Archiv des Autors: Frau ArGueveur

Kingdom Builder

Lange nicht mehr gespielt – zumindest nicht hier auf dem Blog. Das muss sich ändern. Daher heute … tatatataaaaa…. ein ziemlich altes, aber immer noch großartiges Spiel. Es geht um Landschaften und Bauprojekte, um Aufgaben und gute gewählte Nachbarschaften. Klingt eher so mittel-spannend, ist aber durch die vielen verschiedenen Varianten, die das Spiel (auch ohne Erweiterungen) bietet, immer wieder aufregend genug für eine Zockerei.

Das Spielprinzip von Kingdom Builder ist einfach. Auf einem aus vier zufällig gezogenen Teilen zusammengesetzten Spielbrett bauen die Spieler aus jeweils 40 kleinen Holzhäuschen ihr eigenes Königreich. Gebaut werden darf auf der Landschaft, die eine Karte vorgibt, die man bei jedem Spielzug neu zieht: Wiesen, Canyons, Wüsten, Blumen oder Wald.Spielplan von Kingdom Builder Grundspiel mit einigen bereits gesetzten Siedlungen

Je nachdem, welche Aktionskarten aufgedeckt wurden, gibt es Punkte für verschiedene Aufgaben: Siedlungen in der Nähe von Gebirge, Häuser, die am Wasser gebaut wurden, Siedlungsgebiete, die Aktionsfelder und Städte verbinden, die längste horizontale oder vertikale Häuserreihe,…

Einzige Zusatzvorgabe: Man darf nur benachbart zu bereits bestehenden eigenen Siedlungen bauen. Außer, es gibt keine Nachbarsiedlungen. Was die Wahl der richtigen Siedlungsfläche schwierig macht. Anfangs ist es gut, möglichst wenig Nachbar-Landschaften zu haben, um eine möglichst große Flexibilität zu wahren. Später kann es aber auch richtig sein, möglichst viele Nachbarländereien zu bekommen, um beim Bauen variieren zu können. Je nach Zusammenstellung des Spielbretts gibt es da zahlreiche Alternativen.Detail des Spielplans von Kingdom Builder mit einem Aktionsplättchen

Hilfe in Form von zusätzlichen Zügen, der Möglichkeit, bestehende Siedlungen zu verschieben, auf Wasser zu bauen und andere mehr gibt es, wenn man benachbart zu Aktionsfeldern baut. Auch diese sind je nach Zusammensetzung des Spielplans unterschiedlich und manche sind in der Kombination miteinander besonders stark.Drei kleine rote Häuser auf einem Wiesenfeld von Kingdom Builder

Insgesamt sind die Regeln von Kingdom Builder einfach zu verstehen und leicht zu lernen. Durch die große Zahl von Variablen beim Spielaufbau bleibt das Spiel des Jahres 2012 immer wieder neu spannend. Wenn man die verschiedenen Aktionsfelder schon etwas kennt, kann man versuchen, einen Spielplan zusammenzustellen, der nicht zu viele einfache Kombinationen ermöglicht, sondern die Spieler auch vor Herausforderungen stellt. Mittlerweile gibt es zudem einige Erweiterungen, die verhindern, das Langeweile aufkommt. So wird aus dem kleinen Spiel zwischendurch schnell eine anspruchsvolle Denkaufgabe, bei der man genau im Auge behalten muss, was die Mitspieler gerade tun und wie man nicht nur selbst Punkte sammeln, sondern auch verhindern kann, dass die anderen punkten.

Bonus für den Lieblingsmenschen und mich: Kingdom Builder macht auch zu zweit Laune und funktioniert auch gut zu dritt. Die Rangelei um die punkteträchtigsten Königreiche kommt hier daher immer wieder auf den Tisch.Kingdom-Builder-Spielplan mit Siegpunktbedingungen

 

Links gegen das Schweigen XII

Nach den Ereignissen der Silvesternacht in Köln ist es mit dem Schweigen vorbei. Viele reden jetzt. Viel. Und vor allem schnell. Antje Schrupp hat als eine der ersten versucht, differenziert zu argumentieren:

„Also strengen wir uns bitte schön an und etablieren eine sichtbare Kultur des Respekts vor der Freiheit der Frauen. Sensibilisieren wir die Polizei dafür, sexuelle Belästigung stärker auf dem Radar zu haben und konsequenter dagegen vorzugehen. Stärken wir Mädchen in Schule und Kindergarten, für ihre Ideen und Ansichten einzustehen, auch gegen Widerstände. Bringen wir Jungen von klein auf bei, dass sie Mädchen und Frauen zu respektieren haben, dass sie nicht aufgrund ihrer Männlichkeit über ihnen stehen. Machen wir bei jeder sich bietenden Gelegenheit klar, dass Frauen sich anziehen und bewegen können wie sie wollen und niemand deshalb zu Übergriffen (oder dummen Kommentaren) irgendeiner Art berechtigt ist. Gewöhnen wir es uns an, bei anzüglichen Witzen, sexistischen Sprüchen und übergriffigem Auftreten immer und sofort zu intervenieren: Und zwar nicht nur wir Frauen, sondern auch die Männer, die ihresgleichen dabei konsequent in die Schranken weisen müssen. Ganz egal, welche Herkünfte, Religionen oder kulturelle Hintergründe dabei im Spiel sind – oder wie viel Alkohol. Das Tollste daran ist: Wir können jetzt sofort damit anfangen.“

Allerdings stellt sie schon einen Tag später resigniert fest:

„Das rassistische Narrativ “schwarzer Mann vergewaltigt weiße Frau” ist volle Kanne durchgeschlagen, und das lässt sich erstmal nicht mehr einholen. Ich hoffe, das ist jetzt nicht der Tipping-Point, an dem der unterschwellige Rassismus in Deutschland flächendeckend in offenen, gesellschaftlich legitimierten Rassismus umschlägt.“

Hier sammelt sie weitere differenzierte Stimmen – mehr lesen lohnt sich. Oder hören, zum Beispiel diesen Kommentar von Sonia Mikich. „Wir brauchen nicht Hetze, sondern Hirn und Härte.“ Und „nicht Generalverdacht sondern Generalvernunft“ heißt es da. 

Auch Hilal Sezgin in der Zeit und Sascha Lobo auf SPON sind unaufgeregt und klar. Und lest bei der Gelegenheit auch Lobos Plädoyer für weniger Furcht und mehr Komplexität.

Nicole denkt darüber nach, welche Rolle Medien bei der immer schnelleren und immer panischeren Verarbeitung von Information oder dem, was manche dafür halten, spielen.

Fernseher mit Flimmerbild in einem Fenster in Köln

Auch in Hamburg ist Gewalt eskaliert. Verbale Gewalt nach einer Rede in der Bürgerschaft. Den Text haben viele schon geteilt. Für den Fall, dass ihr ihn bisher nicht gelesen habt, empfehle ich ihn noch einmal.

Derweil geht der Krieg in Syrien weiter. Im fünften Jahr schon. Immer verstörendere Nachrichten schaffen es aber kaum noch auf die Titelseiten.

Auch aus Äthiopien erreichen uns erschreckende Nachrichten und Zahlen. Brauchten vor wenigen Monaten dort „nur“ weniger als 3 Millionen Menschen Humanitäre Hilfe, hat die aktuelle Dürre dazu geführt, dass die UN 10 Millionen Menschen versorgen müssen. Die Verantwortlichen fürchten zudem, dass die Zahlen sich in den kommenden Wochen noch verdoppeln könnten.

Apropos Dürre: Auch in einem Land, das „agua“, Wasser, im Namen führt, bedroht Dürre tausende Menschenleben.“Fluchtursachen bekämpfen“ sagt sich so leicht. Verantwortung übernehmen, abseits der Kameras, ist dann aber eine Sisyphosaufgabe.

Zum Schluss noch ein paar Links, die zwar schon etwas älter, dafür aber ermutigend sind:

Das Nuf backt Plätzchen.

Lucie hat ein besonderes Weihnachtsfest erlebt.

Maximilian Buddenbohm portraitiert Helfer in Sankt Georg.

Und auf Himate gibt es Bilder, die helfen können.

Kapellen-Schönheiten abseits der Hauptstraße

Gerade aus dem Urlaub zurück, kommt hier schon wieder ein Urlaubstext. Diesmal einer zum Erinnern und Träumen. Und als Tipp für diejenigen unter euch, die eine Reise an eines der schönsten Enden der Welt planen (ihr wisst, wen ich meine *winkewinke*).Park von Saint Jaoua in Plouvien mit Granitkreuz

In der Bretagne gibt es ja unzählige berühmte Kirchen und Kapellen. Aber auch die weniger berühmten Bauwerke abseits der großen Touristenrouten und Hauptstraßen lohnen oft mehr als einen schnellen Blick. So gibt es zum Beispiel rund um das Städtchen Plouvien im Nordfinistère gleich mehrere kleine, aber sehr feine Kapellen.Chapelle Saint Jaoua in Plouvien

Die größte von ihnen ist die Chapelle de Saint-Jaoua. Der heilige Eremit, dem sie Standort und Namen verdankt, soll es hier mit einem wilden Büffel aufgenommen haben. Eine Tatkraft, die bis heute fortwirkt, denn dass es die Kapelle im heutigen, sehr guten Zustand gibt, verdanken wir einigen sehr engagierten Bewohnern des Städtchens, die über Jahre hinweg die Kapelle und ihre kunstvollen Schnitzereien instand gesetzt und restauriert haben.Geschnitzte Figur am Eingangsportal von Saint Jaoua in Plouvien

Leider war die Kapelle bei unserem Besuch geschlossen, doch auch der Park und die nahegelegene, sehr schöne Brunnenanlage haben den Abstecher sehr lohnenswert gemacht.Holzstatue in Plouvien an der Kapelle Saint-Jaoua

 

 

 

 

Und hier noch ein Blick in den Park, in dem irgendwer fröhliche Bilder gelegt hatte. Und natürlich auf die Brunnenanlage.Figur aus Blättern im Park der Chapelle Saint Jaoua in Plouvien, Bretagne
Brunnenanlage von Saint Jaoua in Plouviern im Nord-Finistère

Brunnen mit Heiligenfigur in PlouvienEbenfalls sehr hübsch ist Chapelle Saint Jean Balanant, quasi nur ein paar Straßenecken weiter. Sie ist viel schmuckloser als ihre Nachbarin, aber sie verfügt über einen der vielen schönen Türme aus „Granitspitze“. Außerdem gibt es eine schöne Statue von Johannes dem Täufer über dem Portal. Und ein schön instand gesetztes Brunnenhaus. Ein Abstecher und ein kleiner Spaziergang einmal um das Gelände herum lohnen sich immer.

Kirchturm aus Granit von Saint Jean Balanant in PlouvienReliefstatue von Johannes dem Täufer in Plouvien

Brunnenhaus der Kapelle Saint Jean Balanant in Plouvien in der Bretagne

Bemerknisse auf Norderney

Den ersten Vorsatz fürs neue Jahr haben der Lieblingsmensch und ich bereits erfüllt: Wir haben ausgiebig aufs Meer geschaut und uns mit Wellenrauschen, Wind und Salzluft aufgefüllt. Gemeinsam mit Freunden waren wir auf Norderney – eine Premiere. Und dann noch in der Hochsaison (ja, genau, die Zeit zwischen den Jahren gilt dort als Hochsaison) – auch das eine Neuerung im hiesigen Ferienplan 🙂 Daher sind die Bemerknisse nicht nur von Meeresliebe geprägt, sondern durchaus auch von staunender Verwunderung über überfüllte Lokale und Menschenmassen (dass das Staunen Luxus ist, ist uns längst klar. Trotzdem).Boot vor dem Norderneyer Nordstrand bei leichtem Wellengang

Am Meer zu sein sorgt bei mir für Instant-Glück. Ich bin auch andernorts durchaus glücklich, aber am Meer könntet ihr mir quasi einen „Glücklich“-Anstecker anpinnen. Egal, wie das Wetter ist (wobei es diese Woche fast immer schön war), egal, wie der Strand oder die Felsen gestaltet sind, egal, wie stark salzgeschwängert die Luft ist: Meer und ich, das passt einfach. Sogar wenn man wegen Niedrigwasser und Wind (und vermutlich vor allem wegen Menschen in einer Reederei, die Fährfahrpläne ohne Anpassung an den Gezeitenkalender austüfteln) mehr als 2,5 Stunden in der Kälte (2°C und Windstärke 7) vor dem Fährterminal auf die Abfahrt warten muss, finde ich das Meer immer noch wunderbar.Nordstrand von Norderney bei SonnenscheinApropos langes Warten in der Kälte: Das bringt nicht bei allen Inselbesuchern das Beste in ihnen zum Vorschein. Ich bin zum ersten Mal in Leben beinahe von einem Koffer überfahren worden, beziehungsweise von dessen Besitzer mithilfe des Kofferungetüms. Und ich habe gelernt, wie lange ich trotz Aufwärmkaffees frieren kann: Circa 5 Stunden am Stück. Kein Stoffwechsel. Aber wer brauch sowas auch, wenn er einen Mann mit wunderbarerweise dauerwarmen Händen dabei hat. <3 <3 <3Kaffee auf der Fähre nach Norddeich MoleAber eigentlich war ich ja noch beim Meer. Und den Helden, die andere auf und im Meer retten. Und so sind der Lieblingsmensch und ich nun stolze Förderer der Seenotretter. Das wollten wir ja schon lange, und nicht nur immer Geld in die Sammelschiffchen stecken. So ein Hafentag ist doch eine sehr praktische Einrichtung, um solche Pläne endlich in die Tat umzusetzen. Uns schicke Typen in historischen Schwimmwesten trifft man dabei auch. Juhu!Seenotretter mit historischer Schwimmweste vor RettungskutterMit dem Ney von Norderney lassen sich unglaublich viele Wortspiele machen. Über die Qualität möchte ich keine Aussagen machen, da ein Teil meiner Antwort euch verunsichern könnte.Frisör Haarschn'eyder

Gründerzeitarchitektur im Bäderstil kann hinreißend sein. Die Dünen um die Ecke auch.

Altes Haus auf NorderneyKiosk Marienhöhe auf NorderneyDüne am Norderneyer Weststrand

Das Kino auf Norderney ist großartig. Und genauso großartig fand ich den siebten Star Wars-Teil. Wer hätte das gedacht. (Anke Gröner vermutlich, ihr lesenswerte „Kritik“ findet ihr hier.)

Kinosaal auf Norderney

Die Inselrobbe hat einen typisch ostfriesischen Namen und heißt…… Fernando. Ja genau. Integration funktioniert. Er trägt sogar einen blau-weiß-gestreiften Pullover. Eine echte Robbe haben wir jedoch nicht erspäht.Robbenstatue

Direkt vor dem Polizeipräsidium steht eine Bücherbox, die wohl auch rege genutzt wird. Zumindest standen immer wieder Menschen davor, um sich Bücher auszuleihen. Ich selbst habe aber nicht besonders viel gelesen, ich war zu sehr damit beschäftigt, aufs Meer zu schauen.

Bücherbox

Die sprichwörtliche Kühle der Norddeutschen konnten wir außerhalb der Fährgesellschaft nirgends finden. Nette Menschen allüberall. Und für eine kleine Insel gibt es eine überraschend riesige Schule.SchulgebäudeLange Strandpromenaden haben mehrere Vorteile: Menschenmassen in der Hauptsaison verteilen sich durchaus so gut, dass man (fast) menschenleere Fotos vom Meer machen kann. Es ist viel Platz für begabte Surfer und ihre Kunststücke. Und für bunte Drachen. Es gibt gleich mehrere Strandbars mit herrlichem Ausblick, der den erschreckend schlechten Kaffee vergessen lässt. Vor allem aber kann man wundervolle Sonnenuntergänge in ihrer vollen Länge und Pracht bewundern, während man einem leckeren Friesentee entgegenschlendert. Hach.

Goergshöhe vor AbendhimmelAbendrot auf NorderneyAbendhimmel über den Norderneyer DünenZackenstatue am Strand von Norderney

 

Kommt gut rein…

Ein Jahr geht zu Ende, ein neues bricht an. Ich wünsche euch, dass es ein buntes, frohes, gesundes Jahr wird.Rosaroter Abendhimmel am Strand von Norderney

Eines, in dem ihr viele frohe, glückliche Momente habt, laute oder leise, bewegte oder zurückgezogene, lärmende oder stille, in Gemeinschaft oder für euch ganz alleine.

Ich wünsche euch freundliche Menschen um euch herum und echte Begegnungen, gesprochene oder schweigende, hörende oder sehende, bekannte oder neu entdeckte.Strandabschnitt in Norderney im Winter

Ich wünsche euch den Geist des Meeres. Eine Ahnung von Nähe und Unendlichkeit, von der Kraft des Windes und der Wellen, von tosendem Sturm und erholsamer Stille, eine Ahnung von Weite und Größe, aber auch von Verlorensein und Machtlosigkeit. Eine Idee von der Stärke, die gerade daraus erwachsen kann.Wellen vor grauem Himmel in Norderney

Ich wünsche euch Segen, viel davon. Und dass ihr ihn spürt, gerade dann, wenn ihr ihn am meisten braucht.

Habt es gut und kommt gut hinein in das neue Jahr. Ich freue mich darauf.

Kunst kaufen und helfen

Nicht einfach nur reden, sondern auch handeln. Das kann jede und jeder. Und manchmal entsteht dabei ein wenig Magie mitten im gar nicht mal so winterlichen Dezembergrau. So geschehen in den vergangenen Tagen in Ehrenfeld.Hinweisposter für Art in the box in Köln

Art in the box hieß die Aktion von zwei Kölner Fotografinnen. Zahlreiche Künstler – junge Newcomer und bekannte Namen – spendeten Bilder, in der Körnerstraße wurden sie mit Bedacht gehängt und mit Preisspannen versehen. Der gesamte Erlös des Verkaufs geht an Projekte der Flüchtlingshilfe, darunter eines im Libanon, eines in Deutschland und ein Fotoprojekt mit Kindern, die bei uns ein neues Zuhause gefunden haben. <3 <3 <3Das Atelier Colonia in Ehrenfeld von außen

Allein der Rundgang zwischen all den Bildern und den Geschichten, die sie erzählen, war für den Lieblingsmenschen und mich ganz besonders. Wir sind keine Kunstexperten, lassen uns aber gerne anrühren von Motiven, Kompositionen, Farben und Atmosphären.

Noch schöner war es, dass die beiden Künstlerinnen zu quasi jedem Bild und zu jedem Künstler eine Geschichte zu erzählen wussten. So hing da zum Beispiel auch ein Poster der Flaggentausch-Aktion von Mischa Leinkauf und Matthias Wermke, von der wir bisher nichts gehört hatten und von der Thekla Ehling spannend zu berichten wusste. Folgt den Links, das lohnt sich.

Postkarten von Herlinde Koelbl ließen den Lieblingsmenschen und mich an eine gemeinsam besuchte Ausstellung vor einigen Jahren denken. Ein anderes Motiv weckte Erinnerungen an unseren ersten gemeinsamen Jahrmarktsbummel. Auf meinem Schreibtisch könnt ihr diese Erinnerung demnächst sehen. Und auch über diese persönlichen Schwelgereien hinaus gab es da so viel zu sehen und zu staunen. Nicht zuletzt darüber, dass so viele Menschen sich anrühren lassen vom Schicksal der Menschen, die neu sind in unserem Land, in unserer Stadt. Und die sich so davon zum Handeln verleiten lassen. Rundum wundervoll.Blick in den Ausstellungsraum von Art in the box

Am Ende haben wir uns beide in je ein Kunstwerk verguckt. Und so dürft ihr demnächst dieses Bild bei uns betrachten. Und eines von den Fotos, die hier zu sehen sind. Erahnt ihr, welches es ist?

Wir freuen uns auf jeden Fall auf bewundernde Blicke. Herzlich willkommen 🙂

 

Weihnachtsmänner und Tannenbäumchen

Dieser Tage brauchte ich ein Einstandsgeschenk für eine ganze Menge Menschen. Und was liegt bei mir näher, als was zu backen? Genau, nicht besonders viel. Daher weihnachtete es beim Einstand deutlich.Weihnachtsmann-Plätzchen aus Brownies

Die Grundlage für die fröhliche Weihnachtsmann-Bande bildet ein Brownieteig, den ich mit ein wenig Lebkuchengewürz aufgepeppt habe:

  • 4 Eier
  • 175 g Zucker
  • 125 g brauner Zucker
  • 125 g Kakaopulver
  • 75 g Mehl
  • 200 g geschmolzene Butter
  • 1 Prise Salz
  • 1 TL Lebkuchengewürz

Die Eier werden schaumig aufgeschlagen, bis sie ganz hell sind (das dauert ein wenig, ist aber wichtig, damit der Teig gut „steht“). Dann den Zucker hinzugeben und gut verrühren.

Mehl, Kakao, Salz, Lebkuchengewürz und Mehl vermischen und auf niedriger Stufe gut unterrühren. Die geschmolzene Butte beim Rühren nach und nach dazugeben und alles zu einer cremigen Masse verarbeiten.

Den Teig auf einem Blech verteilen – mit hochgeschlagenem Backpapier dafür sorgen, dass er sich nicht auf der gesamten Fläche verteilt und zu dünn wird.Brownie-Weihnachtsbäume

Bei etwa 170°C für ca. 30 Minuten backen. Auskühlen lassen und dann in Dreiecke schneiden. Mit Zuckerguss, Perlen und Zuckerschrift dekorieren, so dass Weihnachtsmänner und Tannenbäumchen entstehen.

Viel Spaß!Noch mehr Weihnachtsmann-Brownie-Plätzchen

Nicht mein Land?

Als ich im September inmitten einiger hundert Menschen an einer verschlossenen Grenze zwischen Serbien und Kroatien stand, sagte ich spontan: Wenn das Europa ist, will ich keine Europäerin sein. Eine Reaktion, die anscheinend nicht nur bei mir sehr nahe lag. Viele Menschen haben in den vergangenen Wochen und Monaten geäußert, dass „das nicht mein Land“ ist. Wahlweise auch „nicht meine Regierung“ oder „nicht meine Welt“.

Eine ablehnende Haltung, die auf den ersten Blick nur allzu verständlich erscheint. Sätze, die zeigen, wie fern einem gewisse Entscheidungen liegen, wie deutlich man anderer Meinung ist, manchmal auch, wie ratlos man vor einer Entwicklung steht.

Wie sehr würde ich mir wünschen, dass es so wäre. Dass die Entwicklungen, die mich so sehr verstören wie das Bauen von Zäunen und die gegenseitigen Schuldzuweisungen innerhalb der EU, nichts mit mir zu tun hätten. Dass alles einfach von selbst wieder in Ordnung käme, ohne dass es mich persönlich betrifft. Doch genau das Gegenteil ist der Fall.

Das Problem ist: Es ist eben doch mein Land, meine Regierung, meine Europäische Union. Was ich so kategorisch ablehne, kommt nicht von alleine wieder in Ordnung, das geht nicht einfach wieder weg. Die Dinge, die mich – und andere – so sehr aufwühlen sind eben doch genau das: Unser Problem.

Wir müssen uns auseinandersetzen mit den Menschen, die Flüchtlingsunterkünfte anzünden. Mit den Menschen, die online und offline kaum noch etwas anderes kennen als Empörung, Angst, Hass und Gewalt. Wir müssen uns auseinandersetzen mit einem europäischen Staatengebilde, das Solidarität nur noch auf dem Papier groß schreibt (und oft nichtmal mehr da). Es hilft nichts, die Augen zu verschließen und auf „die anderen“ zu zeigen. Empörung ist wichtig und richtig, aber als Gefühlsregung allein ist sie wenig hilfreich.Hinweiszettel auf w2eu.info - eine Hilfeseite für Flüchtlinge

Je länger ich darüber nachdenke, desto fester bin ich davon überzeugt, dass wir vor allem neue Wege finden müssen, um relevant von dem zu sprechen, was uns wichtig ist. Dass wir neue Möglichkeiten finden müssen, um miteinander ins Gespräch zu kommen über abstrakte Begriffe wie Demokratie, Toleranz, Solidarität, Mitmenschlichkeit, Nächstenliebe. Es reicht nicht mehr aus (falls es das überhaupt je getan hat), diese Schlagworte wohlfeil im Munde zu führen. Wir müssen uns mit unseren Herzen und unseren Hirnen dafür einsetzen, den Inhalt, den wir mit diesen Begriffen verbinden, zum Leben zu erwecken. Wir müssen uns einmischen und zeigen, dass Hass und Gewalt eben nicht alternativlos sind.

Es wäre schön, wenn sich allein dadurch etwas verändert, dass viele Menschen sich dazu bekennen, etwas nicht zu sein. Da das aber nicht passiert, müssen wir uns damit auseinandersetzen, was es bedeutet, dass wir eben doch dazugehören. Wir müssen über Alternativen nicht nur reden, sondern durch unser Handeln zeigen, wie die Gesellschaft aussehen würde, in der wir uns eingeschlossen, mitgemeint, ernstgenommen fühlen.

 

Hildabrötchen in der Schokovariante

Adventszeit ist Backzeit. Und beim Entspannen hilft das Teigkneten auch. Die Maschine ist daher dieser Tage des öfteren arbeitslos 🙂

Zusätzlich zu den traditionellen Hildas, die hier im Advent Pflicht sind, gibt es bei uns in diesem Jahr zum ersten Mal eine Schokovariante, inspiriert von Miss Blueberrymuffin.Hildabrötchen vor der Keksdose

Für den Teig:

125 g Butter
125 g Zucker
1 Ei
200 g Mehl
50 g Kakaopulver

Butter und Zucker aufschlagen, Ei gut unterrühren. Mehl und Kakao unter die Masse rühren, bis ein glatter Teig entstanden ist. Den Teig für die Hildabrötchen für mindestens 1 Stunde in den Kühlschrank stellen.

Danach den Teig ausrollen und ausstechen. Ihr könntet auch Keksstempel versuchen – ich persönlich finde jedoch, dass die meisten Motive auf hellem Teig besser zur Geltung kommen.Verschiedene Stempelkekse und andere Plätzchen auf einem Tisch

Bei 180°C ca. 8-10 Minuten backen. Solange die Kekse noch warm sind, lassen sie sich besonders gut mit Marmelade füllen. Bei mir ist es Himbeermarmelade – die Mischung aus Schokosüße und Früchtsäure finde ich einfach ziemlich großartig.

Mit ein bisschen Puderzucker beschneien – servieren.

Habt einen schönen Advent!