Gerade ist es ja mehr so nass und grau. Aber vor ein paar Tagen konnte man die schönsten Abendspaziergänge machen. Heute tröste ich mich der virtuellen Version. Wer kommt mit?
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Von Nischenbewohnern und anderen Heiligen
Hier war es zuletzt ganz schön ruhig. Aus Gründen. Und natürlich, weil ich ohne Internet unterwegs war. Zum Beispiel in Bamberg. Dazu gäbe es massenhaft zu erzählen. Vor allem von den Menschen, die diese Tage für mich so reich gemacht haben. Von der Sonne und dem Wasser und den langen Spaziergängen. Von meinem filmreifen Sturz über einer hinterhältige Treppenstufe. Von…
Aber heute bekommt ihr nur einen bildlichen Beweis dafür, dass Bamberg in Bayern liegt. (Jürgen: Ich weiß, es ist Franken, aber vom Rheinland aus gesehen, ist es eben doch Bayern 🙂 )
Und natürlich darf meine Lieblings-Nischenbewohnerin nicht fehlen (vor allem, da sie in meinem Herzen viel mehr als eine Nische bekommen hat).
Ich habe keine Wahl
Es gibt Wahlplakate, die sagen mir eigentlich nur eins: Dass ich keine Wahl habe. Ohne mehr über den Kandidaten oder die Kandidatin zu wissen, sagen sie mir deutlich, dass ich diese Menschen und ihre Partei keinesfalls wählen werde. Ein paar Beispiele aus der Umgebung?
Wofür Frau Heller steht, außer für einen Humor, den ich zwar verstehe, aber nicht teile, erfahre ich auf ihren Postern und Flyern nicht. Auf ihren Plakaten war zuerst ihr Portrait als schwarzer Schattenriss, dann wurden Plakate mit ihrem Schatten in grau aufgehängt und seit ein paar Tagen schaut sie uns auf einer Großfläche als Foto entgegen. Ach ja, Text gibt es auch: „Heller bitte“. Haha.
Die Unabhängige Wählergemeinschaft / Forum „Mündige Bürger“ verwirrt mich mit den seltsam gesetzten Anführungszeichen. Ich bin übrigens auch misstrauisch, wenn irgendwo „frisches“ Gemüse angepriesen wird. Außerdem schreiben sie: Uns kann jeder wählen. Warum? Weil ihr Programm so beliebig ist? Auf der Website erfahre ich darüber zwar fast nichts, finde aber immerhin einen Aufruf, dass man sich bei ihnen melden soll, wenn man Sparvorschläge hat. Ah ja.
Gleich zwei Parteien (die Piraten und die Aktiven Bürger Bornheim) erobern unsere Stadt zurück. Was immer das bedeuten soll.
Noch schlimmer wird es bei der FDP. Da steht zum Beispiel: Mehr Parkplätze statt mehr Schlaglöcher, das brauchen wir hier. Wirklich? In einer Gemeinde, die chronisch pleite ist, in der es so viele andere Aufgaben zu erfüllen gibt und in der viele der Hauptverkehrsstraßen in den vergangenen Jahren aufwändig saniert wurden? Und dann: Bürger schützen statt blitzen. Sind die Kinder in Kindergarten und Grundschule keine schützenswerten Bürger? Oder habe ich einfach nicht verstanden, warum gerade dort und meistens auch noch passend zum Schulschluss geblitzt wird? Wenn ich mir so oft an den Kopf fassen würde, wie ich beim Lesen der Plakate wollte, bekäme keiner mehr mein Gesicht zu sehen.
Richtig schlimm wird es ein paar Wahlkreise weiter. Da will ein freundlich lächelnder Herr ins Stadtparlament gewählt werden mit dem Slogan: Schwaad nit, maach! Dass es in Parlamenten, in unserer Demokratie, eben nicht darum geht, einfach irgendwas zu „maache“. Dass es, ganz im Gegenteil, vielmehr darum geht, durch die Diskussion, den Austausch von Argumenten, das Abwägen und Verhandeln zu Ergebnissen zu kommen. Dass das Reden, die Debatten im Parlament ganz elementar zum Kompromisse finden, zum Einbinden der Bürger, zum Entwickeln von Handlungen, kurz: zum Wesen des demokratischen Prozesses gehören – das scheint dem Kandidat und den Wahlkampfstrategen der Partei nicht klar zu sein. Irgendwie finde ich es fast zu wenig Strafe für diesen Mist, denen meine Stimme nicht zu geben. #kotzkotzkotz.
Mango-Buttermilch-Shake
Eigentlich wollte ich euch heute ein bisschen was zum Thema Wahlplakte in der Umgebung erzählen. Das verschiebe ich aber auf einen der nächsten Tage, denn ich muss mich jetzt unbedingt einem faulen Tagesausklang widmen.
Hatte ich schon erwähnt, dass der Lieblingsmensch und ich gerne Mangos mögen? Heute gibt es zum Abschluss eines sonnigen Tages einen Mango-Buttermilch-Shake (Mango, Buttermilch, ein bisschen Vanille und Eiswürfel 20 Sekunden im Thermomix). Ich bin dann mal im Garten, die Abendsonne genießen…
Geht da hin! Wirklich!
Jetzt kommt die großartige Isabel Bogdan einmal nach Bonn und ich bin nicht da. Ich freue mich schon seit Wochen total auf dieses Wochenende und würde mit niemandem tauschen. Trotzdem: Müssen die guten Dinge immer alles gleichzeitg stattfinden? #schnüff
Aber vielleicht kann ja eine/r von euch? Wenn ja: Hingehen. Unbedingt. Es gibt nur noch 9 freie Plätze, da müsst ihr schnell sein. Also los, hopp hopp. Und macht bergeweise Fotos, damit ich wenigstens richtig schön neidisch sein kann. #MiMiMiMi
Frohe Ostern!
Und er hauchte seinen Geist aus
Glücksmoment mit Hund
Ich bin bekennende Pendlerin. Bahnfahren erspart mir das Aufregen über unfreundliche Autofahrer, nerviges Im-Stau-Stehen, nicht-enden-wollende Parkplatzsuche und das Ärgern über den Spritpreis. Natürlich nervt das Bahnfahren manchmal ziemlich. Mir wegen „unbestimmter Verspätung“, wegen Stellwerksstörungen, dem Wetter oder „Verzögerungen im Betriebsablauf“ die Füße in den Bauch zu stehen, ist auch mit netter Begleitung nur so mittelgroßartig. Und „Saunakuscheln“ am frühen Morgen wird auch in 100 Jahren nicht mein Ding. Aber manchmal, manchmal gibt es diese besonderen Momente. Diese Augenblicke, in denen alles andere vergessen ist. Die ein Lächeln aufs Gesicht und in die Seele zaubern. Augenblicke wie vor ein paar Tagen in der Straßenbahn.
Ich steige ein und zwei süße Zwillingsmädchen mit rosa-gestreiften Mützen lächeln mir freudig entgegen. Hinter dem Doppelbuggy lehnt eine kleine Frau mit müden Gesicht und tiefen Augenringen an einer der Haltestangen und blinzelt angestrengt auf die beiden herab. Plötzlich bekommt sie einen wachen, besorgten Ausdruck im Gesicht. Auch um mich rum verändert sich die Stimmung spürbar. Ich drehe mich um und sehe, wie eine junge Frau mit einem riesigen schwarzen Hund in die Bahn steigt. Alle Umstehenden rücken ein wenig zur Seite, versuchen, irgendwie Abstand zwischen sich und das fast hüfthohe Vieh zu bekommen. Es wird ganz still.
Bis auf ein fröhliches Quietschen. Und dann strecken zwei kleine Zopfmädchen vier rosagestreifte Arme aus und sagen über das ganze Gesicht strahlend: Wauwau. Sie kichern fröhlich vor sich und und machen sich ganz lang, um den Hund zu streicheln. Der hat sich mittlerweile brav hingelegt und reckt den Zwillingen neugierig die Schnautze entgegen. So lange, bis sich die haarige Hundenase und die tastenden Mädchenfingerspitzen berühren.
Die Stimmung in der Bahn entspannt sich sofort. Die Magie des Moments verbreitet sich noch schneller als zuvor die Anspannung. Die Hundebesitzerin, die vorher ausschließlich auf ihr schwarzes Fellbündel und den Boden gesehen hatte, sieht sich überrascht um. Die müde Mutter lächelt so, dass sie wieder etwas Farbe ins Gesicht bekommt. Die Fahrgäste um uns herum nehmen ihre Gespräche wieder auf. Zwei Stationen weiter steht der Hund auf und trabt neben seinem Frauchen aus der Bahn. Die beiden Mädchen winken ihm begeistert nach.
Heute morgen habe ich in der Straßenbahn einen älteren Herrn mit einem Hund gesehen. Zwar nicht schwarz, eher undefinierbar gelb-braun, aber ziemlich riesig. Ich habe sowohl den Hund als auch das Herrchen so selig angelächelt, dass beide etwas verwirrt zurückguckten. Wenn die wüssten… 😉
Ein Baum lässt sich Zeit
In den letzten Wochen komme ich donnerstags Abends immer an den gleichen Bäumen vorbei. Mitten in Köln. In einer kleinen, eher schmalen Straße mit großen Häusern. Einige schmucke Altbauten, daneben Schnellbausünden aus den 50ern. Nicht wirklich lichtdurchflutet, aber genug Himmel, um hell zu sein. Und am Straßenrand wachsen Bäume.
Der herrlich frühe Frühling hat die ersten schon vor Wochen zum Sprießen gebracht. Jede Woche ein wenig mehr. Erst waren es nur kleine Knospen, dann gab es immer mehr hellgrüne Spitzen, dann kleine Bätter, letzte Woche ging ich zum ersten Mal durch ein Blätterdach.
Nur ein Baum sah aus, als hätte es den Frühlingsbeginn nicht gegeben. Auch Wochen, nachdem seine Nachbarn neue Triebe und Knospen entwickelt hatten, ragte er leer und grau in den Himmel. Alle seine Nachbarn waren mittlerweile erblüht. Nur „mein“ Baum machte keine Anstalten, beim Frühling mitzumachen. Jede Woche schaute ich ihn mir genau an, ob es nicht irgendein Anzeichen von Veränderung gäbe. Aber immer sah ich: nichts.
Ich machte mir so meine Gedanken. Stand der langsame Baum nicht auch für das Leben? Wo oft von mir erwartet wird, Stärke zu zeigen und schnelle Entscheidungen zu treffen. Wo es oft genug darum geht, attraktiv zu sein, zu glänzen, sich zu entwickeln und andere zu begeistern. Trends nicht zu verpassen. Selbstbewusst voranzugehen.Wo ich seltsam beäugt werde, wenn ich nicht das mache, was gerade alle tun.
Und dieser Baum macht da einfach nicht mit. Bekommt er zu wenig Sonne? Ist sein Boden zu trocken, zu feucht, nicht genug Erde, zu wenig Platz für die Wurzeln? Muss ich mir Sorgen machen, dass er vielleicht nicht wieder austreibt? Hat er den Winter nicht überlebt? Oder hat er irgendeine Baumkrankheit oder seltsame Tiere, die seine Rnde und auch ihn auffressen (ich bin keine Expertin auf dem Gebiet, merkt ihr ja). Geht er am Ende gar ein? Oder wird er, weniger poetisch, von der Stadtgärtnerei entsorgt?
Aber ist es überhaupt schlimm, dass er nicht austreibt? Er ist doch auch so schön, mit seinen vielen Ästen, seinem starken Stamm, der rauen, unebenen Rinde. Im Winter habe ich ihn gerade darum gemocht – weil seine Krone so ausladend ist und sein Geäst so fein verzweigt.
Was bedeutet das für mich? Bedeutet es etwas für mich? Vielleicht, dass ich mich frage, ob es immer notwendig ist, mich an den Erwartungen anderer auszurichten. Dass ich meine eigenen Erwartungen immer wieder überprüfe. Auch mal Tempo rausnehme. Abwarte, bis es an der Zeit ist für Entscheidungen, Veränderungen. Sie dann aber auch angehe. Denn auch mein Baum ist nicht einfach unverändert geblieben. Er ist nicht gestorben. Er hat einfach ein wenig länger gebraucht. Vorgestern habe ich die ersten kleinen Knospen gesehen. Wie geht es weiter? Es bleibt spannend. Bei „meinem“ Baum und bei mir.
PS: Neulich habe ich von Anne (vielen Dank nochmal!) Schreiben auf Reisen geschenkt bekommen. Die Verbindung von Beobachtungen beim Spazierengehen mit Gedanken über mein Leben ist von dessen erstem Kapitel inspiriert.
Krieg! Aber gerecht.
Die ersten wärmenden Sonnenstrahlen bringen die Blumen zum Blühen, die Vögel zum Singen und machen ganze Horden von Nachbarskindern zu Kriegern, Wasserschlachtkriegern. Aus allen Richtungen kommen sie, bewaffnet mit kleinen und größeren Spritzpistolen, es wird genau ausgemacht, an welchen Wasserhähnen man nachladen und wo man vor Angriffen geschützt verschnaufen kann. Und dann geht es los – Feuer aus allen Rohren. In unserem Garten finden sich die ersten Flüchtlinge ein: Die Nachbarskatzen verschwinden unter der Hecke und dem großen Rosmarinstrauch und schnurren leise, weil wir sie nicht nass machen wollen 🙂
Nach der ersten Runde Wasserschlacht sind die Katzen trocken, aber die Mitglieder der einen Wasserschlachtpartei schon ziemlich nass. Mit einem Tempotaschentuch als Ersatz für eine weiße Fahne winken die Kleinen und bitten um eine Friedensverhandlung. Hauptargumente der Unterlegenen: „Das ist total ungerecht. Ihr seid mehr, bei euch sind mehr große Kinder und ihr habt die besseren Waffen mit größeren Tanks.“
Nach einigem Hin und Her werden die Mannschaften neu gemischt und die Waffen so lange getauscht, bis beide Gruppen etwa gleich stark sind. Kurz bevor die Sonne hinter dem Vorgebirge untergeht, sind alle nass. Und glücklich. Lachend verabreden sie sich zur nächsten Schlacht. Dann aber gleich gerecht.



















