Alles auf Anfang

Das neue Jahr ist schon fast zwei ganze Monate alt, aber es fühlt sich immer noch ganz neu und frisch für mich an. Das liegt sicher daran, dass ich es mit einem neuen Job begonnen habe. Ein Job, der meistens im Homeoffice, immer mal wieder aber auch in der „ewigen Stadt“ stattfindet oder bei internationalen Konferenzen. Ein Job, bei dem ich Englisch rede und schreibe, für den ich unbedingt mein Spanisch aufpolieren möchte, damit ich nicht nur die Kolleg:innen verstehe, sondern auch mal was antworten kann, für den auch meine Französisch-Kenntnisse tauglich sind und in dem ich durchaus Lust bekomme, zumindest ein paar Brocken Koreanisch oder Shona und Begrüßung und Verabschiedung in Maithili oder Kikuyu oder Begali zu lernen. Zumindest habe ich Menschen in diesen Sprachen sprechen gehört und fand sie wirklich schön – also die Sprachen, aber durchaus auch die Menschen, die so ganz sie selbst werden, wenn sie in ihrer Muttersprache miteinander sprechen und gestikulieren.

Auch neu und frisch ist der Home-Office-Besuchshund. Ab und an dogsitten wir einen noch wachsenden, aktuell pubertierenden Hund von Freunden, der sich mit Vorliebe unter meinem Schreibtisch, direkt auf meinen Füßen zusammenrollt oder neben meinem Schreibtisch quietscht, dann alle Viere von sich streckt und leise schnarchend einschläft. In Kaffeepausen spielen wir im Garten und in der Mittagspause entdecken wir mit ihm zusammen neue Highlights auf der Spazierrunde.

Ich lerne jeden Tag etwas Neues dazu im neuen Job und merke, das mich das auch für das Private inspiriert. Dank der neuen Arbeitsplatzregelung und dem Wegfallen des Pendelns ist mehr freie Zeit verfügbar, und so lese ich wieder mehr und genieße das Eintauchen in neue Welten. Zudem plane ich, mich bei den PRÜF-Demos einzubringen – die tägliche Nachrichtenlage fühlt sich so an, als wäre es für den Einsatz für Demokratie, für Solidarität und Respekt, für Mitmenschlichkeit und Schutz von Menschenrechten, Frauenrechten, Rechten ganz generell, allerhöchste Eisenbahn. Wenn mir der Wegfall von verspäteten Bahnfahrten genau diese Zeit ermöglicht, greife ich zu.

Neben einer neuen Frisur, alltagstauglich und pflegeleicht, und einem neuen Hut, für spezielle Anlässe und dann vermutlich etwas pflegeintensiver, entdecke ich mit der Freundin, mit der ich mich regelmäßig auf ein Feierabendgetränk treffe, in diesem Jahr neue gastronomische Orte. Eine Kneipe, auf der sri lankische Cocktails auf der Karte stehen, ist ganz weit oben auf der Liste. Und mit dem Lieblingsmenschen schaue ich Filme und Serien, denn meine cineastische Bildung ist eingerostet bis nicht vorhanden. Auch ein Städtetrip mit Kunstgenuss ist für das Frühjahr bereits eingeplant und für den nächsten Trip nach Rom die Karten für die Hokusai-Ausstellung schon gebucht.

Im Garten blühen die ersten Krokusse, in meinem Hirn wachsen Synapsen, verbinden das neue Wissen und lassen Ideen sprießen, im Herzen verschmelzen Erinnerungen und Hoffnungen und werden zur Grundlage für neue Gefühle. Der Frühling, der in mir schon angebrochen ist, kann jetzt gerne auch draußen kommen. Damit Aufbruch und Hoffnung sichtbar und vielleicht auch über meinen eigenen kleinen Horizont hinaus Realität werden. Oder, wie Isabelle Callis-Sabot – eine meiner aktuellen Lese-Entdeckungen – es sagt:

Un soleil radieux inonde la colline,
Au jardin tout prend vie, tout cherche à émouvoir,
Et je sens, sous mes pas, tandis que je chemine,
La terre qui frémit et palpite d’espoir.

 

 

 

 

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