Archiv des Autors: Frau ArGueveur

Himbeer-Joghurt-Crème

Der Sommer ist bei mir eher backofenfrei. Vor allem, wenn es so oft so heiß ist wie in diesem Jahr. Mitbringen zu diversen Grilleinladungen will ich aber trotzdem was. Und da alle bei mir immer Desserts bestellen, gab es diesmal eine Himbeer-Crème. Und weil sie so gut ankam und ich nicht jedem das Rezept mailen wollte, schreibe ich es einfach für euch (und für mich zum Wiederfinden 🙂 ) auf.

Himbeer-Joghurt-Crème in einer Glasschale geschichtet

Für die Crème:
500 g Mascarpone
350 g Naturjoghurt
200 g Sahne
100 g Zucker
1 Päckchen Vanillezucker

Für die Himbeer-Schicht:
500 g Himbeeren
50 g Zucker

Mascarpone mit Joghurt und Zucker gut verrühren, Sahne schlagen und unterheben. Himbeeren pürieren, wer will kann sie auch durch ein Sieb passieren, dann mit Zucker verrühren.

Das Ganze schichtweise in kleine Gläser oder eine große Schale füllen, nach Wunsch dekorieren. Guten Appetit!

Geheimtipp für Liebhaber ehrlicher französischer Küche

Blick auf den Ortsteil Penhors in Pouldreuzic im Finistère

In Penhors, dem kleinen, äußerst charmanten Ortsteil von Pouldreuzic gibt es nicht nur eine sehr schöne Kapelle mit bewegter Geschichte, sondern auch die Möglichkeit, einfach, aber sehr authentisch und lecker zu speisen.Fassade des Restaurants Ar Men mit blauem Wandbild von Meer, Möwen und Leuchtturm

Das Restaurant Ar Men an der Rue du Port kann man trotz der leuchtenden Farben an der Fassade leicht übersehen. Der Nachbar ein paar hundert Meter weiter, ein großes Hotel mit Restaurant, wirbt mit Fahnen und Schildern und einer großen Anlage.

Schiefertafel am Straßenrand, die darauf hinweist, dass geöffnet ist ("Ouvert le midi")Auf die Möglichkeit, mittags im Ar Men zu essen, macht nur eine kleine schwarze Schiefertafel am Straßenrand aufmerksam. Dass es sich lohnt, hier nicht nur am Wochenende während des à la carte-Betriebs zu speisen, kann man allenfalls an der großen Zahl von Kleinlastern, Minibussen und anderen handwerkertypischen Fahrzeugen erkennen, die in der Nähe des kleinen Restaurants am Straßenrand parken.

Weil wir hungrig waren und Lust auf etwas Neues hatten – und weil der Blick über die Terasse in Richtung Meer einfach reizvoll aussah – haben wir im Frühsommer kurzentschlossen angehalten und sind hineinspaziert.

Wie erwartet, waren viele Tische gefüllt mit Handwerkern in staubigen Klamotten und Sicherheitsschuhen. Am Nachbartisch saß ein älteres Ehepaar, das wohl ähnlich neugierig war wie wir, ansonsten nur Freunde des Hauses, die herzlich geduzt wurden. Doch auch wir als Neulinge bekamen die selbe freundliche, ja fast schon familiäre Behandlung von der fröhlichen Kellnerin wie die Stammgäste.

Das Menü war nicht besonders ausgefallen: Assiette de crudités – Jambon-frites oder Sot-l’y-laisse-riz – tarte aux abricots oder Joghurt. Dazu auf Wunsch einen offenen Rotwein. Alles einfache, aber dafür sehr französische und vor allem alltägliche Gerichte. Dinge, die ich zum Beispiel bei meiner Freundin Annemarie zu Hause am Wochenende kosten durfte, die vermutlich jedes französische Kind kennt und die es auch in der WG-Küche im Wohnheim auf zwei Kochplatten und einem Backofen gegeben hat. Und das allerbeste: Alles frisch, selbstgemacht und sehr, sehr lecker. Auch der offene Wein war ein Gedicht. Das Baguette, das dazu gereicht wurde, keine Null-acht-fünfzehn-Supermarktware, sondern frisch und kross und verführerisch. Wir saßen da, aßen langsam und genießerisch, schauten aus dem Fenster und betrachteten das Meer gegenüber. Großartig.Blick über ein Feld, auf dem Strohballen liegen und das ans Meer angrenzt

Also: Falls ihr in der Gegend seid und gut essen wollt, haltet am Ar Men. Und lasst mich gerne wissen, was das aktuelle Tagesmenü war. Wir werden sicher wieder dort Station machen.Blick auf die Terasse des Restaurants Ar Men in Penhors bei Pouldreuzic

 

Links gegen das Schweigen II

Teil zwei dieser Linksammlung.

Nicht mehr schweigen bei Hass und Gewalt. Position beziehen, meine Haltung offen sagen. Aber oft fehlen mir im Moment die Worte. Kann ich gar nicht so schnell analysieren, einordnen, deutlich machen, wie rassistische Äußerungen und Taten mich sprachlos zurücklassen. Anderen gelingt das besser. Daher werde ich euch nun immer wieder Links gegen das Schweigen weitergeben. Wenn ihr auch welche habt: gerne in den Kommentaren.

Wie ausländerfeindliche Äußerungen einzelne Projekte und in der Folge ganze Gemeinschaften und unsere Gesellschaft verändern, erzählt, am Beispiel eines Kaufhauses in Görlitz, dieser lange Text der Krautreporter.

Und in der Zeit geht es noch einmal (fast bin ich versucht zu sagen: endlich) um den Umgang mit Begriffen wie „Asylkritiker“ und „besorgter Bürger“.

Die Maskerade des „Asylkritikers“ ist der Versuch, Ausländerfeindlichkeit zur legitimen Diskursposition zu erheben, eine Position in die Öffentlichkeit einzuführen und ihre Ideologie zu camouflieren. […] Wenn man bei den „Patriotischen Europäern gegen die Islamisierung des Abendlandes“ im Zweifelsfall nicht immer bestimmen konnte, wo ihre Mitglieder politisch einzeln stehen mochten, so lässt sich das bei „Asylkritikern“ besser markieren: auf der Seite des Ressentiments und dem Gutheißen von Gewalt, sofern sie nicht selbst welche ausüben.

In der taz gab es bereits im Frühjahr ein bewegendes Multimediadossier zum Thema Flucht. Den Link habe ich damals bei den Herzdamengeschichten gefunden. Und nein, das ist keinesfalls veraltet, das könnt ihr (leider) alles immer noch lesen.

Pro Asyl hat gängige Vorurteile gegen Flüchtlinge in Deutschland zusammengetragen und liefert die passenden Antworten (und die richtigen Informationen) direkt mit. Ein Beispiel:

„Egoisten sagen: »Wir können doch nicht alle Probleme dieser Welt lösen.«
Richtig ist: Wir sind mitverantwortlich für die Bedingungen, die Menschen in die Flucht treiben.“

Mit einem oft bemühten Vorurteil („So schlecht kann es denen ja gar nicht gehen, die haben ja Handys“) und dem, was es bedeutet, nicht mehr zu haben als dieses Handy, mit dem man in Kontakt bleiben kann mit denen, die zurückbleiben mussten, hat sich das Migazin bereits im Juni beschäftigt.

Und einen Überblick über die Lage in Frankfurt und darüber, wie die Kritische Theorie der Frankfurter Schule auf Pegida-Äußerungen angewandt werden kann, gibt dieser Text in der Frankfurter Neuen Presse:

„Ebenfalls an „negative Dialektik“ gemahnt es, wenn auch diejenigen unter den Pegida-Anhängern, die sich selbst als gute Christen darstellen, also der Nächstenliebe verpflichtet sein sollten, von „Wirtschaftsflüchtlingen“ sprechen in einem abfälligem Ton, als handele es sich formaljuristisch um kriminelle Subjekte und nicht um Menschen, die aus armen Gegenden der Welt hierher fliehen. Weil sie auch gerne leben möchten mit all den alltäglichen materiellen und immateriellen Annehmlichkeiten der demokratischen Industrieländer, die so manche kaum noch bewusst wahrnehmen, geschweige denn zu würdigen wissen, sie aber dennoch offenbar nicht mit anderen teilen wollen.“

Um auch dieses Mal mit etwas Hoffnungsvollem zu enden: Zwei Willkommenaktionen zum Mitmachen.

Clafoutis mit Pfirsich und Lavendel

Bei Aurélie von franzoesischkochen.de habe ich kürzlich dieses Rezept gefunden. Weil es so heiß war, hatte ich aber meistens kein besonders ausgeprägtes Backverlangen. Aber heute war es endlich so weit und was soll ich sagen: leeeeeeeeecker.Clafoutis mit Weinbergpfirsichen in einer roten Auflaufschale

Ich habe das Clafoutis-Rezept ein wenig angepasst, daher schreibe ich es euch in meiner Variante nochmal auf.

Man  nehme:

4 Weinberg-Pfirsiche
2 Eier (Größe M)
60 g Buchweizenmehl
40 g Weizenmehl
40 g Zucker
200 ml Milch
1 EL getrockneten Lavendel

Clafoutis mit Weinbergpfirichen noch ohne Puderzuckerdeko

So wird’s gemacht:

Die Milch mit dem Lavendel zu Kochen bringen, vom Herd nehmen und 5 Minuten ziehen lassen.

In der Zwischenzeit die Eier mit dem Zucker und dem Mehl aufschlagen, bis die Masse hell geworden ist.

Dann die Lavendelmilch durch ein Sieb hinzugießen (um den Lavendel herauszufiltern) und alles zu einem glatten Teig verrühren.

Die Pfirsiche halbieren, die Kerne entnehmen und mit der runden Seite nach oben in eine gebutterte Backform setzen. Den Clafoutis-Teig vorsichtig darübergeben und das Ganze für ca. 15 – 20 Minuten bei 190°C backen.

Nach dem Abkühlen den kleinen französischen Kuchen mit etwas Puderzucker dekorieren. Schmeckt auch lauwarm ganz wundervoll.

Bon appétit.Rand der Auflaufform mit etwas Clafoutis, Pfirsichen und Puderzucker

Baguette à la Plötzblog

Da verlinke ich neulich das Plötzblog und moppere rum, dass es hier nirgendwo gutes Baguette gibt. Und was macht der Lieblingsmensch? Backt wundervolles Baguette. Ich habe immer noch lauter kleine Herzchen in den Pupillen. Soooooo großartig.Baguette auf dem Esstisch

Baguette, das wirklich wie welches schmeckt. Mit einer knusprigen Kruste, innen aber trotzdem fluffig und nicht trocken. Das wie Bagutte riecht und genau den richtigen Sound macht, wenn man ein Stück abbricht. Das pur am besten schmeckt, aber auch mit etwas salziger Butter oder Ziegenkäse zum Salat brilliert.Aufgeschnittenes Baguette

Und weil wir kein 1050-er Mehl da hatten und weil der Göttergatte das Spätzlemehl in das Glas mit der Aufschrift Weizenmehl 550 gefüllt hatte aus irgendeinem unbekannten Grund daher ein Teil Instant-Mehl seinen Weg in das Brot gefunden hat, steht die zweite Fuhre – dieses Mal mit korrekter Mehlmischung – bereits zum Gehen im Kühlschrank.

Und so werden wir diese Woche gleich zweimal großartiges, leckeres, echtes Baguette genießen. Hach. <3 <3 <3

Nicht nur „Gegner“

Zurzeit stehe ich oft völlig verständnislos da. Ich kann es nicht fassen, wie schnell Vorurteile und Vorverurteilungen, Rassismus und Hass salonfähig geworden sind. Wie normal es erscheint, dass Flüchtlinge hier in Deutschland nicht willkommen geheißen, sondern abgelehnt und angegriffen werden. Und mindestens genausowenig kann ich begreifen, warum genau diese um sich greifende Gewalt nicht zu einem Aufschrei in unserer Gesellschaft führt.

„Die Zahl der Flüchtlinge schürt natürlich auch Ressentiments“ höre ich da in der Aktuellen Stunde. Natürlich? Wieso ist das natürlich? Ich finde das absolut unnatürlich, dass das Leid von Menschen Ressentiments hervorruft. Und bin konsterniert, dass Journalisten gerade in einer solchen Situation nicht bewusster mit Sprache umgehen.

Ich will nicht mehr schweigen. Ich will klar sagen, dass ich den Hass unerträglich finde. Und daher verlinke ich euch heute hier einige Texte, die ich in den vergangenen Tagen und Wochen zum Thema gelesen und geschätzt habe.

Stefan Niggemeier veröffentlicht auf seinem Blog einen Text von Ulrich Wolf, der zuerst in Communicatio Socialis erschien und der von der Situation bei Pegida-Demonstrationen in Dresden und der Veränderung des gesellschaftlichen Klimas berichtet. Häkelmütze im Pegida-Land:

„Dabei scheuen sich immer weniger Menschen, unter Klarnamen ihre Ressentiments kundzutun: „Hauptsache, der Dreck verschwindet von unseren Straßen. Wie, ist mir mittlerweile egal.“ – „Können wir nicht mal einen Lkw voll mit solchen Fach-Sexkräften im Regierungsviertel abladen?“ „Ich würde dem die Eier so zerschmettern, dass er nie wieder eine Frau anschaut.“ „Schmeißt die Arschlöcher raus aus Deutschland!“ Offenbar gilt nun: Durfte in der DDR kaum jemand sagen, was er denkt, so darf seit Pegida jeder alles sagen, ohne dabei zu denken.“

Nachrichtenmeldungen, in denen von Anschlägen auf Flüchtlinge und Flüchtlingseinrichtungen berichtet wird, verlinke ich euch nicht. Aber diese Karte zeigt eindrücklich, dass es dabei nicht mehr um einzelne Vorkommnisse geht. Wie erschreckend nicht nur jeder einzelne Angriff ist, sondern auch die Dimension.

Und was sagt die Politik? Zum Beispiel unser Innenminister? Nichts. Rein gar nichts:

„Nichts zu sagen spricht Bände. Es bedeutet, dass er sich als Innenminister nicht zuständig fühlt für die Sicherheit von Flüchtlingen. Obwohl es sich bei ihnen um Menschen handelt. Er, der nicht müde wird, vor dem islamistischen Terror zu warnen und sich in einer Tour solidarisch zeigt mit Tunesien, Frankreich oder anderen Orten, an denen Islamisten Attentate verüben. Wenn aber bei ihm zu Hause die in Deutschland lebenden Menschen akut bedroht werden, schweigt er.“

Andere versuchen, Worte zu finden. Den Menschen, die Angst haben, mit Argumenten zu antworten. Caroline Mohr zum Beispiel. Ihr Antwort an eine „besorgte Bürgerin“ ist lesenwert bis zum Schluss.

Auch und gerade weil ich voll unterschreibe, was Raul Krathausen über „besorgte Bürger“ sagt:

Es gibt nur drei Sachen, die schlimmer sind, als Nazis vor Flüchtlingsheimen: Verantwortliche, Medien und Politiker, die Verständnis für die sog. „besorgten Bürger“ haben. Alleine das Wort „besorgte Bürger“ ist eine furchtbare Verharmlosung. Wir sollten wegen der Nazis besorgte Bürger sein, nicht wegen der Hilfesuchenden!!!11elf!

Und nicht nur dieser Begroff ist verharmlosend. Sascha Lobo hat das in den vergangenen Worten mehrfach deutlich aufgezeigt. Hier zum Beispiel:

Diese neo-nationalistische Anbiederung wird begleitet von einem medialen Appeasement. In vielen redaktionellen Medien ist bezogen auf Freital von „Asylgegnern“ die Rede. „Asylgegner“ aber ist hier ein gefährlicher Euphemismus, eine Verharmlosung rassistischer Gewalt.

Und hier nocheinmal: Attacken auf Flüchtlingsheime: Nennt sie endlich Terroristen!

Auch Maximilian Popp benennt die Attacken (auch auf SPON) als das, was sie sind: Terrorismus.

Und plötzlich kann sogar eine bekennende Til-Schweiger-Ignorantin wie ich diesen Text unterschreiben. Lest übrigens auch unbedingt die dort verlinkten klugen Texte rund um Reem und #merkelstreichelt.

Um dem allem zum Schluss noch eine andere Perspektive entgegenzusetzen, empfehle ich euch dieses Tumblr von Martin Gommel. Er portraitiert dort Flüchtlinge. In Deutschland. Im Kosovo. Schaut euch die Fotos an. Lasst sie auf euch wirken. Und überlegt dabei, ob die Worte „nur ein Wirtschaftsflüchtling“ für euch eine andere Bedeutung bekommen.

 

Chapelle Notre-Dame de Penhors

Chapelle Notre-Dame de Penhors mit Eingangstorbogen von außenDie Chapelle Notre-Dame de Penhors steht direkt am Atlantik in Pouldreuzic, mitten im Pays Bigouden. Der bekannte bretonische Autor Pierre-Jakez Hélias beschreibt sie in seinen Erinnerungen Le Cheval d’orgueil so:

Et enfin, il y a notre chapelle a nous, Notre-Dame de Penhors, Son Grand Pardon est le sommet de notre vie religieuse. C’est aussi notre orgueil, car il réunit und telle foule d’étrangers au pays qu’il faut bien que notre Vierge soit une des plus puissantes parmi les dames de cieux. […] Au treizième siècle, il y avait déjà une chapelle à cet endroit. Elle a été maintes fois remaniée, aggrandie, frappée de la foudre, mais la Vierge a tenu bon.

Und schließlich gibt es da unsere Kapelle, Notre-Dame de Penhors, ihre große Wallfahrt bildet den Höhepunkt unseres religiösen Lebens. Sie ist unser ganzer Stolz, denn zur Wallfahrt versammeln sich so viele Fremde hier in der Gegend, dass unsere Muttergottes eine der stärksten im Himmelreich sein muss. […] Schon im 13. Jahrhundert stand an diesem Ort eine Kapelle. Sie ist unzählige Male umgebaut, vergrößert, vom Blitz getroffen worden, aber die Muttergottesstatue hat allem standgehalten.

In diesem Jahr waren wir erstmals dort und mochten den Ort sofort. Sowohl von außen…Außenanlage der Chapelle Notre-Dame de Penhors mit NatursteinmauerCalvairkreuz vor der Chapelle Notre-Dame in Penhors
… als auch von innen.Marienstatue, Notre Dame de PenhorsPieta aus Holz in einer Nische der Chapelle Notre-Dame de Penhors in PouldreuzicAltarbild (Detail) aus dem Hauptaltar der Chapelle Notre-Dame de Penhors in Pouldreuzic

Ein Blick in Richtung Decke ist ebenfalls lohnenswert.Holzbalken unter der Decke der Chapelle Notre-Dame de Penhors mit viel kleeblattförnigen Aussparungen als Verzierung Glocke an einem Holzbalken unter dem Dach der Chapelle Notre-Dame de Penhors in Pouldreuzic

Auch der Blick auf den direkt angrenzenden Strand sowie die Bucht mit dem Phare d’Eckmühl an ihrem östlichen Ende ist ganz bezaubernd.Strand gegenüber der Chapelle Notre-Dame de Penhors Die Bucht von Penhors mit Blick auf den Phare d'Eckmühl am östlichen Ende der Bucht

Ganz besonders anrührend fand ich die Geschichte dieses Segelboot-Modells. Gebaut wurde es von einem Fischer aus der Nähe von Penmarc’h, der es, gemeinsam mit einigen Freunden, während des großen Pardons zur Notre-Dame de Penhors auf den Schultern durch die Bucht getragen hat. Dass wir diese Geschichte heute noch nachlesen können – auch das verrät uns eine Inschrift in der Kapelle – verdanken wir der Familie, bei der besagter Fischer während der deutschen Belagerung im Zweiten Weltkrieg seine Butter holte.

Solche Schilderungen gehen mir immer sehr ans Herz. Ich freue mich zum einen über die aufbewahrten Gegenstände wie hier das Boot, aber mindestens genauso sehr über die liebevoll weitergegebenen Geschichten über die dazugehörigen Menschen und das, was sie mit den Dingen verbinden.Modell eines Segelschiffs auf einem Wallfahrtsgestell in der Chapelle Notre Dame de Penhors in Pouldreuzic

Einkaufen wie Gott in Frankreich – Teil 2

Wochenende, üsseliges Wetter (aka Sturm, so dass man nicht mal die schwüle Luft ordentlich rauswehen lassen kann). Und einkaufen waren wir auch. Gegen den Doofe-Sachen-Overkill hilt – eine Urlaubserinnerng (ja, da müsst ihr jetzt durch).

Einer der ersten Eindrücke, wenn wir in Frankreich sind, ist jedes Mal wieder die Auswahl beim Einkaufen. Was mich am meisten beeindruckt ist dabei gar nicht die Quantität, sondern die Qualität der Produkte. Schon Dinge, die in Frankreich als durchschnittlich gelten, sind oft besser als das, was man in Deutschland als Qualitätsprodukt angepriesen bekommt.

Der einfachste Coulommier schmeckt vielfältiger als jeder hochklassige „Weichkäse“ in deutschen Regalen. In der Frischetheke gibt es Blätterteigtaschen zum gleich essen oder aufbacken. Da steht aber nichts von künstlichen Inhaltsstoffen, sondern mehr von frischen Kräutern und frischem Gemüse, verbunden mit dem Hinweis, man solle die kleinen Teilchen maximal zwei Tage aufheben (länger muss man ja auch nicht – es gibt ja jeden Tag frischen Nachschub).

Und das ist nur das Angebot im Supermarkt. Von den köstlichen Brathähnchen (Bio, freilaufend, was denn sonst) habe ich euch ja schon letztes Jahr erzählt. Auf dem Wochenmarkt (der außerhalb der Saison – und Ende Mai bis Mitte Juni ist an der Côte des légendes außerhalb der Saison – aus nur 5 Ständen besteht und im Prinzip einzig und allein auf die Bedürfnisse der Einheimischen ausgerichtet ist) gibt es beim Gemüsehändler krumme und schiefe, dafür aber super aromatische „tomates d’autrefois“, Tomaten wie früher, aus dem Nachbarort und Artischocken, die so groß sind, dass man damit eine ganze Familie verköstigen kann. Die wachsen hier so, das haben wir im Garten der Nachbarn gesehen.

Selbstverständlich kann man die kleinen Melonen (auch aus der Region – in der Bretagne gedeihen schließlich auch Palmen ganz ausgezeichnet) vorher probieren und bekommt zu den Radieschen, die in allen Farben zwischen gelb, weiß und rot strahlen, Tipps, welche wie schmecken und wozu sie am besten passen (nur die kallroten sind erst frisch und dann scharf und passen gut zu Ziegenfrischkäse, die anderen sind unterschiedlich mild und unterschiedlich knackig und super in Salaten oder zu frischer pâté mit mildem Senf).

Bund Radieschen in gelb, weiß, rosa, rot und violett

Beim Bäcker gibt es Baguette, das diesen Namen auch verdient. Egal ob klassisch oder traditionell (mit Sauerteig und Roggenmehl), es schmeckt einfach wunderbar. Genauso wie die selbstgebackenen Palets, die petits fours und natürlich die Croissants.

Dabei frage ich mich jedes Mal wieder, warum deutsche Bäcker einfach keine Croissants hinkriegen. Die Rezepte sind doch bekannt und die richtigen Werkzeuge gibt es doch auch. Warum also schmecken Croissants in Deutschland entweder wie Pappe oder wie mit Butter zusammengepresste Krümelwüsten? Und was ist so schwierig daran, echte Baguettes zu backen? Französische Bäcker und Fabriken haben doch keine geheimen Wunderzutaten, die niemand kennt und die es nirgends sonst zu kaufen gäbe. (Immerhin kriege ich ja zu Hause selbst Baguettes hin, die den Namen auch verdienen und nicht zuletzt der Plötzblog zeigt, dass das auch kein Hexenwerk sein muss, wohl aber sein kann 🙂 ).

Letzte Amtshandlung jedes Frankreichaufenthalts (vor der obligatorischen letzten langen Unterhaltung mit dem Meer und dem Wind) ist daher unbedingt das Einkaufen.

Protipp: Besorgt euch eine gute Kühltasche. Spätestens beim Auspacken und dem ersten, improvisierten Essen nach der Rückkehr hat das Ding sich tausendfach bezahlt gemacht.

tl; dr:
Einkaufen in Frankreich ist himmlich. Deutsche Bäcker können vieles gut, aber weder Croissants noch Baguettes. Eine Kühltasche ist ein wichtiges Stück Reisegepäck. Aus Gründen.

Patchwork: Ein Spiel für zwei

Flicken, die den Rahmen für das Zwei-Spieler-Spiel Patchwork bilden

Die Nähmaschine und ich, wir werden in diesem Leben keine besten Freunde mehr. Aber hin und wieder finden wir zusammen und dann entstehen durchaus nette Dinge. Ganz ähnlich ist es bei Patchwork. Zu zweit balgt man sich um die besten (weil passendsten und wertvollsten) Flicken und „näht“ diese so auf den eigenen Spielplan, dass möglichst wenig freie Felder übrigbleiben. Gelingt es uns sogar, ein genau sieben mal sieben Felder großes Stück unseres Spielplans auszufüllen, bekommen wir zusätzliche Knöpfe und damit Siegpunkte.Spielplan eines Patchwork-Spielers, in den bereits zahlreiche Flicken eingebaut wurden

Klingt irgendwie einfach? Ist es auch. Zu Beginn liegen die Stoffreste mit vielen oder wenigen Knöpfen in einem großen Kreis auf dem Tisch. Wir ziehen so weit, wie wir wollen und nehmen das entsprechende Teil – solange wir es bezahlen können. Denn Flicken kosten entweder Zeit oder Geld in Form von Knöpfen oder beides. Das Teil, das man so erwirbt, muss man sofort auf seinen Spielplan legen. Der Rundenzähler wird dann so weit vorgerückt, wie man Zeit bezahlen muss. Passiert man dabei auf dem Rundenzähler als Erster einen dort ausliegenden Flicken, darf man diesen an sich nehmen und gleich einbauen. Zeitzähler mit Bonus-Flicken aus dem Zwei-Spieler-Spiel Patchwork

Nun ist der Mitspieler dran. Und zwar so lange und so oft, bis sein Zeitzähler den des Gegners überholt. Hat also der erste Spieler ein Teil gekauft, das zwar super passt, aber viel Zeit kostet, kann der Gegner in Ruhe mehrere (günstigere) Teile einsammeln. Oder aber entscheiden, dass er den ersten Spieler mit einem Sprung überholt. Dafür bekommt man so viele Knöpfe wie die Anzahl der Felder, die man überspringt.

Passiert man unterwegs auf dem Zeitstrahl eine Wertungsmarke, bekommt man so viele Knöpfe wie auf den bereits auf dem eigenen Plan eingebauten Flicken abgebildet sind. Am Ende gibt es Minuspunkte für alle Felder, die man nicht belegen konnte. Wer danach am meisten Knöpfe übrig hat, hat gewonnen.Rückseite des Zeitzähler-Plans mit einer alternativen Aufteilung der Felder

Das ist alles leicht zu verstehen und braucht nicht viel Erklärzeit. Durch die unterschiedliche Reihenfolge der Teile und die beiden verschiedenen Zeitzähler bleibt das Spiel aber abwechslungsreich. Auch wenn der Glücksfaktor durch die zufällige Platzierung der Teile recht hoch ist, nimmt doch mit zunehmender Spieldauer der taktische und strategische Faktor zu. Soll man ein besonders gut passendes Teil nehmen, auch wenn es sehr viele Zeitpunkte kostet (aber dafür einen Flicken bringt und eine Knopfwertung auslöst, die den Geldvorrat wieder auffüllt)? Oder soll man lieber über den Gegner springen und so direkt zu mehr Knöpfen kommen – und gleichzeitig verhindern, dass der Gegner ein besonders beliebtes Flickenkärtchen erwerben kann? Oder sollte man doch besser einen kleinen Sprung machen, ein etwas ungünstigeres Teil nehmen und auf den nächsten Zug spekulieren?

Man kann dabei leicht ins Grübeln kommen und in eine Analysis-Paralysis-Phase abdriften. Allerdings hält das nie lange an, denn spätestens beim nächsten Zug sieht man direkt, was am besten passt und kann gar nicht schnell genug Teile nehmen und „annähen“. Dass die Gestaltung so unglaublich gut zum Thema passt, ist ein zusätzliches Plus. Ein neuer Liebling in unserem Spieleregal.

Catanshop: Verpackungskünstler unter sich

Mitte der Woche hatten wir eine Benachrichtigung von DPD im Briefkasten, dass sie uns ein Paket zustellen wollten. Seltsam, wir hatten gar nichts bestellt – außer sechs Spielkarten. Was das eine mit dem anderen zu tun hat? Dazu muss ich ein wenig ausholen:Sehr großer Versandkarton vor dem Spieleregal in unserem Wohnzimmer

In letzter Zeit siedeln der Lieblingsmensch und ich gerne mal wieder. Allerdings kann sich in unserem Freundeskreis kaum noch jemand dafür begeistern. Es ist ja so: Wie durch ein Wunder haben in diesem Haushalt zwei Personen zusammengefunden, die früher™ durchaus gerne Die Siedler von Catan gespielt, das aber nicht so exzessiv betrieben haben, dass wir es jetzt für alle Zeiten über hätten.

Also haben wir uns das Kartenspiel für zwei gekauft und sammeln nun um die Wette Rohstoffe, Gebäude und Punkte. Jetzt gibt es neben dem Spiel und den Erweiterungen auch noch Sonderkarten. Und um dem Lieblingsmenschen eine Freude zu machen, sollten diese Karten natürlich auch noch hier einziehen. Sechs Stück sind es insgesamt und da dachten wir ja, dass ein kleiner Umschlag reichen sollte, um die zu verschicken. Aber vermutlich ist das zu einfach gedacht. Heute gab es nämlich einen zweiten Zustellversuch des ominösen Päckchens. Es war überraschend groß, aber unglaublich leicht. Darin enthalten: Eine Lage Luftpolsterfolie. Noch eine Lage Luftpolsterfolie.Geöffneter Catan-Karton mit zwei großen Lagen Luftpolsterfolie

Und dann, auf dem Boden des Kartons, tatatataaaa: die sechs Karten. Jede einzeln in eine Tüte gesteckt.Die sechs Karten in ihren Tüten auf den Luftpolsterfolien

Hallo Catanshop? Habt ihr Langeweile? Oder habt ihr bei der Hitze letzte Woche alle Briefumschläge als Fächer genutzt und noch keinen Nachschub bekommen?

Andererseits: Versand und Bearbeitung kosten 4,90 Euro. Dafür kann man sich durchaus etwas mehr Mühe geben. Und den Kunden einen Versandkarton zum Wiederverwsenden schenken. Allerdings kann ich erst überlegen, wer das nächste Päckchen bekommt, wenn ich mit Kopfschütteln fertig bin.