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Kleine Alltagstricks gegen das Meerweh

Manche haben Heimweh oder stellen sich zumindest die Frage nach dem, was Heimat eigentlich ist (Anna Magdalena Bössen zum Beispiel auf Reisen am Meer), andere pflegen ihr Fernweh, Anne Schüssler hat Frankreichweh und ich habe Bretagne- und Meerweh. Jetzt, wo es draußen so grau ist, wieder besonders. Zum Glück ist die nächste Dosis Gegengift schon in Reichweite. Okay, die Wochenzahl ist noch zweistellig, aber immerhin muss ich nur noch vier Kalenderblätter umdrehen, das ist doch schonmal was 🙂 )

Ich bin mit diesem Meerweh nicht allein, was mich irgendwie tröstet. Aber trotzdem ist es nunmal so, dass ich viel zu weit weg vom Meer lebe. Und dieses Zuhause auch sehr liebe. Hier ist mein Lebensmittelpunkt, hier sind Menschen, die ich vermisse, sobald ich dann am Meer bin. Hier gehe ich furchtbar gerne spazieren und manchmal schneit es sogar.

Blick in unseren verschneiten GartenUnd trotzdem ist da diese Sache mit dem Meerweh. Die nicht, oder zumindest nicht nur, damit zu tun hat, dass Meer für Landeier wie mich immer auch Urlaub bedeutet. Und so helfe ich mir mit kleinen Tricks durchs Vorgebirgsgrau. Eine kleine Muschel auf dem Schreibtisch, ein do-it-yourself-Leuchtturm auf der Kommode, Meersalz und fleur de sel aus der Guérande in der Küche, selbstgemachten Salzkaramell im Kühlschrank.

Hütchenmuschel und rosa schimmernde Alge am StrandUnd Bücher. Da darf es dann sogar mal sowas sein wie der Dictionnaire amoureux de la Bretagne von Yann Queffélec (ja, genau, dem Sohn von Henri Queffélec). Was klingt wie ein Wörterbuch ist eine von  A bis Z aufgebaute autobiographische Liebeserklärung an das Ende der Welt, dem ich auch so verfallen bin. Und auch wenn immer mal wieder eine Kritik an Touristen durchdringt, lese ich das zurzeit mit großem Genuss. Und dann wartet da ja noch das letzte Kapitel vom Cheval d’orgueil, den Lebenserinnerungen von Per Jakez Hélias. #Hach.

Habt ihr noch mehr Tipps, wie man sich ein bischen Meer nach Hause holen kann, wenn es nicht reicht, einfach das Fenster zu öffnen? Immer her damit.

Manifestation silencieuse in Köln #jesuischarlie

Heute Abend sind in Köln – wie in so vielen Städten in Frankreich und andernorts – einige hundert Menschen in Solidarität mit den Menschen in Frankreich und im Gedenken an die Opfer der Morde in Paris auf die Straße gegangen. Nach einem schweigenden Beginn auf der Domplatte zogen wir durch die Altstadt bis zum Ruolphplatz. Einige hatten Kerzen dabei, andere Schilder mit „Je suis Charlie“ oder „Nous sommes Charlie“, mit „Je suis Ahmed“, „Liberté, èaglité, Dessiner“ und „Köln ist Charlie“. Einige Trikoloren wehten im Wind, einige hatten Titelbilder von Charlie hebdo  dabei, andere Solidaritätszeichnungen und viele Menschen hatten Bleistifte dabei. Zwischendurch stimmten einige die Marseillaise an und zu „Aux armes citoyens“ – zu den Waffen, Bürger – reckten alle ihre Stifte in die Höhe.

Unterwegs mischten sich die Sprachen und die Gesprächsthemen. Während die einen sich über ihre Lieblingskarikaturen austauschten, erzählten andere davon, wie sehr sie die Bilder der Menschenmassen zwischen Nation und République in Paris, das Bild der untergehakten Staatsgäste und der Moment, in dem Merkel sich bei Holland anlehnt und die Augen schließt, beeindruckt haben. Wieder andere erzählten sich von ihren Urlaubsplänen, von Museumsbesuchen, die sich in Köln lohnen, und von Orten, an denen man am Mittwoch am ehesten die nächste Ausgabe von Charlie in Köln bekommen könnte.

Zum Abschluss der Demonstration erklang eine Zeit lang der Ruf „Nous sommes Charlie“. Nach einem langen Applaus löste sich die Menge, die den Rudolphplatz gut ausfüllte, wieder auf.

Ein kleines Zeichen, gewiss. Aber es tat gut, etwas tun zu können. Sich gemeinsam versichern dass wir mit unserem Entsetzen, unseren Fragen und unseren Hoffnungen nicht allein sind.

Versammlung auf der Domplatte, eine Trikolore flattert im WindUnterwegs in der Kölner Altstadt, Menschen halten "Je suis Charlie"-Schilder in die HöheDemonstranten am Rudolphplatz in KölnEine Demonstrantin reckt einen Bleistift in die HöheViele Menschen mit Schildern und Stiften am Rudolphplatz in Köln #Jesuischarlie

Je suis Charlie

Ich habe versucht, etwas zu den Morden an der Redaktion von Charlie Hebdo zu schreiben, finde aber keine Worte für mein sprachloses Entsetzen, meine Trauer, Wut, Empörung, Fassungslosigkeit, Ratlosigkeit, Hilflosigkeit. Andere haben Worte und vor allem Bilder gefunden.

Besonders berührt hat mich der Kommentar von Laurent Joffrin, dem Verlagsleiter von Libération, der Zeitung, die den Kollegen von Charlie Hebdo beim letzten Anschlag nach der Zerstörung der Redaktionsräume Unterschlupf gewährt hat.

Les terroristes ne se sont pas attaqués aux «islamophobes», aux ennemis des musulmans, à ceux qui ne cessent de crier au loup islamiste. Ils ont visé Charlie. C’est-à-dire la tolérance, le refus du fanatisme, le défi au dogmatisme. Ils ont visé cette gauche ouverte, tolérante, laïque, trop gentille sans doute, «droit-de-l’hommiste», pacifique, indignée par le monde mais qui préfère s’en moquer plutôt que d’infliger son catéchisme. […] Les fanatiques ne défendent pas la religion, qui peut être accueillante, ils ne défendent pas les musulmans, qui sont révoltés dans leur immense majorité par ces meurtres abjects. Ils attaquent la liberté.

Die Terroristen haben nicht die „Islamophoben“ angegriffen, die Feinde des Islams, nicht die, die nicht aufhören, vor Islamisten Alarm zu schlagen. Sie haben sich Charlie als Ziel ausgesucht. Das heißt, die Toleranz, die Ablehnung des Fanatismus, die Kampfansage an den Dogmatismus. Sie haben auf diese offene Link gezielt, tolerant, laizistisch, wahrscheinlich zu nett, Verfechter der Menschenrechte, pazifistisch, die empört ist von der Welt, es aber vorzieht, sich über sie lustig zu machen, anstatt dieser Welt ihren Katechismus aufzuerlegen. […] Die Fanatiker verteidigen nicht die Religion, die einladend und gastfreundlich sein kann, sie verteidigen nicht die Muslime, die in ihrer übergroßen Mehrheit empört sind über diese schändlichen Morde. Sie attackieren die Freiheit.

Quant à nous, journalistes, amis des journalistes assassinés, nous continuerons. Avec un peu moins de cœur à l’ouvrage, sans doute, pour quelque temps, mais avec une résolution plus forte. Nous savons que cette profession est parfois dangereuse. C’était jusqu’à présent le lot des reporters qui partent nous informer sur les pays en guerre. Il en meurt des dizaines chaque année. Maintenant on veut porter la guerre jusque dans nos salles de rédaction. Nous ne ferons pas la guerre. Nous ne sommes pas des soldats. Mais nous défendrons notre savoir-faire et notre vocation : aider le lecteur à se sentir citoyen. Ce n’est pas grand-chose mais c’est quelque chose. Avec une certitude mieux ancrée : maintenant, nous savons pourquoi nous faisons ce métier.

Was uns Journalisten betrifft, die wir Freunde der ermordeten Journalisten sind: Wir werden weitermachen. Vermutlich werden wir in der nächsten Zeit mit etwas weniger Herz bei der Arbeit sein, dafür aber mit umso größerem Entschlossenheit. Wir wissen, dass dieser Beruf manchmal gefährlich ist. Bisher galt dies insbesondere für die Reporter, die sich aufmachen, um aus Kriegsgebieten zu berichten. Jedes Jahr sterben Dutzende von ihnen. Jetzt will man den Krieg bis in unsere Redaktionsräume tragen. Wir werden keinen Krieg führen. Wir sind keine Soldaten. Aber wir werden unser Können und unsere Berufung verteidigen: Dem Leser dabei zu helfen, sich als Bürger zu fühlen. Das ist nicht viel, aber es ist etwas. Mit einer besser verankerten Sicherheit: Wir wissen jetzt, warum wir diesen Beruf ausüben.

 

Über Leuchttürme

Leuchtturm und Signaltonne in der Raz de Sein in der BretagneDass ich Leuchttürme mag, liegt ja nahe. Schließlich habe ich sogar mein Blog nach einem benannt. Leuchttürme liegen, äh stehen in der Regel am Meer. Und das Meer und ich, das ist einfach Liebe. Schon immer gewesen. Warum das so ist? Gute Frage, keine einfache Antwort.

Anscheinend geht es nicht nur mir so, habe ich festgestellt, als ich die Suche nach Gründen, warum wir das Meer lieben, von Susanne Schneider im Magazin der Süddeutschen gelesen habe. Auch die Bilder von Marion Wenge, die immer wieder das Meer malt, geben eine Idee davon, dass diese Liebe universell sein könnte.

Der Leuchtturm Eckmühl im südlichen Finistère in der BretagneIch mag das Meer überall, aber besonders da, wo es rau ist und wild um Felsen tost. Für mich ganz wichtig: Ich mag das Meer nicht nur bei Sonnenschein. Ich bin auch bei schlechtem Wetter ganz begeistert, im Regen, wenn die tausend Grautöne des Himmels sich in aufgewühlten Schaumkronen spiegeln, wenn die Wellen sich meterhoch an der Kaimauer oder an einem Leuchtturm brechen. Ich weiß um die Gefahren des Meeres. Um seine lebensbedrohenden Eigenschaften. Darum, wie hart es ist, wenn man vom Meer oder an seinen Ufern (über-)leben muss.

Aber Leuchttürme haben nicht nur deshalb diese besondere Faszination für mich. Ich freue mich immer, wenn ich einen sehe. Egal wie groß oder klein, alt oder neu, architektonisch schön oder vor allem funktional, aus einfachem Stein oder bunte bemalt. Völlig egal, Hauptsache Leuchtturm.

Schon tagsüber finde ich sie großartig. Ich wandere gerne um die Kaps herum, auf denen sie stehen. Ich bin sogar schon den einen oder anderen hinaufgeklettert, um den Ausblick zu bewundern (wobei ich dabei immer einen Drehwurm kriege). Besonders liebe ich aber den Moment, in dem das Leuchtfeuer entzündet wird. Diesen Moment zwischen Tag und Nacht, wenn die Dämmerung so dicht wird, dass das Licht weit und weiter scheint. Das klingt natürlich romantischer, als es ist und jemals war. Aber für mich sind diese Momente ein bisschen magisch. Wenn zum ersten Mal das kreisende Licht über den Punkt hinwegschwenkt, an dem ich stehe. Wenn die Nacht einen leuchtenden Rhythmus erhält.

Der große Hauptleuchtturm auf der bretonischen Insel SeinEs ist beruhigend und bewegend, es berührt mich und am Ende ist es einfach schön, rechts und links an den Enden einer Bucht die Leuchtfeuer angehen zu sehen und weiter draußen auf dem Wasser das Licht von Inselleuchttürmen zu entdecken. Sie geben auch dann eine Ahnung vom richtigen Weg, wenn das Vertraute nicht mehr zu sehen ist, die alltäglichen Markierungen nicht mehr gelten. Sie geben keinen Weg vor, aber sie erleichtern die Orientierung. Leuchttürme werfen Schlaglichter auf das Drumherum, unbestechlich, zuverlässig. Sie bringen Klarheit mitten im Dunkel, ohne dabei die Nacht aufzuheben. Sie sind Wegmarken, die nicht mitgehen, aber das Weitergehen leichter machen, indem sie Zutrauen und Sicherheit schenken. Sie können mit ihrem Licht und den kurzen Einblicken ins Dunkel auch Neugier wecken und Abenteuerlust. Sie lenken den Blick weg aus der unmittelbaren Umgebung hin auf das größere Ganze. Das Leuchtfeuer kann neue Perspektiven eröffnen und neue Sichtweisen aufblitzen lassen. Ihr merkt jetzt schon, dass ich hier voll ins Metaphorische abdrifte.

Und da wundert ihr euch vermutlich auch gar nicht mehr, dass es für mich auch andere „Leuchttürme“ gibt. Menschen vor allem. Aber auch Bücher. Oder Musik. Wenn ich auf solche „lebendigen“ Leuchttürme treffe, ist das jedes Mal ein Moment tief empfundenen Glücks.

Der Leuchtturm Pontusval in Brignogan im Nord-Finistère in der Bretagneleuchtturm-pontusvalLeuchtturm an der bretonischen côte de granit roseLeuchtbarke auf der Ile de Batz

Knallbonbons als Mitbringsel fürs Silvesterbuffet

Zum Mitbringen für das Silvesterbuffet (es gibt ein „Spiele-Sit-In“, was auch sonst 🙂 ) habe ich mich von Jankes Soulfood inspirieren lassen und essbare Knallbonbons gebacken.

Teller mit zu Knallbonbons geformten TeigtaschenFür den Teig:

  •  175 g Butter
  • 325 g Mehl
  • 150 g Crème fraîche
  • 1 gute Prise Salz
  • 1/2 Päckchen Backpulver

Für die Füllung:

  • 175 g Kräuterfrischkäse
  • 100 g Crème fraîche
  • 100 g Schinkenwürfel
  • 1 TL Senf
  • Salz, Pfeffer, Rosenpaprika

Aus den Zutaten für den Teig einen glatten Knetteig herstellen und in ca. 25 Portionen teilen. Die einzelnen Teigstücke mit dem Handballen zu Rechtecken zurechtdrücken.

Teigtaschen mit Frischkäse-Schinkenfüllung als Knallbonbons geformtFür die Füllung den Frischkäse mit der Crème fraîche und dem Senf gut verrühren und mit Salz, Pfeffer und Parika würzen. Die Schinkenwürfel unterrühren.

In die Mitte jedes Teigrechteck setzt ihr nun einen großen Klecks Füllung. wickelt die Rechtecke an der Längsseite zu einer Rolle und drückt die äußeren Enden zusammen. Legt die Bonbons mit der Verschlusseite nach unten auf ein Blech. Ein Eigelb mit etwas Milch verkleppern und die Bonbons damit einstreichen.

aufgeplatze Knallbonbon-TeigtascheAchtung: Mit der Füllung solltet ihr nicht zu großzügig sein. Das habe ich aber erst gemerkt, als die Dinger nach der halben Backzeit langsam aber sicher nach oben hin aufgeplatzt sind. Die Mehrheit sieht daher nicht mal halb so hübsch aus wie das Original (nochmal zur Erinnerung: Wer das richtig kann, macht die Knallbonbons so). Dem Geschmack tut das aber zum Glück keinen Abbruch.

Ach ja. Da hier weit und breit kein Schnittlauch zu bekommen war, habe ich ein wenig Teig zurückbehalten und grün gefärbt, um damit die Bänder der Knallbonbons zu formen.

Bei 160°C verschwinden die kleinen Köstlichkeiten nun für ca. 25 Minuten im Backofen.

Guten Appetit und vor allem natürlich: Guten Rutsch!

Macarons von Aurélie: Merci beaucoup

Schachtel mit 16 bunten MacaronsJuhu, ich habe gewonnen. Und dann auch noch ein sowas von passendes Geschenk… Macarons. Und nicht irgendwelche Macarons, sondern welche von der Königin der Macarons, von Aurélie Bastian, deren Macarons-Backbuch ich habe und mit deren Rezept ich die kleinen Schätzelein auch hinkriege. Aber auch für alles andere, egal ob süß oder herzhaft, ist ihr Blog französischkochen einfach super. Wir haben hier schon das ein oder andere nachgemacht und einiges ist in die Immer-wieder-kochen-Liste aufgenommen worden.

Liebe Aurélie, viiiiieeeelen Dank für diese wunderbare Überraschung. Wie man sieht, haben wir mit dem Auspacken nicht bis Heiligabend gewartet, sondern das erste Macaron direkt genascht. So lecker.

Unterwegs an freien Tagen

Neulich konnte ich den Luxus einiger freier Tage außer der Reihe genießen. Ganz besonders schön war es, einfach mal Zeit zu haben. Zum Beispiel zum ziellosen Lesen. Wie wundervoll, einmal ohne schlechtes Gewissen und Blick auf die Uhr Texte zu lesen, die ich mir schon lange markiert hatte. Links zu folgen, die ich normalerweise seufzend links liegend lassen würde. Mich treiben zu lassen und Neues zu entdecken.

Sei es bei den Krautreportern, wo ich endlich auch mal den Mitgliederbereich entdecken gegangen bin, sei es im Wirtschaftsteil bei Buddenbohms, wo ich auch mal die langen Stücke angeklickt und auch gelesen habe. Auch bei Was machen die da? habe ich die vergangenen Einträge nachgelesen und mich an den Texten, den Bildern und vor allem den vorgestellten Menschen, ihrer Unterschiedlichkeit und ihrer Leidenschaft für das, was sie tun, gefreut. Bei „Was machen  die da“ habe ich auch den Hinweis auf die Deutschlandreise mit dem Fahrrad von Anna Magdalena Bössen entdeckt. Und nun endlich einmal nachgelesen, was sie auf ihren Wandermärchen-Etappen im Osten erlebt hat. Und bin ganz begeistert. Ja, wir fänden es super, auch in den Genuss dieser besonderen Form von Literaturvermittlung und besonders dieser Bekanntschaft zu kommen. (Ja, das ist Schleichwerbung für uns als Gastgeber, für irgendwas muss mein Job doch gut sein 😉 )

Ich habe bergeweise Spielrezensionen gelesen und das ein oder andere Run-through-Video von Richard Ham (@Rahdo) gesehen. Natürlich habe ich auch in Rezepten gestöbert und das eine oder andere direkt nachgebacken.

Wo ich den Hinweis auf Elisabeth Ranks Blog gefunden habe, weiß ich nicht mehr, und im Nachhinein ist mir gar nicht klar, wie mir das bisher entgehen konnte. Mein Einsteiger waren diese Gedanken über die Bedeutung eines einzelnen kleinen Wortes. Und dann sitzt man da und liest nach vorn und zurück und immer weiter.

Und wenn man immer so weiter klickt und stöbert und sich festliest, dann landen auf einmal neue französische Städte auf der Besuchswunschliste (es ist wirklich eine Schande, dass ich noch nie in Lyon war) oder man beginnt, sich nochmal ganz neu oder doch wieder alt oder überhaupt einmal ganz anders Gedanken zu machen übers Geschichten Erzählen, oder genauer gesagt: übers gute Geschichten erzählen. Und wo ich schonmal da war, habe ich nachgelesen, wie Gesa sich in Frankreich verknallt hat. Ist super da, sag ich doch. Und jetzt freue ich mich auf viele neue Gesichten von Gesa aus Afrika, ab Februar. Stay tuned.

 

 

Kundenbindung at its best

Heute muss ich mal ein Lob loswerden. Und zwar an den Hebsacker Verlag. Und nein, die haben mir nichts umsonst zugeschickt oder mich mit irgendwas geködert. Ganz im Gegenteil. Am Ende haben wir nicht mal was gekauft. Und trotzdem empfehle ich den Verlag und seinen Kundenservice uneingeschränkt weiter. Und das kam so:

Cath the lion, Shogi mit 4 Holzsteinen für jeden SpielerDer Lieblingsmensch, der ja einen liebenswerten Japan-Spleen sein Eigen nennt, hatte sich vor ein paar Jahren bei der Spiel in Essen in  das kleine Dobutsu-Shogi, oder Catch the lion, verliebt. Nachdem er mich und alle anderen in unserem Umfeld dabei gefühlte tausend Mal abgezockt hatte, war er bereit für größere Aufgaben, sprich für das mittelgroße Shogi mit mehr Teilen und noch süßeren Tieren.

Entdeckt hatten wir das bei der Spiel ’13. Da war es aber schon ausverkauft, als wir endlich auf den Trichter gekommen waren. Also fragte der Japan-Fan meines Vertrauens beim Hebsacker Verlag nach. Da hatte er sich einige Zeit vorher mit einem kompletten (und sehr schönen) Go-Set und der passenden Literatur eingedeckt und auch das kleine Shogi dort entdeckt. Aber die schwerere, mittelgroße Version gab es damals dort nicht. Der Hebsacker Verlag schrieb, dass man dies sehr bedaure und man versuche, das Spiel ins Sortiment aufzunehmen. Aber für den Moment könne man nicht weiterhelfen.

Spielbrett und Holzsteine mit aufgemalten Tieren des Shogi-SpielsIn diesem Jahr haben wir dann in Essen zugeschlagen und das Spiel mit den wirklich wunderschön gestalteten Holzklötzchen und den einfach zu erklärenden, aber schwer zu spielenden Regeln erstanden. Und was passiert vor einigen Tagen? Nach über einem Jahr? Hier trudelt eine Mail vom Hebsacker Verlag ein, in der man uns darauf aufmerksam macht, dass der Verlag das mittelgroße Dobutsu-Shogi mittlerweile im Programm habe. Nach mehr als einem Jahr erinnert sich jemand, dass es da mal einen Interessenten gab und schreibt. Große Klasse.

Aber es wird noch besser. Schließlich hatte der Lieblings-Japanfreund das Spiel ja schon gekauft und schrieb daher eine Absage. Dankend zwar, aber eine Absage. Und was machen die Helden beim Hebsacker Kundenservice? Sie schreiben nochmal und wünschen viel Spaß mit dem Spiel. Und das alles auf so unaufdringlich freundliche und herzliche Art und Weise, dass ich noch immer ganz bezuckert bin. So funktioniert das mit dem Service. Genau so.

Falls ihr jetzt also alle dieses wirklich richtig gute Spiel (es ist super und ich sage das, auch wenn ich nur ein einziges Mal gewonnen habe, und da war der Gegner bereits leicht mit schottischen Destillaten abgefüllt) – wenn ihr es also haben wollt, dann bestellt es beim Verlag mit dem nettesten Kundenservice seit Ewigkeiten. Wirklich. Tut das. Und dann fordert den Lieblingsmenschen heraus. Der erste, der gegen ihn gewinnt, kriegt ein extra Julia-Roberts-Dauergrinsen von mir. Top, die Wette gilt.

Viceroy, du gehörst mir. Mein erstes Mal bei Kickstarter.

Ich habe zum ersten Mal ein Spiel bei Kickstarter „gebacked“. Ja, schon klar, ich bin mal wieder eine der letzten auf der Party. Aber besser spät als nie. Und Viceroy von Mayday Games war eine würdige Premiere, finde ich.

spiel14-viceroy

Entdeckt haben wir das Spiel rund um den Vizekönig in einem der beliebten Rahdo Runthroughs. Er war in den Genuss gekommen, einen englischen Prototypen des russischen Spiels zu testen und seine Erklärungen und die Bilder haben uns Lust gemacht, in Essen danach Ausschau zu halten. Denn – besonderer Grund zur Vorfreude – dort sollte es 250 englische Exemplare zu erwerben geben. Da wir allerdings nicht schon am Donnerstag da sein konnten, schauten wir freitags in die Röhre, alles längst weg. Alles, bis auf zwei Testspiele. Also landeten wir an einem der Tische und spielten fröhlich drauflos. Und Tatsache: Das Spiel, bei dem man mit Karten Pyramiden baut, um bunte Edelsteine, Schriftrollen und andere Güter und natürlich Siegpunkte zu sammeln, hat uns großen Spaß gemacht und war für unsere kleine Spielerunde die Éntdeckung der diesjährigen Spieltage.

kickstarter-viceroyWie Kickstarter funktioniert, wisst ihr vermutlich alle. Nein? Okay, dann also im Schnelldurchlauf: Man kann dort ein Projekt, in unserem Fall also ein Spiel, unterstützen, indem man eine Finanzierung zusagt. Ist der angepeilte Mindestfinanzierungsstand erreicht, wird das Projekt umgesetzt und das Geld abgebucht. Wird mehr Geld eingespielt, als mindestens gebraucht, ist das Projekt noch nicht vorbei, man kann auch „überzahlen“. Oft ist es dann so, dass die Unterstützer der ersten Runde einen besonderen Bonus bekommen. Hier erhält man handnummerierte Exemplare, von denen es insgesamt nur 1.000 Stück gibt. In der zweiten Unterstützerrunde (zu der ich gehöre, juhu)  bekommt man die limitierte Sonderauflage mit besonders aufwändig gestaltetem Deckel. Je mehr Geld, desto mehr Vorteile bekommen die, die sich möglichst früh als Unterstützer eingetragen haben.

Zusätzlich schalten die Projektverantwortlichen bei Kickstarter beim Erreichen bestimmter, vorher definierter Projekteinnahmen weitere sogenannte „stretch rewards“ frei. Bei Viceroy werden die Plättchen, die bisher allein auf Farben basierten, nun durch grafische Symbole ergänzt, die das Spiel auch für farbenblinde Spieler spielbar machen. Wenn also mehr Unterstützer einsteigen, setzt der Verlag sich für mehr Inklsuion ein. Super Sache. Und da die Sache grade durch die Decke geht, kommt da noch mehr. Spiel, Spaß und Spannung. Funktioniert.

Verschickt wird das Spiel voraussichtlich im März. Neben dem Preisrabatt für Kickstarter-Unterstützer (der durch das Porto allerdings zumindest teilweise wieder aufgefressen wird), ist das ein weiterer Vorteil: Ich muss nicht beobachten, ob und wenn ja wann das Spiel bei einem Händler in der Nähe zum Verkauf eintrifft und dann möglicherweise vergriffen ist, bevor ich dort sein kann. Das Spiel kommt direkt zu mir nach Hause.

Bis dahin bekomme ich regelmäßig Infos zum Verlauf des von mir unterstützen Projektes und wie schon die Hippster bei Fairphone können auch die Kickstarter und die Leute von Mayday Games das mit der wertschätzenden, zielgruppengerechten Kommunikation besonders gut. Woo-hoo.