Archiv der Kategorie: Allgemeines

Baguette à la Plötzblog

Da verlinke ich neulich das Plötzblog und moppere rum, dass es hier nirgendwo gutes Baguette gibt. Und was macht der Lieblingsmensch? Backt wundervolles Baguette. Ich habe immer noch lauter kleine Herzchen in den Pupillen. Soooooo großartig.Baguette auf dem Esstisch

Baguette, das wirklich wie welches schmeckt. Mit einer knusprigen Kruste, innen aber trotzdem fluffig und nicht trocken. Das wie Bagutte riecht und genau den richtigen Sound macht, wenn man ein Stück abbricht. Das pur am besten schmeckt, aber auch mit etwas salziger Butter oder Ziegenkäse zum Salat brilliert.Aufgeschnittenes Baguette

Und weil wir kein 1050-er Mehl da hatten und weil der Göttergatte das Spätzlemehl in das Glas mit der Aufschrift Weizenmehl 550 gefüllt hatte aus irgendeinem unbekannten Grund daher ein Teil Instant-Mehl seinen Weg in das Brot gefunden hat, steht die zweite Fuhre – dieses Mal mit korrekter Mehlmischung – bereits zum Gehen im Kühlschrank.

Und so werden wir diese Woche gleich zweimal großartiges, leckeres, echtes Baguette genießen. Hach. <3 <3 <3

Nicht nur „Gegner“

Zurzeit stehe ich oft völlig verständnislos da. Ich kann es nicht fassen, wie schnell Vorurteile und Vorverurteilungen, Rassismus und Hass salonfähig geworden sind. Wie normal es erscheint, dass Flüchtlinge hier in Deutschland nicht willkommen geheißen, sondern abgelehnt und angegriffen werden. Und mindestens genausowenig kann ich begreifen, warum genau diese um sich greifende Gewalt nicht zu einem Aufschrei in unserer Gesellschaft führt.

„Die Zahl der Flüchtlinge schürt natürlich auch Ressentiments“ höre ich da in der Aktuellen Stunde. Natürlich? Wieso ist das natürlich? Ich finde das absolut unnatürlich, dass das Leid von Menschen Ressentiments hervorruft. Und bin konsterniert, dass Journalisten gerade in einer solchen Situation nicht bewusster mit Sprache umgehen.

Ich will nicht mehr schweigen. Ich will klar sagen, dass ich den Hass unerträglich finde. Und daher verlinke ich euch heute hier einige Texte, die ich in den vergangenen Tagen und Wochen zum Thema gelesen und geschätzt habe.

Stefan Niggemeier veröffentlicht auf seinem Blog einen Text von Ulrich Wolf, der zuerst in Communicatio Socialis erschien und der von der Situation bei Pegida-Demonstrationen in Dresden und der Veränderung des gesellschaftlichen Klimas berichtet. Häkelmütze im Pegida-Land:

„Dabei scheuen sich immer weniger Menschen, unter Klarnamen ihre Ressentiments kundzutun: „Hauptsache, der Dreck verschwindet von unseren Straßen. Wie, ist mir mittlerweile egal.“ – „Können wir nicht mal einen Lkw voll mit solchen Fach-Sexkräften im Regierungsviertel abladen?“ „Ich würde dem die Eier so zerschmettern, dass er nie wieder eine Frau anschaut.“ „Schmeißt die Arschlöcher raus aus Deutschland!“ Offenbar gilt nun: Durfte in der DDR kaum jemand sagen, was er denkt, so darf seit Pegida jeder alles sagen, ohne dabei zu denken.“

Nachrichtenmeldungen, in denen von Anschlägen auf Flüchtlinge und Flüchtlingseinrichtungen berichtet wird, verlinke ich euch nicht. Aber diese Karte zeigt eindrücklich, dass es dabei nicht mehr um einzelne Vorkommnisse geht. Wie erschreckend nicht nur jeder einzelne Angriff ist, sondern auch die Dimension.

Und was sagt die Politik? Zum Beispiel unser Innenminister? Nichts. Rein gar nichts:

„Nichts zu sagen spricht Bände. Es bedeutet, dass er sich als Innenminister nicht zuständig fühlt für die Sicherheit von Flüchtlingen. Obwohl es sich bei ihnen um Menschen handelt. Er, der nicht müde wird, vor dem islamistischen Terror zu warnen und sich in einer Tour solidarisch zeigt mit Tunesien, Frankreich oder anderen Orten, an denen Islamisten Attentate verüben. Wenn aber bei ihm zu Hause die in Deutschland lebenden Menschen akut bedroht werden, schweigt er.“

Andere versuchen, Worte zu finden. Den Menschen, die Angst haben, mit Argumenten zu antworten. Caroline Mohr zum Beispiel. Ihr Antwort an eine „besorgte Bürgerin“ ist lesenwert bis zum Schluss.

Auch und gerade weil ich voll unterschreibe, was Raul Krathausen über „besorgte Bürger“ sagt:

Es gibt nur drei Sachen, die schlimmer sind, als Nazis vor Flüchtlingsheimen: Verantwortliche, Medien und Politiker, die Verständnis für die sog. „besorgten Bürger“ haben. Alleine das Wort „besorgte Bürger“ ist eine furchtbare Verharmlosung. Wir sollten wegen der Nazis besorgte Bürger sein, nicht wegen der Hilfesuchenden!!!11elf!

Und nicht nur dieser Begroff ist verharmlosend. Sascha Lobo hat das in den vergangenen Worten mehrfach deutlich aufgezeigt. Hier zum Beispiel:

Diese neo-nationalistische Anbiederung wird begleitet von einem medialen Appeasement. In vielen redaktionellen Medien ist bezogen auf Freital von „Asylgegnern“ die Rede. „Asylgegner“ aber ist hier ein gefährlicher Euphemismus, eine Verharmlosung rassistischer Gewalt.

Und hier nocheinmal: Attacken auf Flüchtlingsheime: Nennt sie endlich Terroristen!

Auch Maximilian Popp benennt die Attacken (auch auf SPON) als das, was sie sind: Terrorismus.

Und plötzlich kann sogar eine bekennende Til-Schweiger-Ignorantin wie ich diesen Text unterschreiben. Lest übrigens auch unbedingt die dort verlinkten klugen Texte rund um Reem und #merkelstreichelt.

Um dem allem zum Schluss noch eine andere Perspektive entgegenzusetzen, empfehle ich euch dieses Tumblr von Martin Gommel. Er portraitiert dort Flüchtlinge. In Deutschland. Im Kosovo. Schaut euch die Fotos an. Lasst sie auf euch wirken. Und überlegt dabei, ob die Worte „nur ein Wirtschaftsflüchtling“ für euch eine andere Bedeutung bekommen.

 

Einkaufen wie Gott in Frankreich – Teil 2

Wochenende, üsseliges Wetter (aka Sturm, so dass man nicht mal die schwüle Luft ordentlich rauswehen lassen kann). Und einkaufen waren wir auch. Gegen den Doofe-Sachen-Overkill hilt – eine Urlaubserinnerng (ja, da müsst ihr jetzt durch).

Einer der ersten Eindrücke, wenn wir in Frankreich sind, ist jedes Mal wieder die Auswahl beim Einkaufen. Was mich am meisten beeindruckt ist dabei gar nicht die Quantität, sondern die Qualität der Produkte. Schon Dinge, die in Frankreich als durchschnittlich gelten, sind oft besser als das, was man in Deutschland als Qualitätsprodukt angepriesen bekommt.

Der einfachste Coulommier schmeckt vielfältiger als jeder hochklassige „Weichkäse“ in deutschen Regalen. In der Frischetheke gibt es Blätterteigtaschen zum gleich essen oder aufbacken. Da steht aber nichts von künstlichen Inhaltsstoffen, sondern mehr von frischen Kräutern und frischem Gemüse, verbunden mit dem Hinweis, man solle die kleinen Teilchen maximal zwei Tage aufheben (länger muss man ja auch nicht – es gibt ja jeden Tag frischen Nachschub).

Und das ist nur das Angebot im Supermarkt. Von den köstlichen Brathähnchen (Bio, freilaufend, was denn sonst) habe ich euch ja schon letztes Jahr erzählt. Auf dem Wochenmarkt (der außerhalb der Saison – und Ende Mai bis Mitte Juni ist an der Côte des légendes außerhalb der Saison – aus nur 5 Ständen besteht und im Prinzip einzig und allein auf die Bedürfnisse der Einheimischen ausgerichtet ist) gibt es beim Gemüsehändler krumme und schiefe, dafür aber super aromatische „tomates d’autrefois“, Tomaten wie früher, aus dem Nachbarort und Artischocken, die so groß sind, dass man damit eine ganze Familie verköstigen kann. Die wachsen hier so, das haben wir im Garten der Nachbarn gesehen.

Selbstverständlich kann man die kleinen Melonen (auch aus der Region – in der Bretagne gedeihen schließlich auch Palmen ganz ausgezeichnet) vorher probieren und bekommt zu den Radieschen, die in allen Farben zwischen gelb, weiß und rot strahlen, Tipps, welche wie schmecken und wozu sie am besten passen (nur die kallroten sind erst frisch und dann scharf und passen gut zu Ziegenfrischkäse, die anderen sind unterschiedlich mild und unterschiedlich knackig und super in Salaten oder zu frischer pâté mit mildem Senf).

Bund Radieschen in gelb, weiß, rosa, rot und violett

Beim Bäcker gibt es Baguette, das diesen Namen auch verdient. Egal ob klassisch oder traditionell (mit Sauerteig und Roggenmehl), es schmeckt einfach wunderbar. Genauso wie die selbstgebackenen Palets, die petits fours und natürlich die Croissants.

Dabei frage ich mich jedes Mal wieder, warum deutsche Bäcker einfach keine Croissants hinkriegen. Die Rezepte sind doch bekannt und die richtigen Werkzeuge gibt es doch auch. Warum also schmecken Croissants in Deutschland entweder wie Pappe oder wie mit Butter zusammengepresste Krümelwüsten? Und was ist so schwierig daran, echte Baguettes zu backen? Französische Bäcker und Fabriken haben doch keine geheimen Wunderzutaten, die niemand kennt und die es nirgends sonst zu kaufen gäbe. (Immerhin kriege ich ja zu Hause selbst Baguettes hin, die den Namen auch verdienen und nicht zuletzt der Plötzblog zeigt, dass das auch kein Hexenwerk sein muss, wohl aber sein kann 🙂 ).

Letzte Amtshandlung jedes Frankreichaufenthalts (vor der obligatorischen letzten langen Unterhaltung mit dem Meer und dem Wind) ist daher unbedingt das Einkaufen.

Protipp: Besorgt euch eine gute Kühltasche. Spätestens beim Auspacken und dem ersten, improvisierten Essen nach der Rückkehr hat das Ding sich tausendfach bezahlt gemacht.

tl; dr:
Einkaufen in Frankreich ist himmlich. Deutsche Bäcker können vieles gut, aber weder Croissants noch Baguettes. Eine Kühltasche ist ein wichtiges Stück Reisegepäck. Aus Gründen.

Catanshop: Verpackungskünstler unter sich

Mitte der Woche hatten wir eine Benachrichtigung von DPD im Briefkasten, dass sie uns ein Paket zustellen wollten. Seltsam, wir hatten gar nichts bestellt – außer sechs Spielkarten. Was das eine mit dem anderen zu tun hat? Dazu muss ich ein wenig ausholen:Sehr großer Versandkarton vor dem Spieleregal in unserem Wohnzimmer

In letzter Zeit siedeln der Lieblingsmensch und ich gerne mal wieder. Allerdings kann sich in unserem Freundeskreis kaum noch jemand dafür begeistern. Es ist ja so: Wie durch ein Wunder haben in diesem Haushalt zwei Personen zusammengefunden, die früher™ durchaus gerne Die Siedler von Catan gespielt, das aber nicht so exzessiv betrieben haben, dass wir es jetzt für alle Zeiten über hätten.

Also haben wir uns das Kartenspiel für zwei gekauft und sammeln nun um die Wette Rohstoffe, Gebäude und Punkte. Jetzt gibt es neben dem Spiel und den Erweiterungen auch noch Sonderkarten. Und um dem Lieblingsmenschen eine Freude zu machen, sollten diese Karten natürlich auch noch hier einziehen. Sechs Stück sind es insgesamt und da dachten wir ja, dass ein kleiner Umschlag reichen sollte, um die zu verschicken. Aber vermutlich ist das zu einfach gedacht. Heute gab es nämlich einen zweiten Zustellversuch des ominösen Päckchens. Es war überraschend groß, aber unglaublich leicht. Darin enthalten: Eine Lage Luftpolsterfolie. Noch eine Lage Luftpolsterfolie.Geöffneter Catan-Karton mit zwei großen Lagen Luftpolsterfolie

Und dann, auf dem Boden des Kartons, tatatataaaa: die sechs Karten. Jede einzeln in eine Tüte gesteckt.Die sechs Karten in ihren Tüten auf den Luftpolsterfolien

Hallo Catanshop? Habt ihr Langeweile? Oder habt ihr bei der Hitze letzte Woche alle Briefumschläge als Fächer genutzt und noch keinen Nachschub bekommen?

Andererseits: Versand und Bearbeitung kosten 4,90 Euro. Dafür kann man sich durchaus etwas mehr Mühe geben. Und den Kunden einen Versandkarton zum Wiederverwsenden schenken. Allerdings kann ich erst überlegen, wer das nächste Päckchen bekommt, wenn ich mit Kopfschütteln fertig bin.

Ukraine: Gastfreundschaft und Suche nach Hoffnung

„Sie kennen mich vom Boxen. Da gibt es maximal zwölf Runden.“ Sagt der Oberbürgermeister von Kiew. „Wie viele Runden wir jetzt schon hinter uns haben. Ich weiß es nicht. Wie viele noch kommen. Ich weiß es nicht. Es fühlt sich mehr an wie ein Marathonlauf und es ist egal, wie stark ich bin. Nur gemeinsam können wir die Aufgabe meistern.“ Vitali Klitschko sieht müde aus.Vitali Klitschko vor einem Mikrofon im kiewer Rathaus bei einem Gespräch mit Journalisten und dem ASB

Die Aufgabe, von der er spricht, ist die Versorgung der 1,3 Millionen Binnenvertriebenen von der Krim und aus dem Osten der Ukraine. 170.000 Menschen sind es in der Hauptstadt Kiew. Doch mehr noch als die rein materielle Versorgung gilt es, den Menschen, von denen viele im wahrsten Sinne des Wortes alles verloren haben, Hoffnung zu geben. Hoffnung darauf, dass sie eine Zukunft haben. Dass sie mehr finden als nur ein Dach über dem Kopf. Dass es Menschen gibt, die für sie da sind. Dass das Leben lebenswert bleibt. Hoffnung auf Frieden.Zwei Helferinnen des Kiewer Samariterbundes mit einer Tüte volle Hilfsgüter

Menschen wie Marina. Eine Mutter aus dem Donbas, die mit ihren kleinen Kindern vor den ständigen Scharmützeln, vor Angriffen und Kämpfen, vor Unsicherheit und Angst nach Kiew floh. Die dort eine kleine Wohnung mieten konnte, so dass ihre kleine Familie sich sicher fühlen kann. Und die nicht tatenlos herumsitzen wollte. Sie erfuhr, dass die Kiewer Samariter Vertriebenen helfen, die nicht alleine überleben können. Sie fuhr an den Rand der Stadt in die Lagerräume, in denen Freiwillige jeden Monat 1.500 Tüten mit Lebensmitteln packen und fragte, wie sie helfen kann. Marina bekam eine gelbe Schürze und packte mit an. Verteilte Nudeln und Konserven, Öl und Reis und Seife in Pakete und Tüten. Im Hintergrund. Hundertfach. Tausendfach.Auf einem Tisch ist der Inhalt einer Hilfsgütertüte aufgebaut

Unsichtbar und doch unersetzlich. Mittlerweile ist sie beim Kiewer Samariterbund beschäftigt und koordiniert die Logistik der Lebensmittelhilfe. „Ein dünner Besen zerbricht, wenn man zu stark damit kehrt“, sagt Marina. „Daher arbeiten wir hier alle zusammen, um den Stiel des Besens stark und fest zu machen, damit er lange hält und wir noch vielen Familien helfen können.“Die blau-gelbe-Flagge der Ukraine weht über dem Maidan in Kiew

In den vergangenen Tagen war ich dienstlich in der Ukraine unterwegs. Genauer gesagt in Kiew und Charkiw. Ich erzähle euch sicher in der nächsten Zeit noch mehr davon. Falls ihr helfen wollt, klickt hier.

Erinnerungen an Harry Rowohlt

Als ich den Lieblingemenschen kennenlernte, entdeckte ich ziemlich schnell in seinem Bücherregal ein Buch, dass vorher irgendwie an mir vorbeigegangen war, dass ich aber unbedingt und sofort ausleihen musste. Und so verliebte ich mich nicht nur in meinen Mann, sondern auch in einen Bären von sehr geringem Verstand.

Pu der Bär war gleichzeitig meine erste Begegnung mit Harry Rowohlt. Mit den Jahren wurde ich eine begeisterte Leserin von Pooh’s Corner in der Zeit und las irische Bücher, die ich sicher nie entdeckt hätte, einzig und allein, weil sie von Rowohlt übersetzt waren.

Vor einigen Jahren haben wir ihn in Köln lesen hören. Wobei eine Lesung mit ihm ja immer eine Art Erlebnis, ein Event für alle Sinne war. Als wir durch die Fußgängerzone Richtung Buchhandlung bummelten, überholten wir einen sehr langsam vor sich hinschlurfenden Menschen mit hinter dem Rücken verschränkten Händen und gesenktem Kopf. Erst als wir schon fast vorbei waren, wurde uns klar, wer das ist. Fast unsichtbar hatte er sich gemacht. Umso sichtbarer wurde er während des Abends, der für uns unvergesslich blieb.

Natürlich wollten wir am Ende auch ein Autogramm auf unser Hörbuch. Die beiden Damen vor uns unterhielten sich lange mit ihm und wir warteten geduldig, aber auch nicht eben kurz. Was uns in den Genuss brachte, dass Harry Rowohlt auch mit uns etwas ausführlicher plauderte. Die beiden Damen vor uns waren wohl aus der Kantine vom Lindenstraßen-Set und da er einige Folgen lang nicht vorgekommen war, hatte man Erzähl-Nachholbedarf. Ob wir gewusst hätten, dass er sich selbst für die Rolle vorgeschlagen hätte? Habe er. Und das, obwohl er dafür regelmäßig von Hamburg nach Köln kommen müsse.

Es gibt viele lange Nachrufe, aber Isabel Bogdan sagt es mit wenigen Worten besonders treffend. Er wird uns fehlen.

 

Zeche Zollverein

Blick über Förderturm und Gelände der Zeche Zollverein vom Panoramadach ausMan lebt in den spannendsten Gegenden und erlebt doch viel zu selten, was man um einen herum sehen, fühlen, hören und riechen kann. Hören und riechen? Ja genau, das geht im Ruhr Museum mitten in der Zeche Zollverein in Essen. Und dank eines Familienausflugs waren wir jetzt endlich auch mal da. Juhu!

Bis man sich allerdings zu den erwähnten Hör- und Riechstationen (da kann man Asphalt und Hochofenwärme und alles mögliche andere riechen und solche Dinge wie Hochofenabstich, Bioschwein, Kreuzkröte oder andere Geräusche aus dem Umfeld der Zeche anhören) – also, bis man sich bis dahin durchgefunden hat, hat man schon Etliches gesehen, was wirklich beeindruckend ist. Alles ist groß in der Zeche. Zahnräder, Kessel, Schrauben, Hebel.Rohr mit sehr großer Mutter und Schraube und Hebel

Gelber Kessel auf großen grauen Rohren in der Zeche Zollverein in Essen

Großes rotes Rad mit einem Messgerät davor in der Zeche Zollverein in EssenRiesige Schraube mit Mutter und sehr dicken Kabeln in der Zeche Zollverein in EssenEin großes orange-brauen Rohr mit einem großen Verschluss in der Zeche Zollverein in Essen
Ich finde es beeindruckend mir vorzustellen, dass all das eine große Maschine war. Von Menschen im Schweiße ihres Angesichts betrieben. In der alles ineinander griff und die dazu beitrug, die Welt grundlegend zu verändern. Großes grün-graues Etwas mit einem Handschalter in der Zeche Zollverein, Weltkulturerbe in Essen

Und innerhalb weniger Jahre findet hier wieder ein großer Wandel statt. Natürlich ist vieles Welterbe-Romantik, zum Beispiel der kleine Elektrozug, das Besucherzentrum, der 360°-Film mit besonders viel Menscheln und einer Extraportion Emotionen, die Cafés und der Souvenirshop mit Kohlebadesalz (nur für Badewannen ohne Risse, für Verfärbung wird keine Haftung übernommen). Und trotzdem beeindruckt mich das Konzept, das hier so konsequent umgesetzt wird.  Zahnrad in der Zeche Zollverein in Essen

orange beleuchtetes Treppenhaus im Ruhr Mesum in der ehemaligen Kohlenwäsche des Weltkulturerbes Zeche Zollverein in Essen

Auch überraschend großartig: Das Ruhr Museum in der ehemaligen Kohlenwäsche. Da geht es um das Ruhrgebiet früher und heute. Es gibt Ausgrabungsgegenstände und Tierskelette (Mammuts!), alte Siegel und Urkunden, Statuen und Kleidungsstücke aus quasi allen Epochen. Hier findet man auch die bereits erwähnten Stationen, an denen man typische Geräusche und Gerüche hören und riechen kann.Kleine runde Platte im Boden mit dem Text "Hochofenabstich". Beim Betreten der Platte erklingt das entsprechende Geräusch

Eine beeindruckende Fotosammlung zeigt den Strukturwandel der letzten 30 Jahre. Und eine Reihe von Alltagsgegenständen schlagen den großen Bogen durch die Zeitgeschichte und verknüpfen diese mit unserem Leben. Senkrechtes Rohr mit strahlenförmig davon ausgehenden Stüzpfeilern im "Kinosaal" der Zeche Zollverein

Beeindruckend zum Beispiel das versteinerte Zeugnis eines Blitzes und die liebevoll gepflegten Fahnen der Bergmannsvereine. Ja, genauso durcheinander sieht das aus, aber wenn man durchgeht, ergibt das alles eine rote Linie und man sieht den Sinn. Vertraut mir.

Den tiefsten Eindruck hinterließ bei mir ein Glad abgekochtes Wasser. Eine Mutter hatte Einmachgläser mit abgekochtem Wasser mit in den Bunker genommen, um dort Babynahrung zubereiten zu können. Als sie von den Amerikanern befreit wurden, waren noch zwei Gläser übrig. Eines davon steht jetzt in Essen.

Virtine im Ruhr Museum in Essen mit dem Zitat: "Man hatte doch nichts."

Blick über das Zechengeländer der Zeche Zollverein mit drei hohen SchornsteinenVersteinerte Überreste eines Blitzes im Ruhr Museum in Essen

Landgasthof: Details zum Schwärmen

Äpfel in einem Holzkorb, dazu Teller und Messer und die Zeitung vom Tag auf einem Tischchen mit einem Bastsessel

Neulich hatte ich das Glück, bei einer Dienstreise in einem Landgasthof übernachten zu dürfen. So ländlich war es zwar gar nicht, denn bis zur Erlangener Innenstadt waren es nur eine handvoll Kilometer. Aber die ganze Umgebung war einfach so wundervoll verträumt und detailreich, dass ich euch das nicht vorenthalten wollte.

Den Zeitungs-Apfel-Snack-Tisch habt ihr ja schon gesehen. Im Zimmer gab es dann eine Badewanne mit fröhlichem Ringelnatz-Zitat und …

Text auf den Badfließen: Die Badewanne prahlte sehr, sie hielt sich für das Mittelmeer. Joachim Ringelnatz

… piratentauglichem Quietsche-Entchen.

Quietsche-Entchen mit blauenm Kopftuch und Augenklappe

Mit dem hauseigenen Briefpapier und passendem Kugelschreiber, hätte ich sogar Briefe (also: echte, handschriftliche) schreiben können. Da es aber auch WLAN gab, habe ich mich für die elektronische Version entschieden. Aber allein zu wissen, ich könnte auch einen Brief verfassen (und an der Rezeption Briefmarken erstehen), war einfach… hach.

Briefpapier und Briefumschläge des Gasthofs

Nach einem Bergkirchweihbier (lecker)…

Bierglas vor Zimmerkulisse

…habe ich auf dem „Einkehr“-Kopfkissen (auf dem es natürlich auch die obligatorischen Schlaf-gut-Gummibärchen gab), ganz wunderbar geschlafen. Und beim Frühstück natürlich nicht nur Marmelade (schmeckte hausgemacht) probiert, sondern auch den hausgemachten Schinken.

Kopfkissen, in dessen linke obere Ecke in hellblau "Zur Einkehr" gestickt ist

Landgasthof: Kann ich empfehlen.