Archiv des Autors: Frau ArGueveur

Familiengeschichten: Kriegsende in der Eifel

Mein Vater stammt aus der Eifel. Er ist dort auf einem Bauernhof groß geworden. Im letzten Jahr habe ich ihm und seiner älteren Schwester – meiner Patentante – Löcher in den Bauch gefragt, wie es früher war. Natürlich kannte ich schon vorher ich viele Geschichten von früher, habe über die Jahre hinweg viele Erinnerungen gehört, viele Anekdoten immer wieder erzählt bekommen. Aber durch die vielen Jahrestage und vermutlich auch, weil wir alle nicht jünger werden, wollte ich mehr wissen, Geschichten, an die ich mich nur halb erinnerte, Erzählfetzen, die irgendwo angerissen herumlagen, zu echten Erzählungen zusammenzufügen. Einige der Geschichten, die ich gehört habe, berühren mich besonders. Darunter das, was am Ende des Zweiten Weltkriegs auf dem Hof meiner Großeltern in der Eifel geschah. Dieser Tage jähren sich diese Ereignisse zum 70. Mal. Daher erzähle ich sie euch weiter.

Mein Großvater hatte im Ersten Weltkrieg an der Front gekämpft und ein steifes Bein zurückbehalten. Er wurde daher nicht eingezogen und war zu Hause. Als die Front immer näher kam, hatte er einen seiner Cousins und dessen Familie bei sich aufgenommen. Die drei ältesten Söhne des Cousins waren an der Front, doch seine Frau, die 20-jährige Tochter und die beiden kleinsten Kinder lebten einige Wochen zusammen mit meinem Großvater, meiner Großmutter, meinem Vater und seinen beiden älteren Geschwistern auf dem Hof. Bei Bombenalarm versammelten sich alle Familienmitglieder im Keller. Auch der russische Kriegsgefangene, der  bei einem Angriff auf dem  Feld schwer verletzt worden war und den mein Großvater unter Einsatz seines Lebens mit dem Pferdewagen zum Arzt gefahren hatte, wurde in den Keller getragen. Vor die Kellerfenster hatte mein Opa schwere Holzbretter gestellt.

Nicht nur die Menschen flüchteten dorthin, auch der Hofhund rannte beim Klang der Sirenen in den Keller so schnell er konnte. Eines Tages hatte sich auch ein Soldat in den Keller gerettet. Mein Vater, der damals knapp drei Jahre alt war, habe auf den zitternden Soldaten gezeigt und seiner Schwester zugeflüstert: Guck mal, der Mann hat genauso viel Angst wie unser Hund.

Allerdings bot der Keller nicht so viel Schutz, wie die Familie gehofft hatte. Am letzten Tag, an dem in dem kleinen Dorf gekämpft wurde, schlug eine Granate im Hof ein. Ein schwerer Splitter drang zwischen zwei Brettern hindurch, durchschlug das Fenster und traf die Tochter der Gastfamilie ins Herz. Meine Tante sieht bis heute vor sich, wie die junge Frau direkt vor ihr tot zusammenbrach. Auch die Schreie der Eltern kann sie nicht vergessen. Es war der letzte Schuss, der in dem Dorf fiel. Wenige Stunden später kamen die Amerikaner in das Haus meiner Großeltern.

Meine Tante erzählt, dass die Soldaten mit vorgehaltener Waffe von Raum zu Raum gingen. Wie im Krimi seien sie durch die Tür gesprungen und hätten sich hektisch umgesehen. Ein Dolmetscher übersetzte den Befehl, sie sollten sofort das Haus verlassen. Doch mein Großvater legte Widerspruch ein. Wie sollte das gehen, mit einem Schwerverletzten und einer Leiche. Die Amerikaner befragten also den verletzten Russen. Gespannt warteten alle hinter der Tür. Dort hörten sie, wie der ehemalige Gefangene den Amerikanern erklärte: Chef gut, alles gut.

Sicher ein Grund dafür, dass die Familie beim Schreiner des Dorfes einen einfachen Sarg holen durfte, um die tote junge Frau darin in die Kirche zu stellen, damit sie eine ordentliche Beerdigung bekommen konnte.

Der nächsten Wochen verbrachte meine Familie zusammen mit vielen anderen in der Dorfschule, in jedem Klassenzimmer eine oder zwei Familien. Die Kinder durften manchmal auf dem Schulhof spielen. Mein Großvater hatte eine Ausnahmegenehmigung bekommen, er durfte jeden Morgen und jeden Abend zu seinem Hof gehen, das Vieh füttern und die Kühe melken.

Mehr über diese Zeit, konkret über die Befreiung Triers, könnt ihr zum Beispiel hier lesen. In Monschau war der Krieg schon einige Wochen vorher zu Ende, darüber hat im vergangenen Jahr die FAZ berichtet.

Ganz persönliche Familienerinnerungen, in diesem Fall allerdings an den Ersten Weltkrieg, hat Friederike v.C. im Projekt Fürchten lernen – Ein Weltkriegsblog gesammelt. Das Nachlesen der Tagebucheinträge, Briefe und Erinnerungen geht unter die Haut.

Peloponnes: Abhängig von Glück und Naturgewalten

Dass wir regelmäßig die Run through-Videos von Rahdo ansehen, ist vermutlich für die meisten von euch vermutlich kein Geheimnis mehr. Und wenn der „Meister“ ein Spiel in die Top10-Liste der besten Spiele aller Zeiten aufnimmt, zieht es früher oder später auch in unser Spieleregal ein.

Unser neues Spieleregal, schon gut gefülltVor allem, da wir nun ein neues Spieleregal haben und da noch Platz drin ist, durfte mit Peloponnes ein Spiel hier einziehen, dass uns von der Grafik her ganz gut gefiel und von dem wir uns dann doch so einiges versprachen – vor allem, weil es nicht nur Rahdo, sondern auch seiner Frau gefiel und das eigentlich in der Regel mit unserem Geschmack ganz gut zusammenpasst.

Ihr erwartet nach einer solchen Einleitung ein „aber“? Tja, hier kommt es auch schon. Peloponnes sieht zwar vielversprechend aus, aber… es hat uns bisher nicht wirklich vom Hocker gerissen. Das liegt vor allem daran, dass das Spiel – zumindest im Spiel zu zweit – so tut, als sei Strategie wichtig und spielentscheidend, bei näherem Hinsehen und vor allem bei der Schlussabrechnung stellt man jedoch fest, dass quasi allein das Glück über den Gewinner entscheidet. Die Mischung zwischen beiden Elementen stimmt also nicht so richtig.

Spielplan eines Spielers bei Peloponnes mit StadterweiterungenJeder Spieler zieht sich zu Beginn ein Stadtplättchen und hat dann die Aufgabe, seine griechische Stadt besonders gut auszubauen. Dazu kann man entweder ein Plättchen ersteigern oder (mit gehörigem Preisaufschlag) ein Plättchen kaufen. Allerdings ist das Versteigerungsprinzip deutlich einseitiger als beispielsweise in Funkenschlag: Wer Startspieler ist, gibt ein öffentliches Gebot ab, die anderen können ihn nach und nach überbieten. Der überbotene Spieler kann sein Gebot jedoch nicht mehr erhöhen. Wenn er Glück und genug geboten hat, ist ein weiteres Plättchen frei, dessen Mindestgebot es ihm erlaubt, diese „zweite Wahl“ zu nehmen. Hat er Pech, kann er sich jedoch kein anderes Plättchen leisten und geht leer aus, bzw. bekommt eine einzelne Münze zum „Trost“.

Zwei Stadterweiterungskärtchen, eines wurde auf Kredit gekauft und hat daher eine Münze in die Mitte gelegt bekommenGrundsätzlich hat man die Wahl, zwischen Landschaftkärtchen und Stadtplättchen. Die Plättchen bringen einmalige Vorteile in Form von zusätzlichen Einwohnern und/oder Geld und/oder Ressourcen. Außerdem bringen sie unterschiedlich viele Siegpunkte und Rundeneinkommen mit. Die Landschaften können kostenlos angebaut werden, allerdings muss die Rohstoffart, die die Landschaft einbringt, zur Nachbarlandschaft passen. Die Stadtplättchen kosten zusätzlich Rohstoffe, die jedoch nicht unbedingt sofort abgegeben werden müssen, so dass man Kärtchen quasi auch „auf Kredit“ kaufen oder ersteigern kann – zumindest, solange man noch genug Geld dafür hat.

Die Landschaftskarten bringen einem am Ende jeder Runde in der Regel Rohstoffe wie Holz, Getreide oder Stein, die Stadterweiterungen bringen manchmal ebenfalls Rohstoffe, andere sorgen für mehr Geld oder schützen vor Naturkatastrophen. Naturkatastrophen? Ja, denn am Ende jeder Runde zieht man zwei Katastrophenmarker und wenn drei gleiche aufgedeckt wurden, tritt das entsprechende Unglück ein: Die Pest rafft ein Drittel der Einwohner dahin, eine Dürre vernichtet große Teile der Weizenvorräte,…

Zwei der Plättchen für die Naturkatastrophen in PeloponnesWird ein Zwischenwertungskärtchen aufgedeckt, muss man für jeden Einwohner ein Bündel Weizen abgeben. Hat man nicht genügend Vorräte angehäuft, sterben einige Bewohner der eigenen Stadt. Kann man bei den Zwischenwertungen seine auf Kredit gekauften Stadtplättchen nicht auslösen, muss man sie wieder abgeben. Das ist besonders ärgerlich, wenn sie eine besonders gute Rohstoffquelle waren oder einem einen Tiebreaker-Vorteil für die Versteigerung verschafft haben.

Luxusgüter gibt es auch noch, aber wie man diese erwirbt und einsetzt, müsst ihr in der Spielregel selbst nachlesen, denn sonst würde dieser Text kein Ende mehr nehmen.

Nachdem die letzte Katastrophe eingetreten ist und alle Kärtchen aufgedeckt sind, erfolgt die Endabrechnung. Zum einen zählt man die Siegpunkte auf seinen Stadterweiterungsplättchen und addiert den Wert der Münzen (immer 3 ergeben einen Siegpunkt). Außerdem multipliziert man die Zahl der Einwohner in der eigenen Stadt mit 3. Der niedrigere der beiden Werte ist derjenige, mit dem man gegen die anderen Spieler antritt. Der höchste der niedrigen Werte gewinnt.

Welches Kärtchen möchte ich haben und was bin ich bereit dafür zu bieten oder zu bezahlen? Diese Frage wirkt sehr strategisch. Im Endeffekt ist es aber in den allermeisten Fällen gar nicht wichtig, welche Karte ich haben will oder welche am besten in mein Deck passen würde. In der Regel habe ich zu wenig Geld, bin gerade nicht in der richtigen Reihenfolge dran, um mein Gebot erfolgreich zu platzieren oder kann die noch ausliegenden Kärtchen nicht kaufen, weil ich sie mir aus Mangel an den richtigen Rohstoffen nicht leisten kann.

Drei der Kärtchen, zwei sind auf die englischsprachige Rückseite gedrehtWarum darf Peloponnes trotzdem in unserem Spieleregal bleiben? Weil es gut aussieht und weil es trotz allem nett zu spielen ist. Die Regeln klingen kompliziert, sind aber schnell zu lesen und zu verstehen. Außerdem erleichtert eine unglaublich übersichtliche Spielzuganleitung den Überblick. Das Spiel hat übrigens auch eine englischsprachige Rückseite und ist somit auch mit Freunden aus aller Welt spielbar. Und wenn man sich erst einmal darauf eingelassen hat, das Spiel als Glücksspiel und nicht als Strategiespiel zu sehen und nicht mehr versucht, auf Teufel komm raus den strategisch günstigsten Zu zu finden, kann man durchaus Spaß haben beim Spielen.

PS: Auf BoardGameGeek wird darauf hingewiesen, dass Peloponnes seine volle Kraft im Spiel zu dritt oder zu viert entfaltet. Wir werden das ausprobieren (und zur Sicherheit eine zusätzliche Flasche Cidre auf den Tisch stellen, falls die Versprechen nicht in Erfüllung gehen 🙂 )

Bretonischer Apfelkuchen mit Buchweizen

Ich liebe die Bretagne und ich ich leide an Backwahn. Was liegt da näher, als das eine immer mal wieder mit dem anderen zu kombinieren. Heute habe ich meine beiden Liedenschaften zu einem bretonischen Apfelkuchen werden lassen. Das Rezept stammt von Marjolaine vom wirklich zauberhaften Blog Wonderful Breizh. Da man dort nur französisch spricht, übersetze ich es für euch. Und empfehle dringend, den Kuchen nachzubacken. Aus Gründen. Leckeren Gründen.

Der bretonische Apfelkuchen angerichtet auf einer TortenplatteUrsprünglich ist das Rezept wohl schon ziemlich alt und stammt von Marjolaines Tante „Séra“. Die nannte den Apfelkuchen „vite fait“, also schnell gemacht. Man scheint damals eine andere Vorstellung von Schnelligkeit gehabt zu haben, denn einen Kuchen mit zwei Backgängen finde ich jetzt nicht unbedingt sooo superfix. Aber sei’s drum, einfach ist er auf jeden Fall und lecker allemal.

Was den Kuchen bretonisch macht sind zum einen die Äpfel (die muss man ja nicht unbedingt zu Getränken verarbeiten), zum anderen natürlich das Buchweizenmehl, das die Franzosen „blé noir“ nennen.

Für den Teig braucht ihr:
5 EL Weizenmehl
5 EL Buchweizenmehl
1/2 Päckchen Backpulver
8 EL Zucker
3 Eier
4 EL Pflanzenöl
5 EL Milch
2 Äpfel

Für den Guss nehmt ihr:
50 g Butter
1 Ei
4 EL Zucker
1 Päckchen Vanillezucker

Das passiert in der Küche:

  1.  Ofen auf 180°C vorheizen
  2. Eier und Zucker zusammen aufschlagen
  3. Die beiden Mehlsorten und das Backpulver gut vermischen
  4. Nach und nach das Öl und die Milch hinzugeben und gut verrühren
  5. Äpfel schälen und in dünne Schnitze schneiden
  6. Backform buttern und mehlen und Teig hineingeben, die Äpfel auf dem Teig verteilen
  7. Für ca. 20 Minuten in den Ofen schieben
  8. Während der Kuchen im Ofen ist, lasst ihr die Butter für den Belag langsam schmelzen, gebt das Ei, den Zucker und den Vanillezucker dazu und verrührt das Ganze, bis es eine glatte Masse gibt.
  9. Gebt die Masse gleichmäßig über den vorgegarten Kuchen und schiebt die Form nochmal für 12 bis 15 Minuten in den Ofen – weiterhin bei 180°C.
  10. Abkühlen lassen und genießen.

Guten Appetit!

PS: In den Kommentaren zum Blogbeitrag mit dem Rezept gibt jemand den Hinweis, dass man den Vanillezucker für den Guss auch durch 1-2 EL Kokosraspeln ersetzen kann. Das probiere ich sicher auch noch aus.

Meneham

Häuser und Felsen von MenehamWenn man an der Côte des légendes im Nordfinistère unterwegs ist, sieht man die Wegweiser nach Meneham quasi überall. In den gängigen Reiseführern liest man von dieser Sehenswürdigkeit jedoch kaum etwas. Hinter dem wenig klangvollen Namen verbirgt sich ein altes bretonisches Dorf mit bewegter Geschichte und beeindruckender Kulisse.

In Meneham lebten zunächst Wachsoldaten, entstand es doch als Wachstation in einer Reihe ähnlicher Anlagen entlang der Küste. Das berühmte Wächterhaus zwischen den Felsen ist das beredteste Beispiel dafür. Dass der auch in Freiburg tätige Herr Vauban der Bauherr gewesen sein soll, hat sich übrigens mittlerweile als Fehleinschätzung herausgestellt. Trotzdem finde ich es nett, dass eine zumindest gedachte Verbindung zwischen zwei meiner Lieblingsorte gibt 🙂

Das Wächterhaus zwischen den Felsen in MenehamMitte des 19. Jahrhunderts zogen dann nach und nach Bauernfamilien in die Häuser. Die meisten von ihnen waren Küsten- oder Algenfischer. Ein hartes Leben, dessen Grundlagen heute durch Erdöfen, Soden und Bildtafeln rund um Meneham beispielhaft dargestellt werden.

Altes, bunte bemaltes Holzboot auf dem Dorfplatz von MenehamAlgenofen an der Küste von MenehamAlgensode, die an der Küste vor dem Museumsdorf aufgebaut wurdeBis Mitte des 20. Jahrhunderts ist Meneham ein kleines, aber lebendiges Dorf. Hier wird schwer gearbeitet, gelitten, aber auch gefeiert. Ende der 1970er Jahre wird das Dorf jedoch aufgegeben und verfällt zusehends.

Einige Giebel von Reetdachhäusern ragen hinter dem Deich hervorReetgedecktes SpeicherhausBackhaus mit Holzdach von innenWieder aufgebautes Wohnhaus in MenehamRestaurierter Backofen1989 jedoch kauft es die benachbarte Gemeinde Kerlouan und, gemeinsam mit Regionalrat und anderen Institutionen, bauen sie das Dorf als Museumsdorf wieder auf. Einige der reetgedeckten Wohnhäuser beherbergen heute Künstlerateliers, in denen Kunsthandwerker für ein oder mehrere Jahre Quatier beziehen können, das Backhaus ist ebenso restauriert wie das alte Wächterhaus zwischen den Felsen. Es gibt ein kleines Museum, in dem man mehr über den Untergang eines Handelsschiffes direkt vor der Küste erfährt, ein altes Boot, eine Scheune und andere Gebäude, die einen Eindruck vom Leben im Laufe der Gezeiten erzählen. Mehr über die Geschichte des Dorfes erzählt diese (französischsprachige) Broschüre.

Terrasse der "Auberge de Meneham"In der Saison, also von Ende Mai bis Ende September, finden sonntags Festou deiz, traditionelle bretonische Feste statt. Bekannter sind die Nachtfeste, fest noz, aber natürlich kann man auch tagsüber Musik hören, an Getränken nippen und tanzen: Fest deiz. Dann spielen hier Musiker aus der Gegend flotte keltische Weisen auf und auf dem großen Hof vor der Auberge wird im Kreis getanzt, auf der Terasse werden Cidre und Chouchenn ausgeschenkt und Frauen aus dem Dorf verkaufen Pastes, die lokale Art des Brioche.

Tänzer beim Reihentanz während eines Fest deiz in MenehamTänzerinnen und Tänzer bei einem Rundtanz auf dem Hof vor der Auberge de MenehamDen besten Ausblick hat, wer die Stufen erklimmt, die auf die Felsen neben dem Haus zwischen den Steinen führen. Doch natürlich sind auch die Spazierwege auf den Felsen direkt am Meer, die naheliegenden Strände und die Bucht selbst ganz wundervoll. Wir kommen wieder. Bald schon. Juhu.

Wächterhaus im Halbschatten

Strand von MenehamWilde Felsformation an der Küste der LegendenWächterhaus von Meneham in der Abendsonne

Camel Up: Um die besten Plätze laufen und wetten

Kamele, die um die Wette laufen. Naja, dachten wir. Dann kam das Spiel auf die Nominierungsliste zum Spiel des Jahres. Und dann gewinnt es auch noch. Und schließlich und endlich haben auch wir ihn kennengelernt: den Reiz des Wettlaufs der Wüstenschiffe.

Die Würfelpyramide von Camel Up und vier aufeinandergestapelte KameleAber von vorn. Bei Camel Up geht es darum, möglichst viel Geld mit Wetten auf ein Kamelrennen zu verdienen. Dazu hat man verschiedene Möglichkeiten: Würfeln (bringt eine Münze), wetten auf den Sieger der aktuellen Etappe (je schneller man richtig tippt, desto höher das Preisgeld, liegt man falsch, muss man Geld wieder abgeben), Plättchen mit Beschleunigungs- oder Bremsvorgaben ablegen oder auf den Gesamtsieger und den Gesamtverlierer wetten. Klingt einfach, ist es auch.

Doch während man am Anfang am liebsten ständig würfeln würde – schließlich ist der Würfelbecher eine umgekehrte Pyramide –, stellt man schnell fest, dass man deutlich mehr verdienen kann, wenn man sich möglichst lange zurückhält mit dem Würfeln und lieber versucht, strategisch auf die Streckengestaltung einzuwirken (Plättchen legen) oder beim Wetten abzusahnen.

Spielplan von Camel Up etwa in der Mitte des SpielsDoch wenn man gerade denkt, nun könne einem nichts und niemand mehr in die Quere kommen, hüpft eines der Kamele beim Vorwärtslaufen auf eines der anderen drauf und wird beim nächsten Zug von diesem mitgeschleppt. Und weil es oben sitzt, liegt es nun vorn. Dumm nur, wenn man auf den Verlierer am Boden des Kamelstapels gesetzt hat.

Mehrere Kamele, von denen einige übereinander gestapelt sindAber vielleicht kann ich ja durch ein geschickt platziertes Kärtchen, das einen Sprung nach vorn oder zurück erzwingt, gepaar mit etwas Würfelglück, den bisherigen Außenseiter in die Spitzenposition katapultieren und damit allen anderen ein Schnippchen schlagen und ganz nebenbei noch „Wegezoll“ für das Benutzen meines Plättchen kassieren. Oder sollte ich doch schon jetzt auf den Gesamtsieger wetten?

Fragen über Fragen und Entscheidungen über Entscheidungen, die den Immer-wieder-Spielen-Reiz ausmachen. Kamele? Gerne wieder.

Trinken auf bretonisch

Ich habe Grippe (die echte, fiese, doofe) und ernähre mich seit einer gefühlten Ewigkeit von Kräutertees aller Art. Mittlerweile huste ich mir nur noch die Seele aus dem Leib, kann aber wieder einigermaßen klar denken. Und schreibe euch neben meiner Teetasse einfach mal was über andere, schmackhaftere Getränke auf.

Blaue Bolée de Cidre mit andersfarbigen Cidretassen und einer Flasche Cidre.Neben schottischen Destillaten stehen zahlreiche bretonische Getränke bei uns im Regal oder im Keller. Die Auswahl ist – schließlich gehört die Bretagne zu Frankreich – ziemlich groß. Vor allem Äpfel bilden die Grundlage großartiger Flaschenabfüllungen, da die Kelten hier über Jahrhunderte die Kultur prägten, gibt es natürlich auch Whisky und mittlerweile findet man sogar seit einigen Jahren bretonischen Wein (wobei die dazu verwendeten Muscadet-Reben in Nantes und Umgebung wachsen, und damit in einer Ecke der Region, die heute nicht mehr zu administrativen Bretagne gehört, historisch aber natürlich unbedingt).

Das bekannteste Getränk der Bretagne wie auch der Normandie ist vermutlich der Cidre. Es gibt ihn quasi an jeder Ecke. Am besten schmeckt er meistens in den kleinen Cidreries am Wegesrand.

Wenn ihr, zum Beispiel in einer Crêperie, zwischen einem Markenprodukt und einem lokalen Cidre fermier, also einem frisch vergoren und noch nicht pasteurisierten Cidre (meist im Krug serviert) wählen könnt, dann nehmt den fermier.

Cidrefass mit dem Logo der Cidrerie Kerné als Wegweiser am StraßenrandUnser Lieblings-Cidre stammt aus der Cidrerie Kerné, die auch einen sehr schönen Direktverkauf hat, in dem man viel über Cidre erfahren und nebenbei auch noch Cidre-Gelée, -Essig und andere Mitbringsel kaufen kann. Egal, wie klein der Kofferraum ist, am Ende des Urlaubs schmuggeln sich immer ein paar Kisten des „brut“ mit hinein.

Deutlich mehr Wumms hat das Eau-de-vie de cidre, also der Cidre-Brand. Anderswo kennt man ihn als Calvados, in der Bretagne heißt er Lambig. In Eichenfässern reift er jahrelang in Kellern heran, die das Rauschen der Wälder und der Wellen hören. Aber bevor es hier zu romantisch wird: Alter Lambig ist einfach klasse als Absacker nach einem Grillabend. Bei uns findet ihr zur Zeit diesen hier.

Aus den säuerlichen Cidre-Äpfeln kann man auch Saft pressen, der ist dann logischerweise auch eher sauer. Aaaaaber: Wenn man den Saft mit Lambig mischt und in Cidrefässern lagert, entsteht Pommeau. Der ist pur, aber vor allem mit Eiswürfeln, einfach groß-art-ig.

Whiskyfass, in dem der Eddu Silver Brocéliande lagertUnd schon sind wir beim unerwartetsten der bretonischen Getränke, nämlich beim Whisky. Es gibt natürlich mehrere Distillerien in verschiedenen Teilen der Region, aber unser absoluter Liebling ist die Distillierie des Menhirs in Plomelin. Dort wird Whisky aus Buchweizen gebrannt, was den Getränken auch ihren Namen gibt: Eddu ist zusaamengesetzt aus ed du, also blé noir, Buchweizen.

Einer der wenigen Grain-Whiskys, die mein Herz erobern konnten. Mein Favorit ist der Silver Brocéliande, der in Eichenfässern aus dem Zauberwald gereift ist und einen wundervoll erdig-würzig-nussigen Unterton mitbringt.

Natürlich gibt es noch viel mehr, Chouchen zum Beispiel, Honigwein und lait ribot, die unglaublich leckere, fermentierte Buttermilch, die vor allem zu crêpes au blé noir qunderbar schmeckt. Aber davon erzähle ich euch vielleicht ein anderes Mal. Ich stoße jetzt erstmal mit Mädesüß-Quendelkraut-Holunder-Tee auf euch an. Habt es süffig 🙂

Kirsch-Marzipan-Gugl

Der Lieblingsmensch und ich haben neulich beide ein Glas Kirschen für ein Dessert gekauft und so blieb eines übrig. Von der Weihnachtsbäckerei schlummerte noch ein Päckchen Marzipan im Schrank und nach dem Aufbau unseres neuen Spieleregals hatte ich Backlust. Alles zusammengenommen ergibt das einen Kirsch-Marzipan-Gugl-Hupf.

2 Stücke des Kirsch-Marzipan-Gugl aufgeschnittenDie Idee dazu habe ich bei der backenden Ullatrulla abgekuckt und das Rezept nur ganz leicht den Vorräten angepasst.

Man nehme:

200 g Marzipan
200 g zimmerwarme Butter
180 g Zucker
2 Pck. Vanillezucker
Mark 1 Vanilleschote
1 Prise Salz
350 g Sauerkirschen
300 g Mehl
1 Pck. Backpulver
6 Eier (Größe M)

Und so geht’s:
Kirschen gut abtropfen lassen. Marzipan und Butter in kleine Stücke schneiden und zuerst langsam, dann auf höchster Stufe zu einer glatten Masse verrühren. Den Zucker mit dem Vanillezucker und dem Mark der Vanilleschote sowie der Prise Salz mischen und unter die Marzipancreme geben.

Der ganze Kisch-Marzipan-Gugl auf einer GlastortenplatteEier trennen und die Eiweiße zu Schnee schlagen, die Eigelbe zur Teigmasse geben und alles gut aufschlagen. Das Mehl mit dem Backpulver mischen und Löffel für Löffel unterrühren. Zum Schluss den Eischnee unterheben.

Erst Teig, dan Kirschen, dann wieder Teig und Kirschen und zum Schluss eine Lage Teig in die Guglhupf-Form schichten und bei 170°C ca. 1 Stunde in den Ofen schieben.

Protipp: Tür zur Küche offen lassen, denn der Marzipan-Kirsch-Vanille-Duft, der während des Backens langsam aber sicher durchs Haus zieht, macht mindestens genauso glücklich wie der Kirsch-Marzipan-Gugl selbst.

AquaSphere von Stefan Feld

Ein Spiel, in dem das Wort „Aqua“ im Titel vorkommt, kann mir ja im Prinzip gar nicht missfallen. Andererseits ist Le Havre bei mir glatt durchgefallen. Aber das Spiel sah sowohl eingepackt als auch aufgebaut so klasse aus, dass ich dachte, das könnte mir wirklich gefallen. Dachte ich also und (nur noch mittelgroße Überraschung), das ist auch so. Auch wenn AquaSphere ein klassisches Stefan-Feld-Spiel ist und man eigentlich immer viel zu viel zu tun oder zu entscheiden hat, beziehungsweise schnell feststellt, dass man deutlich zu wenig Spielzüge für viel zu viele wirklich verlockende Optionen hat. Aber das ist bei Ausflügen ans Wasser ja genauso. Wobei es hier natürlich in keiner Weise um einen entspannten Ausflug geht, sondern darum, in einer Unterwasserforschungsstation auf dem Meeresboden zum Chef im Ring zu werden.

Spielplan des Brettspiels AquaSphere von Stefan Feld, erschienen bei Hall Games und PegasusWobei ihr „Ring“ durchaus wörtlich nehmen dürft, denn die Plättchen, aus denen wir die Station zusammensetzen, sind rund und sehen großartig aus. Und ich empfinde Ästethik bei Brettspielen ja durchaus als relevantes Detail. Also versuchen wir als Forscher in der hübsch eingerichteten Unterwasserstation, eine neu entdeckte Sorte von Kristallen zu bergen, zu analysieren und quasi „nebenbei“ noch ein bischen Grundlagenforschung zu betreiben. Das Ganze unter großem Zeitdruck, weil wir die Station nur für die begrenzet Zeit von vier Runden benutzen dürfen.

Immerhin können wir die schicke neue Generation von Wissenschaftsbots benutzen, nur programmieren müssen wir sie selbst. Dazu haben wir einen Ingenieur zur Verfügung, der ihnen in der Zentrale verschiedene Aufgaben zuweist. Gleichzeitig bestimmt unsere zweite Spielfigur, der Wissenschaftler, durch Herumlaufen in den verschiedenen Sektoren der Forschungsabteilung, in welchem Bereich der Station die Bots arbeiten sollen.

Gleich zu Beginn wird es kompliziert, denn in der Zentrale muss man wichtige Entscheidungen treffen, die in der jeweiligen Runde prägend sind. Der Ingenieur kann nur einen Teil der jeweiligen Aufgaben erreichen, je nachdem, wohin er anfangs abbiegt. Und auch der Wissenschaftler kann nicht einfach überall herumlaufen, das Durchqueren der Sektoren kostet Zeitplättchen und die sind nicht unbegrenzt vorhanden. Zwar kann man den Vorrat wieder auffüllen, indem man einen programmierten Bot zurücknimmt, aber will man das wirklich? Entscheidungen über Entscheidungen.

Ein bisschen schade finde ich es ja, dass man zwar schöne Holz-U-Boote bauen, dann aber nicht damit herumfahren kann. Wenn man sie früh baut, sind sie billiger, bringen aber deutlich weniger Punkte ein. Und schon wieder muss man Entscheidungen treffen… Nicht die kleinste davon ist die Antwort auf die Frage, wo man seine Bots zum Einsatz bringt. Denn arbeiten dort schon sieben andere, müssen beim Platzieren des neuen Bots alle bis auf einen in die Ladestationen zurück, unter Umständen auch welche von mir, was Punkte kosten kann. Das mit dem Entscheiden hört einfach nicht auf. Und natürlich brauchen wir auch noch Forschungskarten und Kristalle und Zeitmarker und Laborausbauten, die möglichst verschiedene Buchstaben enthalten und sinnvoll angelegt werden sollten.

Als wäre das alles nicht schon Aufgabe genug, kommen uns noch Oktopoden in die Quere, die die Sektoren unserer Forschungsstation verstopfen und die wir entfernen müssen. Das gibt immerhin Punkte, sorgt aber auch dafür, dass wir weniger Kristalle bergen und Daten erheben können.  Wenn wir die gar nicht mal so freundlichen Besucher aber in Frieden andocken lassen, machen sie unter Umständen unseren ganzen Erfolg zunichte. Hatte ich schon erwähnt, dass man hier ständig schwerwiegende Entscheidungen treffen muss?

Beim ersten Mal ist das ganz schön herausfordernd, aber natürlich will man das Spiel danach immer wieder auf dem Tisch haben. Allein schon, um beim nächsten Mal alles viel besser zu machen, neue Strategien auszuprobieren, die Bedeutung des Glückfaktors, der durch die Forschungskarten und die Laborausbauten entsteht, besser auszuloten oder einfach, um die fröhlichen Bots durch die schöne Station zu jagen. Klasse Sache!

PS: Seit Neustem haben wir auch den Stefan-Feld-Klassiker Luna hier im Hause. Das fühlt sich ganz ähnlich an, nur dass es eben keinen Glücksfaktor gibt. Fand ich das Glückselement durch die Karten bei Aquasphere anfangs überflüssig, muss ich jetzt sagen, dass es doch einen wesentlichen Aspekt beiträgt. Wobei die Grafik bei Luna schon auch einfach großartig ist. Ihr seht schon, davon werdet ihr noch mehr zu lesen kriegen 🙂

Kleine Alltagstricks gegen das Meerweh

Manche haben Heimweh oder stellen sich zumindest die Frage nach dem, was Heimat eigentlich ist (Anna Magdalena Bössen zum Beispiel auf Reisen am Meer), andere pflegen ihr Fernweh, Anne Schüssler hat Frankreichweh und ich habe Bretagne- und Meerweh. Jetzt, wo es draußen so grau ist, wieder besonders. Zum Glück ist die nächste Dosis Gegengift schon in Reichweite. Okay, die Wochenzahl ist noch zweistellig, aber immerhin muss ich nur noch vier Kalenderblätter umdrehen, das ist doch schonmal was 🙂 )

Ich bin mit diesem Meerweh nicht allein, was mich irgendwie tröstet. Aber trotzdem ist es nunmal so, dass ich viel zu weit weg vom Meer lebe. Und dieses Zuhause auch sehr liebe. Hier ist mein Lebensmittelpunkt, hier sind Menschen, die ich vermisse, sobald ich dann am Meer bin. Hier gehe ich furchtbar gerne spazieren und manchmal schneit es sogar.

Blick in unseren verschneiten GartenUnd trotzdem ist da diese Sache mit dem Meerweh. Die nicht, oder zumindest nicht nur, damit zu tun hat, dass Meer für Landeier wie mich immer auch Urlaub bedeutet. Und so helfe ich mir mit kleinen Tricks durchs Vorgebirgsgrau. Eine kleine Muschel auf dem Schreibtisch, ein do-it-yourself-Leuchtturm auf der Kommode, Meersalz und fleur de sel aus der Guérande in der Küche, selbstgemachten Salzkaramell im Kühlschrank.

Hütchenmuschel und rosa schimmernde Alge am StrandUnd Bücher. Da darf es dann sogar mal sowas sein wie der Dictionnaire amoureux de la Bretagne von Yann Queffélec (ja, genau, dem Sohn von Henri Queffélec). Was klingt wie ein Wörterbuch ist eine von  A bis Z aufgebaute autobiographische Liebeserklärung an das Ende der Welt, dem ich auch so verfallen bin. Und auch wenn immer mal wieder eine Kritik an Touristen durchdringt, lese ich das zurzeit mit großem Genuss. Und dann wartet da ja noch das letzte Kapitel vom Cheval d’orgueil, den Lebenserinnerungen von Per Jakez Hélias. #Hach.

Habt ihr noch mehr Tipps, wie man sich ein bischen Meer nach Hause holen kann, wenn es nicht reicht, einfach das Fenster zu öffnen? Immer her damit.