Archiv des Autors: Frau ArGueveur

Maharani: Wir entdecken das Taj Mahal

Der Spielplan von MaharaniSpiele, bei denen es um traumhafte Paläste geht, stehen in unserer Spielerunde hoch im Kurs. Alhambra zum Beispiel lieben wir alle. Und auch die Burgen von Burgund sind hier ein immer wiede gern gespielter Klassiker.

Bei Maharani geht es nicht um den Maurenpalast oder französische Königsschlösser, sondern um das Taj Mahal. Und darum, möglichst viele Mosaikplättchen in seinen Räumen zu verbauen. Wenn man es dabei schafft, möglichst viele eigene Arbeiter im Palast unterzubringen, gibt es Zusatzpunkte.

Besonders schön gestaltet ist der Marker, der anzeigt, in welchem Flügel des Schlosses der jeweilige Spieler seine Mosaikplättchen kostenlos anlegen darf. Mit einer Drehscheibe, auf deren Rand kunstvolle Wasserspeier thronen, werden die Orte angegeben, an denen man problemlos anbauen kann. Möchte man in einem anderen Teil des Palastes bauen, muss man das passende Tierplättchen umdrehen und kann in der nächsten Runde nicht mehr in diesem Teil der Anlage tätig werden.

Wichtig für die Bauherren ist es auch, die Säulen und Ecken, die der Plan vorgibt, bei der Auswahl und Platzierung der Mosaiken ebenso zu beachten wie die Farben der Bodenplättchen. Denn schließlich sind diese ausschlaggebend dafür, ob weitere Arbeiter im Palast angestellt werden können.

Die Möglichkeit, Plättchen auszulegen, wird außerdem durch das Guthaben der Spieler bestimmt. Jeder darf pro Runde ein Plättchen kostenlos auslegen. Doch wer bereit ist, zu zahlen, kann weitere Mosaiksteine im Taj Mahal platzieren.

Es gibt noch ein paar Zusatzregeln, zum Beispiel rund um das Thema Boni für das Bauen in mehreren Palastflügeln oder zum Entfernen von Mittelsäulenplättchen. Aber auch diese sind schnell zu lernen, so dass man kaum Zeit mit den Regeln verschwendet und gleich zum Spielen kommt. Vor allem am Ende eines langen Spieleabends ist das genau das Richtige. Maharani eignet sich aber auch als kurzer Einsteiger zum Aufwärmen. Oder als schnelles Spiel zwischendurch. Also quasi immer. Auf nach Indien!

Navettes marseillaises

Backwahn_navettes marseillaisesDie Weihnachtsbäckerei ist vorbei, aber die Lust auf Plätzchen irgendwie nicht. Gleichzeitig weckt das triste Januarwetter die Sehnsucht nach Wärme und Sonne und Obst und nach Navettes marseillaises. Schon beim Öffnen des Fläschchens mit dem Orangenblütenwasser duftete es in der ganzen Küche nach Sonne und Süden. Beim Zubereiten des Teigs wurde der Duft noch stärker und als die kleinen Schiffchen schließlich im Ofen waren und langsam vor sich hin buken, duftete erst das Esszimmer, dann das Wohnzimmer und nach und nach das ganze Haus nach Orangen – hach….

Damit ihr das Südfrankreichgefühl nachmachen könnt, hier mein Rezept. Es reicht für etwa 30 Navettes.

  • 250 g Mehl
  • 100 g Zucker
  • Abrieb der Schale von 1/2 Zitrone und 1/2 Orange
  • 1 Prise Salz

Alle trockenen Zutaten gut verrühren.

  • 1 Ei (mit einer Gabel verkleppern)
  • 2 – 3 Esslöffel Orangenblütenwasser
  • 1 Esslöffel lauwarmes Wasser (weil mein Teig sich nicht auf Anhieb so wirklich gut verbunden hat)

dazugeben und alles schnell zu einem glatten Teig verrühren. Kleine Schiffchen formen und in der Mitte eindrücken. Bei 180°C etwa 20 bis 25 Minuten backen.

Leider sind meine Navettes nicht so schön braun geworden, wie ich es gehofft hatte. Im Internet (z.B. hier)  habe ich den Tipp gefunden, die Schiffchen vor dem Backen mit etwas Milch zu bepinseln – das werde ich beim nächsten Mal auf jeden Fall ausprobieren.

Bon appétit!

 

Manifestation silencieuse in Köln #jesuischarlie

Heute Abend sind in Köln – wie in so vielen Städten in Frankreich und andernorts – einige hundert Menschen in Solidarität mit den Menschen in Frankreich und im Gedenken an die Opfer der Morde in Paris auf die Straße gegangen. Nach einem schweigenden Beginn auf der Domplatte zogen wir durch die Altstadt bis zum Ruolphplatz. Einige hatten Kerzen dabei, andere Schilder mit „Je suis Charlie“ oder „Nous sommes Charlie“, mit „Je suis Ahmed“, „Liberté, èaglité, Dessiner“ und „Köln ist Charlie“. Einige Trikoloren wehten im Wind, einige hatten Titelbilder von Charlie hebdo  dabei, andere Solidaritätszeichnungen und viele Menschen hatten Bleistifte dabei. Zwischendurch stimmten einige die Marseillaise an und zu „Aux armes citoyens“ – zu den Waffen, Bürger – reckten alle ihre Stifte in die Höhe.

Unterwegs mischten sich die Sprachen und die Gesprächsthemen. Während die einen sich über ihre Lieblingskarikaturen austauschten, erzählten andere davon, wie sehr sie die Bilder der Menschenmassen zwischen Nation und République in Paris, das Bild der untergehakten Staatsgäste und der Moment, in dem Merkel sich bei Holland anlehnt und die Augen schließt, beeindruckt haben. Wieder andere erzählten sich von ihren Urlaubsplänen, von Museumsbesuchen, die sich in Köln lohnen, und von Orten, an denen man am Mittwoch am ehesten die nächste Ausgabe von Charlie in Köln bekommen könnte.

Zum Abschluss der Demonstration erklang eine Zeit lang der Ruf „Nous sommes Charlie“. Nach einem langen Applaus löste sich die Menge, die den Rudolphplatz gut ausfüllte, wieder auf.

Ein kleines Zeichen, gewiss. Aber es tat gut, etwas tun zu können. Sich gemeinsam versichern dass wir mit unserem Entsetzen, unseren Fragen und unseren Hoffnungen nicht allein sind.

Versammlung auf der Domplatte, eine Trikolore flattert im WindUnterwegs in der Kölner Altstadt, Menschen halten "Je suis Charlie"-Schilder in die HöheDemonstranten am Rudolphplatz in KölnEine Demonstrantin reckt einen Bleistift in die HöheViele Menschen mit Schildern und Stiften am Rudolphplatz in Köln #Jesuischarlie

Je suis Charlie

Ich habe versucht, etwas zu den Morden an der Redaktion von Charlie Hebdo zu schreiben, finde aber keine Worte für mein sprachloses Entsetzen, meine Trauer, Wut, Empörung, Fassungslosigkeit, Ratlosigkeit, Hilflosigkeit. Andere haben Worte und vor allem Bilder gefunden.

Besonders berührt hat mich der Kommentar von Laurent Joffrin, dem Verlagsleiter von Libération, der Zeitung, die den Kollegen von Charlie Hebdo beim letzten Anschlag nach der Zerstörung der Redaktionsräume Unterschlupf gewährt hat.

Les terroristes ne se sont pas attaqués aux «islamophobes», aux ennemis des musulmans, à ceux qui ne cessent de crier au loup islamiste. Ils ont visé Charlie. C’est-à-dire la tolérance, le refus du fanatisme, le défi au dogmatisme. Ils ont visé cette gauche ouverte, tolérante, laïque, trop gentille sans doute, «droit-de-l’hommiste», pacifique, indignée par le monde mais qui préfère s’en moquer plutôt que d’infliger son catéchisme. […] Les fanatiques ne défendent pas la religion, qui peut être accueillante, ils ne défendent pas les musulmans, qui sont révoltés dans leur immense majorité par ces meurtres abjects. Ils attaquent la liberté.

Die Terroristen haben nicht die „Islamophoben“ angegriffen, die Feinde des Islams, nicht die, die nicht aufhören, vor Islamisten Alarm zu schlagen. Sie haben sich Charlie als Ziel ausgesucht. Das heißt, die Toleranz, die Ablehnung des Fanatismus, die Kampfansage an den Dogmatismus. Sie haben auf diese offene Link gezielt, tolerant, laizistisch, wahrscheinlich zu nett, Verfechter der Menschenrechte, pazifistisch, die empört ist von der Welt, es aber vorzieht, sich über sie lustig zu machen, anstatt dieser Welt ihren Katechismus aufzuerlegen. […] Die Fanatiker verteidigen nicht die Religion, die einladend und gastfreundlich sein kann, sie verteidigen nicht die Muslime, die in ihrer übergroßen Mehrheit empört sind über diese schändlichen Morde. Sie attackieren die Freiheit.

Quant à nous, journalistes, amis des journalistes assassinés, nous continuerons. Avec un peu moins de cœur à l’ouvrage, sans doute, pour quelque temps, mais avec une résolution plus forte. Nous savons que cette profession est parfois dangereuse. C’était jusqu’à présent le lot des reporters qui partent nous informer sur les pays en guerre. Il en meurt des dizaines chaque année. Maintenant on veut porter la guerre jusque dans nos salles de rédaction. Nous ne ferons pas la guerre. Nous ne sommes pas des soldats. Mais nous défendrons notre savoir-faire et notre vocation : aider le lecteur à se sentir citoyen. Ce n’est pas grand-chose mais c’est quelque chose. Avec une certitude mieux ancrée : maintenant, nous savons pourquoi nous faisons ce métier.

Was uns Journalisten betrifft, die wir Freunde der ermordeten Journalisten sind: Wir werden weitermachen. Vermutlich werden wir in der nächsten Zeit mit etwas weniger Herz bei der Arbeit sein, dafür aber mit umso größerem Entschlossenheit. Wir wissen, dass dieser Beruf manchmal gefährlich ist. Bisher galt dies insbesondere für die Reporter, die sich aufmachen, um aus Kriegsgebieten zu berichten. Jedes Jahr sterben Dutzende von ihnen. Jetzt will man den Krieg bis in unsere Redaktionsräume tragen. Wir werden keinen Krieg führen. Wir sind keine Soldaten. Aber wir werden unser Können und unsere Berufung verteidigen: Dem Leser dabei zu helfen, sich als Bürger zu fühlen. Das ist nicht viel, aber es ist etwas. Mit einer besser verankerten Sicherheit: Wir wissen jetzt, warum wir diesen Beruf ausüben.

 

Über Leuchttürme

Leuchtturm und Signaltonne in der Raz de Sein in der BretagneDass ich Leuchttürme mag, liegt ja nahe. Schließlich habe ich sogar mein Blog nach einem benannt. Leuchttürme liegen, äh stehen in der Regel am Meer. Und das Meer und ich, das ist einfach Liebe. Schon immer gewesen. Warum das so ist? Gute Frage, keine einfache Antwort.

Anscheinend geht es nicht nur mir so, habe ich festgestellt, als ich die Suche nach Gründen, warum wir das Meer lieben, von Susanne Schneider im Magazin der Süddeutschen gelesen habe. Auch die Bilder von Marion Wenge, die immer wieder das Meer malt, geben eine Idee davon, dass diese Liebe universell sein könnte.

Der Leuchtturm Eckmühl im südlichen Finistère in der BretagneIch mag das Meer überall, aber besonders da, wo es rau ist und wild um Felsen tost. Für mich ganz wichtig: Ich mag das Meer nicht nur bei Sonnenschein. Ich bin auch bei schlechtem Wetter ganz begeistert, im Regen, wenn die tausend Grautöne des Himmels sich in aufgewühlten Schaumkronen spiegeln, wenn die Wellen sich meterhoch an der Kaimauer oder an einem Leuchtturm brechen. Ich weiß um die Gefahren des Meeres. Um seine lebensbedrohenden Eigenschaften. Darum, wie hart es ist, wenn man vom Meer oder an seinen Ufern (über-)leben muss.

Aber Leuchttürme haben nicht nur deshalb diese besondere Faszination für mich. Ich freue mich immer, wenn ich einen sehe. Egal wie groß oder klein, alt oder neu, architektonisch schön oder vor allem funktional, aus einfachem Stein oder bunte bemalt. Völlig egal, Hauptsache Leuchtturm.

Schon tagsüber finde ich sie großartig. Ich wandere gerne um die Kaps herum, auf denen sie stehen. Ich bin sogar schon den einen oder anderen hinaufgeklettert, um den Ausblick zu bewundern (wobei ich dabei immer einen Drehwurm kriege). Besonders liebe ich aber den Moment, in dem das Leuchtfeuer entzündet wird. Diesen Moment zwischen Tag und Nacht, wenn die Dämmerung so dicht wird, dass das Licht weit und weiter scheint. Das klingt natürlich romantischer, als es ist und jemals war. Aber für mich sind diese Momente ein bisschen magisch. Wenn zum ersten Mal das kreisende Licht über den Punkt hinwegschwenkt, an dem ich stehe. Wenn die Nacht einen leuchtenden Rhythmus erhält.

Der große Hauptleuchtturm auf der bretonischen Insel SeinEs ist beruhigend und bewegend, es berührt mich und am Ende ist es einfach schön, rechts und links an den Enden einer Bucht die Leuchtfeuer angehen zu sehen und weiter draußen auf dem Wasser das Licht von Inselleuchttürmen zu entdecken. Sie geben auch dann eine Ahnung vom richtigen Weg, wenn das Vertraute nicht mehr zu sehen ist, die alltäglichen Markierungen nicht mehr gelten. Sie geben keinen Weg vor, aber sie erleichtern die Orientierung. Leuchttürme werfen Schlaglichter auf das Drumherum, unbestechlich, zuverlässig. Sie bringen Klarheit mitten im Dunkel, ohne dabei die Nacht aufzuheben. Sie sind Wegmarken, die nicht mitgehen, aber das Weitergehen leichter machen, indem sie Zutrauen und Sicherheit schenken. Sie können mit ihrem Licht und den kurzen Einblicken ins Dunkel auch Neugier wecken und Abenteuerlust. Sie lenken den Blick weg aus der unmittelbaren Umgebung hin auf das größere Ganze. Das Leuchtfeuer kann neue Perspektiven eröffnen und neue Sichtweisen aufblitzen lassen. Ihr merkt jetzt schon, dass ich hier voll ins Metaphorische abdrifte.

Und da wundert ihr euch vermutlich auch gar nicht mehr, dass es für mich auch andere „Leuchttürme“ gibt. Menschen vor allem. Aber auch Bücher. Oder Musik. Wenn ich auf solche „lebendigen“ Leuchttürme treffe, ist das jedes Mal ein Moment tief empfundenen Glücks.

Der Leuchtturm Pontusval in Brignogan im Nord-Finistère in der Bretagneleuchtturm-pontusvalLeuchtturm an der bretonischen côte de granit roseLeuchtbarke auf der Ile de Batz

Knallbonbons als Mitbringsel fürs Silvesterbuffet

Zum Mitbringen für das Silvesterbuffet (es gibt ein „Spiele-Sit-In“, was auch sonst 🙂 ) habe ich mich von Jankes Soulfood inspirieren lassen und essbare Knallbonbons gebacken.

Teller mit zu Knallbonbons geformten TeigtaschenFür den Teig:

  •  175 g Butter
  • 325 g Mehl
  • 150 g Crème fraîche
  • 1 gute Prise Salz
  • 1/2 Päckchen Backpulver

Für die Füllung:

  • 175 g Kräuterfrischkäse
  • 100 g Crème fraîche
  • 100 g Schinkenwürfel
  • 1 TL Senf
  • Salz, Pfeffer, Rosenpaprika

Aus den Zutaten für den Teig einen glatten Knetteig herstellen und in ca. 25 Portionen teilen. Die einzelnen Teigstücke mit dem Handballen zu Rechtecken zurechtdrücken.

Teigtaschen mit Frischkäse-Schinkenfüllung als Knallbonbons geformtFür die Füllung den Frischkäse mit der Crème fraîche und dem Senf gut verrühren und mit Salz, Pfeffer und Parika würzen. Die Schinkenwürfel unterrühren.

In die Mitte jedes Teigrechteck setzt ihr nun einen großen Klecks Füllung. wickelt die Rechtecke an der Längsseite zu einer Rolle und drückt die äußeren Enden zusammen. Legt die Bonbons mit der Verschlusseite nach unten auf ein Blech. Ein Eigelb mit etwas Milch verkleppern und die Bonbons damit einstreichen.

aufgeplatze Knallbonbon-TeigtascheAchtung: Mit der Füllung solltet ihr nicht zu großzügig sein. Das habe ich aber erst gemerkt, als die Dinger nach der halben Backzeit langsam aber sicher nach oben hin aufgeplatzt sind. Die Mehrheit sieht daher nicht mal halb so hübsch aus wie das Original (nochmal zur Erinnerung: Wer das richtig kann, macht die Knallbonbons so). Dem Geschmack tut das aber zum Glück keinen Abbruch.

Ach ja. Da hier weit und breit kein Schnittlauch zu bekommen war, habe ich ein wenig Teig zurückbehalten und grün gefärbt, um damit die Bänder der Knallbonbons zu formen.

Bei 160°C verschwinden die kleinen Köstlichkeiten nun für ca. 25 Minuten im Backofen.

Guten Appetit und vor allem natürlich: Guten Rutsch!

Macarons von Aurélie: Merci beaucoup

Schachtel mit 16 bunten MacaronsJuhu, ich habe gewonnen. Und dann auch noch ein sowas von passendes Geschenk… Macarons. Und nicht irgendwelche Macarons, sondern welche von der Königin der Macarons, von Aurélie Bastian, deren Macarons-Backbuch ich habe und mit deren Rezept ich die kleinen Schätzelein auch hinkriege. Aber auch für alles andere, egal ob süß oder herzhaft, ist ihr Blog französischkochen einfach super. Wir haben hier schon das ein oder andere nachgemacht und einiges ist in die Immer-wieder-kochen-Liste aufgenommen worden.

Liebe Aurélie, viiiiieeeelen Dank für diese wunderbare Überraschung. Wie man sieht, haben wir mit dem Auspacken nicht bis Heiligabend gewartet, sondern das erste Macaron direkt genascht. So lecker.

Race for the galaxy

Wir bauen uns eine Sternenzivilisation, gerne auch mit Aliens. So lässt sich die Spielidee von „Race for the galaxy“ kurz zusammenfassen. Natürlich ist das Spiel ein wenig komplizierter. Und dann auch wieder nicht. Aber von vorn:

Ausgelegte Karten im 2-Personen-SpielDer Spielaufbau von Race for the galaxy ist dem von San Juan ganz ähnlich. Doch wo man bei San Juan Fabriken, städtische Gebäude und Kulturdenkmäler baut, geht es beim galaktischen Wettrennen darum, neue Planeten zu besiedeln und diese durch neue Technologien und das Herstellen und Verkaufen von Waren zu entwickeln.

Vor allem das Prinzip des Tauschens von Waren in Siegpunkte ist bei der galaktischen Variante deutlich abwechslungsreicher gestaltet und bietet mehr Varianten und Optionen, um höher zu punkten. Doch wer das eine kennt, kann sich die Regeln des anderen leicht aneignen.

race-for-the-galaxy-spieleransichtDas Spielmaterial von Race for the Galaxy ist schön gestaltet: die Planetenfamilien sind sowohl farblich als auch graphisch ansprechend und so manch einer an unserem Tisch lässt sich desöfteren von den lustigen Außerirdischen dazu verleiten, mit Alienzivilisationen auf Punktejadg zu gehen. (Protipp: Lasst es, man gewinnt so gut wie nie mit den gelben Typen vom anderen Stern.)

Wir waren mal wieder viel zu spät auf der Party und konnten das Spiel (Erstausgabe 2007) nicht mehr auf deutsch bekommen – ausverkauft und second hand nicht zu vernünftigen Preisen aufzutreiben. Daher besitzen wir eine englische Ausgabe, mit der wir aber prima klarkommen.

race-for-the-galaxy-startweltDa es durch die zahlreichen Planeten und möglichen Startwelten und Handelsoptionen immer wieder neue Möglichkeiten gibt, Siegpunkte zu scheffeln, wird das Spiel auch nach dutzenden Runden nicht langweilig. Mal gewinnt derjenige, der auf Handel setzt, beim nächsten Mal kann die Strategie, Welten mit militärischer Übermacht zu erobern, erfolgreicher sein. Ein drittes Mal gewinnt derjenige, der gleich zu Beginn wenige, aber dafür handelsstarke Welten sein Eigen nennen kann. Bezahlt wird übrigens mit den Planetenkarten, was die Auswahl erschwert und die Spannung erhöht, denn man kann eben nicht alle guten Karten behalten und auslegen, weil man sie auch als Zahlungsmittel einsetzen muss.

Einen Wermutstropfen gibt es allerdings: Es gibt nur wenig Interaktion. Im Prinzip kann man sich seine Strategie zurechtlegen, hoffen, dass man die richtigen Karten zieht und sein Ding durchspielen. Zu Beginn jeder Runde wählt man, welche Aktionen man durchführen möchte: Erkunden, Entwickeln, Siedeln, Verbrauchen oder Produzieren. Dabei kann man versuchen, vorherzusehen, welche Aktionen die Gegner wählen, weil man diese auch selbst ausführen darf. Und auch beim Handeln der Waren gibt es bei manchen Karten die Möglichkeit, selbst so zu verkaufen, dass die Mitspieler weniger Punkte bekommen können. Wirklich viel Interaktion ist das aber nicht – das bringt Freude für beigeisterte Solospieler, ist aber weniger unterhaltsam für die größere Runde. Wer deshalb nur schwer Mitspieler findet, kann das Ganze auch als PC-Game spielen. Einen kostenlosen Downloadlink gibt es hier.

Noch ein Minuspunkt: Die Karten sehen zwar toll aus, sind aber recht dünn und biegsam. Wir haben unseren Kartensatz daher „gesleevt“ (in passende Plastikhüllen gesteckt) und waren schon mehrfach recht dankbar dafür, und das nicht nur, weil neulich auch mal ein Wasserglas von übereifrigen Mitspielern umgeschubst wurde 🙂

Ausgelegte Karten im 2-Personen-Spiel von San Juan

Wer die Regeln von „San Juan“ kennt, wird sich mit „Race for the galaxy“ schnell zurechtfinden.

Der Lieblingsmitspieler ist ja ein totaler Sternen-Imperien-Fan und steht daher total auf das galaktische Rennen. Ab und zu setze ich mich aber durch und wir bauen nicht Planeten und Windfallwelten sondern Indigoküperein, Kaffeeröstereien, Silberschmelzen, Rathäuser und Reiterdenkmäler. Das sieht weniger schick aus, macht aber mindestens genauso viel Spaß.

Unterwegs an freien Tagen

Neulich konnte ich den Luxus einiger freier Tage außer der Reihe genießen. Ganz besonders schön war es, einfach mal Zeit zu haben. Zum Beispiel zum ziellosen Lesen. Wie wundervoll, einmal ohne schlechtes Gewissen und Blick auf die Uhr Texte zu lesen, die ich mir schon lange markiert hatte. Links zu folgen, die ich normalerweise seufzend links liegend lassen würde. Mich treiben zu lassen und Neues zu entdecken.

Sei es bei den Krautreportern, wo ich endlich auch mal den Mitgliederbereich entdecken gegangen bin, sei es im Wirtschaftsteil bei Buddenbohms, wo ich auch mal die langen Stücke angeklickt und auch gelesen habe. Auch bei Was machen die da? habe ich die vergangenen Einträge nachgelesen und mich an den Texten, den Bildern und vor allem den vorgestellten Menschen, ihrer Unterschiedlichkeit und ihrer Leidenschaft für das, was sie tun, gefreut. Bei „Was machen  die da“ habe ich auch den Hinweis auf die Deutschlandreise mit dem Fahrrad von Anna Magdalena Bössen entdeckt. Und nun endlich einmal nachgelesen, was sie auf ihren Wandermärchen-Etappen im Osten erlebt hat. Und bin ganz begeistert. Ja, wir fänden es super, auch in den Genuss dieser besonderen Form von Literaturvermittlung und besonders dieser Bekanntschaft zu kommen. (Ja, das ist Schleichwerbung für uns als Gastgeber, für irgendwas muss mein Job doch gut sein 😉 )

Ich habe bergeweise Spielrezensionen gelesen und das ein oder andere Run-through-Video von Richard Ham (@Rahdo) gesehen. Natürlich habe ich auch in Rezepten gestöbert und das eine oder andere direkt nachgebacken.

Wo ich den Hinweis auf Elisabeth Ranks Blog gefunden habe, weiß ich nicht mehr, und im Nachhinein ist mir gar nicht klar, wie mir das bisher entgehen konnte. Mein Einsteiger waren diese Gedanken über die Bedeutung eines einzelnen kleinen Wortes. Und dann sitzt man da und liest nach vorn und zurück und immer weiter.

Und wenn man immer so weiter klickt und stöbert und sich festliest, dann landen auf einmal neue französische Städte auf der Besuchswunschliste (es ist wirklich eine Schande, dass ich noch nie in Lyon war) oder man beginnt, sich nochmal ganz neu oder doch wieder alt oder überhaupt einmal ganz anders Gedanken zu machen übers Geschichten Erzählen, oder genauer gesagt: übers gute Geschichten erzählen. Und wo ich schonmal da war, habe ich nachgelesen, wie Gesa sich in Frankreich verknallt hat. Ist super da, sag ich doch. Und jetzt freue ich mich auf viele neue Gesichten von Gesa aus Afrika, ab Februar. Stay tuned.