Archiv des Autors: Frau ArGueveur

Macarons − oder so ähnlich

macarons_detail_130919Wenn es regnet, (aber auch bei gutem Wetter) kriege ich regelmäßig Anfälle von Back-Wahn. Und da ich immer noch in Urlaubsromantik schwelge, und mir außerdem eine Ausgabe von „Macarons & Gourmandises“ von Hachette (sieht aus, als wäre es eine Vorgängerausgabe hiervon) mitgebracht habe, habe ich heute in Eischnee und Mandeln geschwelgt. Aber was soll ich sagen – die Zutaten haben sich standhaft geweigert, echte Macarons zu werden. Aber der Reihe nach.

Zuerst habe ich
3 Eiweiß mit 15 g Zucker zu sehr steifem Schnee geschlagen,
200 g Puderzucker und 125 g gemahlene Mandeln gemischt, fein gesiebt und vorsichtig unter den Eischnee gehoben.

Dann rote und blaue Lebensmittelfarbe unter einen Teil der Masse gegeben – die daraufhin ziemlich flüssig wurde (nein, das sollte nicht so sein…)

macarons_2_130919Die flüssige lila und die weniger flüssige helle Masse habe ich auf ein Backblech gespritzt. Rezeptgemäß durften die kleinen Makrönchen eine Stunde lufttrocknen, bevor sie bei 160°C (Umluft) für 12 Minuten im Ofen verschwa.
Prima – dachte ich. Die „Coques“ dachten wohl anders. Zumindest weigerte sich das komplette Mandelteam, standesgemäße Füßchen zu kriegen. Und die lila Mannschaft ist zu großen Teilen zu Riesenmonstern mutiert.

Kurzerhand habe ich keine aufwändige Füllung produziert, sondern eine ziemlich standardmäßige Praliné-Ganache (Rache ist süß 😉  Jetzt sehen die Minis zwar aus wie deutsches Weihnachtsgebäck, aber sie schmecken très français nach gaaaaaaaaaaaanz viel Urlaub und Sonne und Meer (findet auch der Lieblinsgtestesser).

Bon app‘!

Nebel. Oder: Wie Legenden entstehen

Wir sitzen am Strand. Die Sonne scheint warm, nur draußen über dem Ärmelkanal sind ein paar kleine Dunstwolken zu erahnen. Vor uns schaukeln Boote fröhlich auf den Wellen. Ein paar Möwen lassen sich in der Bucht faul auf dem Wasser treiben, und eine Horde Strandläufer steckt eifrig die langen Schnäbel in den Sand.

Dann frischt der Wind auf – Seewind. Und die Nelbelwolken aus der Ferne treiben in Schwaden auf uns zu. Der Wind reißt einzelne Fetzen aus dem Dunst heraus. Grau ziehen sie an uns vorüber, über uns hinweg, durch uns hindurch. Der Mast des Segelbootes vor uns verschwimmt vor unseren Augen, als hätten wir zu viel getrunken. Aber noch immer sitzen wir in der wärmenden Sonne.

Doch ehe wir uns versehen, ist der Nebel ganz da. Breitet sich aus. Umhüllt das Wasser, die Boote, uns. Kriecht erst langsam, dann immer schneller über den Sand, walzt sich die Dünen hinauf, schiebt sich über die Felder. Verschluckt die Häuser, den Wasserturm, zuletzt die Sonne.

cote_des_legendesDie Möwen sind verstummt, die Strandläufer längst weitergeflogen. Nur das Plätschern der Wellen ist zu hören. Ab und zu treibt ein Bug ins Blickfeld, bei der nächsten Windböe ein Mast, der in der Luft schwebt, ein einzelner Möwenflügel, ein Schatten auf dem Wasser. Innerhalb von Sekunden hat sich die gesamte Atmosphäre gewandelt. Und ich ahne, dass die Bezeichnung „côte des légendes“ mehr ist als ein Marketing-Coup der Tourismusbranche.

Plötzlich kann ich sie sehen, die Besatzung der Geisterschiffe, die Feen und Zauberer, Neptun und sein Gefolge. Ich kann sie riechen, ihren algigen Atem, ihre salzigen Gewänder. Und hören – die wassergetränkten Schritte, die lockenden Gesänge, die geflüsterten Versprechungen. Fast warte ich darauf, dass eine Meerjungfrau den Kopf aus dem Wasser streckt und von ihrer großen, verlorenen Liebe singt. Dass tanzende Gespenster ein Neugeborenes unter dem „Kinderfelsen“ ablegen, damit es am Abend von seinen Eltern abgeholt werden kann. Dass der Geist eines zu jung von den Wellen verschlungenen Korsars über das Wasser läuft und mir verrät, wo er seinen geheimnisumwitterten Schatz versteckt hat.

Wer weiß, vielleicht lebt der Mann mit den Karottenhänden, von dem Pierre Jakez Hélias erzählt hat, nicht nur im Pays Bigouden? Flüstern nicht auch hier die Fischschwärme aufgeregt miteinander wie in Un royaume sous la mer von Henri Queffélec? Und ganz sicher leben hinter dem Nebel all die Sirenen, Feen und Druiden aus dem Barzhaz Breizh.

Kopf und Herz voll Fantasie und Geschichten suchen wir uns Schritt für Schritt den Weg über die Dünen nach Hause.

PS (Januar 2014): Ich habe bei Stories und Places übrigens markiert, wo die Nebel wallten.