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Faszinierende Geschichten in Stein: Der Calvaire in Tronoën

Notre-Dame-de-Tronoen in Saint-Jean-Trolimon im FinistèreMitten im Nirgendwo, auf einem einsamen Hügel mit einem grandiosen Blick auf die Bucht von Audierne stehen wir bei strahlendem Sonnenschein und versuchen uns vorzustellen, wie es hier in der Mitte des 15. Jahrhunderts ausgesehen hat. Damals war Saint-Jean-Trolimon eine pulsierende Metropole mit mehr als 10.000 Einwohnern, einem florierenden Handelsleben und einem stinkreichen Dominikanerkonvent. Das erzählt uns zumindest die freundliche Kunstgeschichtsstudentin, die uns herumführt.

Ganz kostenlos, übrigens. Das gibt es an vielen französischen Orten in den Sommermonaten und wenn ihr irgendwo seid, wo solche Freiwilligen ihre Dienste anbieten, dann macht das ruhig. Man erfährt wunderbare Dinge, die zwar auch im Reiseführer stehen – aber der beantwortet keine Rückfragen. Und natürlich wissen die Menschen, die sowas als Hobby machen, mehr als jedes noch so schlaue Buch und machen aus euren Besuchen eine persönliche Erfahrung.

Julie geht also zweimal mit uns um den Calvaire in Tronoën herum und zeigt uns, in welche Richtung man die in Stein gefassten Geschichten und Bibelszenen lesen muss. Sie weiß, dass der Kalvarienberg aus zwei verschiedenen Steinarten besteht und kennt sich mit deren Eigenschaften aus, so dass sie uns erklären kann, was an welchen Stellen zu Verwitterungen geführt hat. An einer Stelle ist ein Teil eines Kopfes abgebrochen, was vermutlich daher rührt, dass die Menschen früher versucht haben, in die zweite Geschichtenreihe hochzuklettern, um Details besser sehen zu können. „Vielleicht war es auch einer der Mönche oder Priester, der hochgeklettert ist, um der Gemeinde seine Meinung zu sagen und eindrucksvoll mit Zeigen auf die Figuren zu untermalen.“

Clavaire von Tronoen in der BretagneWir können den etwas übermotivierten Geistlichen fast vor uns sehen. Genauso wie die entblößten Brüste der jungen Maria, die gerade ein Kind geboren hat – eine durchaus seltene Darstellung, wie Julie fröhlich betont. Ebenso selten wie die doppelte Taufszene, von der man nicht so genau weiß, ob Jesu Taufe einfach zweimal dargestellt wird, ob einmal Johannes der Täufer dargestellt ist oder ob die doppelte Szene eine ganz andere Bedeutung hat. Dafür weiß man dank historischer Zeichnungen deutlich genauer, wie die Szene der Verführung von Adam und Eva im Paradies vor der starken Verwitterung ausgesehen hat – so bunt bemalt wie die alte Zeichnung war der gesamte Calvaire.
doppelte Taufszene auf dem Calvaire von Tronoen im Finistère in der Bretagne

 

 

Dass Jesus in allen Szenen am größten dargestellt ist, wäre uns vermutlich alleine ebenso wenig aufgefallen wie die Tatsache, dass die Kleidung der heiligen drei Könige der Mode der Bauzeit des steinernen Religionsunterrichts entspricht.Passiosnszene auf dem Calvaire in Tronoen

Auch die Tatsache, dass der tote Jesus in den Armen seiner Mutter (die Darstellung der Pieta am mittleren Kreuz), mit der ausgestreckten Hand auf die darunter dargestellte Auferstehungsszene zeigt, ist ein Details, das ich alleine vermutlich nicht erkannt hätte.Pietà auf dem Calvaire von Tronoen

Und vermutlich hätten wir den „Guetteur“, den Späher an der Kirche auch nicht gefunden – schließlich wurde er vom Eingangsportal fast komplett zugebaut und erspäht seither höchstens die eine oder andere Flechte auf dem Granit. Trotzdem erinnert er an die Zeit, als man hier oben – aus gutem Grund – Ausschau nach den Angelsachsen halten musste.Szene auf dem Calvaire de Tronoen

Der Calvaire ist nicht der bekannteste, dafür aber der älteste Kalvarienberg der Bretagne. Wir haben in den vergangenen Jahren einige große und kleinere Calvaires besucht und der in Tronoën ist durchaus einer meiner Liebsten.

Im Sommer ist übrigens montags vormittags rund um die Kirche ein kleiner Kunsthandwerkermarkt, bei dem man bei live Harfenmusik mit den Ausstellern ins Gespräch kommen kann. Und so erfährt man dann, dass es in dem heute kleinen Ort Saint-Jean-Trolimon gleich zwei Bronzegießer gibt und dass einer von ihnen mit den Wissenschaftlern der Uni in Rennes gemeinsam experimentiert. Eine andere Künstlerin zeigte uns, wie sie ihre Radierungen erstellt und ein Imker ließ die Besucher seinen Honig probieren. Kein Vergleich mit dem lebendigen Handelsleben im ausgehenden Mittelalter, aber eine durchaus angemessene Remineszenz. Große Empfehlung!Harfenist auf dem Marché bei der Chapelle de Tronoen

Pointe de la Torche

Ich bin zwar kein Surfergirl, aber die Pointe de la Torche empfehle ich euch trotzdem. Denn dort kann man wunderbar surfen, man kann dort aber auch wunderbar die Nase in den Wind halten und dabei auch noch ein paar Megalithen entdecken. Denn am Ende der Landspitze gibt es eine kleine Erhebung, auf der ein Dolmen, bzw. das, was von ihm übrig blieb. Man muss den Hügel nicht hinaufstürzen und sich der Länge nach flachlegen, versprochen. Man kann das aber natürlich tun und trotzdem einen wunderbaren Tag haben. Habe ich eigens für euch getestet. Bitte, bitte, keine Ursache.Surfer an der Pointe de la torche im südlichen Fnistère

Nach einem Spaziergang durch die Dünen und über den schön langen und bei Ebbe auch großartig breiten Strand kommt man schließlich zur Landspitze, die so heißt, wie sie aussieht: Pointe de la Torche – Fackelspitze. Bei Flut wird das noch deutlicher, dann klettert das Wasser rechts und links so weit nach oben, dass nur eine schmale Landzunge übrig bleibt und der Hügel, der ins Meer ragt, wirklich wie die Flamme einer Fackel aussieht.

Hinter jeder Biegung eröffnen sich dem Wanderer neue beeindruckende Blicken über das Meer und die Felsen der Pointe. Die alle paar Meter aufgestellten Rettungsringe weisen darauf hin, dass das Meer hier nicht nur romantisch ist, sondern dass seine wilden Kräfte gemeinsam mit dem Wind, der auch an schönen Tagen heftige Böen entwickeln kann, durchaus eine ernstzunehmende Gefahr darstellen.Felsnase an der Pointe de la Torche in der Bretagne

Klippen an der Pointe de la torcheGroßer Felsen an der Pointe de la torche im Finistère, BretagneRettungsring auf dem Wanderweg um die Pointe de la torche in der BretagneUnd noch etwas macht nachdenklich: An der Pointe de la Torche – sowohl am Strand als auch auf der Landspitze – sind deutlich die Spuren der deutschen Besatzung zu sehen. Überrest eines deutschen Bunkers an der Pointe de la torcheBunkerteil am Strand der Pointe de la torche

Man kann die Bunkerreste nicht besichtigen, dafür haben wir aber an dem Denkmal innegehalten, das an die Opfer der „Hitlerbanditen“ erinnert, wie der Text es beschreibt.Gedenktafel für die Opfer der Nazis an der Pointe de la torche

Ob die Erbauer der Bunker sich wohl Gedanken über den Dolmen gemacht, ihn überhaupt als solchen erkannt haben? Je näher wir ihm kamen, desto besser haben wir gesehen, wie das Ganggrab aufgebaut gewesen sein muss. Ein wahrhaft majestätischer Ort für die letzte Ruhe.Dolmen auf der Pointe de la torche

Deutlich weniger majestätisch, dafür aber gemütlich sind die Bars und Bistros am Ende der Pointe, wo man einen kleinen Café nehmen und den wagemutigen Surfern bewundernde Blicke zuwerfen kann.

Was schön war: Mit einem Taxi durch Paris

Neulich kam ich in die Verlegenheit glückliche Lage, endlich einmal mit einem Taxi zwar nicht nach, aber immerhin durch Paris zu fahren. An einem sonnigen, warmen Hochsommertag und mit einem Fahrer, wie ich ihn mir besser nicht hätte wünschen können.

Erste Überraschung: Taxifahren ist in Paris gar nicht so teuer, wie gedacht.
Zweite Überraschung: Taxifahrer sind in Paris gar nicht so unhöflich wie allgemein behauptet („Ist es OK, wenn ich die Fenster aufmache, oder hätten Sie lieber Erfrischung durch die Klimaanlage?“ <3) .
Dritte Überraschung: Ich habe meinen Zug bekommen und zwar sogar noch 3 Minuten schneller als das Taxifahrer-Navi vorhergesagt hatte.

Dabei fing alles gar nicht so großartig an. Nur ein paar Meter von der Gare du Nord entfernt, wurde das Taxi um ein Haar in einen Unfall verwickelt. Ein anderer Fahrer bremste völlig unvermittelt, weil ein LKW auf die Straße gefahren kam. Das Taxi scherte nach links und mein Fahrer schaute zu dem Bremser hinüber – ein junger Fahrer einer privaten Limousine, trotz der sommerlichen Temperaturen in dunklem Anzug mit Krawatte. „Diese jungen Privatchauffeure – haben kaum Fahrpraxis und vor allem keine Erfahrung im Stadtverkehr. Sie sehen immer so erschreckt aus, als sei das ein furchtbarer Job“, erklärte mir der Mann aus dem Fahrersitz. Er selbst trug leichte Hosen, ein kurzärmliges Hemd und eine durchaus vergnügte Miene. „Fahren Sie denn schon lange“ – „Ach, schon ewig. Zwischendurch habe ich zwar etwas anderes gemacht, aber ich komme immer wieder zum Taxifahren zurück. Ein wunderbarer Beruf.“

Als ob er mich für eine Expertin hielte, fragt er mich, ob es OK ist, wenn er diesen Weg nehme, er könne natürlich auch über den Boulevard sowieso oder die Avenue irgendwas fahren. Als ich sage: „Nein, machen Sie nur. Sie kennen die Stadt und den Verkehr“, nickt er kurz und erklärt mir in den folgenden Minuten seine Art von Sehenswürdigkeiten.

„Sehen Sie dort“, sagt er in der Nähe des Louvre, „vor diesem großen Stadthaus mit der etwas schmutzigen Fassade, da standen früher immer Wachleute. Manchmal zwei, meistens aber vier oder sechs. Da wohnte Jacques Chirac.“

Blick auf die Tuillerien in Paris

Ein paar Straßen weiter: „Hier, merken Sie sich dieses Café. Da gibt es die besten Tartelettes aux fruits in ganz Paris. Ich weiß wovon ich rede, ich habe fast alle probiert.“

„Dort drüben, sehen Sie die bunten Fensterläden? Da gibt es Käse. Es steht zwar noch ‚Coiffeur‘ außen dran, aber seit ein paar Monaten ist da ein Käseladen. Ganz ausgezeichnete Auswahl.“

„Wenn Sie selbst einmal mit dem Auto hier unterwegs sind, fahren Sie hier keinesfalls zu schnell. Hier wird immer kontrolliert. Und wenn Sie nur einen Kilometer zu schnell sind, kostet es schon gehörig.“

Kurz vor dem Ziel schimpft eine Dame in ihren Fünfzigern durchs offene Fenster: „Was sollte das denn? Sie haben mich fast umgefahren.“ Murmelnd rekonstruiert der Fahrer, was passiert ist: Dass die Dame die Hand rausgestreckt hatte, um rechts abzubiegen, sich dann aber wohl entschlossen haben musste, geradeaus zu fahren und um die Autos herum auf deren linke Seite zu kurven. Dass ihn keine Schuld treffe außer der, dieses für Pariser Fahrradfahrer durchaus häufiger Verhalten nicht zu antizipieren. Als die Dame uns bei der nächsten Ampel einholt und nun links neben dem Fahrerfenster zum Stehen kommt, beugt er sich trotzdem freundlich zu ihr hinaus und entschuldigt sich für die Situation an der letzten Kreuzung. Die Fahrradfahrerin – mit einem der Leihfahrräder unterwegs , die man überall für wenig Geld mieten kann – brummelt zwar noch immer unwirsch, lächelt aber angesichts der freundlichen Worte irgendwann dann doch vor sich hin.

Tour Montparnasse in Paris mit Werbung für die Olympischen Spiele

Angesichts der Tour Montparnasse und der dort prangenden Werbung für die olympischen Spiele bekomme ich noch einen kurzen Einblick in die Seele eines Sportfans, der auf den Erfolg der Bewerbung für die Spiele 2024 hofft, und dann noch ein paar gute Ratschläge, wie ich Taschendiebe im Bahnhof erkennen und mich vor ihnen schützen könne (kurz: Trau keinem unter 30; vor allem keinem, der betont harmlos tut und die Arme hinter dem Rücken verschränkt 🙂 ).

Mit dem Duft der sommerlichen Stadt in der Nase und angefüllt mit sonnendurchfluteten Blicken auf Boulevards, den Louvre, die Tuillerien, den Eifelturm und kleine Pariser Parks schlendere ich überraschend pünktlich und überraschend ungenervt vom wilden Pariser Verkehr um die Mittagszeit in Richtung Gleis. Vier Stunden später bin ich in Quimper. Hach <3

Was schön war (okay, es fängt doof an, aber dann… :-) )

„Ich renne und halte für Sie die Tür auf.“

Ein kleiner Satz, der ganz alltäglich klingt, meinen gestrigen Tag aber zu einem ganz besonders schönen gemacht hat. Aber von vorne:

Der Tag fing schonmal gleich gut mies an. Bevor ich das Haus verließ, hatte ich in der Bahn-App nachgesehen, ob mein Zug pünktlich sein würde. Jawoll, alles klar. Der Anschluss in Köln – für den ich sowieso schon eine halbe Stunde zusätzlichen Puffer eingeplant hatte – war mir sicher.

Fünf Minuten später am Bahnhof: Strecke gesperrt, seit mehr als einer Stunde geht hier gar nichts mehr. Immerhin stand da ein Zug, in dem es Sitzplätze gab. Der freundliche Triebfahrzeugführer vom „National Express“ gab immer wieder mit Durchsagen bekannt, was es zu wissen gab: Dass er seinen Kollegen von der Nachtschicht abgelöst habe und auch erstmal erfahren müsse, wie es denn nun weitergehe. Dass die Strecke leider immer noch gesperrt sein. Dass die Strecke wieder freigegeben worden sei und man gleich losfahre. Und dass wir 20 Minuten später dann doch den Zug räumen mussten, um mit einem anderen Zug, der mittlerweile auf dem Nachbargleis gestrandet war, in die falsche Richtung zu fahren, weil: Nach Köln kommen Sie hier nicht. Immerhin bringe einen der andere Zug nach Bonn, wo man zwar auch keinen Schienenersatzverkehr, aber immerhin die Straßenbahn erreichen könne.

Und mitten in diesem Chaos wurde es schön: Die Info, welcher Zug fährt und wohin, hatte man nämlich den Menschen auf den diversen Bahngleisen und im anderen Zug nicht gegeben. Das erledigten dann die – nach bis zu zwei Stunden Verspätung überraschend gelassenen – Fahrgäste aus dem blauen Zug. Egal, wer wie oft fragte, jeder teilte das Wissen, das er hatte. Wer nun doch das Auto holen wollte, bot Fahrgemeinschaften an, andere geleiteten Ortsfremde zur Bushaltestelle, von wo man wenigstens ein bisschen gemeinsam in die richtige Richtung weiterfahren wollte.

In Bonn erwischte ich dann die Straßenbahn nach Siegburg und hatte dort laut Fahrplan drei Minuten Zeit zum Umsteigen in einen ICE gen Süden. Leider war die Straßenbahn aber genau diese drei Minuten zu spät. Egal. Rechtzeitig vor der Einfahrt in den Siegburger Bahnhof stellte ich mich an die Tür zum Aussteigen. Il y a un dieu pour les ivrognes – frei übersetzt: Das Glück ist mit den Besoffenen Tüchtigen. Und vielleicht würde ich den Zug ja trotzdem irgendwie kriegen. Das ständige Sporteln im letzten Jahr verleiht mir zwar keine Flügel, aber immerhin schnellere Beine. 🙂

Die brauchte ich aber gar nicht, denn plötzlich steht ein freundlicher Herr mit Rucksack neben mir und sagt den schönen Satz: „Wollen Sie auch zum ICE nach Mannheim? Ich auch und ich habe keinen Koffer. Ich renne und halte für Sie die Tür auf.“

Jemand der seine Umgebung so wahrnimmt, dass er das, was er selbst tut, mit anderen in Verbindung bringt. Jemand, der einfach so seine Hilfe anbietet. Jemand, der nicht lange fragt, sondern einfach mal macht: So jemanden wünsche ich euch heute auch. Und morgen. Und übermorgen. Und überhaupt.

Lieber unbekannter Bahnmitarbeiter (das weiß ich, weil wir danach noch ein wenig plauderten): Vielen Dank. Und allzeit gute Fahrt!

 

Was schön war: Tauwetter und Rosenkohl

Das „Was schön war“-Format habe ich zuerst bei Anke Gröner gesehen. Ich mochte es von Anfang an. Da hier lange nichts los war – ich komme grade zu nichts – ich aber gerne wieder mehr aufschreiben möchte, erlaube ich mir, das als Vorlage zu nehmen. Vielleicht blogge ich dann auch wieder öfter. Ihr werdet es erleben (oder eben auch nicht… Zeiten des Wandels und noch immer keine Kristallkugel auf dem Schreibtsich).

Was schön war also…

Ein neblig-nasser Spaziergang durch Poppelsorf an einem dringend nötigen freien Nachmittag. Der Winter ist vermutlich endgültig vorbei – zumindest hier im Rheinland. Ein paar Enten nahmen das zum Anlass, sich gegenseitig laut kreischend und an den Federn zerrend von den Eisresten am Poppelsdorfer Schloss ins schon aufgetaute Wasser zu schubsen.Enten auf dem noch so eben zugefrorenen Schlossgraben in Poppelsdorf mit dem Schloss im Hintergrund

streitende Enten in Bonn-PoppelsdorfVon Amselgezwitscher geweckt werden. Und die ersten verliebten Meisen in der Hecke im Garten.

Der bunte Tulpenstrauß, den ich beim Spaziergang zusammen mit dem leckersten Rosenkohl der Saison an einem kleinen Gemüsestand bei einer unglaublich herzigen alten Dame gekauft habe. Sie freute sich dermaßen an den bunten Blumen und daran, dass ich mir damit einen bunten Frühlingsgruß mit nach Hause nehmen, dass mir ganz warm ums Herz wurde.

Fassade des Kölner Doms bei NachtEin wunderbarer Abend mit wunderbaren Menschen im karnevalstrunkenen Köln. Auf dem Rückweg beim Weg zur Bahn fragten uns zwei vermutlich gerade mal volljährige Mädchen: „War heute Abend eine Karnevalssitzung?“ – „Ja, vermutlich nicht nur eine.“ – „Kommt ihr auch daher?“ – „Nein, wir waren einfach nur so aus.“ – „Aber hier sind so viele Verkleidete.“ – „Ja, das ist hier ab Dreikönige immer so.“ – „Ach…“ Man muss Touristen lieben 🙂

Mehr schöne Dinge findet ihr übrigens auch bei Herrn Buddenbohm, im Odenwald, im Kaffeehaus mit Herz, in Südfrankreich und sicher noch an vielen anderen Stellen.

Habt auch ihr es schön!

Schnee und Sonne <3

Eisig kalt ist es hier im Vorgebirge ja schon seit ein paar Tagen. Aber Schnee hatten wir nur für einen halben Tag. Für den kleinen Jungen, neben dem ich an der Ampel stand, genug, um ihn ausgiebig zu testen. „Pap, gibt es morgen wieder Schnee?“ fragte der kleine Mann seinen Vater. „Wahrscheinlich nicht, warumm denn?“ fragte der zurück. „Weil der Schnee so lecker schmeckt, vor allem der da vorne an dem kleinen Brunnen. Und am allerleckersten schmeckt er auf Butterkeks.“

Wie gesagt, testen konnte ich das leider nicht mehr. In Köln und im Vorgebirge gibt es nur Minustemperaturen und gefrorene Schönheiten.vereiste Efeublätter

Keinen Schnee. Dafür gibt es in der Eifel umso mehr davon. Zusammen mit Sonnenschein die perfekte Mischung für einen ausgiebigen Sonntagsspaziergang.Schnee, Sonne, entlaubte Bäume in der Eifel

Zuerst sind wir in der Nähe von Blankenheim durch die Felder und durch knöchelhohen, an manchen Stellen auch höheren, Schnee spaziert. Kurz nachdem wir aufgebrochen waren, wurden wir von einer türkischen Großfamilie überholt. Die einen zogen Kinder auf Schliten, andere große Rucksäcke und zwei junge Männer eine riesige Pappe über das verschneite Feld den Hügel hinauf.Familie beim Picknick im Schnee

Oben angekommen, packten die Familienmitglieder warme Decken aus den Rucksäcken, Thermoskannen, Gläser. Dann wurde die Pappe ausgelegt, die Decken darauf und drumherum drapiert. Alle nahmen Platz richteten sich gemütlich ein – mit Blick auf den Rodelhang, den die Kinder mit den Schlitten eroberten – und picknickten. Großartig!

Da wir aber weder Decken noch warme Getränke dabei hatten und auf Dauer vermutlich mit den Rodelhelden kollidiert wären, sind wir zunächst nach Blankenheim (schon um zwei fast ganz im Schatten – huch) Blankenheim in der Eifel im winterlichen Schattenhalb zugefrorener See in Blankenheim in der Eifel

Burg Blankenheim und der zugefrorene See im Talund dann zum sonnendurchfluteten, zugefrorenen und zugeschneiten Freilinger See weitergefahren. Um den wir dann im goldenen Nachmittagslicht ein gutes Stück herumgelaufen sind. Soooooo schön. Schnee und Sonne. Große Liebe.Verschneiter Freilinger See im Sonnenschein

am Freilinger See im SchneeEiszapfenSchneekristalleSchnee, Sonne und Eis am Freilinger See in der Eifel

 

Kräuterwanderung im Schwarzwald

Ich weiß jetzt, wie man Brennnesseln so erntet, dass sie nicht brennen. Und wie man sie zu kleinen „Brennesselblätterbonbons“ rollt, die – langsam gekaut – quasi unendliche lange satt machen können.Bild von Orchideen auf einer wilden Schwarzwaldwiese bei einer Kräuterwanderung

Und bevor ihr fragt: Nein, das ist weder eine Extrem-Diät noch die Lehre aus einem Survival-Training. Der Lieblingsmensch und ich waren vor einiger Zeit zu einer Kräuterwanderung im Schwarzwald eingeladen.Kräuterpädagoge Eberhard Dinger leitet die Kräuterwanderungen

Und haben neben dem Brennnesseltipp auch so überraschende (und extrem leckere) Pflanzen wie PortulakGiersch und Gundermann oder Wiesenbärenklaustengel gesucht, gefunden und am Ende auch gekocht. Und natürlich gegessen. Das Ganze mit dem Kräuterpädagogen Eberhard Dinger aus Achern. Großartige Sache.Hand, die ein wildes Kraut heranbiegt

Pflanzen, Kräuter, Orchideen

Los ging es am Breitenbrunnen bei strahlendem Sonnenschein. Bewaffnet mit Körben und Taschenmessern zogen wir mit der Gruppe los, um die wilden Pflanzen und Kräuter aufzuspüren. Dabei entdeckten wir quasi nebenbei auch wundervolle naturbelassene Wiesen mit wunderschön blühenden Sternchenblüten und kleinen, aber spektakulär schönen Orchideen.Schwarzwaldwiese bei einer Kräuterwanderung bei Sasbachwalden

Herr Dinger erzählte unterwegs spannende Details über den Boden, auf dem die Pflanzen gedeihen, über die Pflanzen selbst, über die Waldwirtschaft im Schwarzwald. Wir rochen und spürten, und wir probierten direkt in der Natur; allerdings mit gebührendem Abstand vom Wegesrand – Hundezone. Der Lieblingsmensch hat sich bei den Kräutern mal kurzfristig in den Portulak verguckt. Mein Liebling wurde die Melde.Melde

Nebel <3

Und dann wurde es noch besser. Es wurde nämlich neblig. Nebelschwaden, die auf Hüfthöhe heranschwebten und nach und nach alles in halbdurchsichtiges Grau hüllten. Sooooo schön. Die Gerüche wurden intensiver, der Blick ins Rheintal verschwamm, aus grünen Tannen wurden graue Nebelriesen, die langsam aber sicher aus dem Blick verschwanden. Die Luft wurde feucht, die Sinne schärften sich.Nebel zeht zwischen Tannen auf

Nebel vor Tannen im SchwarzwaldNebel am Kniebis

Regenguss

Zugegebener Maßen hörte die Romantik dann doch recht schnell auf und es regnete plötzlich wie aus Kübeln. Der kleine Wanderweg verwandelte sich überraschend schnell in einen Bach. Die Kräuterwanderung wurde in den Gewächshäusern von Herrn Dinger fortgesetzt. Denn ja, auch dort gibt es leckere Wildkräuter, die in unsere Körbchen wandern konnten.dunkle Regenwolken bei der Kräuterwanderung unterhalb der Hornisgrinde

Wir genossen die Kräuter in verschiedenen leckeren Varianten. Besonders beeindruckend fand ich das Kräuterpesto zu Erdbeeren als Dessert.

Solche Kräuterwanderungen gibt es mittlerweile an zahlreichen Orten im Schwarzwald. Die Kräuterhexen und -hexer, die mit einem unterwegs sind, haben dazu eine Ausbildung als „Kräuterpädagogen“ absolviert. Wir würden es wieder tun. Große Empfehlung!

Spazierwege an der Küste: Aber Benoît und Lannilis

Und gleich noch ein Rückblick auf die Ferien: Dank des schönen Spätsommerwetters waren wir besonders viel draußen unterwegs. Und haben dabei viele neue Wege ausprobiert.

Direkt neben der Côte des légendes gibt es den schönen Küstenabschnitt, an dem die drei Abers in den Atlantik münden: die Côte des Abers mit dem Aber Wrac’h, dem Aber Ildut und dem Aber Benoît.Blick auf einen kleinen Naturhafen am Aber Benoît bei Lannilis

Alle drei haben große Mündungsdeltas, die bei Ebbe bis weit ins Land hinein austrocknen. Ria heißen diese Flächen hier. Die Landschaften rund um die Abers verändert sich mit den Gezeiten und bietet wunderbare Spazierwege mit ständig neuen Ausblicken. Mal steht man vor Gras- und Algenlandschaften mit tiefen, gewellten Furchen, ein paar Ecken weiter dann wieder vor kleinen Naturhäfen, in denen bunte Boote aus den Wellen schaukeln.Aber Benoît im Nordfinistère in der Bretagne

Nähert man sich der Küste, fällt der Blick immer wieder auf den Phare de l’Île Vierge und seinen beeindruckenden Steinturm. Blickt man ins Landesinnere, sind Hügel, Wälder, weite Felder und einzeln gelegene Bauernhöfe zu sehen.

Wir waren in diesem Jahr zum ersten Mal rund um den Aber Benoît unterwegs und was soll ich sagen: Schön. Sehr schön.Blick auf das Mündungsdelta des Aber Benoît in der Bretagne

Aber Benoît zwichen Ploudalmézeau und Lannilis im FinistèreZum Abschluss sind wir durch den Ortskern von Lannilis gebummelt und haben bei der Maison du Boulanger wirklich leckeres Brot gekauft.Kirchturm von Lannilis

Auch ein Besuch in der Kirche von Lannilis ist beeindruckend. Neben dem hohen Kirchenschiff und der einen oder anderen schönen Heiligenstatue haben uns vor allem die in die Säulen gehauenen Verzierungen und das Lichtspiel der Fenster gefallen. <3 Bunte Farbenspiele auf dem Fußboden der Kirche von Lannilis

 

Knokke-Heist zum zweiten

Es gibt ja zwei mögliche Ausgangspunkte für die Planung von Reisen. Etwas sehen wollen, das man noch nicht kennt. Oder an einen Ort zurückkehren, an dem es besonders schön war. In diesem Jahr sind der Lieblingsmensch und ich eindeutig zur zweiten Fraktion der Wiederholungstäter -reisenden zu zählen. Und nachdem es uns neulich in Knokke-Heist so gut gefallen hat, waren wir kürzlich gleich nochmal dort.

Wir kamen im Regen an und ich habe mal wieder festgestellt, dass ich das Meer auch bei schlechtem Wetter liebe.Meer vor Knokke-Heist in Flandern bei schlechtem Wetter

 

Schild mit der Aufschrift "Bring your own sunshine"Aber wie das an der Küste so ist, klarte es bald auf und wir konnten Sonne, Strand und Strandpromenade bei strahlendem Sonnenschein und kühlenden Böen genießen.Weiße Buchstaben BEACH vor blauem Himmel in Knokke-Heist in Belgien

 

Albertstrand in Knokke-Heist in Belgien

Blick auf ein sehr wellenbewegtes Meer am Albertstrand in Knokke-HeistVom aufgewirbelten Sand braun gefärbte Wellen in Knokke-Heist, Flandern, BelgienPro-Tipp: In der Saison ist Knokke deutlich belebter als davor, doch so überlaufen wie befürchtet, war es bei weitem nicht. Dieses Mal nächtigten wir näher an der Stadtmitte mit ihren exklusiven Boutiquen, in denen sogar die Schaufensterpuppen Champagner trinken.

Wenn man vom Ortskern auf der Strandpromenade Richtung Holland läuft, werden die Hochhaus-Appartmenthäuser weniger und es gibt sogar vereinzelt Reetdächer. Haus mit Reetdach in Knokke-Heist

Besonders aufgefallen sind uns dieses Mal die kreativen Verbotsschilder für Hunde, die nicht an den Strand dürfen. Neben dem Standard-Hund, der sich aus mehreren Rechtecken zusammensetzt, gibt es an der Strandpromenade noch Schildervariationen, auf denen man bestimmte Hunderassen erkennen kann.

Schild, das ein Hundeverbot am Strand von Knokke-Heist ausweist

Leider gibt es wohl auch Menschen, die Hunde am liebsten ganz verschwinden lassen würden 🙁Hundeverbotsschild mit Hundesilhouette, auf die jemand eine Zielscheibe gemalt hat

 

Auf der positiven Seite auch diesmal: Die unglaublich netten Strandbars, in denen man nach ausgiebigen Wanderungen am Wasser oder auf der Promenade entspannen, lesen und kleine Snacks mit netten Getränken genießen kann (eins kann ich verraten: Gin mit Gurke wird nicht mehr unser Favorit).Holzschild mit "Beach House Rules" wie "Wake Up Smiling", Enjoy the day, Soak Up the Sun, Smile-Giggle-Love

Platte mit Tomate-Mozarella und Pesto sowie zwei Bieren

Große Kunst an einem kleinen Ende der Welt

Kühe vor der Mauer der Abtei Tongerlo in Flandern
Manchmal sind es die kleinen, unscheinbaren Orte, die besonders glücklich machen. Manchmal machen es aber gerade diese Orte es einem auch besonders schwer, sie zu finden. Beides trifft auf einen kleinen, malerischen Orte in Belgien – genauer gesagt in Flandern – zu. Ein Ort, in dem die Bäckerei „Backerij de Becker“ heißt. In dem die Kneipe Getränke ausschenkt und die Karte des Baguette-Ladens direkt nebenan als Speisekarte zum Selber-Kaufen-Gehen auslegt. In dem Kühe, Schafe und Windräder dafür sorgen, dass ich leichter atme.

Umleitung ins NirgendwoFalsche Umleitung in Tingerlo führt nciht zur Abtei, sondern zu einem abgelegenen Bauernhof

Allerdings ist Tongerlo zurzeit auch ein Ort, bei dem an drei von vier Ortseingängen Baustellen mit großen Durchfahrt-verboten-Schildern sind. Folgt man den Umleitungsschildern, landet man wahlweise auf der Autobahn, auf einem verlassenen Baustellenparkplatz hinter einem ähnlich verlassenen Bauernhof. Oder auf einem Parkplatz am Waldrand. Ist man da angekommen, ist man nicht falsch, sondern quasi schon mittendrin im Glück.tongerlo-abtei-aussenmauer

Denn nur einen kleinen Spaziergang an einem kleinen Bach entlang und durch ein kleines Wäldchen hindurch entfernt, liegt ein mittelalterlicher Gebäudekomplex, die Abtei von Tongerlo. Google zufolge ist vor allem das Bier der Prämonstratenser, die dort leben, berühmt. Das ist jedoch nur ein Teil der Wahrheit. Aber auch die wunderschöne, großzügige Anlage der Abtei mit ihrer großen Kirche, den ehemaligen Stallungsgebäuden und dem liebevoll gepflegten Garten ist nicht der wahre Schatz des Anwesens.Eingang der Prämonstratenserabtei in Tongerlo

Dieser Schatz verbirgt sich in einem kleinen Raum, an dessen Eingang eine sehr freundliche ältere Dame sitzt, die in einem extrem charmanten Flämisch und mit ausladenden Gesten herauszufinden versucht, in welcher Sprache sie die Audio-Infos für die Besucher abspielen soll. Nur spanisch kann sie nicht anbieten – was wohl zu nahezu babylonischem Sprachgewirr führte, als kürzlich eine spanische Besuchergruppe komplett ohne Englisch-, Französisch oder andere Sprachkenntnisse außer Spanisch vorbeikam. Das Kunstwerk konnten sie trotzdem ansehen.

Abendmahl

Denn das ist das eigentlich überraschende. Hier ist man mit diesem Werk allein. Und da hängt nicht irgendein Gemälde. Hier hängt eine Leinwandversion von Leonardo da Vincis Abendmahl. Und auch das ist nicht irgendeine Kopie, sondern ein Werk, das im Atelier des Meisters und noch zu dessen Lebzeiten entstand. Der Meister soll sogar selbst Hand angelegt und (so sagt es die freundliche ältere Dame) Jesus und Johannes gemalt haben.

Der Prämonstratenserabt hatte das berühmte Fresko in Mailand gesehen und wollte es in seinem Kloster auch haben. Nur einmal ist es in den Jahrhunderten seither bei einem Feuer beschädigt und in jahrelanger Kleinarbeit wieder restauriert worden.

In Mailand werden Besucher im Minutentakt durch das Refektorium (also passender Weise den Speisesaal) des Dominikanerklosters Santa Maria delle Grazie geschleust, damit möglichst viele Menschen das Bild sehen können. In Tongerlo können wir bleiben, so lange wir wollen. Eine kleine Einführung hilft, Details auf dem Bild zu entdecken.

Zeit im Museum

Zusammen mit einem Freund sind wir ganz allein in dem eigens erbauten Museumssaal, können hin und her gehen, nahe heran treten und mit größerem Abstand schauen. Nach dem ersten, durchaus überraschend intensiven Moment, das Bild, das ich so oft gesehen habe, live und in Farbe vor mir zu sehen, ist es genau dieses Zeit haben, das etwas Besonderes ist. Durch das intensive Schauen, das Betrachten von Farben und Perspektiven kann man das Kunstwerk ausgiebig auf sich wirken lassen. Man kann den gemalten Bewegungen folgen, die sich verändern, je nachdem wo man im Raum steht. Es ist genug Zeit und Raum, um die räumliche Dimension des Gemäldes zu erfassen, den gemalten Lichteinfall, die vielen Details in Mimik und Gestik, in Kleidung und Möbeln und nicht zuletzt bei der Darstellung der Speisen und in der Gestaltung des Hintergrundes.Prämonstartenserabtei in Tongerlo, Flandern, Belgien

Wenn nicht gerade Montag ist, kann man gegenüber der Abtei wohl lecker kleine Speisen verzehren. Zumindest hat der liebevoll eingerichtete Klostershop aber auch montags geöffnet und bietet neben religösen Karten, Andenken und Büchern (die meisten in niederländisch) auch regionale Produkte und Kalligrafien an.

Ein Spaziergang durch das weiträumige Areal und zurück an der Klostermauer zum Parkplatz rundeten unseren Nachmittag ab. Rundum schön.

tl;dr:
Ein Ausflug nach Tongerlo lohnt sich. Nicht nur, aber besonders für Kunstfreunde.

Teil der Fassage der Abtei im belgischen Tongerlo