Herner Spielewahnsinn 2016

Die Nicht-Spieler unter unseren Freunden halten den Lieblingsmenschen und mich, zumindest aber unser Spieleregal, ja sowieso schon für bekloppt, was lag da näher, als dass wir uns von Freunden überreden ließen, dem Wahnsinn nun auch offiziell zu frönen: Beim Herner Spielewahnsinn 2016.

Spielemobil mit übergroßem gelben Pöppel am Eingang des Herner Spielewahnsinn

Der Spielefreundetreff ist so etwas wie die kleine Schwester der SPIEL in Essen. Doch auch wenn die Fläche deutlich kleiner ist, so war es heute doch so voll, dass wir nicht alles ausprobieren konnten, was wir gerne gespielt hätten. Dafür hatten wir Gelegenheit, Neuheiten und sogar einen Prototypen zu spielen. Das ist in Herne nichts Besonderes, denn Autoren und Verlage nutzen den Spielewahnsinn, um aktuelle Entwicklungen Marke Eigenbau zu präsentieren, die Regeln und Mechanismen zu erklären und Feedback zu bekommen.

aufblasbarer Pöppel am Eingang zum Herner Spielewahnsinn in Herne

Leider haben wir die aktuelle Version von Stefan Felds Delphi heute verpasst. In der Brettspielbox findet ihr ein Foto, das zeigt, wie Delphi grade aussieht. Nachdem wir es bereits mehrfach mit Ralph von Hall Games spielen konnten, sind wir gespannt auf die finale Version (demnächst dann hoffentlich auch in unserem Spieleregal…).

Yeti von Pegasus war zwar an mehreren Tischen vorhanden, da wir es aber schon zu Hause haben (danke für das Geschenk, Claudia und Katja), gingen wir dran vorbei. Einen Eindruck vom Spiel bekommt ihr demnächst auch hier. Spoiler: Wir sehen dabei genauso glücklich aus, wie die Spieler, die wir heute dabei gesehen haben.

Roll for the Galaxy erscheint demnächst auf deutsch. Doch da wir schon die englische Ausgabe haben und lieben, sind wir auch daran vorbeigeschlendert.

Hinweis auf Phalanxx von Iron Games beim Herner Spielewahnsinn 2016

Überrascht und beeindruckt hat und Phalanxx von Bernd Eisenstein (erscheint pünktlich zur SPIEL in Essen bei IronGames). Wir haben den Prototypen zu viert gespielt und den Mix aus tiefer Strategie, Brettspielfeeling und Konflikten mit Spielemännchen, Kartenzieh-Zufällen und Kaufüberlegungen, Geldknappheit und Würfelglück sehr gemocht. Es geht darum, möglichst viele Stärkepunkte zu sammeln. Die gibt es zum einen direkt auf Karten, zum anderen aber auch auf dem Brett.

Spielbrett von Phalanxx von Iron Games

Regelauszug aus dem Prototypen von Phalanxx beim Herner Spielewahnsinns

 

Dort startet jeder mit einer Stadt und einer Oase. Zu Beginn jedes Zuges kann man eine Karte aus der Auslage kaufen, die man später als eine Aktion auch wieder auslegen und ihre Vorteile nutzen kann – wenn man denn die oben aufgedruckten notwendigen Voraussetzungen für das Auslegen (zum Beispiel mehrere Würfel einer Farbe, genügend Geld oder eine bestimmte Anzahl von auf dem Brett platzierten Männchen) erfüllt.

Handkarten von Phalanxx - Symbolbilder beim Prototyp sind noch nicht die finale Zeichnung

Die Aktionen, die man spielen kann, hängen deutlich vom Würfelglück ab. Denn zu Beginn einer Partie Phalanxx würfelt jeder mit drei Würfeln (einer orange, einer violett und einer weiß) und legt diese untereinander. Bei jedem Zug würfelt man dann mit drei weißen Würfeln und muss versuchen, mindestens gleich viele oder mehr Augen zu würfeln als die drei Startwürfel anzeigen. Im Laufe des Spiels kann man dann zu hohe oder zu niedrige Würfel aus der Startformation austauschen oder durch das Weggeben von Männchen einen zu niedrigen Würfel auf die ersehnte Zahl drehen. Aber Achtung: Wer zu viele Männchen weggibt, kann unter Umständen den Gegner nicht mehr aus Punkte-bringenden Oasen oder Städten vertreiben. Andererseits ist auch das nur bedingt schlimm, wenn man diesen Nachteil durch strategisch gut zusammenpassende und punktestarke Kartenkombinationen ausgleichen kann.

Spielausschnitt von PhalanxxAuch gelungen: Yooloo. Ein  Kartenspiel, bei dem jeder Spieler die gleichen Karten von 1 bis 10 vor sich hat. Vor Spielbeginn bringt jeder die Karten in eine Reihenfolge, von der er sich viele Stiche erhofft. Dann geht es los. In der Tischmitte liegen ebenfalls Karten von 1 bis 10. Nun drehen alle ihre erste Karte um. Die höchste nur einmal aufgedeckte Zahl gewinnt die oberste Karte aus der Tischmitte und somit einen Punkt. Bei der zweiten Karte geht es schon um zwei Punkte, bei der dritten um drei undsoweiter.

Handkarten von Yooloo Punktekarten von YOOLOO

Gar nicht so einfach, abzuschätzen, wer wann seine hohen Punktekarten ins Rennen wirft und an welchen Stellen man selbst seine Trümpfe einbaut. Viel planen hilft aber nicht immer weiter. Da wir das Spiel mitgenommen haben, werde ich wohl demnächst mal ausprobieren, was passiert, wenn ich die Karten nicht sortiere, sondern einfach mische 🙂 Ein klasse Absacker auch für größere Runden (bis zu acht Spielerinnen und Spieler können mitmachen).

Material des Spiels Imhotep von Kosmos

Deutlich weniger begeistert hat uns unsere erste Partie Imhotep. Das Setting im alten Ägypten ist sehr schön umgesetzt und das Material ist gut gelungen. Jeder Spieler kann bei jedem Zug aus vier Aktionen wählen, um Steine seiner Farbe aus einem Steinbruch in der Mitte erst auf Boote und dann an Orte wie eine Pyramide, einen Obeliskenbauplatz oder den Markt zu bringen, an denen die Steine in möglichst viele Punkte oder vorteilsbringende Aktionskarten umgewandelt werden können. So weit, so gut.

Foto kurz vor Spielende bei Imhotep

Leider werden alle Strategie- und Taktiküberlegungen durch die Verschiffung der Steine schnell zunichte gemacht. Denn eine mögliche Aktion ist das Verschieben von Booten, die mit einer am Bug angegebenen Mindestzahl von Steinen beladen sind. Die kann jeder Mitspieler an eine der Anlegestellen schieben und dort sofort entladen. Da es uns nur selten gelungen ist, die Boote, die man selbst besonders strategisch beladen hat, in den gewinnbringendsten Hafen zu lenken, war der Spielspaß beim Überlegen und Taktieren deutlich gedämpft. Schade.

Besonders dem japanisch lernenden Lieblingsmenschen gefiel ein Stand mit vielen japanischen Kleinspielen oder japanischen Ausgaben von chinesischen Kartenspielen. Da war alles einfach zu verstehen, vor allem aber kawai – niedlich.

kleine japanische Kartenspiele mit niedlichen Comicbildern

Alles in allem war der Spielewahnsinn überraschend familiär und – so paradox das klingen mag – überraschend extrem gut gefüllt. Gerne wieder. Beim nächsten Mal probieren wir aber einen anderen Wochentag aus. 🙂

Ein Gedanke zu „Herner Spielewahnsinn 2016

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