algen? Liegen wenige oder viele Boote im kleinen Naturhafen in der Bucht? All das kommt erst später. Im ersten Moment zählt nur das Meer. Wie die Wellen sich sanft am Strand brechen, die Felsen umspielen, sich im Wind kräuseln. Die Horden von Strandläufern, einzelne, sich nachjagende Möwen. Die Sonne, die sich in den Wellen spiegelt, die Form der Wolken, die am Horizont aufziehen. Das erste Zwinkern des Leuchtturms und des Semaphors am einen und anderen Ende der Bucht.

Muss ich erwähnen, dass das Wetter überhaupt keine Rolle spielt für diesen Effekt? Tut es nicht. Tut es nie. Dass das Meer uns in diesem Jahr mit strahlendem Sonnenschein und quasi Windstille empfing, haben wir ihm trotzdem nicht übel genommen. Den plötzlichen Regenschauer auf den Klippen ein paar Kilometer weiter am nächsten Tag aber auch nicht.

Blick auf die "Cote rocheuse" bei grauem Himmel und leichtem Nieselregen

 

Ausflug ins Bilderbuch

bad muenstereife-stadttorWeil ein Teil der Familie dort bummeln wollte und es keinesfalls angeht, sich so nette Menschen entgehen zu lassen, haben wir vor kurzem einen Ausflug in ein Bilderbuch nach Bad Münstereifel gemacht.

Fachwerk ohne Ende, eine historische Stadtmauer mit mehreren gut erhaltenen Stadttoren, hübsche-und-weniger-hübsche-Dinge-Geschäftchen, Geschenkeboutiquen und Klamottenläden überall (und das war noch vor der Eröffnung des neuen City-Outlets, mit Heino, wem auch sonst), das leise Plätschern der Erft, Brauhäuser und Cafés, die die ortstypischen Printen in dutzenden Variationen verkaufen. Die obligatorische Burg auf dem Berg.

bad muenstereifel-burgUnd Touristen. Hunderte. Tausende. Überall. Auch wenn sie sich brav zur Seite gestellt haben, wenn ich ein Foto gemacht habe. Die ganze Stadt scheint nur zwei Arten von Menschen  zu kennen: Solche, die konsumieren – selbstverständlich auch am Sonntag. Und andere, die genau das durch ihre Arbeit ermöglichen.

Mehrere Fachwerkhäuser in einer kleinen GasseNatürlich ist das nicht nur in Bad Münstereifel so. Es gibt vermutlich unendliche viele Orte, in deren Kern es so scheint, als sei das normale Leben ausgestorben. In denen es keine Läden für den normalen Alltagsbedarf gibt, keine Supermärkte oder Discounter, keine Gemüsehändler oder Drogerien, keine Optiker, Reinigungen, kein Metzger, kein Kiosk und erst recht kein „Büdchen“. Wo man nicht „einkaufen“ kann, sondern nur „shoppen“. Das gehört zum Wesen des Tourismus, Nicht umsonst heißt es ja auch: Tourismusindustrie.

Ich bin selbst oft genug Tourist, oder zumindest Tagesgast. Und genieße das meistens sehr. In kleinen Boutiquen zu stöbern und lieben Menschen etwas auszusuchen, in der Buchhandlung am Marktplatz (da, wo es schön ist, gibt es noch immer zuverlässig eine Buchhandlung am Markt) nicht nur in den Beststellern sondern auch in regionaler Literatur zu stöbern, im Café zu sitzen, und den Menschen beim Schlendern zuzusehen.

Aber dieser Sonntag Nachmittag in Heinostadt der Eifel war wie ein kleiner Ausflug in eine Parallelwelt. Immerhin mit netten Reisebegleitern. 🙂

 

Totentanz von Kermaria und Temple von Lanleff

Die unscheinbare granitene Außenfassade mit kleinem TurmAn der Nordküste der Bretagne, in der Bucht von Saint-Brieuc, liegt das kleine Städtchen Plouha. Das Städtchen selbst ist nicht wirklich außergewöhnlich, aber die beiden Bretagne-Tipps, die es heute für euch gibt, sind noch kleiner. Damit ihr eine Orientierung habt, wohin ich euch heute mitnehme, ist Plouha also ein guter Ausgangspunkt. Falls ihr Superlative mögt, könnt ihr dort die höchsten Klippen der Bretagne bewundern (104 Meter).

Kermaria an Iskuit

Vor allem aber solltet ihr den Wegweisern nach Kermaria folgen. Denn hinter den schlichten Mauern der Granitkirche „Kermaria an Iskuit“ (in etwa: Maria, die aus der Not rettet) verbergen sich echte Schätze.

Zum einen gibt es da einen wirklich faszinierenden Totentanz vom Ende des 15. Jahrhunderts. Dieser „dance macabre“ zeigt den Tod, der Menschen aller Stände in einem langen Tanz mit sich nimmt. Man sieht einen König, einen Bischof und einen Abt, einen Feldherrn und einen Ritter mit Knappen, einen Arzt, aber auch Frauen, Musiker, Bettler, Verliebte,… die uns zeigen sollen: Im Tod sind wir alle gleich.

Totentanz

Das Fresko besteht aus mehr als 40 Bildern und jedes einzelne ist beeindruckend. Man kann eine halbe Ewigkeit staunend mit dem Kopf im Nacken verbringen.

Ausschnitt des Freskos aus dem Totentanz von KermariaAber auch der Rest der Ausstattung kann sich sehen lassen. Es gibt eine ganze Reihe einfache, typische bretonische Holzstatuen aus der Romanik. Und dann ist da noch eine schöne stillende Madonna. Außerdem gibt es einige schöne Aposteldarstellungen am Eingang.

Marienstatue mit Jesuskind auf dem linken Arm, mit der rechten Hand holt die Gottesmutter ihre Brust aus dem MiederHolzstatue eines Mönchs 4 bemalte lebensgroße Steinstatuen

 

Wenn ihr schon da seid: Ein paar Kilometer weiter gibt es den Temple von Lanleff, die Ruine einer großen Rundkirche, die kurz nach der ersten Jahrtausendwende gebaut wurde.

Die Ruine der Rundkirche von außenBild von innen mit Säulenbögen und Blick in den Himmel

Maritime Hochzeitsdeko

Eine sehr gute Freundin hat geheiratet und ich durfte ihr die Deko machen. Die beiden hatten sich ein maritimes Motto gwünscht und so habe ich die vergangenen telefon- und internetlosen Wochen (drei Wochen Mittelalter – einem Gewitter und Unfähigkeit, Ahnungslosigkeit, Daueraufdemschlauchstehen beim Service Provider sei Dank) genutzt, um maritime Deko zu basteln.Eine als Leuchtturm bemalte Flasche steht auf blauem Organza, daneben steht ein Schiffchen, das die Menükarte hinter sich herzieht. Da gab es ein Meer aus blauem Organza und weißes Schiffstau mit Seemannsknoten. Die sind am Ende dann doch komplizierter, als ich vermutet hatte. Aber vielleicht habe ich auch einfach nur zu viele Daumen 🙂

Natürlich braucht ein Brautpaar auf hoher See auch einen Leuchtturm, der ihnen den Weg weist. Dazu habe ich große Flaschen bemalt, mit rotem Band beklebt und ihnen am Ende sogar ein kleines Leuchtfeuer verpasst.

Ein Holztisch mit den Gedecken und der gesamten maritimen Dekoration.Blick auf einen Tisch mit maritimer DekoDie Menükarten (das Essen im Höpershof war übrigens vorzüglich) wurden von kleinen Bötchen mit dem Fähnchen-auf-Schiffsplanken-Motiv des Brautpaars zu den Gästen gezogen. Und wenn denen der Gesprächsstoff ausging, kamen passende (nicht nur maritime) Diskussionsthemen für die Tischrunde per Flaschenpost angeschwommen.

Eine als Muschel gefaltete weiße Serviette, auf der ein Keks in Gestalt eines Rettungsrings liegtFalls jemand über Bord gegangen wäre, hätten diese Rettungsringe vermutlich nicht viel ausrichten können, für den kleinen Süßkram-Yeaper kamen die Mandelkekse aber sicher gerade recht.

Kleiner Tisch mit maritimen Accessoires, daneben ein dunkler Holzbanken mit Rettungsring und FischernetzJede gute Kreuzfahrt braucht schicke Passagiere. Hier gab es die passenden Utensilien für maritime Gäste-Fotos.

Blick in den Saal mit dekorierten TischenUnd zum Schluss ein Blick in den Saal. Noch sieht er harmlos aus. Aber die anschließende Party war großartig!! Danke an die beiden Hochsee-Fans, die uns an ihrem Glück teilhaben ließen. Ahoi!

München, spontan

Eine Wimpelkette in München mit schwarz-rot-goldenen und blau-weißen WimpelnDer Lieblingsreisebegleiter und ich hatten plötzlich und eher unerwartet einige Tage frei und sind kurzerhand nach München entfleucht. Aus Gründen. Vor allem aus einem Grund, um genau zu sein und so gab es ein sehr, sehr schönes Treffen in Pasing – und wunderbar viel Zeit zum Schlendern und Entdecken.

Flöte spielender Barockputto an einer Hotelwand in München-PasingWir mögen ja München. Sehr.

Davon konnte uns auch die Deko im aktuellen Hotel nicht abbringen. Die barockisierenden Musiker tröteten da allüberall (außer auf den Frühstückstischdecken, da tirilierten bunte Papageien auf neongrünem Grund. Nein, keine Fotos 🙂 )

Besonders gemocht habe ich dieses Mal die Hitze. Einfach nur heiß. Kein Treibhausfeeling, nirgends. Dafür leckeres Bier (klar) und der beste Kaiserschmarrn aller Zeiten.

Da wir die typischen Sehenswürdigkeiten bereits zur Genüge kennen, haben wir uns einfach ein bisschen durch die Altstadt treiben lassen und – völlig zufällig – das Glockenspiel am Rathaus in Aktion gesehen. Vom Hören schreibe ich lieber nichts, da müsste man irgendwann mal einen Glockenstimmer vorbeischicken 😉

Dem Impuls, echt bayerische Souvenirs wie eine Schwarzwaldmädelfigur oder Kuckucksuhren zu kaufen, haben wir heldenhaft widerstanden.

Schaufenster eines SouvenirladensDem Impuls, Kunst zu kucken, nicht. Und so waren wir – mal wieder – in der Alten Pinakothek. Davon kann vor allem der Lieblingsmensch nicht genug bekommen. Und ich verstehe immer besser, warum.

Da dort gerade umgebaut wird, gibt es zurzeit eine Ausstellung mit Neuen Nachbarschaften, bei der man 40 Barockwerke zusammen sieht, die ansonsten in der nach Schulen und chronologisch geordneten Sammlung nicht zueinander finden würden. Da hängt dann zum Beispiel Rembrandts Heilige Familie in einem Raum mit der fröhlich auf ihrem Stuhl kippelnden Helène Fourment von Rubens. Hui.

Meine persönliche Lieblingsentdeckung ist aber die Flucht nach Ägypten von Adam Elsheimer. Natürlich ist der Sternenhimmel in der Vollmondnacht wirklich ergreifend. Ins Herz geschlossen habe ich es aber, weil Josef das quengelnde Jesuskind mit einem Grashalm kitzelt, um es aufzuheitern. #Hach.

Um dem Regen am nächsten Tag zu entgehen, haben wir dann noch ein paar Bilder, die sonst in der Alten hängen in der Neuen Pinakothek besucht. Fließender Wechsel heißt das Konzept, das, wie schon die Nachbarschaften, dem Umbau zu verdanken ist. Da hängt dann die Marquise de Pompadour neben Doña Maria Teresa da Vallabriga und der jungen Comtesse de Sorcy und selbst mir, die ich bei Kunst normalerweise auf wenig Wissen und mehr Gefühl zurückgreifen muss, wird auf den ersten Blick klar, was für ein Quantensprung da in der Portraimalerei passiert ist und was die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen der Zeit (von denen weiß ich dann doch etwas mehr) damit zu tun haben könnten.

Mein neuer Liebling hier ist Ostende von Turner. Und auch, wenn man denkt, man kennt ein Werk schon aus dem einen oder anderen oder dröflfzigsten Buch (Goethe, Der Arme Poet, Caspar David Friedrichs Sumpfiger Strand), ist es doch was anderes, die Bilder im Original zu bewundern. Ich kann dann eine gefühlte halbe Ewigkeit davor stehen oder sitzen und einfach nur schauen. Klappt in München natürlich auch bei Dürers Selbstbildnis im Pelzrock oder seinem Paumgartner Altar und überraschender Weise jedes Mal wieder bei Raphaels Madonna Tempi.

tl;dr:
München. Super. Gerne wieder, am liebsten bald.

 

Fußball-Fan-Kekse: #GERARG kann kommen

Finale, oho, Finale, ohohoho!!
AViele Kekse auf einem weißen Tellerus 200 g Butter, 175 g Zucker (schaumig schlagen), 2 Eiern (langsam unterrühren), 300 g Mehl, 1 TL Backpulver, 100 g weißer Schokolade (zum Schluss untermischen) und ein paar Smarties entstanden diese deutsch-argentinischen Fußball-Fan-Kekse. Besonders geeignet als Vorbereitungs-Snack für das große Finale morgen Abend. #GERARG

Vermutlich werden die ersten Kekslein aber bereits heute beim Spieleabend vom Lieblingsmenschen und weiteren Lieblingstestessern verspeist. Zum Glück ergab das Rezept ca. 40 Stück 🙂Kekse, die mit schwaren, roten und gelben Smarties oder mit blaune Smarties und weißem Zuckerguss dekoriert sind

 

Der Menhir von Saint-Uzec

Gesamtansicht des MenhirsDa ich immer noch hier bin und nicht im Urlaub, bekommt ihr heute wieder einen schönen Ort der Bretagne gezeigt: Den Menhir von Saint-Uzec.

An Menhiren und anderen Zeugnissen der Megalithkultur kommt in der Bretagne keiner vorbei. Ein besonders bekannter ist der große Menhir in der Nähe von Trébeurden (Côtes d’Armores). Gerade im Sommer muss man die Augen wirklich offen halten, um die Wegweiser nicht zu verpassen, denn viele sind von wucherndem Grün und bunten Blümchen gut verdeckt.

Wenn man dann aber hinter dem Dörfchen Pleumeur-Boudou richtig abgebogen ist, kann man den Stein eigentlich kaum verfehlen, denn er ist so groß, dass man ihn schon von weitem bewundern kann.

Der Menhir ist so groß, dass man ihn über Büschen und Bäumen herausragen siehtDer etwa acht Meter hohe und gut drei Meter breite Stein ist vermutlich etwa 4.500 Jahre alt. Das Kreuz, die Darstellung von Sonne, Mond und Sternen sowie die Anbetungsszenen und die Leidenswerkzeuge Christi hat ihm ein bretonischer Jesuit in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts verpasst. Julien Maunier war Orthograf und ein umtriebiger Werbefachmann für die Sache der Kirche.

Detailaufnahme der christianisierten Spitze des Menhirs von Saint-UzecNatürlich sind auch mit diesem Menhir eine ganze Menge Sagen und Legenden verbunden, christliche und keltische. Einige davon findet ihr hier. Dabei sind auch einige kreative Erklärungen für die tief eingekerbte Rückseite des Steinkolosses.

Rückseite des Menhirs mit sehr tiefen Furchen und einem faustgroßen Loch