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Spiel ’15: Spielen (fast) ohne Ende

In diesem Jahr haben wir uns drei Tage bei der Spiel ’15 gegönnt. Wie immer: großartig. Und durch die viele Zeit, die wir in Essen verbracht haben, weniger stressig als in den Vorjahren. Viel Zeit zum Umsehen und Erklären lassen, zum Zuschauen und begeistert sein, zum Online-Bekannte live und in Farbe zu treffen und neue Leute kennen zu lernen. Und natürlich zum Spielen. Ausgiebig spielen.Spiel "...and then we held hands" aufgebaut auf der Spiel '15
Dachten wir bis Samstag Mittag noch, in diesem Jahr hätten wir viele gute, einige sehr gute, aber noch kein absolut begeisterndes Spiel gesehen, wurden wir nur wenige Stunden später eines besseren belehrt. Zwar ist …and then we held hands von Ludicreations kein typisches, großes Strategiespiel. In dieser Kategorie hätte vielleicht am ehesten Grand Hotel Austria von Lookout gefallen können. Da gab es allerdings nur zwei Tische und wir hatten kein Glück oder zu wenig Wartegeduld. Beim Zuschauen bekamen wir allerdings den Eindruck, dass es in voller Runde recht grübellastig sein könnte. Vielleicht hat ja jemand anderes aus unserer Spielerunde zugeschlagen, so dass wir es doch noch testen können.Übergroße Plättchen und Meeple beim Finale der Deutschen Carcassonne-Meisterschaft bei der Spiel '15 in Essen

Natürlich durfte neben den Mini-Erweiterungen mit den schön gezeichneten „echten“ Klöstern und Burgen auch eine weitere große Carcassonne-Erweiterung bei uns einziehen.  Das hat ja fast schon Tradition, schließlich kommt das beste alle Plättchenlegespiele (nein, keine Widerrede erlaubt 🙂 hier regelmäßig in den unterschiedlichsten Varianten auf den Tisch. Und natürlich haben wir auch bei der deutschen Meisterschaft zugesehen und die überdimensionalen Plättchen sowie die taktischen Finessen im Finale bewundert.

Besonders freue ich mich auf die erste Partie OctoDice. Das erste Spiel, das ich bereits als Prototyp spielen durfte. Danke fürs Anfixen Ralf. 🙂

Ansonsten gab es diesmal viele Erweiterungen – kleine und große. Pandemie Ausnahmezustand kommt mit den Sanitäterfreunden bald wieder auf den Tisch, Und mit Roll for the Galaxy Ambition kommen noch eine ganze Menge neue Würfel zum sowieso schon großartigen Würfelspiel dazu. Wie gut, dass wir jetzt auch einen Würfelturm besitzen 🙂

Die Ausbeute (keine Angst, nicht nur für uns, aber wer mit was beschenkt wird, verraten wir natürlich nicht), sah am Ende so aus:Stapel der neu erworbenen Spiele bei der Spiel '15 in Essen

 

Wie ihr sehen könnt, warten da noch einige Eindrücke darauf, aufgeschrieben zu werden. Dranbleiben… 😉

Durch die Wüste: Pastellkamele und Oasen

Morgen geht sie los, die Spiel ’15 in Essen. Juhu. Natürlich muss man sich ordentlich vorbereiten. Mit pastellfarbenen Lasttieren in fernen Landen zum Beispiel. Spielfeld von "Durch die Wüste" mit vielen bunten Kamelfiguren platziert

Stellt euch vor, ihr befehligt eine Truppe wagemutiger Kamelreiter, die Karawanen durch die Wüste führen. Ihr könnt bestimmen, wie viele Kamele zu ihrer Karawane gehören und welchem Reiter ihr zutraut, ein ganzes Gebiet zu erobern, die dortigen Wasserstellen in Besitz zu nehmen. Klingt gut? Dann solltet ihr euch Durch die Wüste mal ansehen. Der Lieblingsmensch hat das Spiel meinen Eltern abgeschwatzt, aber gar nicht mal wegen der niedlichen (leider pastellfarbenen und bei trübem Wetter nicht unbedingt gut voneinander zu unterscheidenden) Kamele, sondern wegen des Autors. Denn das lustige Karawanen-Wüstenrennspiel ist von – Trommelwirbel – Reiner Knizia.

Was quasi gleichbedeutend ist mit: Kann gar nicht schlecht sein. Ist es auch nicht. Doch um es gleich vorweg zu nehmen: Die Meinungen gehen in unserer (erweiterten) Spielrunde doch deutlich auseinander. Von „wundervoll-großartig“ über „macht Spaß“ bis zu „als etwas längerer Absacker ganz nett“ war alles dabei.Rosa Kamelfigur mit blauem Reiter auf dem sandfarbenen Spielplan von "Durch die Wüste"

Zunächst setzt jeder Spieler nach und nach seine Kamele mit Reiter ein. Dazu muss man wissen, dass es sechs unterschiedliche Kamelfarben gibt und jeder zunächst ein Kamel jeder Farbe mit einem Reiter in seiner Spielerfarbe bestücken darf. Die sehen sehr nett aus und die Reiter halten auch das gesamte Spiel über auf den Kamelen. Das macht die gewöhnungsbedürftigen Farben deutlich aushaltbarer.

Dabei ist es wichtig, sich gleich von Beginn an Gedanken über den besten Startplatz für die zu bildende Karawane machen, denn bei dem einen, berittenen Kamel, soll es ja nicht bleiben. Gut sind Startplätze, die weder zu nah am Rand noch zu weit von einer Oase entfernt sind. Zudem sollten die Anführer der Karawanen möglichst nahe an möglichst hochwertigen Wasserstellen stehen und nicht zu nah am gleichfarbigen Konkurrenten der Gegner. Allerdings kann nach einigen Partien auch genau die gegenteilige Strategie zum Erfolg führen, wenn es einem gelingt, die gegnerischen Handelskarawanen klein und von den Wasserstellen fernzuhalten.

Viel zu denken also. Da es jedoch gerade zu Beginn des Spiels immer mehrere gute Optionen gibt, versinkt man nicht so schnell im Grübeln. Das wird mehr, wenn es darum geht, in jeder Folgerunde zwei farbige Kamele auszuwählen und diese der jeweils passenden Karawane hinzuzufügen. Ich kann also beispielsweise zwei gelbe Kamele nehmen und sie zu meinem Reiter auf dem gelben Kamel stellen. Erreiche ich dadurch eine Palme (Zeichen für eine Oase) oder eine Wasserstelle, bekomme ich Punkte. Würde ich dadurch aber ein Feld neben der gelben Karawane eines Gegners belegen, muss ich mir einen anderen Standort aussuchen oder gleich eine andere Karawane ausbauen. Wer es schafft, mit seinen Kamelen ein Gebiet auf dem Spielplan so abzugrenzen, dass kein anderer mehr dort Tierchen aufstellen kann, bekommt für jedes freie Feld im Gebiet weitere Punkte.Detailaufnahme einiger Kamele mir Reiter neben Palmen und Oasenplättchen

Das alles ist ganz unterhaltsam, da langfristige strategische Pläne oft von den Mitspielern durchkreuzt werden, man mit etwas Glück und guter Taktik jedoch trotzdem noch eine ganze Menge Punkte einheimsen kann. Auch ist die Spieldauer mit 30 bis 40 Minuten (bei zwei bis vier Spielern, mit fünfen dauert es vermutlich wegen der Grübelgefahr etwas länger) gut gewählt.

Trotzdem kommt bei mir kein dauerhaftes Glücksgefühl auf, da die Mischung aus Strategie (beim Positionieren der Kamele am Anfang), Taktik (bei den späteren Zügen) und Glück (Oasen und Wasserstellen werden zufällig auf dem Brett verteilt) fast schon zu gut ausgewogen ist. Mit einer Runde aus erfahrenen Spielern bleibt (zu) wenig Spielraum für Überraschungs-Coups.

Durch die bis auf die Farben der Kamele extrem gelungene Gestaltung, die gut formulierte Regel und die leichte Erlernbarkeit ist Durch die Wüste jedoch durchaus ein gelungener Absacker, der so schnell nicht wieder aus unserem Spieleregal verschwinden wird.

Viceroy

Pyramide aus Karten in vier Ebenen beim Spiel "Viceroy"Bei der Spielemesse in Essen im vergangenen Jahr haben wir es gespielt und waren begeistert. Und so wurde Viceroy mein erstes Kickstarter-Projekt. Letzte Woche ist es endlich angekommen. Juhu 🙂

Natürlich haben wir es gleich auf den Tisch gebracht. Und ich mag es noch immer. Von Mayday, dem Verlag, der das Spiel in der englischen Ausgabe herausgebracht und es über Kickstarter finanziert hat, bin ich allerdings weniger begeistert. Viel zu lange hat es gedauert, bis der Verantwortliche zugab, dass der anvisierte Auslieferungstermin im März nicht zu halten war.

Während auf Facebook und im Verlagsnewsletter noch Jubelmeldungen von nahenden Fertigstellungsterminen vermeldet wurden, war – wie sich später herausstellte – hinter den Kulissen längst klar, dass die Produktion von Russland nach China verlegt werden musste. Das chinesische Neujahrsfest, aufwändige Grafikarbeiten für die Zusatzmaterialien für die Kickstarter-Backer und vollkommen sinnlose Sonderaktionen wie das Beilegen von Plastiktütchen, die für das Spielmaterial viel zu klein sind, verzögerten das Projekt zusätzlich. Wer Lust hat, kann den gesamten „Spaß“ in den Kommentarspalten durchlesen. So gut wie die Kommunikation in der Geldsammelphase lief, so schlecht war sie danach. Aber immerhin kam das Spiel heil und vollständig bei uns an. Daher: Vorhang auf für den Vizekönig.

Bei Viceroy baut man Pyramiden aus Karten. Für den Erwerb der Karten und deren Einbauen in die Pyramide muss man in Diamanten bezahlen. Klingt einfach, aber dann wird es auch schon kompliziert:Zwei Pyramiden und die Spielermatte mit den Karten für die Auktion von Viceroy auf einem Tisch

Manche Karten bringen „Dauer-Diamanten“ mit, mit denen man beim Auslegen weniger bezahlen muss, andere geben einem Vorteile in Form von kleinen Chips mit verschiedenen Symbolen, die in der richtigen Kombination am Ende des Spiels Punkte bringen können.Bei der Kickstarter-Edition sind zusätzlich zu den Papp-Chips mit Diamanten kleine, sehr nette Plastik-Diamanten dabei. Auch die Playmat – also die Unterlage für die Karten bei den Versteigerungsrunden, den Rundenzähler und die verschiedenen Kartenstapel – ist ein Kickstarter-Extra. Doch auch ohne diese Zusätze lässt sich Viceroy ganz hervorragend spielen. Man müsste die Karten nicht einmal sleeven, da sie eine recht gute Qualität haben. Damit wir möglichst lange Spaß daran haben, haben wir die Karten trotzdem in Hüllen gesteckt. Doch zurück zum Spiel und den Kartenoptionen.

Einige Karten geben direkt Siegpunkte, andere ermöglichen es, eine oder mehrere Karten nachzuziehen, wieder andere geben einem die Chance, zusätzliche Edelsteine auszusuchen und in den eigenen Vorrat zu legen. Und dann gibt es noch die Auftragskarten, die man kostenlos einbauen darf und die in der Regel mehrere Vorteile bieten, von denen man sich einen aussuchen kann.Diamanten hinter dem Spieler-Schirm, der bei Viceroy das Ausspionieren des Gegners verhindern soll

Um die Karten zu bekommen, muss man sie ersteigern. Im Spiel zu zweit ist das nicht der allerspannendste Moment. Da jedoch auch hier Absprachen und Bluffs möglich sind und man in diesen Spielphasen auch die zuvor erspielten Plättchen mit Schwert hinterhältig-meuchelnd zum Einsatz bringen darf, sind die Versteigerungen auch keine reine Zeitverschwendung. Mit mehreren Spielern kann es bei den Auktionen richtig rund gehen. Doch niemand geht leer aus. Wer keine Karte abkriegt, bekommt wenigstens für die nächste Runde eine bessere Ausstattung in Form von zusätzlichen Diamanten.

Die kann man jedoch auch beim Auslegen von Karten – also beim Erweitern der eigenen Pyramide – wieder auf den Kopf hauen. Denn je nachdem, auf welche Ebene der Pyramide man eine Karte anlegt, desto mehr Diamanten muss man abgeben. Allerdings steigern sich auch die Erlöse, die die Karten bringen, je nachdem, wo man sie in die Pyramide einbaut.Beginn einer Viceroy-Pyramide mit einer Karte in der zweiten Reihe

Hat man am Ende darauf geachtet, die Karten so zusammenzulegen, dass die farbigen Ecken sich zu gleichfarbigen Kreisen ergänzen, gibt es Punkte. Auch Sets von drei verschiedenen Symbolen, Bonus-Chips, Siegpunkte-Plättchen und Wertungsboni auf den Auftragskarten können das eigene Punktekonto ganz schön füllen. Allerdings kann ein fieser Mitspieler mit einem bis zum Schluss aufgesparten Schwert einige Punkte auch wieder vernichten.

Das klingt kompliziert, wird aber mit jedem Spiel übersichtlicher. Die Karten sind in Fantasy-Manier, sehr detailreich und liebevoll gestaltet. Auch die Schutzschirme, mit denen die Spieler ihren aktuellen Diamanten- und Schwerter-Vorrat vor neugierigen Blicken verbergen, das Regelheft und sogar die vier Seiten des Kartons und das Inlay sind mit wirklich gelungenen Grafiken gestaltet. Da die Schutzschirme auf der Innenseite zudem eine Übersicht über die wichtigsten Regeln und Punkteoptionen enthalten, muss man zwischendurch nicht umständlich im Regelheft blättern.Auktionskarten und Siegpunkte-Chips von "Viceroy"

Es gibt viele verschiedene Strategien, die zu Siegpunkten und am Ende zum Sieg führen können, daher wird das Spiel auch nach mehreren Partien nicht langweilig. Da es so viele verschiedene Möglichkeiten gibt, Punkte zu sammeln, ist es während des gesamten Spielverlaufs schwierig abzusehen, wer am Ende die Nase vorne haben wird. Soll man also in einer Runde gezielt nichts bauen, um in der nächsten Runde die Konkurrenz mit gezieltem Kartenersteigern und massenhaftem Bauen in die Defensive treiben? Soll man schnell in die Höhe bauen, um hohe Boni einzusammeln oder ist es besser, direkt zu Beginn eine breite Pyramidenbasis zu legen, die man dann langsam nach oben und zur Seite erweitert? Wann gilt es, auf dem Diamantenmarkt zuzuschlagen, um nicht mit den letzten Resten vorlieb nehmen zu müssen?Playerscreen von "Viceroy" mit dem Motiv "Dame mit dem Drachen"

Fragen über Fragen, deren Beantwortung beim Steigern und Bauen, beim Grübeln und Überrumpeln und beim Betrachten der fröhlichen (wenn auch etwas martialischen) Märchenfiguren einfach großen Spaß bereitet.

Heidelberger hat übrigens auch eine deutsche Ausgabe angekündigt. Lohnt sich bestimmt.

Deus. Platz-, Rohstoff- und Gebäude-, aber auf keinen Fall Spaßmangel

Ihr wolltet euch schon immer mal wie Götter fühlen, euer eigenes Reich bauen, mit Schiffen über die Weltmeere kreuzen und ab und an ein paar Barbaren ärgern? Dann solltet ihr euch Deus unbedingt ansehen.Spielplan von Deus mit Figuren eines Zweispielerspiels

Deus ist eine Mischung aus Karten-Legespiel, Eroberungsspiel und Zivilisationsbausimulation. Jeder Spieler versucht, sein eigenes Reich so produktiv und erfolgreich wie möglich zu gestalten. Dazu kann man Häfen und Schiffe bauen, Produktionsgebäude errichten und Rohstoffe sammeln, neue Städte bauen oder Handelswege errichten. Natürlich kann man auch seine Armeen losschicken und die Welt erkunden sowie Barbaren vernichten lassen. Als Krönung kann man natürlich Tempel bauen, mit denen man am Ende zusätzliche Siegpunkte scheffeln und hoffentlich in den Olymp aufsteigen kann.Spielplan eines Spielers bei Deus mit mehreren herausgelegten Karten

Das Ganze passiert dabei nicht nur mit Karten, die man vor sich ablegt, sondern gleichzeitig auch auf einer zweiten Ebene: einem Spielplan aus vier immer wieder neu zusammensetzbaren Teilen. Auf diesem Spielplan tummeln sich die Figuren (Schiffe, Häuser, Produktionsgebäude, Armeen, Tempel, Handelsstationen) und hier findet auch der interaktive Teil statt. Denn während man die Karten ganz für sich allein vor sich ablegt, aktiviert jede Karte eben auch eine Figur, die man auf dem Spielplan einerseits so platzieren kann, dass sie einem selbst möglichst viele Punkte bringt.Detailaufnahme von Deus-Spielplan mit vielen Figuren

Andererseits kann man aber auch versuchen, den Gegner in die Bredouille zu bringen, indem man die eigenen Figuren auf Regionen setzt, auf die der Mitspieler ein Auge geworfen hatte. Oder man schneidet einem Mitspieler den Weg ab, so dass er nicht mehr angrenzend an seine eigene Siedlung bauen und andernorts eine neue Siedlung anfangen (und drei Siegpunkte abgeben) muss.

Wer jedoch gewitzt spielt und beim Ziehen der Karten Glück hat, kann auch aus einer solch fast auswegslosen Situation noch Kapital schlagen. Denn natürlich dürfen in einem Gebiet auch mehrere (unterschiedliche) Figuren platziert werden, die – kombiniert mit den richtigen Karten – durchaus sowohl Geld als auch Rohstoffe oder gar Siegpunkte einbringen können. Und wenn man so gar keine Optionen mehr sieht, kann man auch den Göttern ein Opfer darbringen, um zu neuen Karten und anderen brauchbaren Vorteilen zu kommen.Spielplan eines weiteren Spielers bei Deus mit vielen Karten und einigen noch nicht platzierten Figuren

Anfangs ist das Spiel ein bisschen unübersichtlich, aber je besser man die Karten kennenlernt, desto besser läuft das Spiel. Dann kann man versuchen, „unbrauchbare“ Karten zu opfern, um die passenden Kombinationen zu bekommen, mit denen man quasi eine Rohstoff- und/oder Siegpunktmaschine schaffen kann. Nach und nach bekommt man auch ein Gefühl für die Wirksamkeit der verschiedenen Tempel, die man bauen kann, um bei der Endabrechnung Zusatzpunkte zu bekommen.

Da die Landkarte aus den verschiedenen Elementen jedes Mal neu zusammengesetzt wird, stellt sich beim Besiedeln der Karte, beim Plündern der Barbarendörfer oder beim Bau von Produktionsgebäuden in verschiedenen Landschaften auch bei vielen Spielen kein Gewöhnungseffekt ein. Zudem werden bei jeder Reihe, an die man eine weitere Karte anlegt, alle vorher abgelegten Karten und deren Vorteile erneut aktiviert. Kluges Bauen von Reihen ist also gefragt und kann große Vorteile bringen.

Die Mischung aus Strategie, Taktik und Glück (beim Kartenziehen) ist gut gelungen und so wird Deus von Mal zu Mal besser. Vor allem spielt es sich auch als Zweierspiel flüssig und bringt Spaß ohne Abstriche zur Mehrspielervariante. Ein neuer Favorit in unserem Spieleregal.

Patchwork: Ein Spiel für zwei

Flicken, die den Rahmen für das Zwei-Spieler-Spiel Patchwork bilden

Die Nähmaschine und ich, wir werden in diesem Leben keine besten Freunde mehr. Aber hin und wieder finden wir zusammen und dann entstehen durchaus nette Dinge. Ganz ähnlich ist es bei Patchwork. Zu zweit balgt man sich um die besten (weil passendsten und wertvollsten) Flicken und „näht“ diese so auf den eigenen Spielplan, dass möglichst wenig freie Felder übrigbleiben. Gelingt es uns sogar, ein genau sieben mal sieben Felder großes Stück unseres Spielplans auszufüllen, bekommen wir zusätzliche Knöpfe und damit Siegpunkte.Spielplan eines Patchwork-Spielers, in den bereits zahlreiche Flicken eingebaut wurden

Klingt irgendwie einfach? Ist es auch. Zu Beginn liegen die Stoffreste mit vielen oder wenigen Knöpfen in einem großen Kreis auf dem Tisch. Wir ziehen so weit, wie wir wollen und nehmen das entsprechende Teil – solange wir es bezahlen können. Denn Flicken kosten entweder Zeit oder Geld in Form von Knöpfen oder beides. Das Teil, das man so erwirbt, muss man sofort auf seinen Spielplan legen. Der Rundenzähler wird dann so weit vorgerückt, wie man Zeit bezahlen muss. Passiert man dabei auf dem Rundenzähler als Erster einen dort ausliegenden Flicken, darf man diesen an sich nehmen und gleich einbauen. Zeitzähler mit Bonus-Flicken aus dem Zwei-Spieler-Spiel Patchwork

Nun ist der Mitspieler dran. Und zwar so lange und so oft, bis sein Zeitzähler den des Gegners überholt. Hat also der erste Spieler ein Teil gekauft, das zwar super passt, aber viel Zeit kostet, kann der Gegner in Ruhe mehrere (günstigere) Teile einsammeln. Oder aber entscheiden, dass er den ersten Spieler mit einem Sprung überholt. Dafür bekommt man so viele Knöpfe wie die Anzahl der Felder, die man überspringt.

Passiert man unterwegs auf dem Zeitstrahl eine Wertungsmarke, bekommt man so viele Knöpfe wie auf den bereits auf dem eigenen Plan eingebauten Flicken abgebildet sind. Am Ende gibt es Minuspunkte für alle Felder, die man nicht belegen konnte. Wer danach am meisten Knöpfe übrig hat, hat gewonnen.Rückseite des Zeitzähler-Plans mit einer alternativen Aufteilung der Felder

Das ist alles leicht zu verstehen und braucht nicht viel Erklärzeit. Durch die unterschiedliche Reihenfolge der Teile und die beiden verschiedenen Zeitzähler bleibt das Spiel aber abwechslungsreich. Auch wenn der Glücksfaktor durch die zufällige Platzierung der Teile recht hoch ist, nimmt doch mit zunehmender Spieldauer der taktische und strategische Faktor zu. Soll man ein besonders gut passendes Teil nehmen, auch wenn es sehr viele Zeitpunkte kostet (aber dafür einen Flicken bringt und eine Knopfwertung auslöst, die den Geldvorrat wieder auffüllt)? Oder soll man lieber über den Gegner springen und so direkt zu mehr Knöpfen kommen – und gleichzeitig verhindern, dass der Gegner ein besonders beliebtes Flickenkärtchen erwerben kann? Oder sollte man doch besser einen kleinen Sprung machen, ein etwas ungünstigeres Teil nehmen und auf den nächsten Zug spekulieren?

Man kann dabei leicht ins Grübeln kommen und in eine Analysis-Paralysis-Phase abdriften. Allerdings hält das nie lange an, denn spätestens beim nächsten Zug sieht man direkt, was am besten passt und kann gar nicht schnell genug Teile nehmen und „annähen“. Dass die Gestaltung so unglaublich gut zum Thema passt, ist ein zusätzliches Plus. Ein neuer Liebling in unserem Spieleregal.

Catanshop: Verpackungskünstler unter sich

Mitte der Woche hatten wir eine Benachrichtigung von DPD im Briefkasten, dass sie uns ein Paket zustellen wollten. Seltsam, wir hatten gar nichts bestellt – außer sechs Spielkarten. Was das eine mit dem anderen zu tun hat? Dazu muss ich ein wenig ausholen:Sehr großer Versandkarton vor dem Spieleregal in unserem Wohnzimmer

In letzter Zeit siedeln der Lieblingsmensch und ich gerne mal wieder. Allerdings kann sich in unserem Freundeskreis kaum noch jemand dafür begeistern. Es ist ja so: Wie durch ein Wunder haben in diesem Haushalt zwei Personen zusammengefunden, die früher™ durchaus gerne Die Siedler von Catan gespielt, das aber nicht so exzessiv betrieben haben, dass wir es jetzt für alle Zeiten über hätten.

Also haben wir uns das Kartenspiel für zwei gekauft und sammeln nun um die Wette Rohstoffe, Gebäude und Punkte. Jetzt gibt es neben dem Spiel und den Erweiterungen auch noch Sonderkarten. Und um dem Lieblingsmenschen eine Freude zu machen, sollten diese Karten natürlich auch noch hier einziehen. Sechs Stück sind es insgesamt und da dachten wir ja, dass ein kleiner Umschlag reichen sollte, um die zu verschicken. Aber vermutlich ist das zu einfach gedacht. Heute gab es nämlich einen zweiten Zustellversuch des ominösen Päckchens. Es war überraschend groß, aber unglaublich leicht. Darin enthalten: Eine Lage Luftpolsterfolie. Noch eine Lage Luftpolsterfolie.Geöffneter Catan-Karton mit zwei großen Lagen Luftpolsterfolie

Und dann, auf dem Boden des Kartons, tatatataaaa: die sechs Karten. Jede einzeln in eine Tüte gesteckt.Die sechs Karten in ihren Tüten auf den Luftpolsterfolien

Hallo Catanshop? Habt ihr Langeweile? Oder habt ihr bei der Hitze letzte Woche alle Briefumschläge als Fächer genutzt und noch keinen Nachschub bekommen?

Andererseits: Versand und Bearbeitung kosten 4,90 Euro. Dafür kann man sich durchaus etwas mehr Mühe geben. Und den Kunden einen Versandkarton zum Wiederverwsenden schenken. Allerdings kann ich erst überlegen, wer das nächste Päckchen bekommt, wenn ich mit Kopfschütteln fertig bin.

Akrotiri: Von Inseln und Tempeln und fehlenden Rohstoffen

Endlich mal wieder positive Nachrichten aus Griechenland. Denn dort kann man zu zweit unglaublich viel Saß haben. Zumindest auf dem Brett und auch nur, wenn man ganz passabel englisch spricht. Denn übersetzt wurde dieser Spielehit bisher nicht. Inseln anlegen, Fährverbindungen schaffen, Rohstoffe anbauen und mit Schiffen zum Handelsplatz bringen, Geld verdienen und neue Schatzkarten kaufen, historische Tempel entdecken und Punkte sammeln: So lässt sich der Ablauf von Akrotiri zusammenfassen.Spielplan von Akrotiri mit einigen angelegten Inselkärtchen

Doch von vorn: Im klassischen Griechenland haben unsere Boote vor der Insel Thera Anker geworfen. Doch natürlich sind wir Entdecker und haben nicht vor, einfach gemütlich am Strand herumzuliegen. Daher ziehen wir in jeder Runde ein Plättchen mit Inselteilen und Rohstoffvorkommen, Häfen und Schiffahrtsverbindungen und legen es so an Thera an, dass die Verbindungen und Rohstoffe unseren Schatzkarten möglichst dienlich sind. Die Karten zeigen, wie die Rohstoffe auf den Inseln verteilt sein müssen, damit wir historische Schätze entdecken können. Mal müssen zwei Holzvorräte südlich des Grabungsvorhabens sein, zudem ein Steinbruch westlich und ein See östlich. Vielleicht gilt es aber auch, Lavaströme nördlich, Holz westlich und Seen östlich zu finden, oder… die Kombinationen sind vielfältig. Und nur, wer seine Inselkärtchen so platziert, dass sowohl die Rohstoffvorkommen als auch die Verbindungen passend gelegen sind, kann anschließend mit seinem Boot zur entsprechenden Insel segeln und dort Rohstoffe einladen. Danach gilt es, zum Handelsplatz zurückzufahren, die Rohstoffe schnell zu verkaufen (denn wer zuerst kommt, bekommt in der Regel mehr Geld), um dann zu einer Expedition aufzubrechen, bei der man Tempel entdecken und ausgraben kann.

Je erfolgreicher man als Archäologe ist, desto mehr Aktionen darf man pro Runde durchführen, denn jeder Tempel, der vom eigenen Spielplan auf eine Insel umzieht, enthüllt neue Handlungsoptionen.Spielplan von Akrotiri, auf dem bereits einige Tempel entnommen und dadurch zusätzliche Aktionen aktiviert wurden

Punkte gibt es am Ende vor allem für die Tempel(schatz)karten, die unterschiedlich wertvoll sind. Doch auch zusätzliche Aufgabenkarten, die man im Laufe des Spiels einsammelt, bringen Punkte – zum Beispiel für jeden Tempel, den man auf einer Insel bauen konnte, auf der es einen Steinbruch gibt. Oder für jeden Tempel, der auf einer Insel steht, die keine direkte Fährverbindung mit Thera hat (und zu der man sein Boot zum Tempelbau umständlich über kleinere dazwischen liegende Inseln schleppen musste), oder…

Das klingt verwirrend und ist es auch. Der Lieblingsmitspieler und ich sind im Prinzip ständig am Stöhnen. Entweder man hat ein Kärtchen mit einem unpassenden Rohstoff gezogen oder die Fährverbindungen sind ungünstig. Ein anderes Mal sind die Rohstoffpreise gerade in den Keller gesunken, wenn man endlich voll beladen auf Thera ankommt. Dann wiederum hat der Gegner gerade einen Tempel auf der Insel entdeckt, auf der wir die meisten Punkte hätten einheimsen können und so weiter und so fort."Rohstofflager" mit kleinen farbigen Holzklötzchen und Schatzkarten des Brettspiels Akrotiri

Doch während wir noch Stöhnen und Meckern, sehen wir aus den Augenwinkeln eine weitere Insel aus dem Meer auftauchen und siehe da, dort wachsen Bäume und einen kleinen See könnten wir auch noch anbauen und dabei gleichzeitig einen schiffbaren Hafen erschaffen. Und schon sind wir wieder im Spiel. Und wenn gar nicht mehr geht, kann man ja immer noch das Orakel befragen.

Bei den ersten Partien fällt es durchaus schwer, immer den Überblick zu behalten. Und auch, wenn man zu den geübten Akrotiri-Spielern gehört, kann man nicht immer vorhersagen, wer nach der Endabrechnung die meisten Punkte hat. Der Wiederspielreiz ist auch wegen der hübschen grafischen Gestaltung und kleiner liebenswerter Details (zum Beispiel gibt es sehr detailverliebt gestaltete Fische, die helfen, die eigenen Aktionen zu zählen und auch das Startspielerkärtchen ist ein optischer Hingucker) sehr hoch. Ein kleiner Wermutstropfen ist jedoch die schlechte Gestaltung der Boote und Rohstoffe: Beide passen nicht immer gut ineinander und so muss man die kleinen, bunten Rohstoff-Holzwürfel immer mal wieder mit der Hand in Richtung Thera bugsieren, weil sie nicht in das Boot passen. Bei dem nicht ganz günstigen Preis könnte man hier ein wenig mehr Qualität erwarten.Rundenmarker von Akrotiri - kleine ovale Papp-Plättchen mit gezeichneten Fischen im antiken Stil

Davon abgesehen begeistert den Lieblingsmenschen und mich jedoch die Kombination verschiedener Spielmechanismen. Durch das Ziehen und Anlegen der Inselplättchen ist der Glückseffekt überraschend hoch und zu Beginn zurechtgelegte Langzeitstrategien werden schnell vom Gegner durchkreuzt. Spätestens ab dem dritten Zug ist aus dem Strategie-Plan eine taktische Wasserschlacht geworden. Und es ist immer wieder spannend abzuwägen, ob es sich lohnt, ein Wettrennen um die besten Rohstoffe anzustrengen, oder ob man besser sein leeres Boot schnappt und es über eine Insel schleppt, um in entfernteren Gefilden einen Tempel zu entdecken.

Roll for the galaxy

Würfelberg mit vielen bunten Würfeln aus Roll for the galaxyNeue Welten entdecken und Planten erforschen, fortschrittliche Techniken entwickeln und Handel mit Außerirdischen treiben: für den Lieblingsmenschen klingt das wie unbegrenzter Riesenspaß. Darum haben wir auch Race for the galaxy im Spieleregal. Aber warum Karten nehmen, wenn man auch würfeln kann? Und genau darum gibt es seit einigen Wochen nun auch Roll for the galaxy bei uns zu Hause. Und was soll ich sagen: Es hat innerhalb weniger Stunden der Kartenvariante den Rang abgelaufen.

Das Spielprinzip des Würfelspiels ist ganz ähnlich wie das seines Karten-Originals: Jeder Spieler überlegt im Geheimen, welche der fünf Phasen (entdecken – erforschen – besiedeln – Waren produzieren – Handel treiben) er spielen will. Gespielt werden dann alle Phasen, die die Spieler ausgesucht haben: Entweder so viele verschiedene, wie es Spieler gibt, oder eben nur eine, wenn alle sich für die gleiche Phase entschieden haben. Beim Vorausahnen, was die Gegner Mitspieler wohl wählen, kann man sich ganz schön verzetteln, nur, um am Ende dann doch das Gleiche rauszulegen. Ewiges Taktieren lohnt sich also meist nicht, ganz außer Acht lassen sollte man diesen Aspekt jedoch trotzdem nicht. Außerdem gibt es in der Zwei-Spieler-Variante zusätzlich eine Phase, die erwürfelt wurde. Aber auch hier kann man Pech haben und insgesamt nur eine Option bekommen.

roll-for-the-galaxy-weltenDie Wahl der Phasen erfolgt bei Roll for the galaxy jedoch nicht über Karten, sondern durch Würfel – unabhängig vom gewürfelten Symbol. Zu Beginn hat jeder Spieler drei aktive und zwei inaktive weiße Würfel. Die übrigen Würfeln (die man nicht zur Wahl der Spielphase eingesetzt hat) werden den Phasen zugeordnet, deren Symbol sie zeigen. Wird diese Phase durch einen eigenen Würfel oder die Wahl eines Mitspielers ausgelöst, kann man die entsprechende Aktion mit den eigenen Würfeln durchführen. Durch taktischen Einsatz der Würfelergebnisse kann man so nach und nach weitere Würfel und/oder Sonderfähigkeiten hinzugewinnen. Die Würfel können dann, je nach Vorgabe der hinzugewonnenen Welten, entweder direkt im eigenen Würfelbecher oder aber als Ware auf einer neu entdeckten Welt landen. Kann ein Spieler diese Waren verkaufen, gewinnt er Siegpunkte oder Geld, mit dem man wiederum bereits benutzte Würfel zurück in den Würfelbecher legen und in der nächsten Runde wiederverwenden kann.

Das mag auf den ersten Blick unübersichtlich wirken, ist aber deutlich leichter zu überblicken als beim Kartenspiel, wo die Karten sowohl Geld als auch die Welten und Waren abbilden.

Auswahl der Phasen eines Spielers bei Roll for the galaxyDie grafische Gestaltung der auszulegenden Pappkärtchen orientiert sich natürlich ebenso am Kartenspiel-Original wie auch der Ablauf der verschiedenen Phasen. Allerdings ist die Variationsvielfalt dank der Würfel, die nicht alle die gleiche Verteilung der Phasensymbole haben, doch deutlich spannender als beim Kartenspiel. Vor allem, weil man eben nicht in jeder Runde alle Würfel zur Verfügung hat und sich den aktuellen Würfelsatz mithilfe des Geldes für jede Runde neu zusammenstellen muss.

Nehme ich lieber mehr rote Würfel dazu, die häufiger die Symbole für Entdecken und Besiedeln zeigen, oder möchte ich handeln und brauche einen lila Würfel, der das dafür benötigte Raumschiff-Symbol gleich auf drei Seiten trägt und beim Verschiffen von Waren zusätzliche Siegpunkte bringt? Versuche ich, Welten zu entdecken, die mir gelbe Würfel bringen, weil diese auf jeder zweiten Würfelseite einen Joker mitbringen? Oder brauche ich neue Kärtchen und Geld und würfle dafür lieber mit weißen Standardwürfeln, die das Augensymbol doppelt mitbringen?

Andere Würfelanordnung bei Roll for the galaxyHinzu kommt, dass der Glücksfaktor beim Würfeln sich, zumindest für uns, deutlich besser anfühlt als beim Kartenziehen. Vielleicht liegt es daran, dass man beim Schwenken und Umdrehen des Bechers wenigstens das Gefühl hat, etwas beeinflussen zu können – auch wenn man weiß, dass es natürlich nicht so ist: Vielleicht ist es aber auch wirklich nur ein Gefühl, weil man eben etwas mehr tut, als eine Karte zu ziehen.

Alles in allem eine wirklich großartige Ergänzung unserer Spielesammlung. Mit zwei kleinen Wermutstropfen. Erstens: Das Spiel ist bisher nicht auf deutsch erschienen und die englische Variante ist recht schwer zu ergattern und (Importversion) teuer. Zweitens: Wie schon das Kartenspiel ist auch Roll for the galaxy in einigen Komponenten nicht besonders hochwertig. Die Würfel sind nicht geprägt, sondern bedruckt, und bei einem Würfel löste sich ein Symbol bereits ab, bevor wir das Spiel zum ersten Mal gespielt hatten. Bei einem anderen Würfel ist eine Ecke etwas angeschlagen. Kein Drama, aber bei dem gehobenen Preis doch ein Ärgernis. Das aber durch den Spielspaß bisher voll aufgewogen wird.

Meeple zum Zählen des Kontostandes bei Roll for the galaxy

Biblios, das fröhliche Bücher-, äh Kartenspiel

Ihr liebt Bücher? Ihr liebt Spiele? Dann seid ihr hier richtig, denn Biblios vereint beide Leidenschaften in einem.

Die verschiedenen Elemente des Spiels Biblios: Karten, Würfel und eine ÜbersichtskarteAls Äbte eines Klosters versuchen wir, die schönsten, besten, heiligsten und verbotensten Bücher für unsere Bibliothek und am besten auch noch die Mönche mit dem größten künstlerischen Talent zu ergattern. Dazu verteilen wir in der ersten Runde erst einmal Geschenke. Das heißt, wer an der Reihe ist, zieht nach und nach so viele Karten, wie Spieler in der Runde sind, und eine Karte mehr. Die Karten zeigen verschiedene Sorten Bücher oder sind verschieden hohe Geldbeträge wert. Bei jeder Karte muss man entscheiden: Behalte ich die Karte für mich, lege ich sie in den Vorrat, der später versteigert wird, oder gebe ich sie meinen Gegnern? Das vertrackte daran: Die Entscheidung fällt nach dem Ziehen jeder Karte, ohne dass man weiß, was eventuell noch danach kommt.

Hat man alle Karten verteilt, gibt man den Stapel weiter und der nächste Spieler steht vor den gleichen haarigen Entscheidungen. Welche Bücher hat die Konkurrenz schon eingesackt? Welche will man selbst unbedingt haben? Oder soll man doch lieber Geld nehemn, um bei der Versteigerung nochmal richtig abzusahnen? Denn schließlich ist es das Ziel, bei möglichst vielen Büchersorten (dargestellt durch verschiedene Farben), die Punktemehrheit zu erobern, denn nur für den Sieger jeder Kategorie gibt es Punkte. Diese Punkte liegen in Form von Würfeln in den passenden Farben gut sichtbar für alle in der Tischmitte aus. Zu Beginn zeigen die Würfel alle jeweils 3 Augen.

Allerdings tauchen während des Spiels immer wieder so genannte „Kirchenkarten“ auf: Äbte, Bischöfe und Kardinäle, die uns die Möglichkeit geben, die Schlusswertung zu beeinflussen, indem wir Würfel einer oder mehrerer Farben höher oder niedriger drehen. Auch hier gilt es, neben dem Wissen über die eigenen Eroberungen auf dem Buchmarkt auch einen groben Überblick über die bereits bekannten Bücherschätze der Mitspieler zu behalten, um deren Wertungskategorien ab- und die eigenen aufzuwerten.

Ist der erste Stapel verteilt, wird der zweite, zur Auktion zurückgelegte Stapel, versteigert. Auch hier geht es reihum und wer mit Versteigern dran ist, gibt das letzte Gebot ab. Bücher- und Kirchenkarten muss man offen mit Geldkarten bezahlen, Geldkarten muss man verdeckt mit beliebigen Karten zahlen. Am Ende gilt es, wie gesagt, die Mehrheit der Bücher verschiedener Kategorien zu erobern und damit die aktuelle Augenzahl der gleichfarbigen Würfel als Siegpunkte zu verbuchen. Das füllt keinen ganzen Abend, aber als Anwärmer oder, noch besser, als Absacker in einer Runde von Kartenspiel- und Lesefreaks, ist Biblios bestens geeignet.

Bücher, Karten und ein Klosterambiente: Für den Lieblingsmenschen und mich eine ziemlich großartige Ausgangslage, um sich in dieses Spiel zu vergucken. Dass man das kleine Spielchen auch zu zweit prima spielen und dank seiner kompakten Verpackung auch gut mitnehmen kann, erhöht die Freude nur. Spieleabend anyone?

Peloponnes: Abhängig von Glück und Naturgewalten

Dass wir regelmäßig die Run through-Videos von Rahdo ansehen, ist vermutlich für die meisten von euch vermutlich kein Geheimnis mehr. Und wenn der „Meister“ ein Spiel in die Top10-Liste der besten Spiele aller Zeiten aufnimmt, zieht es früher oder später auch in unser Spieleregal ein.

Unser neues Spieleregal, schon gut gefülltVor allem, da wir nun ein neues Spieleregal haben und da noch Platz drin ist, durfte mit Peloponnes ein Spiel hier einziehen, dass uns von der Grafik her ganz gut gefiel und von dem wir uns dann doch so einiges versprachen – vor allem, weil es nicht nur Rahdo, sondern auch seiner Frau gefiel und das eigentlich in der Regel mit unserem Geschmack ganz gut zusammenpasst.

Ihr erwartet nach einer solchen Einleitung ein „aber“? Tja, hier kommt es auch schon. Peloponnes sieht zwar vielversprechend aus, aber… es hat uns bisher nicht wirklich vom Hocker gerissen. Das liegt vor allem daran, dass das Spiel – zumindest im Spiel zu zweit – so tut, als sei Strategie wichtig und spielentscheidend, bei näherem Hinsehen und vor allem bei der Schlussabrechnung stellt man jedoch fest, dass quasi allein das Glück über den Gewinner entscheidet. Die Mischung zwischen beiden Elementen stimmt also nicht so richtig.

Spielplan eines Spielers bei Peloponnes mit StadterweiterungenJeder Spieler zieht sich zu Beginn ein Stadtplättchen und hat dann die Aufgabe, seine griechische Stadt besonders gut auszubauen. Dazu kann man entweder ein Plättchen ersteigern oder (mit gehörigem Preisaufschlag) ein Plättchen kaufen. Allerdings ist das Versteigerungsprinzip deutlich einseitiger als beispielsweise in Funkenschlag: Wer Startspieler ist, gibt ein öffentliches Gebot ab, die anderen können ihn nach und nach überbieten. Der überbotene Spieler kann sein Gebot jedoch nicht mehr erhöhen. Wenn er Glück und genug geboten hat, ist ein weiteres Plättchen frei, dessen Mindestgebot es ihm erlaubt, diese „zweite Wahl“ zu nehmen. Hat er Pech, kann er sich jedoch kein anderes Plättchen leisten und geht leer aus, bzw. bekommt eine einzelne Münze zum „Trost“.

Zwei Stadterweiterungskärtchen, eines wurde auf Kredit gekauft und hat daher eine Münze in die Mitte gelegt bekommenGrundsätzlich hat man die Wahl, zwischen Landschaftkärtchen und Stadtplättchen. Die Plättchen bringen einmalige Vorteile in Form von zusätzlichen Einwohnern und/oder Geld und/oder Ressourcen. Außerdem bringen sie unterschiedlich viele Siegpunkte und Rundeneinkommen mit. Die Landschaften können kostenlos angebaut werden, allerdings muss die Rohstoffart, die die Landschaft einbringt, zur Nachbarlandschaft passen. Die Stadtplättchen kosten zusätzlich Rohstoffe, die jedoch nicht unbedingt sofort abgegeben werden müssen, so dass man Kärtchen quasi auch „auf Kredit“ kaufen oder ersteigern kann – zumindest, solange man noch genug Geld dafür hat.

Die Landschaftskarten bringen einem am Ende jeder Runde in der Regel Rohstoffe wie Holz, Getreide oder Stein, die Stadterweiterungen bringen manchmal ebenfalls Rohstoffe, andere sorgen für mehr Geld oder schützen vor Naturkatastrophen. Naturkatastrophen? Ja, denn am Ende jeder Runde zieht man zwei Katastrophenmarker und wenn drei gleiche aufgedeckt wurden, tritt das entsprechende Unglück ein: Die Pest rafft ein Drittel der Einwohner dahin, eine Dürre vernichtet große Teile der Weizenvorräte,…

Zwei der Plättchen für die Naturkatastrophen in PeloponnesWird ein Zwischenwertungskärtchen aufgedeckt, muss man für jeden Einwohner ein Bündel Weizen abgeben. Hat man nicht genügend Vorräte angehäuft, sterben einige Bewohner der eigenen Stadt. Kann man bei den Zwischenwertungen seine auf Kredit gekauften Stadtplättchen nicht auslösen, muss man sie wieder abgeben. Das ist besonders ärgerlich, wenn sie eine besonders gute Rohstoffquelle waren oder einem einen Tiebreaker-Vorteil für die Versteigerung verschafft haben.

Luxusgüter gibt es auch noch, aber wie man diese erwirbt und einsetzt, müsst ihr in der Spielregel selbst nachlesen, denn sonst würde dieser Text kein Ende mehr nehmen.

Nachdem die letzte Katastrophe eingetreten ist und alle Kärtchen aufgedeckt sind, erfolgt die Endabrechnung. Zum einen zählt man die Siegpunkte auf seinen Stadterweiterungsplättchen und addiert den Wert der Münzen (immer 3 ergeben einen Siegpunkt). Außerdem multipliziert man die Zahl der Einwohner in der eigenen Stadt mit 3. Der niedrigere der beiden Werte ist derjenige, mit dem man gegen die anderen Spieler antritt. Der höchste der niedrigen Werte gewinnt.

Welches Kärtchen möchte ich haben und was bin ich bereit dafür zu bieten oder zu bezahlen? Diese Frage wirkt sehr strategisch. Im Endeffekt ist es aber in den allermeisten Fällen gar nicht wichtig, welche Karte ich haben will oder welche am besten in mein Deck passen würde. In der Regel habe ich zu wenig Geld, bin gerade nicht in der richtigen Reihenfolge dran, um mein Gebot erfolgreich zu platzieren oder kann die noch ausliegenden Kärtchen nicht kaufen, weil ich sie mir aus Mangel an den richtigen Rohstoffen nicht leisten kann.

Drei der Kärtchen, zwei sind auf die englischsprachige Rückseite gedrehtWarum darf Peloponnes trotzdem in unserem Spieleregal bleiben? Weil es gut aussieht und weil es trotz allem nett zu spielen ist. Die Regeln klingen kompliziert, sind aber schnell zu lesen und zu verstehen. Außerdem erleichtert eine unglaublich übersichtliche Spielzuganleitung den Überblick. Das Spiel hat übrigens auch eine englischsprachige Rückseite und ist somit auch mit Freunden aus aller Welt spielbar. Und wenn man sich erst einmal darauf eingelassen hat, das Spiel als Glücksspiel und nicht als Strategiespiel zu sehen und nicht mehr versucht, auf Teufel komm raus den strategisch günstigsten Zu zu finden, kann man durchaus Spaß haben beim Spielen.

PS: Auf BoardGameGeek wird darauf hingewiesen, dass Peloponnes seine volle Kraft im Spiel zu dritt oder zu viert entfaltet. Wir werden das ausprobieren (und zur Sicherheit eine zusätzliche Flasche Cidre auf den Tisch stellen, falls die Versprechen nicht in Erfüllung gehen 🙂 )