Archiv des Autors: Frau ArGueveur

Kundenbindung at its best

Heute muss ich mal ein Lob loswerden. Und zwar an den Hebsacker Verlag. Und nein, die haben mir nichts umsonst zugeschickt oder mich mit irgendwas geködert. Ganz im Gegenteil. Am Ende haben wir nicht mal was gekauft. Und trotzdem empfehle ich den Verlag und seinen Kundenservice uneingeschränkt weiter. Und das kam so:

Cath the lion, Shogi mit 4 Holzsteinen für jeden SpielerDer Lieblingsmensch, der ja einen liebenswerten Japan-Spleen sein Eigen nennt, hatte sich vor ein paar Jahren bei der Spiel in Essen in  das kleine Dobutsu-Shogi, oder Catch the lion, verliebt. Nachdem er mich und alle anderen in unserem Umfeld dabei gefühlte tausend Mal abgezockt hatte, war er bereit für größere Aufgaben, sprich für das mittelgroße Shogi mit mehr Teilen und noch süßeren Tieren.

Entdeckt hatten wir das bei der Spiel ’13. Da war es aber schon ausverkauft, als wir endlich auf den Trichter gekommen waren. Also fragte der Japan-Fan meines Vertrauens beim Hebsacker Verlag nach. Da hatte er sich einige Zeit vorher mit einem kompletten (und sehr schönen) Go-Set und der passenden Literatur eingedeckt und auch das kleine Shogi dort entdeckt. Aber die schwerere, mittelgroße Version gab es damals dort nicht. Der Hebsacker Verlag schrieb, dass man dies sehr bedaure und man versuche, das Spiel ins Sortiment aufzunehmen. Aber für den Moment könne man nicht weiterhelfen.

Spielbrett und Holzsteine mit aufgemalten Tieren des Shogi-SpielsIn diesem Jahr haben wir dann in Essen zugeschlagen und das Spiel mit den wirklich wunderschön gestalteten Holzklötzchen und den einfach zu erklärenden, aber schwer zu spielenden Regeln erstanden. Und was passiert vor einigen Tagen? Nach über einem Jahr? Hier trudelt eine Mail vom Hebsacker Verlag ein, in der man uns darauf aufmerksam macht, dass der Verlag das mittelgroße Dobutsu-Shogi mittlerweile im Programm habe. Nach mehr als einem Jahr erinnert sich jemand, dass es da mal einen Interessenten gab und schreibt. Große Klasse.

Aber es wird noch besser. Schließlich hatte der Lieblings-Japanfreund das Spiel ja schon gekauft und schrieb daher eine Absage. Dankend zwar, aber eine Absage. Und was machen die Helden beim Hebsacker Kundenservice? Sie schreiben nochmal und wünschen viel Spaß mit dem Spiel. Und das alles auf so unaufdringlich freundliche und herzliche Art und Weise, dass ich noch immer ganz bezuckert bin. So funktioniert das mit dem Service. Genau so.

Falls ihr jetzt also alle dieses wirklich richtig gute Spiel (es ist super und ich sage das, auch wenn ich nur ein einziges Mal gewonnen habe, und da war der Gegner bereits leicht mit schottischen Destillaten abgefüllt) – wenn ihr es also haben wollt, dann bestellt es beim Verlag mit dem nettesten Kundenservice seit Ewigkeiten. Wirklich. Tut das. Und dann fordert den Lieblingsmenschen heraus. Der erste, der gegen ihn gewinnt, kriegt ein extra Julia-Roberts-Dauergrinsen von mir. Top, die Wette gilt.

Weihnachtsbäckerei: Alle Jahre wieder

Etagere mit verschiedenen selbstgemachten PlätzchenAuf die Weihnachtsbäckerei freue ich mich immer schon Wochen vorher. Da kann man so richtig ausgiebig kneten, rühren, ausrollen und ausstechen, alte Traditionen pflegen und gleichzeitig kreativ sein. Ein paar Dinge sind bei uns Pflicht: Elisenlebkuchen, Spekulatiusplätzchen, Lebkuchen „am Stück“ nach einem alten Familienrezept (diesmal unter anderem in Form von Tannenbäumchen, mit einem großen Dankeschön an Aurélie für die Deko-Idee) und natürlich Spritzgebäck.

Da einige, die das Backwerk live und in Farbe genascht haben, nach den Rezepten gefragt haben, (und als Gedankenstütze für mich fürs nächste Jahr 😉 ) hier ein paar Rezepte:

Schoko-Tännchen

Weihnachtliche Brownies

Weihnachtliche Brownies

200 g Walnüsse
200 g Zartbitterschokolade (70%)
180 g Butter
3 Eier
100 g Zucker
125 g brauner Zucker
100 g Crème fraîche
110 g Mehl
Butter und braunen Zucker für das Blech

Im Prinzip ist das ein Brownie-Rezept, für das ich eine Basis von Victoire Paluel-Marmont ein wenig angepasst habe.
Zuerst die Walnüsse grob hacken. Dann die Schokolade im Wasserbad schmelzen, die Butter hinzugeben, ebenfalls schmelzen lassen und das Ganze zu einer glatten Masse verrühren.
In der Zwischenzeit die Eier und den Zucker gemeinsam aufschlagen, die Schokoladenmischung nach und nach dazugeben und gut verrühren. Nun noch das Mehl, die Nüsse und zum Schluss die Crème fraîche ausgiebig unterrühren.

Ein tiefes Backbleck (oder eine Backform, am besten rechteckig) buttern und mit braunem Zucker ausstreuen.

Bei 170°C etwa 20 Minuten backen. Auskühlen lassen und dann die Masse in kleine Dreiecke schneiden. Mit Zuckerguss Linien auftragen und bunte Streusel als Weihnachtsbaum-Deko daraufstreuen. Trocknen lassen und am besten schichtweise, getrennt durch eine Lage Backpapier, in einer Dose lagern.

Elche auf Keks

Kekse mit Elchmotiv als Stempel aufgedrücktDie Elche haben bei uns mittlerweile auch Tradition. Ich backe sie immer mit Buchweizenmehl, wie die Glückskekse, die eindeutig auch unterm Jahr immer gut ankommen. Danke an Anja von Meine Torteria für die Anregung.

125 g Butter
100 g Zucker
1 Pck Vanillezucker
2 Eier
125 g Buchweizenmehl
125 g Weizenmehl

Zucker und Butter ausgiebig aufschlagen, Eier unterrühren und das Mehl unterkneten. Ich habe noch ein paar Umdrehungen aus meiner Vanillemühle dazugegeben – Vanillezucker geht aber auch – und den Teig etwas mehr als eine Stunde kaltgestellt.
Dann ausrollen, Elch-Stempel in den Teig drücken und drumherum ausstechen. Bei 180°C Ober-Unter-Hitze für 8 bis 10 Minuten in den Backofen schieben.

Elisenlebkuchen

3 Elisenlebkuchen, einer Natur, einer mit weißer Schokoglasur, einer mit dunkler Schokolade5 Eier
400 g Zucker
abgeriebene Schale von 2 Zitronen
3 EL Zitronensaft
1 Pck. Lebkuchengewürz
650 g gemahlene Mandeln
je 1 Pck Zitronat und Orangeat
1 Päckchen Backoblaten

Eier und Zucker so lange schaumig schlagen, bis die Masse ganz hell geworden ist. Alle übrigen Zutaten mit einem großen Löffel unterheben.

Den Teig auf die Backoblaten streichen und zwei Stunden antrocknen lassen.
Danach die Lebkuchen bei 160°C für ca. 20 Minuten backen. Sie sollten hellbraun werden. Abkühlen lassen und nach Belieben verzieren (zum Beispiel mit Schokolade, Zuckerguss, Punschglasur,…).

Hildabrödle / Spitzbuben

HildabrötchenIn meiner badischen Heimat heißen die mit Marmelade gefüllten Plätzchen Hildas (und Plätzchen nennt man Brödle, also Hildabrödle).

In der Eifler Familie meines Vaters nennt man sie Spitzbuben. Der Lieblingsmensch hat sie nun Hildaspitzen getauft. Wie auch immer: Sie gehören hier zum Pflichtprogramm.

400 g Mehl
160 g Zucker
1 Pck. Vanillezucker
200 g Butter
2 Eier

Hildabrötchen mit Sternausstecher in der MitteAus den Zutaten einen Mürbeteig herstellen, kalt stellen. Dann ausrollen und die Hildakekse ausstechen. Wenn man Terrassen haben will, muss man mindestens 3 immer kleiner werdende Formen nehmen. Man kann aber natürlich auch Doppeldecker machen und braucht dann immer zwei gleiche Kekse. Wer mag, kann aus dem oberen Keks ein kleines Muster ausstechen, also zum Beispiel aus der Mitte eines großen Sterns einen kleinen Stern ausstechen. Da die Kekse nach dem Backen mit Marmelade gefüllt werden, sieht man diese dann durchscheinen.

Bei 180°C werden die Plätzchen etwa 8 bis 10 Minuten gebacken. Danach möglichst schnell mit Marmelade (wir mögen gerne Cassis, also schwarze Johannisbeere, oder Himbeer) bestreichen und zusammensetzen. Nach dem Auskühlen mit Puderzucker bestreuen.

Mandel-Weihnachtsmänner

Kleine Mandelplätzchen it rot eingefärbtem Mützchen und KokosflockenbartUnd, dieses Mal neu im Sortiment und mal wieder eine Anregung aus Annas Kalorienreich. Anna hat einfach immer großartige Ideen und da konnte ich nicht wiederstehen und habe auch diese fröhlichen Mandel-Weihnachstmann-Bande gebacken und das Rezeot nur leicht angepasst:

250 g Mehl
250 g gemahlene Mandeln
150 g Butter
150 g Zucker

1 Pck. Vanillezucker
1 TL Zimt
2 kleine Eier (oder ein großes, ich hatte aber nur kleine da 🙂
1 Prise Salz

Nahaufnahme von zwei WeihnachtsmännernAlle Zutaten zu einem glatten Teig verkneten. Mindestens eine Stunde kalt stellen. Dann kleine Kugel formen (ich habe knapp 40 Stück herausbekommen) und zu Weihnachtsmännern weiterentwickeln, indem ihr die Mützchen zieht und ihnen ein wenig Schwung gebt. Ich habe die Weihnachtswichtel leicht angedrückt und bei 180°C etwa 20 Minuten gebacken. Dann den oberen Teig rot färben. Ich hatte noch rote Candymelts, die ich im Wasserbad geschmolzen und mit ein paar Tropfen Rapsöl geschmeidiger gemacht habe. Der Bart besteht aus Zuckerguss und Kokosraspeln. Augen aufsetzen oder aufspritzen, gut trocknen lassen, fertig.

Lebkuchen

3 Lebkuchen in Kegelform, mit gefärbter Schokolage grün angestrichen und mit Zukerfarbe und bunten Streuseln als Tannenbäumchen verziertDavon brauchen wir hier und zum Mitbringen immmer große Mengen. Das Familienrezept ist ein echter Exportschlager.  Es gab sie schon in Kastenform, als Guglhupf, als Muffins oder Cupcakes mit Spekulatiussahne oder Marzipandekor. In diesem Jahr sind es (unter anderem) kleine Tannenbäumchen geworden.

Wenn ihr erstmal kleinere Brötchen, äh Kuchen backen wollt, könnt ihr das Rezept ohne Probleme halbieren oder dritteln.

450 g Rübenkraut (vielleicht kennt ihr es auch als Zuckerrübensirup)
450 g Zucker
6 Eier
2 Tassen Milch
2 Päckchen Lebkuchengewürz
1 kg Mehl
2 Päckchen Backpulver

Lebkuchengugls und Schoko-TannenbäumchenDas Rübenkraut mit dem Zucker und den Eiern gut verrühren, dann langsam die Milch unterrühren, bis eine glatte Masse entstanden ist. Diese dann auf höherer Stufe schön luftig aufschlagen. Das Mehl mit dem Backpulver und den Gewürzen mischen und nach und nach unterrühren. Es entsteht ein schwerer, dunkler, glänzender Teig.

In die gewünschten Formen füllen und bei 180°C etwa 45 bis 50 Minuten backen (Guglhupf oder Kastenfor). Kleinere Formen wie Muffins oder die Tannenbäumchen brauchen etwas weniger lang.

Bei der Dekoration könnt ihr eurer Kreativität freien Lauf lassen. Viel Spaß und guten Appetit!

Viceroy, du gehörst mir. Mein erstes Mal bei Kickstarter.

Ich habe zum ersten Mal ein Spiel bei Kickstarter „gebacked“. Ja, schon klar, ich bin mal wieder eine der letzten auf der Party. Aber besser spät als nie. Und Viceroy von Mayday Games war eine würdige Premiere, finde ich.

spiel14-viceroy

Entdeckt haben wir das Spiel rund um den Vizekönig in einem der beliebten Rahdo Runthroughs. Er war in den Genuss gekommen, einen englischen Prototypen des russischen Spiels zu testen und seine Erklärungen und die Bilder haben uns Lust gemacht, in Essen danach Ausschau zu halten. Denn – besonderer Grund zur Vorfreude – dort sollte es 250 englische Exemplare zu erwerben geben. Da wir allerdings nicht schon am Donnerstag da sein konnten, schauten wir freitags in die Röhre, alles längst weg. Alles, bis auf zwei Testspiele. Also landeten wir an einem der Tische und spielten fröhlich drauflos. Und Tatsache: Das Spiel, bei dem man mit Karten Pyramiden baut, um bunte Edelsteine, Schriftrollen und andere Güter und natürlich Siegpunkte zu sammeln, hat uns großen Spaß gemacht und war für unsere kleine Spielerunde die Éntdeckung der diesjährigen Spieltage.

kickstarter-viceroyWie Kickstarter funktioniert, wisst ihr vermutlich alle. Nein? Okay, dann also im Schnelldurchlauf: Man kann dort ein Projekt, in unserem Fall also ein Spiel, unterstützen, indem man eine Finanzierung zusagt. Ist der angepeilte Mindestfinanzierungsstand erreicht, wird das Projekt umgesetzt und das Geld abgebucht. Wird mehr Geld eingespielt, als mindestens gebraucht, ist das Projekt noch nicht vorbei, man kann auch „überzahlen“. Oft ist es dann so, dass die Unterstützer der ersten Runde einen besonderen Bonus bekommen. Hier erhält man handnummerierte Exemplare, von denen es insgesamt nur 1.000 Stück gibt. In der zweiten Unterstützerrunde (zu der ich gehöre, juhu)  bekommt man die limitierte Sonderauflage mit besonders aufwändig gestaltetem Deckel. Je mehr Geld, desto mehr Vorteile bekommen die, die sich möglichst früh als Unterstützer eingetragen haben.

Zusätzlich schalten die Projektverantwortlichen bei Kickstarter beim Erreichen bestimmter, vorher definierter Projekteinnahmen weitere sogenannte „stretch rewards“ frei. Bei Viceroy werden die Plättchen, die bisher allein auf Farben basierten, nun durch grafische Symbole ergänzt, die das Spiel auch für farbenblinde Spieler spielbar machen. Wenn also mehr Unterstützer einsteigen, setzt der Verlag sich für mehr Inklsuion ein. Super Sache. Und da die Sache grade durch die Decke geht, kommt da noch mehr. Spiel, Spaß und Spannung. Funktioniert.

Verschickt wird das Spiel voraussichtlich im März. Neben dem Preisrabatt für Kickstarter-Unterstützer (der durch das Porto allerdings zumindest teilweise wieder aufgefressen wird), ist das ein weiterer Vorteil: Ich muss nicht beobachten, ob und wenn ja wann das Spiel bei einem Händler in der Nähe zum Verkauf eintrifft und dann möglicherweise vergriffen ist, bevor ich dort sein kann. Das Spiel kommt direkt zu mir nach Hause.

Bis dahin bekomme ich regelmäßig Infos zum Verlauf des von mir unterstützen Projektes und wie schon die Hippster bei Fairphone können auch die Kickstarter und die Leute von Mayday Games das mit der wertschätzenden, zielgruppengerechten Kommunikation besonders gut. Woo-hoo.

Funkenschlag-Adventskalender

Wir spielen hier ja gerne. Und der Lieblingsmensch spielt ja besonders gerne Funkenschlag. Daher hat er in diesem Jahr einen ganz besonderen Adventskalender bekommen – einen Funkenschlag-Adventskalender.

Wie bei Funkenschlag gibt es verschiedene Kraftwerkskarten (Mandelkekse), die mit verschiedenen Arten von Kraftwerken bemalt sind. Okay, meine Zeichenkünste lassen sehr zu wünschen übrig. Und das liegt nicht nur am Zuckerguss.

Alle Kekse meines FunkenschlagadventskalendersAber der Lieblingsmensch hat auf Anhieb erkannt, was es sein soll und war entsprechend begeistert. Und da ich beim Backen ein paar Ersatzkekse gebacken hatte (für den Fall, dass einige beim Bemalen zerbrechen), und da keiner Zerbrochen ist und ich somit die Möglichkeit hatte, schonmal zu probieren, kann ich mir vorstellen, dass er das nach dem Probieren des ersten Kekses auch noch sein wird (wehe, wenn nicht 😉 )

Die Kekse in der Dose.Vier Adventskalender-Kekse mit verschiedenen mit Zuckerschrift gemalten KraftwerkenAdventskalender-Keks mit der Nummer 20 und drei Windrädern

 

Adventskalender 2014: Was haben Palmzweige mit Weihnachten zu tun?

Geschmückter Tannenbaum auf dem Sechtemer WeihnachtsmarktIn unserem Dorf gibt es jedes Jahr einen „Lebendigen Adventskalender“. Was sich dahinter verbirgt, hatte ich euch ja letztes Jahr schon erzählt. Jeden Abend wird bei einer Familie ein Fenster geöffnet und ein wenig gefeiert. Sonntagabends gibt es Andachten in den Kirchen, immer im Wechsel in der katholischen und der evangelischen. Dabei halten Laien die Ansprachen. Und heute Abend war ich dran.

Aus dem Evangelium nach Matthäus (Kapitel 22, 1-9, zitiert nach der Einheitsübersetzung):

„Als sich Jesus mit seinen Begleitern Jerusalem näherte und nach Betfage am Ölberg kam, schickte er zwei Jünger voraus und sagte zu ihnen: Geht in das Dorf, das vor euch liegt; dort werdet ihr eine Eselin angebunden finden und ein Fohlen bei ihr. Bindet sie los und bringt sie zu mir! Und wenn euch jemand zur Rede stellt, dann sagt: Der Herr braucht sie, er lässt sie aber bald zurückbringen. Das ist geschehen, damit sich erfüllte, was durch den Propheten gesagt worden ist: Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir. Er ist friedfertig und er reitet auf einer Eselin und auf einem Fohlen, dem Jungen eines Lasttiers.
Die Jünger gingen und taten, was Jesus ihnen aufgetragen hatte. Sie brachten die Eselin und das Fohlen, legten ihre Kleider auf sie, und er setzte sich darauf. Viele Menschen breiteten ihre Kleider auf der Straße aus, andere schnitten Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg. Die Leute aber, die vor ihm hergingen und die ihm folgten, riefen: Hosanna dem Sohn Davids! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn. Hosanna in der Höhe!“

Der Text, den wir gerade gehört haben, ist vermutlich einer der bekannteren Texte in der Bibel. Er berichtet vom feierlichen und von allen gefeierten Einzug Jesu in Jerusalem. Die Menschen breiten ihre Kleider auf der Straße aus und winken begeistert mit Palmzweigen.

Palmzweige? Moment, da war doch was. Palmzweige gehören doch, wie der Name schon sagt, zum Palmsonntag. Zum Beginn der Karwoche, zu Ostern. Diese Szene steht doch vor dem Beginn der Passion, dem Bericht vom Leiden und Sterben Jesu. Was hat das denn mit der Zeit vor Weihnachten zu tun? Warum hören wir diesen Text ausgerechnet heute, am ersten Advent?

Jesus selbst gibt uns eine Antwort, wenn er sagt: „Wenn euch jemand zur Rede stellt, dann sagt: Das ist geschehen, damit sich erfüllte, was durch den Propheten gesagt worden ist: Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir.“

Und schon sind wir mittendrin im Advent, denn das kommt uns in dieser Zeit viel vertrauter vor. „Tochter Zion, sieh, dein König kommt.“

Das Lied, das wir gerade gesungen haben, nimmt diesen Kontrast auf: „Singt dem König Freudenpsalmen“ – das Palmsonntagslied schlechthin. Doch dann heißt es: „Völker ebnet seine Bahn“. Da klingt doch „Ebnet dem Herrn den Weg“ durch. Da hören wir schon: „Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, daß der König der Ehren einziehe!“

Und wenn wir genau hinhören und hinsehen, dann fallen uns nicht nur Ähnlichkeiten in den Texten auf. Auch die Symbole lassen sich vergleichen. Das Grün der Palmzweige am Palmsonntag findet sich auch im Tannengrün des Advents wieder. Grün ist die Farbe der Hoffnung. Und die Tannenzweige künden vom Leben der Natur – mitten im Winter. Die Tannenzweige – wie auch die Palmzweige – sind immergrün. Sie strahlen das ganze Jahr in voller Pracht und können ein Zeichen dafür sein, dass die Hoffnung nicht auszulöschen ist. Dass Gott uns mit Jesus ein Versprechen gegeben hat, das immer währt.

Und noch eine Parallele lässt sich finden: Die Farben der Kleider, die die Menschen auf die Straße legen, spiegelt sich in den Farben der Kerzen des Advents und in den Farben, mit denen wir in den kommenden Tagen und Wochen unsere Fenster dekorieren. In der dunklen Nacht geben die Kerzen und die hell erleuchteten Fenster Zeugnis vom Licht, das mit Jesus in die Welt gekommen ist. Jesus, das Wort, das Fleisch geworden ist, ist wie das Licht in der Nacht.

Und was ist mit uns? Sind auch wir im Advent vergleichbar mit den Menschen am Palmsonntag? Freuen wir uns, dass Jesus kommt? Jubeln wir ihm zu, wie einem König? Hat er wirklich einen Platz, eine Bedeutung in unserem täglichen Leben?

Und wenn er sie hat, wie gestalten wir dann unsere Adventszeit? Brauchen wir das Große, immer Bessere, Hellere, Schönere? Oder können wir nicht vielmehr gerade in den einfachen, unscheinbaren, alltäglichen Dingen entdecken, was es heißt, dass unser König kommt. Was es heißt, dass Gott sich uns ganz hingibt, dass seine Nähe für uns besonders deutlich spürbar wird.

Um zu entdecken, was es für uns ganz persönlich bedeutet, dass Gott in Jesus geworden ist, dass er den Tod überwunden und uns den Weg in ein neues Leben geöffnet hat, kann es ausreichen, dass wir uns beim Anzünden der Kerzen auf dem Adventskranz einen Moment lang ganz durchfluten lassen von der Vorfreude auf das Weihnachtsfest. Es kann ausreichen, dass wir in der Schlange an der Kasse einen Moment innehalten und uns an den erinnern, der der Anlass für die besonderen Einkäufe ist. Sicher wird ein wenig von dieser besonderen Bedeutung auch spürbar, wenn wir uns abends treffen, um ein liebevoll gestaltetes Fenster zu öffnen, um miteinander zu singen und zu beten.

Vielleicht gelingt es uns sogar, ein wenig von dieser Vorfreude, von unserer Hoffnung, vom Licht des Advents denen zu schenken, die dieses Licht und seine Wärme besonders dringend brauchen: Menschen, die um einen geliebten Menschen trauern. Freunden, Nachbarn oder Kollegen, die schon lange oder besonders schwer krank sind. Menschen, deren Hoffnungen enttäuscht wurden, die nicht mehr weiter wissen, die aus ihrer Heimat fliehen mussten, Menschen, die vor Angst nicht mehr ein noch aus wissen, die keine Hoffnung mehr haben.

Wir können die Kraft dafür schöpfen, wenn wir die alten Texte hören und immer neu der Verheißung lauschen: „Sieh, dein König kommt zu dir.“ Jesus, das Licht in der Nacht, der König, der uns die Erlösung bringen wird.

Dann können auch wir in der Weihnachtsnacht rufen, wie die Menge damals in Jerusalem: „Hosanna dem Sohn Davids! Gesegnet sei der, der kommt im Namen des Herrn. Hosanna in der Höhe!“

Pandemie: Grundspiel und Auf Messers Schneide

Hilfe, wir werden alle sterben. Hatten wir das nicht neulich schonmal? Ja. Aber diesmal ist alles noch viel schlimmer. Denn bei Pandemie geht es darum, dass die Spieler gemeinsam die Welt vor lebensbedrohenden Seuchen retten müssen. Und das ist, wie im wahren Leben, gar nicht so einfach.

Blick auf das Spielfeld von Pandemie mit Erregelwürfelchen und SpielfigurenJeder Spieler sucht sich eine Rolle aus, ist Forscherin oder Sanitäter, Arzt, Logistiker oder Wissenschaftler. Man kann von Stadt zu Stadt reisen und Seuchenmarker entfernen, Forschungszentren bauen und versuchen, das passende Serum gegen die rote, blaue, gelbe oder schwarze Seuche zu erforschen. Hat man dieses Serum produziert und alle Seuchenmarker entfernen können, gilt die Krankheit als ausgerottet. Konnte man für alle vier Seuchen Gegenmittel entwickeln, hat man gewonnen. Verloren hat man, wenn eine Seuche an so vielen Orten ausgebrochen ist, dass es keine Seuchenmarker mehr im Vorrat gibt, oder wenn es insgesamt acht Pandemieausbrüche gegeben hat.

Naufnahme der Seuchenwürfel mit Spielfigur und ForschungszentrumKlingt einfach? Ist aber ganz schön tricky. Denn je nachdem, welche Karten und Städte man zieht und welche Seuche sich schnell verbreitet, desto schwieriger werden die Entscheidungen, die man – typisch kooperatives Spiel – in der Spielerrunde gemeinsam trifft. Da kann die Diskussion schon mal eine Weile dauern, oder dann auch wieder ganz schnell gehen. In manchen Situationen ist es mehr als hilfreich, den Sanitäter dabei zu haben, der nach Erforschung eines Serums alle Seuchenwürfel „im Vorbeigehen“ verschwinden lassen kann. In anderen Situationen ärgert man sich, dass man auf die Forscherin verzichtet hat, mit der man jederzeit problemlos die für die Erforschung der Gegenmittel so wichtigen farblich passenden Karten tauschen könnte. Aber es hilft ja nichts, man muss mit dem klarkommen, was da ist. Und immer wieder neu entscheiden: Sollen wir erst ein Forschungszentrum bauen und wenn ja, wer tut das wo? Oder sollen wir schnell das eine oder andere Serum herstellen und für welche Seuche zuerst? Oder müssen ganz dringend Steine entfernt werden, bevor die Krankheiten anfangen zu streuen und weitere Städte infizieren? Doch dann zieht jemand die falsche Karte und puff hat sich die ganze schöne Strategie erledigt und das Überlegen beginnt von vorn.

Das Spiel ist schon ein paar Jahre alt, aber da wir ein paar medizinisch bewanderte Menschen in unserem Freundeskreis haben und weil es sich einfach fantastisch spielt, ist es hier immer noch extrem beliebt. In Essen gab es nun die Erweiterung „Auf Messers Schneide“ und das gibt dem Spiel einen neuen Kick. Es gibt eine neue Seuche (lila), neue Rollen und einen besonders resistenten Erregerstamm, der extra schwer zu bekämpfen ist. Am Tag nach der Messe saßen wir hier in  kleiner Runde mit einem echten Sanitäter und haben gleich viermal hintereinander die Menschheit ausgerottet – unfreiwilliger Weise natürlich.

Wie auch immer: Pandemie ist großartig. Im Sinne von GROSSARTIG!!eins!elf!! Sowohl in kleiner Runde (wir mögen es auch als Zweierspiel), als auch mit vielen Experten. Auf der Immer-wieder-Spielen-Liste streitet es hier mit Burgen von Burgund und Terra Mystica und Splendor um die besten Plätze.  Wird wohl auch noch eine Weile so bleiben. Und beim letzten Versuch haben wir die Welt doch tatsächlich vor dem Seuchentod bewahrt. Jippie.

Henri Queffélec

Als wir im Sommer in Brest waren (zum ersten Mal seit ich weiß nicht wie vielen Jahren), habe ich nicht danach gesucht. Und sie trotzdem gefunden. Die Gedenkplakette an das Geburtshaus von Henri Queffélec. Henri Wer?

queffelec-erinnerungstafel

Ici était le 33 de la place du chateau où naquit Henri Queffélec, homme de lettres, 1910 – 1992. // Hier stand das Haus an der Place du Chateau 33, in dem der Schriftsteller Henri Queffélec (1910 – 1992) geboren wurde.

Ihr könnt ein kleines bisschen was über den französischen Schriftsteller, dem mein Herz ganz besonders gehört, in der deutschen Wikipedia nachlesen. Und wer französisch kann, findet noch einiges mehr in der französischen Version. Eine Werkübersicht und viele spannende Links zum Thema (alle französisch) findet ihr bei der Librairie maritime. Aber um biographische Dateils soll es hier gar nicht gehen.

Ich entdeckte Henri Queffélec mehr oder weniger zufällig, als ich nach einem Thema für meine Magisterarbeit suchte – die ich dann über „littérature et spiritualité dans l’oeuvre de Henri Queffélec“ (Literatur und Spiritualität am Beispiel des Werks von Henri Queffélec) geschrieben habe. Gleich der erste Roman, den ich las, hat mich in seinen Bann gezogen. In Tempête sur Douarnenez geht es natürlich um die Liebe zwischen Louis, dem durch Leid und Krieg hart gewordenen Matrosen, und Maria, die in einer der Fabriken am Hafen Sardinen in Konserven füllt. Das alles vor der Kulisse des Kommunistennestes Douarnenez mit viel Lokalkollorit und vor Ort recherchierten Details. Vor allem aber geht es um das Meer. Um Leben und Tod. Die Natur und den Menschen. In vielen seiner Bücher. Vermutlich in fast allen. Am Ende waren es über 80 und ich habe nicht alle gelesen. Einige davon schrieb er vor allem, um seine Familie in den Nachkriegsjahren zu ernähren, hat seine Tochter Anne Queffelec mir einmal erzählt.

Ihr merkt schon, ich bin damals wirklich tief ins Thema eingetaucht. Habe vor Ort recherchiert und dabei viele faszinierende Geschichten über ihn gehört und beeindruckende Menschen kennengelernt. Einer der Höhepunkte war eine Begegnung mit seiner Tochter Anne beim Salon du livre insulaire auf Ouessant im Sommer 2002.

Aber zurück zu Henri Queffélec und seinen Werken. Ich habe viele gelesen und mochte sie alle. In Frankreich sind sie mehrfach mit renommierten Preisen ausgezeichnet worden. Leider sind sie in Deutschland so gut wie unbekannt. Allein Un recteur de l’île de Sein ist übersetzt worden. Es trägt den Titel des Films, der auf Grundlage des Buches erschien: Gott braucht die Menschen und spielt auf der Insel, der mein Blog seinen Namen verdankt, und die ich bei der Recherche für meine Arbeit entdeckt habe.

Lange waren seine Bücher nur noch antiquarisch zu bekommen. In den vergangenen Jahren ist aber das eine oder andere neu aufgelegt worden. Wenn ihr also in Frankreich seid, haltet Ausschau nach Un royaume sous la mer, Un homme d’Ouessant, Un feu s’allume sur la mer, Solitudes, Je te salue vieil océan, … Ihr könnt die eigentlich alle lesen, wenn ihr die Nebenwirkung in Form eines unheilbaren Bretagne-Virus (den ich allerdings schon vorher hatte) einkalkuliert.

Warum ich euch das gerade heute erzähle? Ein Bekannter hat beim Aufräumen vor einem Umzug einige Bücher über den großen Keff (wie seine Freunde ihn nannten) gefunden und mir zugeschickt. Da der Herbst grau und das Sofa einladend ist, lese ich mich zurzeit wieder durch stapelweise französische Schätzchen und schwelge in wunderbar erzählten Geschichten und schönen Erinnerungen.

Alte Freunde

Vor ein paar Tagen habe ich eine alte Freundin getroffen. Also nicht im Sinne von alt an Jahren, sondern im Sinne von: Wir kennen uns schon eine halbe Ewigkeit. Haben zusammen studiert, zusammen gelernt, uns gegenseitig abgehört und das Bibliothekspersonal wahnsinnig gemacht. Wir haben stundenlang gefrühstückt, gelacht und geweint, uns miteinander gefreut und füreinander aufgeregt. Wir haben uns gemeinsam engagiert, an langen Abenden entdeckt, dass Partys in der Küche am besten sind und an verschneiten Wochenenden im Schwarzwald sowohl den Schnee als auch heißen Tee genossen. Wir haben stundenlang telefoniert und nächtelang gequatscht. Was man eben so macht, wenn man jung ist und Freundschaft schließt.

Was mir bei unserem (wirklich wunderbaren, aber das muss ich vermutlich gar nicht betonen, das merkt ihr auch so, nicht?) Treffen wieder einmal klar geworden ist, ist die Tatsache, dass alte Freunde nicht zu ersetzen sind. Natürlich haben wir dort, wo das Leben uns hinverschlagen hat, längst neue Freundschaften geschlossen. Menschen kennengelernt, die uns ans Herz gewachsen sind und mit denen unseren Alltag teilen. Bei denen wir unser Herz ausschütten oder heiß diskutieren können. Die aus unseren Leben nicht mehr wegzudenken sind.

Aber mit alten Freunden ist es trotz allem irgendwie anders. Die Umarmung zur Begrüßung fühlt sich anders an, fester, länger, vertrauter. Auch die Gespräche sind irgendwie verschieden, vielleicht nicht so, dass es von außen auf den ersten Blick zu sehen wäre, aber fühlbar. Liegt das nur daran, dass wir uns seltener sehen und die Treffen besonders genießen? Dass wir in die kurzen Momente so viel wie möglich hineinstecken wollen, wie es uns möglich ist? Daran, dass wir besondere Erwartungen haben? Ich glaube an nichts davon. So seltsam es klingt, vermute ich, es liegt an der Zeit. Der gemeinsam verbrachten, aber auch einfach an der vergangenen Zeit; an all den Momenten, in denen wir herumgelaufen und aneinander gedacht, in denen wir an verschiedenen Orten gelebt und trotzdem immer aneinander festgehalten haben.

Wenn ich alte Freundinnen und Freunde treffe, geht es (zumindest meistens) nicht um „Weißt du noch?“. Und auch nicht darum, alles „nachzuholen“, was im eigenen Leben und dem der anderen passiert ist und was in den Telefonaten zwischendurch, auf Facebook und Co. nicht gesagt worden ist. Das funktioniert natürlich nie. Aber darum geht es auch gar nicht. Freunde können irgendwo anknüpfen und finden von überallher zueinander. Manchmal reicht ein halber Satz, ein Augenzwinkern, ein ersticktes Kichern oder eine verlängerte Atempause und die andere weiß, was gemeint ist. Manches, was ich wochen- oder gar monatelang ungelöst durchdacht hatte, ist mir in solchen Gesprächen plötzlich klargeworden. Erzähle ich die Dinge anders, wenn mein Gegenüber die Vorgeschichte nicht nur kennt, sondern selbst miterlebt hat? Inspiriert mich das ganz anders verlaufende Leben der Freunde zu neuen Gedanken? Keine Ahnung, aber solche Momente haben für mich immer eine ganz besondere Magie.

Langer Rede kurzer Sinn: Freundschaften machen das Leben bunt und dabei spielt es keine Rolle, wie nah man beieinander wohnt oder wie oft man sich sieht.

An mein Herz, ihr alle, die ihr wisst, dass ihr gemeint seid. Alle. <3 <3 <3

Märchenhafte Verpflegung: Kouign amann

Herbst ist Lesezeit. Und da es in den letzten Tagen doch eher grau in grau geworden ist, habe ich gleich doppelt für Soulfood gesorgt. Zum einen habe ich die Erinnerungen von Pierre-Jakez Hélias wieder rausgekramt und abendelang im Cheval d’orgueil geschmökert. Es ist faszinierend, mit dem Autor, der selbst ein begnadeter Geschichtenerzähler ist, in die Zeit einzutauchen, in der in der Bretagne noch überwiegend bretonisch gesprochen und abends am Feuer Märchen und Legenden erzählt wurden. Wie sich das anfühlt, habe ich diesen Sommer ja live erlebt.

Der Kouign amann in der Backform beim AuskühlenUnd da ich ein paar Tage frei hatte, habe ich mich auch an ein Rezept gewagt, das mir bisher immer Respekt eingeflößt hat. Ich habe wirklich und wahrhaftig einen Kouign amann gebacken. Kouign ist bretonisch und heißt Kuchen, amann ist bretonisch für Butter. Klingt einfach, ist aber hmmmmmm. Beim Lesen (in diesem Internet) habe ich dann noch entdeckt, dass da bei Little Red Temptation gerade ein Wettbewerb rund um „Märchenzeit! Backen, (vor)Lesen und Glücklichsein“ läuft, und da dachte ich: Wenn das nicht zu mir passt, was dann.

Aber zurück zum Kouign amann. Probiert habe ich diese süße Sünde zum ersten Mal in Vannes, nachdem ich mit einem Freund durch die Brocéliande, den bretonischen Zauberwald, gefahren war. Frisch auf dem Markt gekauft und noch lauwarm, haben wir die ersten Stückchen probiert. Ich bin ganz stumm geworden (wer mich kennt, weiß, was das heißt) und hatte ein glückliches Dauergrinsen im Gesicht. Wir saßen auf der Kaimauer in der Sonne und ich stelle fest, dass das mit dem Erinnerungen sammeln an diesem Tag gut geklappt hat. 🙂

Goldgefärbte Baumstämme in der bretonischen BrocéliandeBlick auf eine sonnige LichtungWasserschloss in der BrocéliandeTemplerkapelle St. Jean"Merlins Grab", ein Granitstein und ein kleiner Busch in der BrocéliandeDen Rest des Wunderkuchens haben wir eingepackt für einen langen Tag auf dem Golfe de Morbihan, dem „kleinen Meer“, in dem die Tränen der Feen, die von den Menschen aus dem Zauberwald vertrieben worden waren, sich in Inseln verwandelt haben. Und schon sind wir beim Backen mitten drin im Märchenzauber.

Botte in einer Bucht des Golfe de MorbihanWährend der Hefeteig ging, habe ich meine Ausgabe vom Barzaz Breiz und mein bretonisches Märchenbuch aus dem Regal geholt und die Legenden rund um König Arthus und die Ritter der Tafelrunde, Merlin und Viviane, Morgane und ihre im Tal ohne Wiederkehr verschollenen Liebhaber nachgelesen. Ich muss sagen, die Kombi von Kuchen mit salziger Butter und salzgeschwängerten Geschichten ist ziemlich perfekt. Danke Christine und Steffi für die Anregung.

Der Kouign amann auf einer TortenplatteIhr wollt auch schwelgen? Hier das von Aurélie von französischkochen.de inspirierte und vor allem um etwas Zucker und Butter reduzierte Rezept (ja doch, die Mengen sind schon geringer, auch wenn das für euch vielleicht nicht so aussieht) für den Kouign amann.

Zutaten für den Hefeteig:
500 g Mehl
1/2 TL Salz
1/2 Würfel frische Hefe
1 Prise Zucker
250 ml lauwarmes Wasser

Für die „Füllung“:
210 g salzige Butter
150 g Zucker

Für die Glasur:
1 Eigelb
etwas Milch

Das Mehl mit dem Salz gut mischen, eine kleine Kuhle formen, die Hefe hineinbröseln, eine Prise Zucker darüberstreuen und mit etwas lauwarmem Wasser übergießen. Das Ganze etwa 15 Minuten gehen lassen. Dann den Rest des Wasser hinzufügen und zu einem homogenen Teig verkneten. Den Teig zugedeckt etwa 1 Stunde gehen lassen.

Dann zu einem Quadrat ausrollen und etwa 80 g zimmerwarme, salzige Butter auf dem Teig verteilen und mit 60 g Zucker bestreuen. Die vier Ecken des Teigquadrats in die Mitte einschlagen und den Teig nochmal etwa 30 Minuten im Kühlschrank stehen lassen. Dann wieder ausrollen – ich habe es mal rechteckig gemacht – und wieder mit Butter bestreichen und mit Zucker bestreuen. Den rechteckigen Teig habe ich in drei Teile geteilt und die beiden äußeren nach innen umgeklappt. Wieder kalt stellen und die Prozedur ein drittes Mal wiederholen. Dann nochmal so ausrollen, dass das Teigquadrat ein bisschen größer ist als die Backform. Wieder die Ecken nach innen einschlagen und von diesem auf dem Kopf stehenden Quadrat wieder die Ecken einschlagen. Das Ganze legt ihr jetzt umgekehrt (also mit den eingeschlagenen Ecken nach unten) in die Backform, pinselt den Kuchen mit der Ei-Milch-Mischung großzügig ein und streut den restlichen Zucker darüber.

Ein Kuchenstück aus dem Kouign amann herausgeschnittenBei 210°C etwa 30 bis 35 Minuten backen. Achtung, der Kuchen wird dunkel, sollte aber nicht verbrennen.

Lauwarm schmeckt er am besten. Aber wie gesagt taugt er auch formidabel als Picknick für einen langen Ausflugstag im Land der Feen und Kobolde.