Archiv des Autors: Frau ArGueveur

Whisky Fair in Limburg 2015

Wie schon erwähnt, waren wir auch in diesem Jahr – fast kann man schon sagen: traditioneller Weise – bei der Whisky Fair in Limburg. Wie eigentlich in jedem Jahr war das Wetter ganz wundervoll. Etwas neu war, dass eine Kollegin und ich bei der Pusteblume (dem Springbrunnen vor der Stadthalle) ein kleines Outdoor-Office eingerichtet hatten, um die Einsatzkommunikation nach dem Erdbeben in Nepal zu koordinieren.

Springbrunnen in Form einer Pusteblume

Dabei haben wir aber Erkenntnis gewonnen, die sich in den kommenden Jahren durchaus zu wiederholen lohnt: Rund um die Pusteblume kann man ganz wunderbar Whisky trinken und da die tausend Gerüche der Nachbarflaschen wegfallen, kann man auch nach dem vierten oder fünften Dram noch unterscheiden, was man sich da gerade für ein Schätzchen im Glas geangelt hat.

Doppelter Red Breat 15 Jahre in einem Glas vor die Pusteblume gehalten

A propos Schätzchen: Von Jahr zu Jahr wird die Auswahl an japanischen Whiskys größer und leckerer. Der Lieblingsmensch lernt ja japanisch, aber nicht nur deshalb haben wir durchaus einen Hang zu den fernöpstlichen Destillaten entwickelt. Vor allem die Details faszinieren, denn da schmeckt man durchaus andere Nuancen und wenn man es sich lang genug vorstellt, auch sowas wie Mandeln und Lotosblüte. Hach.

Mehrere japanische Whiskys in unterschiedlich geformten Flaschen nebeneinander

Akashi, 15 Jahre, white oakBesonders gefallen hat uns dieser 15-jährige Akashi. Mit dem kann man es aushalten.

Auch großartig (und hier muss man schon sagen: mal wieder, denn ein Geheimtipp ist das schon lange nicht mehr) war es bei Riegger. Die finden einfach immer richtig gute Whiskys und die Fässer, die aus einem guten einen außergewöhnlichen Whisky machen. Da gab es zum Beispiel einen Deanston von 1992, der vor allem grün schmeckt, ein bisschen nach Pfeffer und Holz. Im Abgang auch ein wenig süß. Klasse. Noch besser gefiel mir der vanille-honig-karamell-birnen-süße Eagle of Spey Christmas Eve-Bottling, den ich wirklich wunderbar rund und süß und malzig und fruchtig und lecker fand. Gekauft haben wir aber Rieggers 20 Jahre alten Mortlach, der zwar Fassstärke hat, aber trotzdem weich und rund und voll und fruchtig schmeckt.

Eine sehr, also wirklich seeehr leckere Erfahrung war dieser Laphroig.

Laphroig Cairdeas 1815Viel fruchtiger als die Distillerie-Abfüllung, ein bisschen nussig und nach dem Torf kommt Schokomousse. Hammer.

Übrigens sind wir dieses Mal zum ersten Mal nicht mit dem ICE gefahren (weil: Streckensperrung wegen Baustelle) und das langsame Gondeln mit der Regionalbahn durchs Lahntal hat durchaus auch was für sich. So, wie wir finden, dass es was für sich hat, sich den knallevollen Samstag zu schenken und die Sonntagsstimmung mit etwas mehr Platz und Zeit zum Klönen und Fachsimpeln und exotische Etiketten bewundern zu genießen.

Daher kriegt ihr jetzt einfach noch ein paar Eindrücke aus der Messehalle und von unterwegs. Das schreit alles nach Wiederholung.

Zwei Flaschen eines sehr dunklen zehnjährigen Auchentoshan

Black Adder-Flasche mit lustigem Frosch auf dem EtikettFlasche eines 22 Jahre alten GlenrothesTheke mit Flaschen, die zum Probieren geöffnet wurdenAufgereihte Flaschen verschiedener Distillen in ihren schön gestalteten KartonsRapsfeld im Lahntal durch das Zugfenster fotografiertBlick auf die Lahn mit BootenBlick auf die Lahn und die bewaldeten Hügel drumherum

Vertrauensvorschuss

Über den Bahnstreik kann man sich als Pendler wunderbar ärgern. Manchmal bringt so etwas aber auch ganz unerwartete Erkenntnisse. So wie beim letzten (kurzen) Streik vor knapp zwei Woche. Ich war mit dem Auto auf dem Heimweg (nur vom Park-and-Ride-Parkplatz an der Straßenbahnlinie zwei Orte weiter; an solchen Tagen mit dem Auto in die Stadt zu fahren, ist noch wahnsinniger als sowieso schon). Da der Frühling so bunt, die Blüten der Bäume so bezaubernd und die Vögelgesänge so fröhlich waren, überkam mich beim Eiscafé im Nachbarort die spontane Lust, dem Lieblingsmenschen und mir ein etwas anderes Abendessen zu bescheren und Eis mitzubringen.

Ich ging also voller Vorfreude in die Eisdiele, bestellte, kramte mein Portemonnaie heraus – und stellte fest, dass ich ja tagsüber mehrfach bar bezahlt hatte und daher nicht mehr genug Bargeld dabei hatte. Mit Karte zahlen kann man dort nicht. Also sagte ich dem freundlichen italienischen Eiskünstler, er solle die zweite Kombi weglassen, dafür habe ich nicht mehr genug Geld dabei.

Der nette Herr lächelte breit und sagte: Kein Problem, Signorina. Sie können ein anderes Mal bezahlen. Als ich protestierte, schuf er einfach Fakten, indem er die Lieblingseissorten des Lieblingsmenschen schwungvoll in einen Becher beförderte und eine Eiswaffel darauf legte.

Ich protestierte wieder und erntete das breiteste Lächeln, das ich seit langem gesehen habe. Das Eis wurde mir über die Theke gereicht und nochmals betont, dass es nicht eile mit dem Bezahlen, ich solle das einfach irgendwann nachholen.

Nun ist es nicht so, dass ich dort Stammkundin wäre. Ich bin letztes Jahr maximal zweimal dort gewesen und in diesem Jahr noch gar nicht. Ich bin ziemlich sicher, dass der Inhaber sich nicht an mich erinnert hat. Und doch schenkte er mir seine Fröhlichkeit, sein Vertrauen und (erstmal) sein Eis.

Ich habe aus dem nächstgelegenen Automaten neues Bargeld gezogen und ihm noch am selben Abend vorbeigebracht. Ich erntete Unverständnis und Protest, ich hätte ihn ruhig ernst nehmen und irgendwann bezahlen sollen. Fast war der nette Herr beleidigt, dass ich so kurze Zeit später schon wieder da war. Und mein Trinkgeld nahm er auch nur unter lautem Schimpfen und Kopfschütteln an.

Ganz ehrlich: So etwas habe ich in dieser Form noch nie erlebt. Und da das Eis dort auch noch wirklich lecker schmeckt, mache ich hier mal unverschämt Werbung für den freundlichen Service und das nette Lächeln und das unerwartete Vertrauen: Geht also alle zum Matteo Boccuzzi Eiscafé in Wessling. Und wenn ihr da seid, bestellt einen riesigen Eisbecher oder so viele Kugeln, wie auf eine Eiswaffel passen, lächelt den Inhaber besonders freundlich an, und bezahlt gleich. Das hat er mehr als verdient.

Abbaye de Beauport: Raum für Ruhe und Träume

Eingangsbereich der Abbaye de BeauportHier geht es gerade ziemlich rund. Was liegt da näher, als am Feierabend ein wenig Ruhe zu tanken und zu träumen. Daher nehme ich euch heute mal mit in ein verfallenes Gemäuer. Warum? Darum.

Nur eine Ruine? Wer so denkt, ist bei der Abbaye de Beauport falsch. Denn Ruine stimmt zwar, aber „nur“ ist definitiv verkehrt. Die alte Prämonstratenserabtei in der Nähe von Paimpol liegt direkt am Meer und lädt mit ihren alten Mauern, den zahlreichen verwunschenen Ecken, den vielen überraschenden Perspektiven und einigen überraschend gut erhaltenen Räumen ein, tief einzutauchen in Ruhe und Frieden und Träume.

Einiges über die Geschichte des Klosters, dessen Ursprünge im 13. Jahrhundert liegen, könnt ihr in der Wikipedia oder andernorts nachlesen. Auch auf den Seiten der Abtei können die französischsprachigen Menschen unter euch sich über die Geschichte des Ortes schlau machen.

Von vielen Gebäuden sind nur die Grundmauern übriggeblieben, die von Efeu und anderen Pflanzen bewachsen sindIch will euch heute kein Referat halten, sondern ein wenig schwärmen von Orten, die mir mehr vermitteln als nur das Gefühl, einen kulturell wertvollen Ort zu besichtigen. Es gibt Orte, die regen meine Phantasie an, bringen mich zum Träumen, sprechen mich auf einer Ebene an, die über die Wissensebene hinausgeht. In Beauport (was übersetzt „schöner Hafen“ bedeutet), ist das so.

Alte Treppe, auf der lila blühende Lupinen wachsenWer zwischen den zerfallenen Mauern wandelt, den erwartet hinter jeder Ecke eine neue Perspektive. Ja richtig, wer wandelt. Denn nur entlanglaufen kann man hier eigentlich gar nicht. Man muss ständig stehen bleiben, nach oben schauen, wo die Mauern in unregelmäßigen Formen enden, nach unten schauen, wo alte Grabplatten von Äbten, alte Ecksteine eines Brunnens, zwei turtelnde Schmetterlinge oder andere Schönheiten die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich ziehen wollen. Wer also hier wandelt, der kann mit allen Sinnen eintauchen in diesen Ort, der entdeckt alle paar Schritte neue Blüten und Pflanzen, neue Details, die kunstvolle Hände vor Jahrhunderten in Stein gehauen haben; der hört aber auch, wie der Wind das Rauschen der Wellen aus der nahen Bucht heranträgt, oder lauscht dem Brummen von Hummeln oder dem Zwitschern von Vögeln, die man zwischen den Blättern der Bäume nicht immer sofort sehen kann. An sonnigen Tagen riecht es nach Blütenduft und Gras, an nebligen Tagen nach Erde und Moos und Salz in der Luft.

In Stein gehauene Blume in der Abbaye de BeauportDie ganze Atmosphäre strahlt Ruhe aus – sogar, wenn gleichzeitig dutzende andere Touristen den Reiz der Abbaye entdecken wollen. Wer sich gestört fühlt von einer Busgruppe, muss sich nur in den Schatten zurückziehen oder auf einer der alten Stufen warten, bis die eiligen Besucher wieder in Richtung Besucherzentrum strömen.

Abgesehen von den eiligen Vorbeistürmern herrscht hier also Ruhe. Und das auf eine so unaufdringliche Art, dass man einen Eindruck davon gewinnt, warum gerade Mönche hier ihre Zelte aufgeschlagen haben.

An Orten wie diesen herrscht für mich ein ganz besonderer Zauber. Ich glaube, er liegt nicht nur in der Schönheit der Landschaft, sondern auch in der Tatsache begründet, dass hier hunderte Menschen gelebt haben, von denen wir kaum etwas wissen. Und trotzdem haben sie ihre Spuren hinterlassen, die uns einen Einblick in ihre Leben geben, in das, was ihnen wichtig war, in ihren Alltag und ihre Spiritualität.

Dass das Meer so nah ist (und das Meer hat ja für mich immer einen ganz besonderen Reiz) ist ein zusätzlicher Pluspunkt. Ich freue mich schon auf den nächsten Besuch.Ein von einem romanischen Gewölbe getragener Saal der Abbaye de Beauport

Von Warn überwucherter Grabstein in der Abtei von Beauport

Blick auf die Bucht von Beauport

Freude und Leid und ein Spendenaufruf

Manchmal liegen Freude und Leid ganz nah beieinander.

Da macht Gabi Reichert wundervolle Fotos von „meinem“ Leuchtturm und fasst in Worte, was ich genau an der gleichen Stelle auch empfunden habe. Und Knippst auch den Delphin vor Ouessant, vom dem ich immer nur lese, den ich aber noch nie selbst gesehen habe (schnüff).

Da sind beeindruckende Begegnungen in einer Flüchtlingsunterkunft. Und dann dieser wundervoll sonnige Tag beim Whisky Festival in Limburg (davon später mal mehr).

Und gleichzeitig nehme ich großen Anteil am Schicksal der Flüchtlinge im Mittelmeer und am Leid der Mesnchen in Nepal nach dem Erdbeben, von dem quasi stündlich immer schrecklichere Meldungen hier ankommen. Daher lasse ich hier ausnahmsweise einen Teil meiner beruflichen Arbeit herein. Wenn ihr helfen könnt und wollt, dann geht das zum Beispiel hier.

Kurzer Ostsee-Abstecher

Dienstreisen gehören in meinem Berufsleben dazu und ich freue mich immer darauf, mich mit anderen auszutauschen, gemeinsam etwas zu erarbeiten, spannende Projekte kennenzulernen oder anderen als Referentin etwas zu vermitteln. Manchmal gibt es aber einen zusätzlichen Grund zur Freude. Anfang der Woche war das so, denn ich durfte nach Rostock fahren. Und wer sich nur ein ganz kleines bisschen mit der Geographie hierzulande auskennt, weiß, was das heißt: Meer, Meer und noch mehr Meer. (Juhu!)

Eine liebe Kollegin holte mich am Montag Nachmittag am Bahnhof ab und nachdem ich meinen Koffer losgeworden war, düsten wir direkt nach Warnemünde. Und was soll ich euch sagen. Schön ist es da. Schön im Sinne von SCHÖÖÖÖÖÖN.

Historischer Leuchtturm von Warnemünde mit dem modernen geschwungenen Dach des "Teepotts"Der alte Strom mit den Fischkuttern und den schnuckeligen, herrlich detailverliebt gebauten und wunderbar bunten Häuschen am Ufer. Die Mole mit den beiden Leuchttürmen an der Hafenein- bzw. Ausfahrt. Der historische Leuchtturm mit dem „Teepott“…

Große Fähre der Scandlines fährt in den Hafen ein, davor ein orangfarbenes SchlepperbootMich Landei begeisterten auch die wirklich riesigen Fähren. Die Einheimischen lächeln nur müde, denn im Vergleich mit den Kreuzfahrtschiffen, die ab Mai hier wieder ein- und ausfahren, sind die Fähren wohl nur kleine Fische Schiffe. Aber natürlich können sie mit den Fischkuttern in Sachen Romantik und Hach-Gefühle nicht mithalten.

Fischkutter im Alten Strom von WarnemündeWeniger romatisch sind die Möwen, die hier nicht nur verwöhnt und ein wenig frech sind, sondern sich herrisch auf alles tsürzen, was irgendwie essbar aussieht. Ortskundige (und vertrauenswürdige) Augenzeugen berichteten von Möwen, die Touristen das gerade erworbene Fischbrötchen aus den Händen reißen. Wir haben das nicht ausprobiert.

Riesige Möwe auf einem Steinsockel am Alten Strom in WarnemündeAber am Meer muss ich natürlich auch etwas Passendes verspeisen. Direkt unterhalb des historischen Leuchtturms kann man wunderbaren frischen Fisch essen und ein Gläschen Wein dazu trinken, sich wunderbar mit sehr netten Menschen unterhalten und dabei aufs Meer blicken, das sich in der Abendsonne immer goldener färbt. <3

Blick aus dem Fenster des Restaurants unterhalb des historischen Leuchtturms von WarnemündeEinen kleinen Wehmutstropfen gibt es allerdings für euch: Die Qualität der Bilder ist diesmal nicht nur wegen der mangelnden Fähigkeiten der Fotografin nicht so wirklich klasse. Die Fotos offenbaren den bisher einzigen Nachteil, den ich an meinem Fairphone entdeckt habe: die Qualität der Kamera ist nur so naja.

Einen kleinen Eindruck von der wirklich herrlich schönen Ecke Ostsee vermitteln die Bilder meiner Meinung nach aber trotzdem. Daher kriegt ihr einfach noch ein paar mehr.

Roter Leuchtturm am Ende der Mole mit kleinen Segelbooten eines KindersegelkursesGrüner Leuchtturm auf der linken Seite der Mole in WarnemündeBlick in Richtung der Werft in Warnemünde von der Brücke am Alten StromDer Sonnenuntergang am Ostseestrand färbt den Himmel in allen Farben von orange bis lilaDüne mit Dünengras vor blau-rosa-violettem Abendhimmel

Begegnung in der Buchhandlung

Ich werde immer wieder gefragt, warum ich die Bretagne so liebe. Da könnte ich natürlich tausend und eine Geschichten erzählen von der Schönheit der Natur, dem Meer (immer das Meer), den Felsen und dem wirklich außergewöhnlich schönen Wechsel der Gezeiten. Ich könnte schwärmen von architektonischen Highlights, von Granitspitze und Fachwerk, von Leuchttürmen und Inseln, von Kormoranen und Papageientauchern, Seehunden und Delphinen. Ich könnte erzählen von Legenden und Märchen, von Traditionen und modernen Brüchen derselben. Und das tue ich ja in der Regel auch.

Vier gebrauchte Bücher von Henri QuéffelecAber solche naturgegebenen und menschengemachten Schönheiten gibt es ja auch andernorts. Und natürlich gibt es auch andere Orte, an denen ich dieses „schockverliebt“-Gefühl schon gespürt habe, das ich hatte, als ich zum ersten Mal das Schild „Bienvenue en Bretagne“ am Straßenrand gesehen habe. Was die Bretagne für mich so besonders macht, sind die Menschen, denen ich dort begegnet bin. Menschen, die einem nicht nur offen begegenen, weil man als Touristin Geld mitbringt. Sondern Menschen, mit denen sich echte Gespräche ergeben haben. Die von ihrem Leben erzählen und mir einen Einblick gegeben haben, in das, was es heißt, am „Ende der Welt“ zu leben. Im Laufe der Jahr habe ich zahlreiche solche Begegnungen gehabt. Eine davon war in einer Buchhandlung in Bécherel.

Ich habe meine Magisterarbeit über Henri Queffélec geschrieben und habe dafür einige Wochen in der Bretagne recherchiert. Da es nicht alle Bücher, die ich gerne gelesen hätte, in der Unibibliothek in Rennes und auch nicht mehr im Buchhandel zu kaufen gab, habe ich versucht, sie antiquarisch zu bekommen. Und wo geht das wohl besser als eben in der Bücherstadt Bécherel. Dort reiht sich Buchhandlung an Buchhandlung, Antiquariat an Antiquariat. Und überall stehen die größten und nettesten Bücherwürmer der Welt hinter den Verkaufstresen, servieren den stöbernden Gästen Kaffee oder Tee, empfehlen das zum jeweiligen Literaturgeschmack passende Teilchen vom nahegelegenen Bäcker und sind auch ansonsten gerne zum Plaudern aufgelegt.

In einem der Läden fing der Besitzer von innen heraus zu strahlen an, als ich ihn nach Büchern vom „Grand Keff“ fragte. Und wollte sofort mehr darüber wissen, warum ich danach auf der Suche war. Also erzählte ich ein wenig von der geplanten Arbeit, davon, was ich schon gelesen hatte und wir kamen ins Diskutieren, welcher von Queffélecs Romanen der beste sei und welche ich unbedingt noch lesen müsste. Schließlich kletterte der ältere Herr auf eine Leiter, stieg in den Keller hinab und stöberte auch sonst noch eine Weile herum, um schließlich mit drei Büchern zurückzukommen. Zwei wollte er mir auch gerne verkaufen, das dritte war aber eines aus seiner privaten Sammlung und unverkäuflich. Henri Queffélec hatte es nach einer Lesung in der Buchhandlung ausführlich und sehr persönlich signiert. Und als ich endlich verstanden hatte, dass der nette Herr „meinen“ Autor persönlich kennengelernt hatte, brühte er noch einen Kaffee auf, ich packte meinen Block aus und machte mir eifrig Notizen für das Biografie-Kapitel meiner Arbeit.

Irgendwann musste ich dann aber zusammenpacken, um den letzten Bus zurück nach Rennes nicht zu verpassen. Und da fragt doch der freundliche Ladenbesitzer, an welcher Uni ich eigentlich studiere. Meine Antwort – Freiburg im Breisgau – konnte er kaum glauben. Wie ich das denn mache, wenn ich täglich aus Frankreich dorthin fahren müsse. Oder ob ich während des Semesters eine Wohung dort hätte? Ich verstand ihn erst gar nicht, aber schließlich kam doch bei mir an, dass er nicht mitbekommen hatte, dass ich gar keine Französin, sondern Deutsche bin. Meinen Akzent hatte er für elsässisch und meine Grammatikfehler für das übliche mangelnde Sprachgefühl der „Jugend von heute“ gehalten.

Ich erinnere mich noch genau an die plötzliche Stille, die das fröhliche Geplauder der vergangenen Stunden so jäh unterbrach. An das tiefe Luftholen meines Gegenübers, an sein Zögern, bevor er mir sagte, dass er gar nicht mit mir gesprochen hätte, wenn er gewusst hätte, dass ich Deutsche bin. Im Krieg hatte er viele Familienmitglieder verloren und bewusst hatte er noch nie ein Gespräch mit jemandem aus Deutschland geführt und eigentlich hatte er das auch nicht mehr ändern wollen.

Ich weiß nicht, wer von uns beiden überraschter war, dass es diesen Nachmittag mit intensiven Gesprächen, geteilten Erinnerungen und Hoffnungen, die Stunden mit intellektuellem Streit über die Qualität von Büchern, mit Lachen und Kaffeetrinken unter diesen Umständen gegeben hatte. Gerade als ich mich wortreich entschuldigen wollte, dafür, dass ich ihn unbewusst zu etwas gebracht hatte, was er so sehr ablehnte und was schmerzhafte Erinnerungen in ihm weckte, nahm er mich am Ellbogen, gab mir ein Küsschen rechts und links und noch eines rechts und wieder links und wünschte mir viel Glück für meine Arbeit. Ich solle mir keine Gedanken machen, er habe in seinem Alter ganz überraschend noch etwas dazugelernt. Und ich solle auf keinen Fall den Bus verpassen. Ich habe ihm am Ende ein Exemplar meiner Arbeit geschickt – in der er natürlich dankend zitiert wurde – und eine kleine Postkarte mit nur einem Satz zurückbekommen: Danke für den Nachmittag.

Es sind solche Momente und Begegnungen, solche Menschen, die mir das Gefühl geben, in der Bretagne immer auch ein Stück meines Herzens zurückzulassen wenn ich wegfahre und es bei jedem neuen Besuch wiederzufinden.

Oups, I did it again: Schweinetorte reloaded

Langsam aber sicher wird die Schweine-im-Schlamm-Torte wohl mein Signature-Bake. Diesmal ist die Füllung Miss Blueberrymuffins unglaublich leckerer Guiness-Kuchen mit einer Zartbitter-Praliné-Ganache aus 90 g Sahne und 180 g Schokolade.

Die Schweine sind natürlich wieder Marke Eigenbau aus Marzipan und Aurélies Rote-Beete-Farbe.

Die Schweinetorte mit einem rosa Schleifenband drumherumAlles zusammen ergab das ein Mitbringsel für das legendäre Forever-39-Brunchbuffet einer guten Freundin. Geschützt von einem Tortenring und einer Haube haben die Schweine sogar die Reise nach Hannover überstanden. Und es sieht so aus, als dürfte ich sie demnächst wieder machen. Wer Lust auf ein Schlammbad hat, darf sich also gerne melden 🙂

Schokokuchen mit Himbeeren und Joghurt

Nadine von Dreierlei Liebelei hat ihr Lieblingsschokokuchenrezept verraten und ich glaube, das könnte auch einer meiner Lieblinge werden. Ich habe ihr Rezept nur ganz leicht angepasst und das Ganze mit ein wenig Säure in Form von Joghurt und Himbeeren ausgeglichen. Aber lest selbst.

Schokokuchen noch ohne DekoZutaten für eine 26er-Form oder zwei 18er-Formen (meine Version):

200 g Zartbitterschokolade (am besten mit 70% oder mehr Kakao-Anteil)
250 g Butter
3 Eier (Größe L)
60 g Zucker
70 g gemahlene Mandeln
1 gehäufter EL Mehl
1 Prise Salz

für die Deko:

250 g griechischer Joghurt
2 Handvoll Himbeeren

Schokokuchen mit Joghurt und Himbeeren oben draufUnd so wird’s gemacht:

Schokolade und Butter im Wasserbad zum Schmelzen aufsetzen. Währenddessen die Eier mit dem Zucker aufschlagen, bis sie weiß und cremig sind. Das darf ruhig bis zu 10 Minuten dauern. Jetzt fügt ihr unter ständigem Rühren die Schokomasse dazu. Zum Schluss rührt ihr Mandeln, Mehl und Salz nur kurz unter, bis sich alles gleichmäßig vermischt hat.

Im vorgeheizten Backofen bei 175°C ca. 20 bis 25 Minuten backen. Gut auskühlen lassen, bevor ihr den Kuchen aus der Form nehmt.

Für die Deko den Joghurt mit einem Schneebesen etwas aufschlagen. Wer nicht auf die schlanke Linie achten muss will, kann die Crème auch aus halb Joghurt und halb Crème fraîche zusammenrühren. Mit einigen Himbeeren dekorieren und servieren.

Danke Nadine für das wunderbare Rezept. Guten Appetit!

Dekorierter Kuchen von  oben fotografiert

Frohe und gesegnete Ostern!

Osterlamm mit Puderzucker vor bunten Tulpen

Noch ganz erfüllt vom Zauber der Osternacht wünsche ich euch ganz viel Ostersegen.

Das Rezept für das Lämmchen (ergibt 3 Stück) ist ganz einfach.

Zutaten:

6 Eier
300 g Zucker
1 Päckchen Vanillezucker
1 Prise Salz
250 g Butter
0,5 Tasse Milch
500 g Mehl
1 Päckchen Backpulver

Die Eier trennen, die Eigelbe mit dem Zucker, dem Salz, dem Vanillezucker und der Butter zu einer glatten Crème aufschlagen. Die Milch nach und nach unterrühren, dabei aufpassen, dass keine Klümpchen entstehen. Dann das mit dem Backpulver vermischte Mehl unterrühren. Zum Schluss das Eiweiß zu Schnee schlagen und unterheben.

Die Lammformen buttern und mehlen und füllen. Dabei solltet ihr darauf achten, die Formen nicht zu voll zu machen, denn der Teig geht ziemlich gut auf.

Bei 180°C für ca. 25 bis 30 Minuten in den Ofen schieben. Lasst die Lämmchen gut auskühlen, bevor ihr sie aus der Form nehmt. Falls dabei der Kopf abbricht (ist mir in diesem Jahr nicht passiert, aber ich weiß, wovon ich rede 🙂 ) könnt ihr ihn mit einem kleinen Zahnstocher wieder an seinen Platz befördern.

Hier gibt es in diesem Jahr natürlich auch wieder eine fröhliche Hasenparade mit Buchweizenmehl.

Hasenstempel-Keks vor zwei PorzellanosterhasenKeks mit einem Osterhasenstempel dekoriert vor einem StoffhühnchenViel Segen!

Biblios, das fröhliche Bücher-, äh Kartenspiel

Ihr liebt Bücher? Ihr liebt Spiele? Dann seid ihr hier richtig, denn Biblios vereint beide Leidenschaften in einem.

Die verschiedenen Elemente des Spiels Biblios: Karten, Würfel und eine ÜbersichtskarteAls Äbte eines Klosters versuchen wir, die schönsten, besten, heiligsten und verbotensten Bücher für unsere Bibliothek und am besten auch noch die Mönche mit dem größten künstlerischen Talent zu ergattern. Dazu verteilen wir in der ersten Runde erst einmal Geschenke. Das heißt, wer an der Reihe ist, zieht nach und nach so viele Karten, wie Spieler in der Runde sind, und eine Karte mehr. Die Karten zeigen verschiedene Sorten Bücher oder sind verschieden hohe Geldbeträge wert. Bei jeder Karte muss man entscheiden: Behalte ich die Karte für mich, lege ich sie in den Vorrat, der später versteigert wird, oder gebe ich sie meinen Gegnern? Das vertrackte daran: Die Entscheidung fällt nach dem Ziehen jeder Karte, ohne dass man weiß, was eventuell noch danach kommt.

Hat man alle Karten verteilt, gibt man den Stapel weiter und der nächste Spieler steht vor den gleichen haarigen Entscheidungen. Welche Bücher hat die Konkurrenz schon eingesackt? Welche will man selbst unbedingt haben? Oder soll man doch lieber Geld nehemn, um bei der Versteigerung nochmal richtig abzusahnen? Denn schließlich ist es das Ziel, bei möglichst vielen Büchersorten (dargestellt durch verschiedene Farben), die Punktemehrheit zu erobern, denn nur für den Sieger jeder Kategorie gibt es Punkte. Diese Punkte liegen in Form von Würfeln in den passenden Farben gut sichtbar für alle in der Tischmitte aus. Zu Beginn zeigen die Würfel alle jeweils 3 Augen.

Allerdings tauchen während des Spiels immer wieder so genannte „Kirchenkarten“ auf: Äbte, Bischöfe und Kardinäle, die uns die Möglichkeit geben, die Schlusswertung zu beeinflussen, indem wir Würfel einer oder mehrerer Farben höher oder niedriger drehen. Auch hier gilt es, neben dem Wissen über die eigenen Eroberungen auf dem Buchmarkt auch einen groben Überblick über die bereits bekannten Bücherschätze der Mitspieler zu behalten, um deren Wertungskategorien ab- und die eigenen aufzuwerten.

Ist der erste Stapel verteilt, wird der zweite, zur Auktion zurückgelegte Stapel, versteigert. Auch hier geht es reihum und wer mit Versteigern dran ist, gibt das letzte Gebot ab. Bücher- und Kirchenkarten muss man offen mit Geldkarten bezahlen, Geldkarten muss man verdeckt mit beliebigen Karten zahlen. Am Ende gilt es, wie gesagt, die Mehrheit der Bücher verschiedener Kategorien zu erobern und damit die aktuelle Augenzahl der gleichfarbigen Würfel als Siegpunkte zu verbuchen. Das füllt keinen ganzen Abend, aber als Anwärmer oder, noch besser, als Absacker in einer Runde von Kartenspiel- und Lesefreaks, ist Biblios bestens geeignet.

Bücher, Karten und ein Klosterambiente: Für den Lieblingsmenschen und mich eine ziemlich großartige Ausgangslage, um sich in dieses Spiel zu vergucken. Dass man das kleine Spielchen auch zu zweit prima spielen und dank seiner kompakten Verpackung auch gut mitnehmen kann, erhöht die Freude nur. Spieleabend anyone?