Schlagwort-Archive: Unterwegs

Allerseelen und die Allée couverte de Lesconil

allee couverte in Lesconil bei Douarnenez

 

Allerseelen. Nach dem Fest der Heiligen gestern heute nun das Fest aller Verstorbenen, aller Seelen. Erinnerung an Menschen, die wir nicht nur geliebt haben, sondern immer noch lieben. An Menschen, die uns geprägt haben. An Menschen, die uns wichtig sind – ob wir sie nun gekannt haben, oder nicht. Ein Tag, um zum Friedhof zu gehen. An einen Ort, an dem wir uns besonders gut an unsere Verstorbenen erinnern.

Als ich klein war, fuhren wir zu Allerheiligen und Allerseelen oft in die Heimatdörfer meiner Eltern. Ich erinnere mich noch gut daran, wie wir durch die Reihen der Gräber gingen. Wir Kinder kannten nur die Gräber unserer Großeltern oder Urgroßeltern. Doch meine Eltern kannten viele der Namen auf den Grabsteinen. Und natürlich auch die Angehörigen, die um die Gräber standen. Es waren stille Begegnungen, mit geteilten Erinnerungen und Fragen nach dem Hier und Heute. Wir Kinder wurden mit dem Bild verglichen, das man sich ein Jahr zuvor gemacht und gemerkt hatte – was waren wir gewachsen, sahen fast schon wie junge Damen aus, glichen immer mehr dem einen oder der anderen. Was man eben so sagt.

Und doch erinnere ich mich nicht daran, dass mich diese immergleichen Floskeln auf dem Friedhof genervt haben. Bei Familienfeiern, zufälligen Begegnungen, allen möglichen anderen Anlässen waren solche Bemerkungen lästig und nervtötend. Aber auf dem Friedhof spürte ich etwas von der Geschichte, die mich mit diesen Menschen verband, und dort konnte ich mich besonders gut erinnern. Zum Beispiel an den Holzstuhl mit den runden Armlehnen, in dem mein Großvater uns nach dem Mittagessen Märchen erzählte – auf Eifler Platt, das wir nur teilweise verstanden, und dessen Klang wir so sehr liebten. Oder an das Klackern des Stockes, mit dem er die Treppe zum Hof hinunterging, um auf der Bank vor dem Haus in der Sonne zu sitzen.

Einen Ort der gemeinsamen Erinnerung zu schaffen, einen Ort, der nicht für jeden individuell ist, sondern der Menschen zusammenbringt, um gemeinsam zu trauern, um sich gemeinsam zu erinnern, um gemeinsam in die Zukunft zu schauen ist keine neue Idee. Ein solches Totengedenken – Menschengedenken – ist eine uralte Kulturtechnik. Die ersten markierten Gräber gab es schon vor über hunderttausend Jahren. In allen Zeiten seither schufen Menschen Orte, an denen sie sich erinnern können an geliebte Menschen, an Familienmitglieder, Freunde, Stammeshäuptlinge.zwischen den steinen des Galeriegrabes

Ganz verschieden waren die Grablegen; einfach und schlicht, mit einem Stein oder Naturmaterialien markiert oder prachtvoll wie die Pyramiden. Mit oder ohne Grabbeigaben, die den Status der Toten markieren oder ihnen einen guten Übergang in eine andere Welt ermöglichen sollten. Von berühmten Künstlern gestaltet wie die Gräber in der Kathedrale Saint Denis oder ihrem weltlichen Pendant, dem Pantheon in Paris.

Und dann war da noch das Neolithikum, die Jungsteinzeit. In der Bretagne brachte sie nicht nur eine starke Veränderung des Ackerbaus, sondern mit der Sesshaftigkeit auch ganz besondere Gräber. Die allées couvertes, oft an markanten Punkten, auf Hügeln oder auf dem höchsten Punkt einer Bucht gelegene Galeriegräber. Einige von ihnen sind bis heute erhalten. Und eigentlich hat mich jedes beeindruckt, das ich gesehen habe. In diesem Sommer war ich aber ganz besonders fasziniert. Nach einem langen Bummel durch das Hafenbecken und die Altstadt von Douarnenez machten wir einen Abstecher zur Allée couverte von Lesconil. Seit Jahrtausenden lehnen die Steine gegeneinander und erinnern daran, dass hier jemand begraben wurde, der besonders geschätzt, respektiert, geliebt – vielleicht auch gefürchtet – wurde.allée couverte de lesconil

Durch die alten Steine und das Licht, das durch die Baumwipfel fällt, wirkt die Szenerie romantisch, fast ein wenig mystisch. Man hört nichts außer dem Rascheln von Blättern, Knacken von Ästen, Summen von Bienen. Mit etwas Fantasie kann man vorwitzige Kobolde hinter den Farnbüscheln kichern hören. Und wie Geschichten von Fee entstanden sind, die in der Morgendämmerung an verwunschenen Orten verträumt miteinander tanzen, das versteht man hier auch.aneinander gelehnte steine

Auch wenn wir nicht wissen, für wen dieser Erinnerungsort gebaut wurde – etwas von diesen Menschen ist geblieben. Etwas von ihrer Kultur, ihrer Art, miteinander umzugehen, ihrem Sinn für Kunst und Architektur. Etwas ist geblieben. So verschieden wir sind, so unterschiedlich unser Wissen, unsere Weltsicht, unsere Lebensweise sein mag – an der Allée couverte de Lesconil stand ich, fasziniert, beeindruckt, angerührt. Voller Dankbarkeit für Erinnerungen über alle Grenzen hinweg. Voller Träume und Hoffnungen für die Zukunft. Und voller Leben.

 

Das Cap Sizun und die Bucht von Douarnenez sind reich an großen Naturschönheiten. Neben der bekannten Pointe du Raz – Grand site de France – und der Pointe du Van, die wir so sehr lieben, gibt es viele kleinere, kaum weniger spektakuläre Landspitzen. Die Pointe de Brézellec zum Beispiel oder die Pointe du Castelmeur, die Baie des Trépassés und so viele andere mehr. Die Allée couverte von Lesconil liegt hingegen etwas abseits des Weges. Vom kleinen Wanderparkplatz aus sieht man nur eine Wiese und ein kleines Wäldchen. Die ersten Meter sind mit einem hölzernen Geländer markiert, damit man nicht die Felder der Bauern platt tritt. Im Wäldchen angekommen gibt es einen kleinen Fußweg, auf dem nur eng umschlungene Liebespaare noch nebeneinander gehen können.

wäldhcen in der nähe der allée couverte de lesconil

Und dann ahnt man am Wechsel des Lichteinfalls plötzlich, dass hinter der nächsten Wegbiegung eine Lichtung liegen könnte. Und nur ein paar Schritte weiter steht man dann vor den gegeneinandergeschichteten Steinen. Daher ist dies nicht nur ein Beitrag zu Allerseelen, sondern auch zur Blogparade „Die kleinen Dinge am Wegesrand“ von Berg und Flachlandabenteuer.

Schaut dort vorbei und genießt die vielen schönen Kleinigkeiten, die so große Freude machen.

 

Het Pand – Büchergedanken und das große Ganze

Malerisch liegt der ehemalige Dominikanerkonvent in Gent an der Leie. Bei Herbstsonnenschein kann man romantisch am Kanal vorbeiflanieren, den Straßenlärm ausblenden und sich vorstellen, wie hier früher die Gelehrten über die Straße eilten, um in die berühmte Bibliothek zu gelangen.ehemaliger Dominikanerkonvent Het Pand in Gent

Dass die Lage am Fluss das Verhängnis der Bibliothek sein sollte, kann und mag man sich gar nicht vorstellen. Doch genau so war es. Während des Bildersturms von 1566 wurde das Kloster geplündert und man warf alle Bücher ins Wasser. Die Angreifer rissen die Bücher auseinander und warfen sie aus den Fenstern der Zellen der Mönche, so dass es ausgesehen haben soll wie große Schneeflocken, die herabfielen. So hoch sollen sich die Werke im Wasser gestapelt haben, dass man trockenen Fußes über die Leie gehen konnte.

Das ist auf den ersten Blick nicht so martialisch wie das Verbrennen von Büchern. Der Effekt ist aber ganz ähnlich: Man zerstört Wissen, Geschichte, eine ganze Kultur des Lernens und Lehrens und Forschens. Die Eroberer setzen fest, was gelesen, gelehrt, gedacht werden soll. Und sie zeigen, dass sie gewillt und fähig sind, diese Vorgaben umzusetzen. An Dingen und Menschen.

Die Macht des Wortes – auch und gerade des geschriebenen, konservierten Wortes – ist groß. Darum müssen die Bücher verschwinden. Und die Wirkung der Vernichtung soll möglichst eindrücklich sein. Es geht nicht nur um die Macht, um die Unterwerfung des „Feindes“. Es geht darum, den Gegner im wahrsten Sinne mit Haut und Haaren zu vernichten; seine Kultur, seine Kunst, seine Geschichte, sein Wissen, seine Ideen, seine Träume und Visionen, seine Sicht auf die Welt zu zerstören. Auszurotten. Zu ersetzen durch die eigene Sichtweise.Bücherregal in der Dominikanerbibliothek in Gent

Die Eskalation ist maximal. Eine Diskussion ist nicht mehr möglich. Sich anderen Meinungen auszusetzen ist keine Option mehr. Wer nicht freiwillig die eigene Sichtweise übernimmt, muss mundtot gemacht werden. Und plötzlich geht es nicht mehr um Geschichte, sondern um unsere Situation, unsere Gesellschaft, unsere Art, miteinander umzugehen.

Die, die nicht zuhören wollen, die die Gedanken ihres Gegenüber vernichten wollen, die den Diskurs ausmerzen wollen, sind laut. Ihre Zeichen sind stark und wirkmächtig. Aber sie müssen nicht das letzte Wort haben. Es ist anstrengend, sich dem Diskus auszusetzen. Verschiedene Meinungen zu Wort kommen zu lassen und sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Es ist schwer, aus seiner eigenen Filterblase auszubrechen und sich auf andere einzulassen. Es ist eine Herausforderung. Aber es ist möglich. Es muss möglich sein.Dominikanerbibliothek in Gent

Die Dominikanerbibliothek in Gent ist heute wieder zugängig. Die alten Bücher dort sind nicht nur Museumsstücke, sondern können wirklich gelesen, genutzt werden. Eine sachliche Auseinandersetzung ist wieder möglich. Auch wenn es in einer Nacht im 16. Jahrhundert vermutlich nicht so aussah, als könnte das jemals wieder geschehen.

 

Was schön war

Der Zug nach München ist rammelvoll. Die Wagenreihung hat sich geändert, reservierte Sitzplätze werden nicht angezeigt, die Klimaanlage funktioniert zwar, zickt aber immer wieder rum und Internet gibt es auch keins. Die Stimmung ist entsprechend gereizt. Man muss gar nicht lange im Zug sitzen, um das mitzubekommen. Man merkt es sofort beim Einsteigen. Ein älterer Herr steigt ein und wartet neben meinem Platz darauf, dass sich das Chaos im Gang ein wenig lichtet und er zu seinem Platz gehen kann.

Er trägt einen grau-blauen Anzug, den er vermutlich schon sehr lange besitzt. Der Schnitt war vor Jahrzehnten modern und über die Schultern und die Hüften ist er seinem Träger zu weit geworden. Aber eindeutig ist es ein guter Anzug. Ein feiner Stoff. Ein sorgfältig ausgewähltes Hemd mit farblich passender Krawatte rundet die Erscheinung ab.

Der kleine, alte Herr hält sich ganz aufrecht. In der einen Hand trägt er einen abgewetzten Violinenkasten, in der anderen einen grauen Hut. Ein Hut, wie ihn ältere Herren in Bilderbüchern tragen. Einer von denen, die mein Großvater den „guten Hut“ nannte. Im Gang wuseln einige laut plappernde Kinder durcheinander und schubsen sich meckernd herum, bis jeder einen passenden Platz gefunden hat. Der ältere Herr seufzt ein wenig.

Ich biete ihm an, auf meinem Platz sitzend zu warten, bis sein Weg frei wird. Er bedankt sich mit wenigen Worten, lehnt das Angebot aber ab, zuckt die Schultern, hebt den Blick und plötzlich lächelt er über das ganze Gesicht. Ich sehe ebenfalls auf und mein Blick fällt auf einen jungen Mann am anderen Ende des Ganges. Er trägt Cargo-Shorts und ein verwaschenes T-Shirt. Vom Aussehen her ist er das genaue Gegenteil von meinem Kurzzeit-Nachbarn. Doch von der Haltung her ist er sein jüngeres Ebenbild. Ganz aufrecht steht er da, in der einen Hand einen mit bunten Aufklebern verzierten Gitarrenkoffer und in der anderen Hand ein Hut. Kein „guter Hut“, sondern ein Outdoor-Pfadfinder-Zeltplatz-Hut, aber eindeutig ein Hut. Als habe das Lächeln des älteren Herrn ihn angezogen hebt auch er seinen mürrischen, genervten Blick und schaut genau auf sein Gegenüber.

Es dauert den Bruchteil einer Sekunde, dann erkennt er seinen Bruder im Geiste. Und plötzlich, mitten im gereizten Chaos, mitten in der Hitze des Platz-Kampf-Gefechts und über den Streit der Teenager hinweg, strahlt auch er. Freundlich nicken die beiden sich über die Köpfe der immer noch motzenden Kinder hinweg zu.

Dann ist der Weg frei und die beiden gehen zu ihren Plätzen, heben ihre Instrumentenkoffer vorsichtig ins Gepäckfach. Bevor sie sich hinsetzen nicken sie sich nochmal zu wie alte Bekannte. Sie wechseln kein Wort. Aber als ich mir kurz danach im Bordbistro einen Tee hole, sitzen sie beide noch immer still in ihren Sitzen und lächeln vor sich hin.

Saisonende am Meer

Sonnenuntergang am Meer mit rose-orangenen Wolken

Das Wellenrauschen mischt sich mit Motoren- und Klopfgeräuschen. Die Besitzer der süßen kleinen weißen Strandhütten fahren mit Traktoren oder Geländewagen und Anhängern vor und bauen die Holzhäuschen ab. Das dauert nicht lang: Nach dem Lösen einiger Schrauben wird das Dach abgehoben. Die Seitenwände trennen sich nach einigen festen Schlägen voneinander, die Bodenplatte wird angehoben und entsandet, mit einer Schaufel heben die Aufräumer die beiden hölzernen Verankerungsstreben aus dem Sand, laden alles auf den Hänger und nach wenigen Minuten sind einige Spuren im Sand alles, was davon erzählt, dass hier eine Familie einen Strandsommer verbracht hat.Abbau einer Strandhütte

Der Zaun des Beachvolleyballfeldes ist an vielen Stellen zusammengebrochen. Die Reste werden von missmutig dreinschauenden jungen Männern zusammengetragen. Die Liegestühle der Strandbars sind verschwunden – entweder schon komplett weggeräumt oder in dicke Plastikplanen eingeschlagen, wartend auf den nächsten Transport ins Winterquartier.umgekippter Zaun am Strand

Auch das Velodrom mit den verrückten Fahrradvarianten vom Hochrad bis zum Rad mit losem Lenker ist verschwunden. Ein paar Holzpflöcke haben die Betreiber im Boden zurückgelassen. Kinder laufen lachend den Parcours ab, der sich noch immer im Sand abzeichnet.Abdrücke des Velodroms am Strand von Blankenberge

Im Klamottenladen schräg gegenüber gibt es Rabatt auf Sommerkleidung und Windjacken. Schals und Schirme sind auch im Angebot. Die meiste Eisdielen haben schon geschlossen und der Dekoladen, der zu Beginn des Sommers Ohrringe und Fidgetspinner verkaufte, hat sein Angebot auf Weihnachtsdeko umgerüstet.winterdekoration in einem Laden in Blankenberge

Sein Konkurrent in der Fußgängerzone hält trotzig an den bunten Fingerkreiseln fest und hat sogar den Ladeneingang mit Bildern seiner Kreiselvariationen beklebt. Einige Senioren bleiben vor der Auslage stehen und bestaunen die bunten Spinner. „Das soll mal modern gewesen sein?“Laden für Fidget Spinner in Blankenberge

Muscheln, Fisch und natürlich Stoofvlees und Pommes gibt es noch, fast alle anderen Lokale haben zugemacht. Nicht alle Wirte und Ladeninhaber werden in der kommenden Saison wiederkommen. Einige neue „Te huur“ und „Te koop“-Schilder hoffen darauf, Interessenten anlocken zu können.

Das große Bistro an der Strandpromenade hingegen ist prachtvoll dekoriert wie eh und je. Doch statt der Tropenfrüchte gehören jetzt Kürbis und Zucchini zur Grundausstattung. Drei ältere Herren mit Strohhut sitzen vor einem Gin Tonic und schauen mit verschränkten Armen auf die verblichene Holztür des Personaleingangs, als hätten sie sich am Meer längst satt gesehen.Deko mit Kürbis und Zucchini

Ein paar junge Leute werben am Straßenrand für eine Mitgliedschaft beim flämischen Roten Kreuz. Es sind vor allem Einheimische, die stehen bleiben und sich in ein Gespräch verwickeln lassen. Man erkennt sie an den Einkauftrolleys und daran, dass sie als einzige keine Outdoor-Kleidung oder Funktionsjacken tragen. Nach einem Einkauf im kleinen Supermarkt stehen die potentiellen Neu-Rotkreuzler noch immer am Infostand. Man hat jetzt Zeit.

Die einzigen, die rennen, sind die Techniker, die kurz vor knapp noch die Lichtanlage für die Closing-Party im letzten geöffneten Strandclub aufbauen. Als sei vom Herbst noch lange nichts zu spüren, blinken die bunten Scheinwerfer, bläst die Nebelmaschine Trockeneiswolken auf die sandige Tanzfläche. Ausgeschenkt wird schon der Gin der kommenden Saison. Alle aktuellen und viele alte Sommerhits klingen durch die viel zu früh angebrochene Nacht. Der DJ lässt sich nicht lumpen und spielt Robbie Williams, Ed Sheeran, Abba und sogar Queen. Und dann – als sei es ein echter Sommer gewesen – Lambada, Macarena und ein aller-, allerletztes Mal Despacito. Um kurz nach 23 Uhr ist Schluss. Es rummst noch ein paar Mal, dann sind Lichtanlage, Nebelmaschine und DJ-Pult weggeräumt, die Bar abgebaut und die verbliebenen Bänke und Tische eingepackt. Lichter der Closing Party

Am nächsten Morgen werden wir von der Ruhe geweckt. Vom Rauschen der Wellen, dem Pfeifen des Windes, dem leisen Plätschern des Regens und dem vereinzelten Kreischen der Möwen. Hallo Herbst.

Faszinierende Geschichten in Stein: Der Calvaire in Tronoën

Notre-Dame-de-Tronoen in Saint-Jean-Trolimon im FinistèreMitten im Nirgendwo, auf einem einsamen Hügel mit einem grandiosen Blick auf die Bucht von Audierne stehen wir bei strahlendem Sonnenschein und versuchen uns vorzustellen, wie es hier in der Mitte des 15. Jahrhunderts ausgesehen hat. Damals war Saint-Jean-Trolimon eine pulsierende Metropole mit mehr als 10.000 Einwohnern, einem florierenden Handelsleben und einem stinkreichen Dominikanerkonvent. Das erzählt uns zumindest die freundliche Kunstgeschichtsstudentin, die uns herumführt.

Ganz kostenlos, übrigens. Das gibt es an vielen französischen Orten in den Sommermonaten und wenn ihr irgendwo seid, wo solche Freiwilligen ihre Dienste anbieten, dann macht das ruhig. Man erfährt wunderbare Dinge, die zwar auch im Reiseführer stehen – aber der beantwortet keine Rückfragen. Und natürlich wissen die Menschen, die sowas als Hobby machen, mehr als jedes noch so schlaue Buch und machen aus euren Besuchen eine persönliche Erfahrung.

Julie geht also zweimal mit uns um den Calvaire in Tronoën herum und zeigt uns, in welche Richtung man die in Stein gefassten Geschichten und Bibelszenen lesen muss. Sie weiß, dass der Kalvarienberg aus zwei verschiedenen Steinarten besteht und kennt sich mit deren Eigenschaften aus, so dass sie uns erklären kann, was an welchen Stellen zu Verwitterungen geführt hat. An einer Stelle ist ein Teil eines Kopfes abgebrochen, was vermutlich daher rührt, dass die Menschen früher versucht haben, in die zweite Geschichtenreihe hochzuklettern, um Details besser sehen zu können. „Vielleicht war es auch einer der Mönche oder Priester, der hochgeklettert ist, um der Gemeinde seine Meinung zu sagen und eindrucksvoll mit Zeigen auf die Figuren zu untermalen.“

Clavaire von Tronoen in der BretagneWir können den etwas übermotivierten Geistlichen fast vor uns sehen. Genauso wie die entblößten Brüste der jungen Maria, die gerade ein Kind geboren hat – eine durchaus seltene Darstellung, wie Julie fröhlich betont. Ebenso selten wie die doppelte Taufszene, von der man nicht so genau weiß, ob Jesu Taufe einfach zweimal dargestellt wird, ob einmal Johannes der Täufer dargestellt ist oder ob die doppelte Szene eine ganz andere Bedeutung hat. Dafür weiß man dank historischer Zeichnungen deutlich genauer, wie die Szene der Verführung von Adam und Eva im Paradies vor der starken Verwitterung ausgesehen hat – so bunt bemalt wie die alte Zeichnung war der gesamte Calvaire.
doppelte Taufszene auf dem Calvaire von Tronoen im Finistère in der Bretagne

 

 

Dass Jesus in allen Szenen am größten dargestellt ist, wäre uns vermutlich alleine ebenso wenig aufgefallen wie die Tatsache, dass die Kleidung der heiligen drei Könige der Mode der Bauzeit des steinernen Religionsunterrichts entspricht.Passiosnszene auf dem Calvaire in Tronoen

Auch die Tatsache, dass der tote Jesus in den Armen seiner Mutter (die Darstellung der Pieta am mittleren Kreuz), mit der ausgestreckten Hand auf die darunter dargestellte Auferstehungsszene zeigt, ist ein Details, das ich alleine vermutlich nicht erkannt hätte.Pietà auf dem Calvaire von Tronoen

Und vermutlich hätten wir den „Guetteur“, den Späher an der Kirche auch nicht gefunden – schließlich wurde er vom Eingangsportal fast komplett zugebaut und erspäht seither höchstens die eine oder andere Flechte auf dem Granit. Trotzdem erinnert er an die Zeit, als man hier oben – aus gutem Grund – Ausschau nach den Angelsachsen halten musste.Szene auf dem Calvaire de Tronoen

Der Calvaire ist nicht der bekannteste, dafür aber der älteste Kalvarienberg der Bretagne. Wir haben in den vergangenen Jahren einige große und kleinere Calvaires besucht und der in Tronoën ist durchaus einer meiner Liebsten.

Im Sommer ist übrigens montags vormittags rund um die Kirche ein kleiner Kunsthandwerkermarkt, bei dem man bei live Harfenmusik mit den Ausstellern ins Gespräch kommen kann. Und so erfährt man dann, dass es in dem heute kleinen Ort Saint-Jean-Trolimon gleich zwei Bronzegießer gibt und dass einer von ihnen mit den Wissenschaftlern der Uni in Rennes gemeinsam experimentiert. Eine andere Künstlerin zeigte uns, wie sie ihre Radierungen erstellt und ein Imker ließ die Besucher seinen Honig probieren. Kein Vergleich mit dem lebendigen Handelsleben im ausgehenden Mittelalter, aber eine durchaus angemessene Remineszenz. Große Empfehlung!Harfenist auf dem Marché bei der Chapelle de Tronoen

Pointe de la Torche

Ich bin zwar kein Surfergirl, aber die Pointe de la Torche empfehle ich euch trotzdem. Denn dort kann man wunderbar surfen, man kann dort aber auch wunderbar die Nase in den Wind halten und dabei auch noch ein paar Megalithen entdecken. Denn am Ende der Landspitze gibt es eine kleine Erhebung, auf der ein Dolmen, bzw. das, was von ihm übrig blieb. Man muss den Hügel nicht hinaufstürzen und sich der Länge nach flachlegen, versprochen. Man kann das aber natürlich tun und trotzdem einen wunderbaren Tag haben. Habe ich eigens für euch getestet. Bitte, bitte, keine Ursache.Surfer an der Pointe de la torche im südlichen Fnistère

Nach einem Spaziergang durch die Dünen und über den schön langen und bei Ebbe auch großartig breiten Strand kommt man schließlich zur Landspitze, die so heißt, wie sie aussieht: Pointe de la Torche – Fackelspitze. Bei Flut wird das noch deutlicher, dann klettert das Wasser rechts und links so weit nach oben, dass nur eine schmale Landzunge übrig bleibt und der Hügel, der ins Meer ragt, wirklich wie die Flamme einer Fackel aussieht.

Hinter jeder Biegung eröffnen sich dem Wanderer neue beeindruckende Blicken über das Meer und die Felsen der Pointe. Die alle paar Meter aufgestellten Rettungsringe weisen darauf hin, dass das Meer hier nicht nur romantisch ist, sondern dass seine wilden Kräfte gemeinsam mit dem Wind, der auch an schönen Tagen heftige Böen entwickeln kann, durchaus eine ernstzunehmende Gefahr darstellen.Felsnase an der Pointe de la Torche in der Bretagne

Klippen an der Pointe de la torcheGroßer Felsen an der Pointe de la torche im Finistère, BretagneRettungsring auf dem Wanderweg um die Pointe de la torche in der BretagneUnd noch etwas macht nachdenklich: An der Pointe de la Torche – sowohl am Strand als auch auf der Landspitze – sind deutlich die Spuren der deutschen Besatzung zu sehen. Überrest eines deutschen Bunkers an der Pointe de la torcheBunkerteil am Strand der Pointe de la torche

Man kann die Bunkerreste nicht besichtigen, dafür haben wir aber an dem Denkmal innegehalten, das an die Opfer der „Hitlerbanditen“ erinnert, wie der Text es beschreibt.Gedenktafel für die Opfer der Nazis an der Pointe de la torche

Ob die Erbauer der Bunker sich wohl Gedanken über den Dolmen gemacht, ihn überhaupt als solchen erkannt haben? Je näher wir ihm kamen, desto besser haben wir gesehen, wie das Ganggrab aufgebaut gewesen sein muss. Ein wahrhaft majestätischer Ort für die letzte Ruhe.Dolmen auf der Pointe de la torche

Deutlich weniger majestätisch, dafür aber gemütlich sind die Bars und Bistros am Ende der Pointe, wo man einen kleinen Café nehmen und den wagemutigen Surfern bewundernde Blicke zuwerfen kann.

Was schön war: Mit einem Taxi durch Paris

Neulich kam ich in die Verlegenheit glückliche Lage, endlich einmal mit einem Taxi zwar nicht nach, aber immerhin durch Paris zu fahren. An einem sonnigen, warmen Hochsommertag und mit einem Fahrer, wie ich ihn mir besser nicht hätte wünschen können.

Erste Überraschung: Taxifahren ist in Paris gar nicht so teuer, wie gedacht.
Zweite Überraschung: Taxifahrer sind in Paris gar nicht so unhöflich wie allgemein behauptet („Ist es OK, wenn ich die Fenster aufmache, oder hätten Sie lieber Erfrischung durch die Klimaanlage?“ <3) .
Dritte Überraschung: Ich habe meinen Zug bekommen und zwar sogar noch 3 Minuten schneller als das Taxifahrer-Navi vorhergesagt hatte.

Dabei fing alles gar nicht so großartig an. Nur ein paar Meter von der Gare du Nord entfernt, wurde das Taxi um ein Haar in einen Unfall verwickelt. Ein anderer Fahrer bremste völlig unvermittelt, weil ein LKW auf die Straße gefahren kam. Das Taxi scherte nach links und mein Fahrer schaute zu dem Bremser hinüber – ein junger Fahrer einer privaten Limousine, trotz der sommerlichen Temperaturen in dunklem Anzug mit Krawatte. „Diese jungen Privatchauffeure – haben kaum Fahrpraxis und vor allem keine Erfahrung im Stadtverkehr. Sie sehen immer so erschreckt aus, als sei das ein furchtbarer Job“, erklärte mir der Mann aus dem Fahrersitz. Er selbst trug leichte Hosen, ein kurzärmliges Hemd und eine durchaus vergnügte Miene. „Fahren Sie denn schon lange“ – „Ach, schon ewig. Zwischendurch habe ich zwar etwas anderes gemacht, aber ich komme immer wieder zum Taxifahren zurück. Ein wunderbarer Beruf.“

Als ob er mich für eine Expertin hielte, fragt er mich, ob es OK ist, wenn er diesen Weg nehme, er könne natürlich auch über den Boulevard sowieso oder die Avenue irgendwas fahren. Als ich sage: „Nein, machen Sie nur. Sie kennen die Stadt und den Verkehr“, nickt er kurz und erklärt mir in den folgenden Minuten seine Art von Sehenswürdigkeiten.

„Sehen Sie dort“, sagt er in der Nähe des Louvre, „vor diesem großen Stadthaus mit der etwas schmutzigen Fassade, da standen früher immer Wachleute. Manchmal zwei, meistens aber vier oder sechs. Da wohnte Jacques Chirac.“

Blick auf die Tuillerien in Paris

Ein paar Straßen weiter: „Hier, merken Sie sich dieses Café. Da gibt es die besten Tartelettes aux fruits in ganz Paris. Ich weiß wovon ich rede, ich habe fast alle probiert.“

„Dort drüben, sehen Sie die bunten Fensterläden? Da gibt es Käse. Es steht zwar noch ‚Coiffeur‘ außen dran, aber seit ein paar Monaten ist da ein Käseladen. Ganz ausgezeichnete Auswahl.“

„Wenn Sie selbst einmal mit dem Auto hier unterwegs sind, fahren Sie hier keinesfalls zu schnell. Hier wird immer kontrolliert. Und wenn Sie nur einen Kilometer zu schnell sind, kostet es schon gehörig.“

Kurz vor dem Ziel schimpft eine Dame in ihren Fünfzigern durchs offene Fenster: „Was sollte das denn? Sie haben mich fast umgefahren.“ Murmelnd rekonstruiert der Fahrer, was passiert ist: Dass die Dame die Hand rausgestreckt hatte, um rechts abzubiegen, sich dann aber wohl entschlossen haben musste, geradeaus zu fahren und um die Autos herum auf deren linke Seite zu kurven. Dass ihn keine Schuld treffe außer der, dieses für Pariser Fahrradfahrer durchaus häufiger Verhalten nicht zu antizipieren. Als die Dame uns bei der nächsten Ampel einholt und nun links neben dem Fahrerfenster zum Stehen kommt, beugt er sich trotzdem freundlich zu ihr hinaus und entschuldigt sich für die Situation an der letzten Kreuzung. Die Fahrradfahrerin – mit einem der Leihfahrräder unterwegs , die man überall für wenig Geld mieten kann – brummelt zwar noch immer unwirsch, lächelt aber angesichts der freundlichen Worte irgendwann dann doch vor sich hin.

Tour Montparnasse in Paris mit Werbung für die Olympischen Spiele

Angesichts der Tour Montparnasse und der dort prangenden Werbung für die olympischen Spiele bekomme ich noch einen kurzen Einblick in die Seele eines Sportfans, der auf den Erfolg der Bewerbung für die Spiele 2024 hofft, und dann noch ein paar gute Ratschläge, wie ich Taschendiebe im Bahnhof erkennen und mich vor ihnen schützen könne (kurz: Trau keinem unter 30; vor allem keinem, der betont harmlos tut und die Arme hinter dem Rücken verschränkt 🙂 ).

Mit dem Duft der sommerlichen Stadt in der Nase und angefüllt mit sonnendurchfluteten Blicken auf Boulevards, den Louvre, die Tuillerien, den Eifelturm und kleine Pariser Parks schlendere ich überraschend pünktlich und überraschend ungenervt vom wilden Pariser Verkehr um die Mittagszeit in Richtung Gleis. Vier Stunden später bin ich in Quimper. Hach <3

Was schön war (okay, es fängt doof an, aber dann… :-) )

„Ich renne und halte für Sie die Tür auf.“

Ein kleiner Satz, der ganz alltäglich klingt, meinen gestrigen Tag aber zu einem ganz besonders schönen gemacht hat. Aber von vorne:

Der Tag fing schonmal gleich gut mies an. Bevor ich das Haus verließ, hatte ich in der Bahn-App nachgesehen, ob mein Zug pünktlich sein würde. Jawoll, alles klar. Der Anschluss in Köln – für den ich sowieso schon eine halbe Stunde zusätzlichen Puffer eingeplant hatte – war mir sicher.

Fünf Minuten später am Bahnhof: Strecke gesperrt, seit mehr als einer Stunde geht hier gar nichts mehr. Immerhin stand da ein Zug, in dem es Sitzplätze gab. Der freundliche Triebfahrzeugführer vom „National Express“ gab immer wieder mit Durchsagen bekannt, was es zu wissen gab: Dass er seinen Kollegen von der Nachtschicht abgelöst habe und auch erstmal erfahren müsse, wie es denn nun weitergehe. Dass die Strecke leider immer noch gesperrt sein. Dass die Strecke wieder freigegeben worden sei und man gleich losfahre. Und dass wir 20 Minuten später dann doch den Zug räumen mussten, um mit einem anderen Zug, der mittlerweile auf dem Nachbargleis gestrandet war, in die falsche Richtung zu fahren, weil: Nach Köln kommen Sie hier nicht. Immerhin bringe einen der andere Zug nach Bonn, wo man zwar auch keinen Schienenersatzverkehr, aber immerhin die Straßenbahn erreichen könne.

Und mitten in diesem Chaos wurde es schön: Die Info, welcher Zug fährt und wohin, hatte man nämlich den Menschen auf den diversen Bahngleisen und im anderen Zug nicht gegeben. Das erledigten dann die – nach bis zu zwei Stunden Verspätung überraschend gelassenen – Fahrgäste aus dem blauen Zug. Egal, wer wie oft fragte, jeder teilte das Wissen, das er hatte. Wer nun doch das Auto holen wollte, bot Fahrgemeinschaften an, andere geleiteten Ortsfremde zur Bushaltestelle, von wo man wenigstens ein bisschen gemeinsam in die richtige Richtung weiterfahren wollte.

In Bonn erwischte ich dann die Straßenbahn nach Siegburg und hatte dort laut Fahrplan drei Minuten Zeit zum Umsteigen in einen ICE gen Süden. Leider war die Straßenbahn aber genau diese drei Minuten zu spät. Egal. Rechtzeitig vor der Einfahrt in den Siegburger Bahnhof stellte ich mich an die Tür zum Aussteigen. Il y a un dieu pour les ivrognes – frei übersetzt: Das Glück ist mit den Besoffenen Tüchtigen. Und vielleicht würde ich den Zug ja trotzdem irgendwie kriegen. Das ständige Sporteln im letzten Jahr verleiht mir zwar keine Flügel, aber immerhin schnellere Beine. 🙂

Die brauchte ich aber gar nicht, denn plötzlich steht ein freundlicher Herr mit Rucksack neben mir und sagt den schönen Satz: „Wollen Sie auch zum ICE nach Mannheim? Ich auch und ich habe keinen Koffer. Ich renne und halte für Sie die Tür auf.“

Jemand der seine Umgebung so wahrnimmt, dass er das, was er selbst tut, mit anderen in Verbindung bringt. Jemand, der einfach so seine Hilfe anbietet. Jemand, der nicht lange fragt, sondern einfach mal macht: So jemanden wünsche ich euch heute auch. Und morgen. Und übermorgen. Und überhaupt.

Lieber unbekannter Bahnmitarbeiter (das weiß ich, weil wir danach noch ein wenig plauderten): Vielen Dank. Und allzeit gute Fahrt!

 

Was schön war: Tauwetter und Rosenkohl

Das „Was schön war“-Format habe ich zuerst bei Anke Gröner gesehen. Ich mochte es von Anfang an. Da hier lange nichts los war – ich komme grade zu nichts – ich aber gerne wieder mehr aufschreiben möchte, erlaube ich mir, das als Vorlage zu nehmen. Vielleicht blogge ich dann auch wieder öfter. Ihr werdet es erleben (oder eben auch nicht… Zeiten des Wandels und noch immer keine Kristallkugel auf dem Schreibtsich).

Was schön war also…

Ein neblig-nasser Spaziergang durch Poppelsorf an einem dringend nötigen freien Nachmittag. Der Winter ist vermutlich endgültig vorbei – zumindest hier im Rheinland. Ein paar Enten nahmen das zum Anlass, sich gegenseitig laut kreischend und an den Federn zerrend von den Eisresten am Poppelsdorfer Schloss ins schon aufgetaute Wasser zu schubsen.Enten auf dem noch so eben zugefrorenen Schlossgraben in Poppelsdorf mit dem Schloss im Hintergrund

streitende Enten in Bonn-PoppelsdorfVon Amselgezwitscher geweckt werden. Und die ersten verliebten Meisen in der Hecke im Garten.

Der bunte Tulpenstrauß, den ich beim Spaziergang zusammen mit dem leckersten Rosenkohl der Saison an einem kleinen Gemüsestand bei einer unglaublich herzigen alten Dame gekauft habe. Sie freute sich dermaßen an den bunten Blumen und daran, dass ich mir damit einen bunten Frühlingsgruß mit nach Hause nehmen, dass mir ganz warm ums Herz wurde.

Fassade des Kölner Doms bei NachtEin wunderbarer Abend mit wunderbaren Menschen im karnevalstrunkenen Köln. Auf dem Rückweg beim Weg zur Bahn fragten uns zwei vermutlich gerade mal volljährige Mädchen: „War heute Abend eine Karnevalssitzung?“ – „Ja, vermutlich nicht nur eine.“ – „Kommt ihr auch daher?“ – „Nein, wir waren einfach nur so aus.“ – „Aber hier sind so viele Verkleidete.“ – „Ja, das ist hier ab Dreikönige immer so.“ – „Ach…“ Man muss Touristen lieben 🙂

Mehr schöne Dinge findet ihr übrigens auch bei Herrn Buddenbohm, im Odenwald, im Kaffeehaus mit Herz, in Südfrankreich und sicher noch an vielen anderen Stellen.

Habt auch ihr es schön!

Schnee und Sonne <3

Eisig kalt ist es hier im Vorgebirge ja schon seit ein paar Tagen. Aber Schnee hatten wir nur für einen halben Tag. Für den kleinen Jungen, neben dem ich an der Ampel stand, genug, um ihn ausgiebig zu testen. „Pap, gibt es morgen wieder Schnee?“ fragte der kleine Mann seinen Vater. „Wahrscheinlich nicht, warumm denn?“ fragte der zurück. „Weil der Schnee so lecker schmeckt, vor allem der da vorne an dem kleinen Brunnen. Und am allerleckersten schmeckt er auf Butterkeks.“

Wie gesagt, testen konnte ich das leider nicht mehr. In Köln und im Vorgebirge gibt es nur Minustemperaturen und gefrorene Schönheiten.vereiste Efeublätter

Keinen Schnee. Dafür gibt es in der Eifel umso mehr davon. Zusammen mit Sonnenschein die perfekte Mischung für einen ausgiebigen Sonntagsspaziergang.Schnee, Sonne, entlaubte Bäume in der Eifel

Zuerst sind wir in der Nähe von Blankenheim durch die Felder und durch knöchelhohen, an manchen Stellen auch höheren, Schnee spaziert. Kurz nachdem wir aufgebrochen waren, wurden wir von einer türkischen Großfamilie überholt. Die einen zogen Kinder auf Schliten, andere große Rucksäcke und zwei junge Männer eine riesige Pappe über das verschneite Feld den Hügel hinauf.Familie beim Picknick im Schnee

Oben angekommen, packten die Familienmitglieder warme Decken aus den Rucksäcken, Thermoskannen, Gläser. Dann wurde die Pappe ausgelegt, die Decken darauf und drumherum drapiert. Alle nahmen Platz richteten sich gemütlich ein – mit Blick auf den Rodelhang, den die Kinder mit den Schlitten eroberten – und picknickten. Großartig!

Da wir aber weder Decken noch warme Getränke dabei hatten und auf Dauer vermutlich mit den Rodelhelden kollidiert wären, sind wir zunächst nach Blankenheim (schon um zwei fast ganz im Schatten – huch) Blankenheim in der Eifel im winterlichen Schattenhalb zugefrorener See in Blankenheim in der Eifel

Burg Blankenheim und der zugefrorene See im Talund dann zum sonnendurchfluteten, zugefrorenen und zugeschneiten Freilinger See weitergefahren. Um den wir dann im goldenen Nachmittagslicht ein gutes Stück herumgelaufen sind. Soooooo schön. Schnee und Sonne. Große Liebe.Verschneiter Freilinger See im Sonnenschein

am Freilinger See im SchneeEiszapfenSchneekristalleSchnee, Sonne und Eis am Freilinger See in der Eifel