Archiv für den Monat: Mai 2015

Roll for the galaxy

Würfelberg mit vielen bunten Würfeln aus Roll for the galaxyNeue Welten entdecken und Planten erforschen, fortschrittliche Techniken entwickeln und Handel mit Außerirdischen treiben: für den Lieblingsmenschen klingt das wie unbegrenzter Riesenspaß. Darum haben wir auch Race for the galaxy im Spieleregal. Aber warum Karten nehmen, wenn man auch würfeln kann? Und genau darum gibt es seit einigen Wochen nun auch Roll for the galaxy bei uns zu Hause. Und was soll ich sagen: Es hat innerhalb weniger Stunden der Kartenvariante den Rang abgelaufen.

Das Spielprinzip des Würfelspiels ist ganz ähnlich wie das seines Karten-Originals: Jeder Spieler überlegt im Geheimen, welche der fünf Phasen (entdecken – erforschen – besiedeln – Waren produzieren – Handel treiben) er spielen will. Gespielt werden dann alle Phasen, die die Spieler ausgesucht haben: Entweder so viele verschiedene, wie es Spieler gibt, oder eben nur eine, wenn alle sich für die gleiche Phase entschieden haben. Beim Vorausahnen, was die Gegner Mitspieler wohl wählen, kann man sich ganz schön verzetteln, nur, um am Ende dann doch das Gleiche rauszulegen. Ewiges Taktieren lohnt sich also meist nicht, ganz außer Acht lassen sollte man diesen Aspekt jedoch trotzdem nicht. Außerdem gibt es in der Zwei-Spieler-Variante zusätzlich eine Phase, die erwürfelt wurde. Aber auch hier kann man Pech haben und insgesamt nur eine Option bekommen.

roll-for-the-galaxy-weltenDie Wahl der Phasen erfolgt bei Roll for the galaxy jedoch nicht über Karten, sondern durch Würfel – unabhängig vom gewürfelten Symbol. Zu Beginn hat jeder Spieler drei aktive und zwei inaktive weiße Würfel. Die übrigen Würfeln (die man nicht zur Wahl der Spielphase eingesetzt hat) werden den Phasen zugeordnet, deren Symbol sie zeigen. Wird diese Phase durch einen eigenen Würfel oder die Wahl eines Mitspielers ausgelöst, kann man die entsprechende Aktion mit den eigenen Würfeln durchführen. Durch taktischen Einsatz der Würfelergebnisse kann man so nach und nach weitere Würfel und/oder Sonderfähigkeiten hinzugewinnen. Die Würfel können dann, je nach Vorgabe der hinzugewonnenen Welten, entweder direkt im eigenen Würfelbecher oder aber als Ware auf einer neu entdeckten Welt landen. Kann ein Spieler diese Waren verkaufen, gewinnt er Siegpunkte oder Geld, mit dem man wiederum bereits benutzte Würfel zurück in den Würfelbecher legen und in der nächsten Runde wiederverwenden kann.

Das mag auf den ersten Blick unübersichtlich wirken, ist aber deutlich leichter zu überblicken als beim Kartenspiel, wo die Karten sowohl Geld als auch die Welten und Waren abbilden.

Auswahl der Phasen eines Spielers bei Roll for the galaxyDie grafische Gestaltung der auszulegenden Pappkärtchen orientiert sich natürlich ebenso am Kartenspiel-Original wie auch der Ablauf der verschiedenen Phasen. Allerdings ist die Variationsvielfalt dank der Würfel, die nicht alle die gleiche Verteilung der Phasensymbole haben, doch deutlich spannender als beim Kartenspiel. Vor allem, weil man eben nicht in jeder Runde alle Würfel zur Verfügung hat und sich den aktuellen Würfelsatz mithilfe des Geldes für jede Runde neu zusammenstellen muss.

Nehme ich lieber mehr rote Würfel dazu, die häufiger die Symbole für Entdecken und Besiedeln zeigen, oder möchte ich handeln und brauche einen lila Würfel, der das dafür benötigte Raumschiff-Symbol gleich auf drei Seiten trägt und beim Verschiffen von Waren zusätzliche Siegpunkte bringt? Versuche ich, Welten zu entdecken, die mir gelbe Würfel bringen, weil diese auf jeder zweiten Würfelseite einen Joker mitbringen? Oder brauche ich neue Kärtchen und Geld und würfle dafür lieber mit weißen Standardwürfeln, die das Augensymbol doppelt mitbringen?

Andere Würfelanordnung bei Roll for the galaxyHinzu kommt, dass der Glücksfaktor beim Würfeln sich, zumindest für uns, deutlich besser anfühlt als beim Kartenziehen. Vielleicht liegt es daran, dass man beim Schwenken und Umdrehen des Bechers wenigstens das Gefühl hat, etwas beeinflussen zu können – auch wenn man weiß, dass es natürlich nicht so ist: Vielleicht ist es aber auch wirklich nur ein Gefühl, weil man eben etwas mehr tut, als eine Karte zu ziehen.

Alles in allem eine wirklich großartige Ergänzung unserer Spielesammlung. Mit zwei kleinen Wermutstropfen. Erstens: Das Spiel ist bisher nicht auf deutsch erschienen und die englische Variante ist recht schwer zu ergattern und (Importversion) teuer. Zweitens: Wie schon das Kartenspiel ist auch Roll for the galaxy in einigen Komponenten nicht besonders hochwertig. Die Würfel sind nicht geprägt, sondern bedruckt, und bei einem Würfel löste sich ein Symbol bereits ab, bevor wir das Spiel zum ersten Mal gespielt hatten. Bei einem anderen Würfel ist eine Ecke etwas angeschlagen. Kein Drama, aber bei dem gehobenen Preis doch ein Ärgernis. Das aber durch den Spielspaß bisher voll aufgewogen wird.

Meeple zum Zählen des Kontostandes bei Roll for the galaxy

Blaubeer-Tarte

Fertige Blaubeer-TarteEin Rezept, das selbst schon eine Abwandlung ist, darf man doch sicher noch weiter abwandeln, dachte ich mir. Und habe mir die sehr verlockend aussehende Idee von transglobal pan party geschnappt und auf die aktuellen Vorräte in Kühlschrank und Gefriertruhe angepasst. Daraus entstanden ist eine vorzügliche Blaubeer-Tarte, die bei allen hier sehr gut ankam.

Man nehme…

  • für den Teig:
    • 200 g Mehl
    • 2 EL brauner Zucker
    • 100 g Butter (zimmerwarm)
    • 2 Eier
    • 1 Prise Salz
  • für die Füllung:
    • 125 g Zucker
    • 3 EL Vanillesirup
    • 2 Eier
    • 200 g Frischkäse
    • 150 g Crème fraîche
    • 1 EL Speisestärke
    • 500 g Blaubeeren (tiefgefroren)

Für den Teig das Mehl, den braunen Zucker, die Butter und das Salz verkneten (dabei entsteht noch kein glatter Teig, sondern grobe Streusel). Dann die Eier hinzugeben und zu einem glatten Teig verkneten und für etwa 30 bis 40 Minuten in den Kühlschrank stellen.

Blaubeertarte mit KaffekanneWenn er gut durchgekühlt ist, rollt man den Teig aus und legt ihn in eine mit Backpapier ausgelegte Springform. Den Rand mit Teigresten gleichmäßig hochziehen und den Teig mit einer Gabel mehrfach einstechen. Mit einem weiteren Backpapier sowie Erbsen oder ähnlichem beschweren und bei 180°C für 10 Minuten blinbacken. Danach die Einlage entfernen und weitere 5 Minuten backen. Achtung: Der Teig darf nicht zu dunkel werden.

Während der Teig im Ofen ist, schlagt ihr die Eier, den Zucker und den Vanillesirup für die Füllung auf, bis die Masse luftig und hell wird. Dann gebt ihr Frischkäse, Crème fraîche und Stärke dazu und verrührt alles zu einer glatten Crème.

Füllt die Blaubeeren auf den Boden und gießt die Füllung gleichmäßig darüber. Die Blaubeer-Tarte nochmal für 40 bis 50 Minuten bei 180°C in den Ofen schieben. Falls ihr nicht sicher seid, ob die Füllung schon fest ist, hilft die Stäbchenprobe.

Zusatztipps:

Damit der Rand nicht bricht, solltet ihr die Tarte auskühlen lassen, bevor ihr sie aus der Form löst.

Eine Deko aus Sahnetupfen und frischen Blaubeeren gibt dem Ganzen den richtigen Vorgeschmack auf den Sommer. Leeeeecker.

Guten Appetit!

Blaubeer-Tarte mit Dekoration aus Sahnetupfen und frischen Blaubeeren

Waffeln mit Erdbeeren und Vanilleeis (und Joghurt und Blumen)

Teller mit einer großen rechteckigen Waffel, Erdbeeren, Vanielleeis, Joghurt und einer DekoblüteDer Lieblingsmensch ist ein Waffelfan. Und auch andere Gäste hier verzichten lieber auf einen  Kuchen, wenn sie dafür Waffeln bekommen können. Am liebsten mit Erdbeeren und Vanilleeis und Joghurt und überhaupt.

Daher verrate ich euch heute das ultimative Waffelrezept dieses Haushalts. Die Kombinations- und Dekorationsvarianten sind selbstverständlich unendlich. Aber wenn es Erdbeeren gibt und ihr noch dazu so nette Schwestern habt wie ich eine habe, dann könnt ihr beim Servieren der Waffeln natürlich in die Vollen greifen und sie außerdem noch mit essbaren Blüten verzieren.

Man nehme:
4 Eier (trennen und das Eiweiß zu Schnee schlagen)
50 g Zucker
1 Pck. Vanillezucker
125 g Butter
20 ml Nusslikör
250 ml Milch
250 g Mehl

Und so geht’s:
Eigelb, Zucker, Vanillezucker und Butter gut miteinander aufschlagen, bis eine glatte Masse entstanden ist. Den Likör unterrühren. Dann immer abwechselnd Mehl und Milch dazugeben und gut verrühren. Wenn alle Zutaten zusammengerührt sind, schlagt ihr die ganze Masse nochmals gut auf, so dass der Teig hell und glänzend wird. Zuletzt hebt ihr den Eischnee vorsichtig unter.

Waffeln ausbacken und beim Auskühlen nicht übereinander legen, da sie sonst weich werden.

Nach Belieben mit Obst, Joghurt, Eis oder Dekoblüten (oder allem zusammen) dekorieren und zu einem guten Kaffee servieren.

Guten Appetit!

Waffel mit Erdbeeren und Vanille-Eis

Wildgänse im Vorgebirge

Wildgänse auf einer WieseJedes Jahr im Frühjahr machen auf der besonders gut gewässerten (und daher vermutlich besonders futterreichen) Rollrasenwiese um die Ecke diese niedlichen Reisevögel Rast auf ihrem Weg gen Norden. Von mir aus könnten sie gerne bleiben. Hach, was haben wir es schön hier.

Wildgänse auf einer Wiese, im Hintergund die Silhouette des am Berghang gelegenen Walberberg

Landgasthof: Details zum Schwärmen

Äpfel in einem Holzkorb, dazu Teller und Messer und die Zeitung vom Tag auf einem Tischchen mit einem Bastsessel

Neulich hatte ich das Glück, bei einer Dienstreise in einem Landgasthof übernachten zu dürfen. So ländlich war es zwar gar nicht, denn bis zur Erlangener Innenstadt waren es nur eine handvoll Kilometer. Aber die ganze Umgebung war einfach so wundervoll verträumt und detailreich, dass ich euch das nicht vorenthalten wollte.

Den Zeitungs-Apfel-Snack-Tisch habt ihr ja schon gesehen. Im Zimmer gab es dann eine Badewanne mit fröhlichem Ringelnatz-Zitat und …

Text auf den Badfließen: Die Badewanne prahlte sehr, sie hielt sich für das Mittelmeer. Joachim Ringelnatz

… piratentauglichem Quietsche-Entchen.

Quietsche-Entchen mit blauenm Kopftuch und Augenklappe

Mit dem hauseigenen Briefpapier und passendem Kugelschreiber, hätte ich sogar Briefe (also: echte, handschriftliche) schreiben können. Da es aber auch WLAN gab, habe ich mich für die elektronische Version entschieden. Aber allein zu wissen, ich könnte auch einen Brief verfassen (und an der Rezeption Briefmarken erstehen), war einfach… hach.

Briefpapier und Briefumschläge des Gasthofs

Nach einem Bergkirchweihbier (lecker)…

Bierglas vor Zimmerkulisse

…habe ich auf dem „Einkehr“-Kopfkissen (auf dem es natürlich auch die obligatorischen Schlaf-gut-Gummibärchen gab), ganz wunderbar geschlafen. Und beim Frühstück natürlich nicht nur Marmelade (schmeckte hausgemacht) probiert, sondern auch den hausgemachten Schinken.

Kopfkissen, in dessen linke obere Ecke in hellblau "Zur Einkehr" gestickt ist

Landgasthof: Kann ich empfehlen.

 

Whisky Fair in Limburg 2015

Wie schon erwähnt, waren wir auch in diesem Jahr – fast kann man schon sagen: traditioneller Weise – bei der Whisky Fair in Limburg. Wie eigentlich in jedem Jahr war das Wetter ganz wundervoll. Etwas neu war, dass eine Kollegin und ich bei der Pusteblume (dem Springbrunnen vor der Stadthalle) ein kleines Outdoor-Office eingerichtet hatten, um die Einsatzkommunikation nach dem Erdbeben in Nepal zu koordinieren.

Springbrunnen in Form einer Pusteblume

Dabei haben wir aber Erkenntnis gewonnen, die sich in den kommenden Jahren durchaus zu wiederholen lohnt: Rund um die Pusteblume kann man ganz wunderbar Whisky trinken und da die tausend Gerüche der Nachbarflaschen wegfallen, kann man auch nach dem vierten oder fünften Dram noch unterscheiden, was man sich da gerade für ein Schätzchen im Glas geangelt hat.

Doppelter Red Breat 15 Jahre in einem Glas vor die Pusteblume gehalten

A propos Schätzchen: Von Jahr zu Jahr wird die Auswahl an japanischen Whiskys größer und leckerer. Der Lieblingsmensch lernt ja japanisch, aber nicht nur deshalb haben wir durchaus einen Hang zu den fernöpstlichen Destillaten entwickelt. Vor allem die Details faszinieren, denn da schmeckt man durchaus andere Nuancen und wenn man es sich lang genug vorstellt, auch sowas wie Mandeln und Lotosblüte. Hach.

Mehrere japanische Whiskys in unterschiedlich geformten Flaschen nebeneinander

Akashi, 15 Jahre, white oakBesonders gefallen hat uns dieser 15-jährige Akashi. Mit dem kann man es aushalten.

Auch großartig (und hier muss man schon sagen: mal wieder, denn ein Geheimtipp ist das schon lange nicht mehr) war es bei Riegger. Die finden einfach immer richtig gute Whiskys und die Fässer, die aus einem guten einen außergewöhnlichen Whisky machen. Da gab es zum Beispiel einen Deanston von 1992, der vor allem grün schmeckt, ein bisschen nach Pfeffer und Holz. Im Abgang auch ein wenig süß. Klasse. Noch besser gefiel mir der vanille-honig-karamell-birnen-süße Eagle of Spey Christmas Eve-Bottling, den ich wirklich wunderbar rund und süß und malzig und fruchtig und lecker fand. Gekauft haben wir aber Rieggers 20 Jahre alten Mortlach, der zwar Fassstärke hat, aber trotzdem weich und rund und voll und fruchtig schmeckt.

Eine sehr, also wirklich seeehr leckere Erfahrung war dieser Laphroig.

Laphroig Cairdeas 1815Viel fruchtiger als die Distillerie-Abfüllung, ein bisschen nussig und nach dem Torf kommt Schokomousse. Hammer.

Übrigens sind wir dieses Mal zum ersten Mal nicht mit dem ICE gefahren (weil: Streckensperrung wegen Baustelle) und das langsame Gondeln mit der Regionalbahn durchs Lahntal hat durchaus auch was für sich. So, wie wir finden, dass es was für sich hat, sich den knallevollen Samstag zu schenken und die Sonntagsstimmung mit etwas mehr Platz und Zeit zum Klönen und Fachsimpeln und exotische Etiketten bewundern zu genießen.

Daher kriegt ihr jetzt einfach noch ein paar Eindrücke aus der Messehalle und von unterwegs. Das schreit alles nach Wiederholung.

Zwei Flaschen eines sehr dunklen zehnjährigen Auchentoshan

Black Adder-Flasche mit lustigem Frosch auf dem EtikettFlasche eines 22 Jahre alten GlenrothesTheke mit Flaschen, die zum Probieren geöffnet wurdenAufgereihte Flaschen verschiedener Distillen in ihren schön gestalteten KartonsRapsfeld im Lahntal durch das Zugfenster fotografiertBlick auf die Lahn mit BootenBlick auf die Lahn und die bewaldeten Hügel drumherum

Vertrauensvorschuss

Über den Bahnstreik kann man sich als Pendler wunderbar ärgern. Manchmal bringt so etwas aber auch ganz unerwartete Erkenntnisse. So wie beim letzten (kurzen) Streik vor knapp zwei Woche. Ich war mit dem Auto auf dem Heimweg (nur vom Park-and-Ride-Parkplatz an der Straßenbahnlinie zwei Orte weiter; an solchen Tagen mit dem Auto in die Stadt zu fahren, ist noch wahnsinniger als sowieso schon). Da der Frühling so bunt, die Blüten der Bäume so bezaubernd und die Vögelgesänge so fröhlich waren, überkam mich beim Eiscafé im Nachbarort die spontane Lust, dem Lieblingsmenschen und mir ein etwas anderes Abendessen zu bescheren und Eis mitzubringen.

Ich ging also voller Vorfreude in die Eisdiele, bestellte, kramte mein Portemonnaie heraus – und stellte fest, dass ich ja tagsüber mehrfach bar bezahlt hatte und daher nicht mehr genug Bargeld dabei hatte. Mit Karte zahlen kann man dort nicht. Also sagte ich dem freundlichen italienischen Eiskünstler, er solle die zweite Kombi weglassen, dafür habe ich nicht mehr genug Geld dabei.

Der nette Herr lächelte breit und sagte: Kein Problem, Signorina. Sie können ein anderes Mal bezahlen. Als ich protestierte, schuf er einfach Fakten, indem er die Lieblingseissorten des Lieblingsmenschen schwungvoll in einen Becher beförderte und eine Eiswaffel darauf legte.

Ich protestierte wieder und erntete das breiteste Lächeln, das ich seit langem gesehen habe. Das Eis wurde mir über die Theke gereicht und nochmals betont, dass es nicht eile mit dem Bezahlen, ich solle das einfach irgendwann nachholen.

Nun ist es nicht so, dass ich dort Stammkundin wäre. Ich bin letztes Jahr maximal zweimal dort gewesen und in diesem Jahr noch gar nicht. Ich bin ziemlich sicher, dass der Inhaber sich nicht an mich erinnert hat. Und doch schenkte er mir seine Fröhlichkeit, sein Vertrauen und (erstmal) sein Eis.

Ich habe aus dem nächstgelegenen Automaten neues Bargeld gezogen und ihm noch am selben Abend vorbeigebracht. Ich erntete Unverständnis und Protest, ich hätte ihn ruhig ernst nehmen und irgendwann bezahlen sollen. Fast war der nette Herr beleidigt, dass ich so kurze Zeit später schon wieder da war. Und mein Trinkgeld nahm er auch nur unter lautem Schimpfen und Kopfschütteln an.

Ganz ehrlich: So etwas habe ich in dieser Form noch nie erlebt. Und da das Eis dort auch noch wirklich lecker schmeckt, mache ich hier mal unverschämt Werbung für den freundlichen Service und das nette Lächeln und das unerwartete Vertrauen: Geht also alle zum Matteo Boccuzzi Eiscafé in Wessling. Und wenn ihr da seid, bestellt einen riesigen Eisbecher oder so viele Kugeln, wie auf eine Eiswaffel passen, lächelt den Inhaber besonders freundlich an, und bezahlt gleich. Das hat er mehr als verdient.

Abbaye de Beauport: Raum für Ruhe und Träume

Eingangsbereich der Abbaye de BeauportHier geht es gerade ziemlich rund. Was liegt da näher, als am Feierabend ein wenig Ruhe zu tanken und zu träumen. Daher nehme ich euch heute mal mit in ein verfallenes Gemäuer. Warum? Darum.

Nur eine Ruine? Wer so denkt, ist bei der Abbaye de Beauport falsch. Denn Ruine stimmt zwar, aber „nur“ ist definitiv verkehrt. Die alte Prämonstratenserabtei in der Nähe von Paimpol liegt direkt am Meer und lädt mit ihren alten Mauern, den zahlreichen verwunschenen Ecken, den vielen überraschenden Perspektiven und einigen überraschend gut erhaltenen Räumen ein, tief einzutauchen in Ruhe und Frieden und Träume.

Einiges über die Geschichte des Klosters, dessen Ursprünge im 13. Jahrhundert liegen, könnt ihr in der Wikipedia oder andernorts nachlesen. Auch auf den Seiten der Abtei können die französischsprachigen Menschen unter euch sich über die Geschichte des Ortes schlau machen.

Von vielen Gebäuden sind nur die Grundmauern übriggeblieben, die von Efeu und anderen Pflanzen bewachsen sindIch will euch heute kein Referat halten, sondern ein wenig schwärmen von Orten, die mir mehr vermitteln als nur das Gefühl, einen kulturell wertvollen Ort zu besichtigen. Es gibt Orte, die regen meine Phantasie an, bringen mich zum Träumen, sprechen mich auf einer Ebene an, die über die Wissensebene hinausgeht. In Beauport (was übersetzt „schöner Hafen“ bedeutet), ist das so.

Alte Treppe, auf der lila blühende Lupinen wachsenWer zwischen den zerfallenen Mauern wandelt, den erwartet hinter jeder Ecke eine neue Perspektive. Ja richtig, wer wandelt. Denn nur entlanglaufen kann man hier eigentlich gar nicht. Man muss ständig stehen bleiben, nach oben schauen, wo die Mauern in unregelmäßigen Formen enden, nach unten schauen, wo alte Grabplatten von Äbten, alte Ecksteine eines Brunnens, zwei turtelnde Schmetterlinge oder andere Schönheiten die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich ziehen wollen. Wer also hier wandelt, der kann mit allen Sinnen eintauchen in diesen Ort, der entdeckt alle paar Schritte neue Blüten und Pflanzen, neue Details, die kunstvolle Hände vor Jahrhunderten in Stein gehauen haben; der hört aber auch, wie der Wind das Rauschen der Wellen aus der nahen Bucht heranträgt, oder lauscht dem Brummen von Hummeln oder dem Zwitschern von Vögeln, die man zwischen den Blättern der Bäume nicht immer sofort sehen kann. An sonnigen Tagen riecht es nach Blütenduft und Gras, an nebligen Tagen nach Erde und Moos und Salz in der Luft.

In Stein gehauene Blume in der Abbaye de BeauportDie ganze Atmosphäre strahlt Ruhe aus – sogar, wenn gleichzeitig dutzende andere Touristen den Reiz der Abbaye entdecken wollen. Wer sich gestört fühlt von einer Busgruppe, muss sich nur in den Schatten zurückziehen oder auf einer der alten Stufen warten, bis die eiligen Besucher wieder in Richtung Besucherzentrum strömen.

Abgesehen von den eiligen Vorbeistürmern herrscht hier also Ruhe. Und das auf eine so unaufdringliche Art, dass man einen Eindruck davon gewinnt, warum gerade Mönche hier ihre Zelte aufgeschlagen haben.

An Orten wie diesen herrscht für mich ein ganz besonderer Zauber. Ich glaube, er liegt nicht nur in der Schönheit der Landschaft, sondern auch in der Tatsache begründet, dass hier hunderte Menschen gelebt haben, von denen wir kaum etwas wissen. Und trotzdem haben sie ihre Spuren hinterlassen, die uns einen Einblick in ihre Leben geben, in das, was ihnen wichtig war, in ihren Alltag und ihre Spiritualität.

Dass das Meer so nah ist (und das Meer hat ja für mich immer einen ganz besonderen Reiz) ist ein zusätzlicher Pluspunkt. Ich freue mich schon auf den nächsten Besuch.Ein von einem romanischen Gewölbe getragener Saal der Abbaye de Beauport

Von Warn überwucherter Grabstein in der Abtei von Beauport

Blick auf die Bucht von Beauport