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Blumenmeer mit Ausblick: Jardin exotique in Roscoff

roscoff-jardin-exotiqueNach einigen Tagen Frühling nutze ich die graue Zwischenepisode für ein paar sonnige Erinnerungen. Gärten, die von jemandem angelegt wurden, der weiß, was er tut, haben es mir ja schon länger angetan. Daher nehme ich euch heute mit in einen Garten, der mein Herz im Sturm erobert hat. Und das nicht nur wegen der Schildkröten (Schildkröten… hach).

Engländer ohne Ende, eine süße Innenstadt mit schnuckeligen Häusern und einem schönen Hafen, Kirchen in Granit und stattliche Bürgerhäuser, das alles in einer schönen Bucht: Roscoff ist wirklich eine Reise wert.

Was ich aber besonders ins Herz geschlossen habe, ist der Jardin exotique, der botanische Garten von Roscoff. Dort setzen die Verantwortlichen ganz auf Gegensätze: Pflanzen des Südens im Norden (des Finistère).Blick auf die Bucht von Roscoff vom Jardin exotique aus

Wundervolle Ausblicke nach innen und außen

Der Garten liegt etwas außer- und oberhalb der Innenstadt, direkt neben dem großen Fährhafen Richtung England und Irland. Die Felsen, auf denen der Garten angelegt wurde, haben die Gestalter ganz wunderbar in ihr Konzept eingebaut. Und so wandert man auf dem Rundweg durch die Schönheiten der südlichen Erdhalbkugel hinauf und hinab und kann auch einen Felsen erklettern. Von oben hat man eine wunderbare Aussicht auf die Bucht, die davorliegenden Inselchen und (mit einem Fernglas) bis zu Île de Batz.Blick vom Jardin exotique in Roscoff auf den Fährhafen nach England

Auch an vielen anderen Stellen hat man eine sehr schöne Aussicht auf das Meer. Doch es lohnt sich durchaus, den Blick auch ins Innere des Gartens zu richten. Da gibt es Wasserläufe und Teiche – sogar mit Schildkröten -, an deren Ufern tropische Pflanzen ganz prächtig gedeihen. Es gibt Schattenecken, in denen Farne und andere Schattengewächse sich wohlfühlen und Felslandschaften, auf denen hunderte verschiedene Kakteen  wachsen.Kakteenblüte im Jardin exotique in Roscoff

Blühendes Roscoff im Herbst

Auch im Herbst blüht Vieles. Manchmal sind es aber auch verblühte Schönheiten, die schön aussehen. Blüte im Jardin exotique in Roscoff, Finistère, Bretagne

Kakteenblüte im Jardin exotique in Roscoff, Finistère, Bretagneorange Blüte im Jardin exotique in Roscoff, Finistère, Bretagnegroße lilafarbene, sternförmige Blüte im Jardin exotique in Roscoff, Finistère, Bretagneverblühte Staudenblüte im Jardin Exotique im bretonischen Roscoff an der Nordküste des FinistèreNeben den Augen freut sich aber auch die Nase, denn es riecht überall unterschiedlich. In einem eigenen Abschnitt lädt außerdem ein Gerüchegarten dazu ein, Blätter zu reiben und verschiedene Gewürzsträucher und Düfte zu entdecken.Im Geruchsgarten des Jardin exotique in Roscoff

Bunte Infotafeln klären über die Entdecker verschiedener Pflanzen auf oder erzählen die Geschichten von bretonischen Gartenbaupionieren der Vergangenheit. Und bunte Bänke oder kleine, unter Palmen versteckte Stühle laden zum Bewundern, Riechen, Lauschen oder Entspannen ein.Blick aufs Meer von einer Sitzecke im botanischen Garten in Roscoff

Das Besondere: Der Jardin exotique in Roscoff bekommt keinerlei Subventionen oder Zuschüsse. Er trägt sich ausschließlich durch die Eintrittskosten und den Verkauf exotischer Pflanzen aus der Zucht des Gartens. <3Teich mit Schildkröten im Jardin exotique in Roscoff

Picknick-Platz with a view

Zusatztipp: Nur ein paar Schritte vom Parkplatz entfernt liegt eine Aire de Pique-Nique mit einem grandiosen Ausblick.Aussicht vom Pique-Nique-Platz am Jardin botanique in Roscoffroscoff-jardin-botanique-pique-nique

Abseits der ausgetretenen Pfade: Saint-Philibert

Es gibt Tage, da brauche ich eine kleine Dosis Meerträumerei. Und heute nehme ich euch mit.

Neulich habe ich euch (und mich) ja nach Sainte-Anne-d’Auray entführt. Quasi um die Ecke, aber etwas abseits der Hauptrouten liegt das Städtchen Saint-Philibert. Wie fast überall gibt es eine kleine, charmante Granitkirche, einen Leuchtturm, einen Dolmen und eine Wassermühle. Alles sehr hübsch, aber nichts Außergewöhnliches. Trotzdem fanden der Lieblingsmensch und ich den Ort super-charmant.

Sonnenuntergang in Saint-Philibert im Morbihan in der Bretagne

Es gibt dort einen wunderschönen Spazierweg um den Dorfkern herum, mit einem kleinen, halb zugewachsenen Teich, einer baumbestandenen Allee, die besonders im frühen Abendlicht so richtig romantisch wirkt, einen auslandenden Sandstrand und einen wunderbaren Blick auf den Golfe du Morbihan.

Teich mit büschen und Sträuchern umwachsen in Saint-Philibert

Allee im Abendsonnenschein

Sandstrand von Saint-Philibert am Abend

Angler am ansonsten leeren Strand

Abends kann man unterhalb des Leuchtturms sitzen, den Sonnenuntergang genießen und Wasserskiern, Möwen und Flugenten zusehen. <3

Sonnenuntergang am Golfe du Morbihan in Saint-Philibert

Von der Abendsonne beleuchtete Flugenten

Backsteingotik: Da muss ich wieder hin

Neulich war ich ja in Stralsund und schon auf dem Hinweg im wahrsten Sinne des Wortes hin und weg. Und dann bin ich abends völlig unbeleckt in Richtung Altstadt gebummelt und wollte eigentlich nur aufs Meer schauen, weil Meer und ich, das ist ja einfach immer große Glückseligkeit. Und  was soll man sagen, schon die Straßenschilder sind dort ziemlich großartig.

Straßenschilder in Stralsund mit der Aufschrift: Seebad, Hafen, Ozeaneum

Stralsund: Statue mit Fisch und Fischerboote auf dem Strelasund im Abendrot

Aber dann habe ich einen Blick durch ein Stadttor geworfen und bin immer meiner Nase nach gelaufen. Und in den nächsten anderthalb Stunden deutlich häufiger mit dem Rücken zum Strelasund gestanden als umgekehrt. Was soll ich euch sagen: Hammer.

Stadttor zur Altstadt in Stralsund

Dabei habe ich wohl die schönste Ecke der Altstadt in der untergehenden Sonne gar nicht entdeckt. Aber was ich gesehen habe, hat mich total verzaubert. Sooo schön sind die Fassaden der alten Hanse-Kaufmannshäuser. Backsteingotik, an mein Herz.

Zwei Hanse-Kaufmannshäuser in Backsteingotik-Optik in Stralsund

Liebevoll restaurierte Fassade in Stralsund

Blick in die Altstadt von Stralsund

Historische Fassade in Stralsund

Historische Fassaden vom Stralsunder Hafen aus gesehen

Und natürlich auch die Fachwerkhäuser.

Fachwerkhäuser in der Altstadt von Stralsund

Alte Fachwerkhäuser in Stralsund

Fachwerkhaus neben dem Johanniskloster in Stralsund

Und Klosterruinen.

Chor des Johannisklosters in Stralsund

Die Abendstimmung mit den verwaschenen Farben und den warmen blau-rosa-goldenen Tönen tat das ihre dazu.

Stadtsilhouette von Stralsund im Abendlicht

Und dann gab es da jede Menge Schiffe. Also eigentlich vor allem eins. Denn OMG, ohne danach zu suchen, stand ich plötzlich vor der Gorch Fock I. Da brach das kleine Fangirl in mir durch und ich stand ziemlich lange einfach nur da und freute mich. Sehr.

Das Segelboot Gorch Fock I im Hafen von Stralsund

Die Gorch Fock in einer unscharfen Nahaufnahme

Wo ich schonmal da war, habe ich am Ende  des Abends dann aber auch noch ausgiebig aufs Meer geschaut. Hach. <3

Blick auf die Stadtmauer von Stralsund und den Strelasund

Zwei Segelboote mit den Namen Schwerelos und sorglos am Hafen von Stralsund

Segelyacht im Yachthafen von Stralsund

Sainte-Anne-d’Auray: Von Legenden, Bauwerken und Blumenpracht

Wallfahrtskirche von Sainte-Anne-d'Auray im Süden der Bretagne

Jesus ist ja eigentlich Bretone. Glaubt ihr nicht? Die Bretonen (naja, einige zumindest) glauben das durchaus. Sagt zumindest eine der vielen Legenden um die heilige Anna, die Schutzpatronin der Bretagne. Demnach war die heilige Anna eine Bretonin durch und durch.

Weil ihr Mann, der heilige Joachim, in der Sagen der Bretonen ein kinderhassender Griesgram gewesen sein soll, suchte Anna ihr Heil in der Flucht und gelangte auf abenteuerliche Weise, bei der eine ganze Horde Engel ihre Finger Flügel im Spiel gehabt haben sollen, ins heilige Land. Dort gebar ihre Tochter Maria dann Jesus – der Rest ist bekannt. Weniger bekannt ist allerdings, dass die heilige Anna im Alter Heimweh bekam, so dass Engel sie in die Bretagne zurücktrugen.

Kreuzgang des Karmeliterklosters in Sainte-Anne-d'Auray

Dass die heilige Anna in der Bretagne so sehr verehrt wird, hat natürlich auch mit der letzten Herzogin der Bretagne, Anne de Bretagne zu tun. Die war und ist hochverehrt und nutzte natürlich den katholischen Annenkult (der durchaus deutlich ältere Wurzeln hat) auch für ihre Zwecke bzw. macht ihn nochmals populärer.

Wallfahrtskirche und Blumenwiesen

Warum ich euch das erzähle? Weil sich in Sainte-Anne-d’Auray im bretonischen Morbihan alles um die heilige Anna dreht. Im frühen 17. Jahrhundert soll die Großmutter Jesu dort einem Bauern erschienen sein und ihm so glaubhaft versichert haben, dass sie genau dort verehrt werden wolle, dass Pfarrer und Bischof nicht anders konnten, als dem Bau einer Kirche zuzustimmen.Seitenschiff der gothischen Kirche in Sainte-Anne-d'Auray mit Annenaltar

 

 

Annenaltar in der Basilika in Sainte-Anne-d'AurayDoch natürlich blieb es nicht bei einer Kirche. Im 17. Jahrhundert entstand ein Kloster (mit sehr schönem und vollständig erhaltenem Kreuzgang) und im 19. Jahrhundert schließlich die Basilika Sainte Anne, die heute den Ort dominiert und von außen wie innen bezaubert. Gebaut wurde außerdem eine überdimensionale, auf jeden Fall imposante, überdachte Wallfahrtstreppe.

Wallfahrtstreppe in Saint-Anne-d'Auray

Ganz besonders hübsch ist auch die Anlage rund um das Wallfahrtsensemble in Sainte-Anne-d’Auray mit herrlich bunten Blumenwiesen und dutzenden halbtrunkenen Hummeln. Sooo schön. Wenn ihr also in der Nähe seid: ein Abstecher lohnt sich.

Protipp: Der Andenkenladen neben der Basilika hat natürlich den üblichen Touristen- und Wallfahrtskram, aber durchaus geschmackvolle Geschenke. (Einige von euch wissen vermutlich, was ich meine 🙂 )

bunte Blütenwiese in Sainte-Anne-d'Auray

rosa Mohnblüte in Sainte-Anne-d'Auray

dunkle lila Blüten in Sainte-Anne-d'Auray

gelbe Blüten mit weißem Rand in Sainte-Anne-d'Auray

leuchtend gelb-orangene Blüten in Sainte-Anne-d'Auray

Ein virtueller Ausflug ans Cap Fréhel

Leuchtturm am Cap FréhelAn manchen Abenden brauche ich eine Extra-Dosis Meer, Erinnerungen an Salz in der Luft und auf der Haut, an Meeresrauschen und den Geruch von Heidekraut und Ginster. Und ihr habt Glück, denn heute teile ich ein wenig von all dem mit euch – bei einem virtuellen Ausflug ans Cap Fréhel.

Steil abfallende Klippen am Cap Fréhel in der Bretagne

Bucht am Cap Fréhel

Vom Cap Fréhel zum Fort la Latte

Die malerische und beliebte Landspitze liegt an der Côte d’Émeraude, also der Smaragd-Küste, an der Nordostküste der Bretagne. Das besondere dort sind die hohen Klippen (einige bis 70 Meter hoch), die verschiedenartigen und verschiedenfarbigen Felsen, die sensationelle Aussicht, die vielen Vögel und die wunderbare Flora in der Heidelandschaft rund um den Leuchtturm und an der Küste entlang bis zum Fort la Latte, einer stattlichen Burg aus dem 14. Jahrhundert. Davor steht übrigens ein Menhir, der der Finger des Riesen Gargantua sein soll (auch seinen Fußabdruck kann man dort bewundern – eine Wanderung oder ein Abstecher lohnen sich also nicht nur für Ex-Romanistikstudentinnen (Rabelais lässt grüßen 🙂 ).

Blick vom Cap Fréhel auf das Fort la Latte im Hintergrund

Ich kann stundenlang um das Cap herumspazieren und mich vom Wind, der dort meist in großen Mengen zu haben ist, so richtig durchpusten lassen. Im Sommer gibt es oft eine frische Brise, die den Duft von Ginster und anderen wunderbaren Mitgliedern der Heideflora über die Felsen trägt. Ein echter Lieblingsort. Viel Spaß beim Mitschwelgen. #Hach

Schieferfelsen am Cap Fréhel

rote Blüte am Cap Fréhelgrüner Blütenstand am Cap Fréhel im Nordosten der Bretagneweiß-gelbe Blüten am Cap Fréhel in der BretagneFelsen mit gelb-orangenen Flechten am Cap FréhelGelbe Fruchstände einer Blüte in der Küstenlandschaft am Cap FréhelHeidelandschaft an der bretonischen Nordküste in der Nähe des Cap FréhelGinsterblüte vom Stechginster unterhalb des Leuchtturms am Cap FréhelMarkierungsstein mit eingraviertem Anker am Cap Fréhel

Kapellen-Schönheiten abseits der Hauptstraße

Gerade aus dem Urlaub zurück, kommt hier schon wieder ein Urlaubstext. Diesmal einer zum Erinnern und Träumen. Und als Tipp für diejenigen unter euch, die eine Reise an eines der schönsten Enden der Welt planen (ihr wisst, wen ich meine *winkewinke*).Park von Saint Jaoua in Plouvien mit Granitkreuz

In der Bretagne gibt es ja unzählige berühmte Kirchen und Kapellen. Aber auch die weniger berühmten Bauwerke abseits der großen Touristenrouten und Hauptstraßen lohnen oft mehr als einen schnellen Blick. So gibt es zum Beispiel rund um das Städtchen Plouvien im Nordfinistère gleich mehrere kleine, aber sehr feine Kapellen.Chapelle Saint Jaoua in Plouvien

Die größte von ihnen ist die Chapelle de Saint-Jaoua. Der heilige Eremit, dem sie Standort und Namen verdankt, soll es hier mit einem wilden Büffel aufgenommen haben. Eine Tatkraft, die bis heute fortwirkt, denn dass es die Kapelle im heutigen, sehr guten Zustand gibt, verdanken wir einigen sehr engagierten Bewohnern des Städtchens, die über Jahre hinweg die Kapelle und ihre kunstvollen Schnitzereien instand gesetzt und restauriert haben.Geschnitzte Figur am Eingangsportal von Saint Jaoua in Plouvien

Leider war die Kapelle bei unserem Besuch geschlossen, doch auch der Park und die nahegelegene, sehr schöne Brunnenanlage haben den Abstecher sehr lohnenswert gemacht.Holzstatue in Plouvien an der Kapelle Saint-Jaoua

 

 

 

 

Und hier noch ein Blick in den Park, in dem irgendwer fröhliche Bilder gelegt hatte. Und natürlich auf die Brunnenanlage.Figur aus Blättern im Park der Chapelle Saint Jaoua in Plouvien, Bretagne
Brunnenanlage von Saint Jaoua in Plouviern im Nord-Finistère

Brunnen mit Heiligenfigur in PlouvienEbenfalls sehr hübsch ist Chapelle Saint Jean Balanant, quasi nur ein paar Straßenecken weiter. Sie ist viel schmuckloser als ihre Nachbarin, aber sie verfügt über einen der vielen schönen Türme aus „Granitspitze“. Außerdem gibt es eine schöne Statue von Johannes dem Täufer über dem Portal. Und ein schön instand gesetztes Brunnenhaus. Ein Abstecher und ein kleiner Spaziergang einmal um das Gelände herum lohnen sich immer.

Kirchturm aus Granit von Saint Jean Balanant in PlouvienReliefstatue von Johannes dem Täufer in Plouvien

Brunnenhaus der Kapelle Saint Jean Balanant in Plouvien in der Bretagne

Abbaye de Beauport: Raum für Ruhe und Träume

Eingangsbereich der Abbaye de BeauportHier geht es gerade ziemlich rund. Was liegt da näher, als am Feierabend ein wenig Ruhe zu tanken und zu träumen. Daher nehme ich euch heute mal mit in ein verfallenes Gemäuer. Warum? Darum.

Nur eine Ruine? Wer so denkt, ist bei der Abbaye de Beauport falsch. Denn Ruine stimmt zwar, aber „nur“ ist definitiv verkehrt. Die alte Prämonstratenserabtei in der Nähe von Paimpol liegt direkt am Meer und lädt mit ihren alten Mauern, den zahlreichen verwunschenen Ecken, den vielen überraschenden Perspektiven und einigen überraschend gut erhaltenen Räumen ein, tief einzutauchen in Ruhe und Frieden und Träume.

Einiges über die Geschichte des Klosters, dessen Ursprünge im 13. Jahrhundert liegen, könnt ihr in der Wikipedia oder andernorts nachlesen. Auch auf den Seiten der Abtei können die französischsprachigen Menschen unter euch sich über die Geschichte des Ortes schlau machen.

Von vielen Gebäuden sind nur die Grundmauern übriggeblieben, die von Efeu und anderen Pflanzen bewachsen sindIch will euch heute kein Referat halten, sondern ein wenig schwärmen von Orten, die mir mehr vermitteln als nur das Gefühl, einen kulturell wertvollen Ort zu besichtigen. Es gibt Orte, die regen meine Phantasie an, bringen mich zum Träumen, sprechen mich auf einer Ebene an, die über die Wissensebene hinausgeht. In Beauport (was übersetzt „schöner Hafen“ bedeutet), ist das so.

Alte Treppe, auf der lila blühende Lupinen wachsenWer zwischen den zerfallenen Mauern wandelt, den erwartet hinter jeder Ecke eine neue Perspektive. Ja richtig, wer wandelt. Denn nur entlanglaufen kann man hier eigentlich gar nicht. Man muss ständig stehen bleiben, nach oben schauen, wo die Mauern in unregelmäßigen Formen enden, nach unten schauen, wo alte Grabplatten von Äbten, alte Ecksteine eines Brunnens, zwei turtelnde Schmetterlinge oder andere Schönheiten die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich ziehen wollen. Wer also hier wandelt, der kann mit allen Sinnen eintauchen in diesen Ort, der entdeckt alle paar Schritte neue Blüten und Pflanzen, neue Details, die kunstvolle Hände vor Jahrhunderten in Stein gehauen haben; der hört aber auch, wie der Wind das Rauschen der Wellen aus der nahen Bucht heranträgt, oder lauscht dem Brummen von Hummeln oder dem Zwitschern von Vögeln, die man zwischen den Blättern der Bäume nicht immer sofort sehen kann. An sonnigen Tagen riecht es nach Blütenduft und Gras, an nebligen Tagen nach Erde und Moos und Salz in der Luft.

In Stein gehauene Blume in der Abbaye de BeauportDie ganze Atmosphäre strahlt Ruhe aus – sogar, wenn gleichzeitig dutzende andere Touristen den Reiz der Abbaye entdecken wollen. Wer sich gestört fühlt von einer Busgruppe, muss sich nur in den Schatten zurückziehen oder auf einer der alten Stufen warten, bis die eiligen Besucher wieder in Richtung Besucherzentrum strömen.

Abgesehen von den eiligen Vorbeistürmern herrscht hier also Ruhe. Und das auf eine so unaufdringliche Art, dass man einen Eindruck davon gewinnt, warum gerade Mönche hier ihre Zelte aufgeschlagen haben.

An Orten wie diesen herrscht für mich ein ganz besonderer Zauber. Ich glaube, er liegt nicht nur in der Schönheit der Landschaft, sondern auch in der Tatsache begründet, dass hier hunderte Menschen gelebt haben, von denen wir kaum etwas wissen. Und trotzdem haben sie ihre Spuren hinterlassen, die uns einen Einblick in ihre Leben geben, in das, was ihnen wichtig war, in ihren Alltag und ihre Spiritualität.

Dass das Meer so nah ist (und das Meer hat ja für mich immer einen ganz besonderen Reiz) ist ein zusätzlicher Pluspunkt. Ich freue mich schon auf den nächsten Besuch.Ein von einem romanischen Gewölbe getragener Saal der Abbaye de Beauport

Von Warn überwucherter Grabstein in der Abtei von Beauport

Blick auf die Bucht von Beauport