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Blumenmeer mit Ausblick: Jardin exotique in Roscoff

roscoff-jardin-exotiqueNach einigen Tagen Frühling nutze ich die graue Zwischenepisode für ein paar sonnige Erinnerungen. Gärten, die von jemandem angelegt wurden, der weiß, was er tut, haben es mir ja schon länger angetan. Daher nehme ich euch heute mit in einen Garten, der mein Herz im Sturm erobert hat. Und das nicht nur wegen der Schildkröten (Schildkröten… hach).

Engländer ohne Ende, eine süße Innenstadt mit schnuckeligen Häusern und einem schönen Hafen, Kirchen in Granit und stattliche Bürgerhäuser, das alles in einer schönen Bucht: Roscoff ist wirklich eine Reise wert.

Was ich aber besonders ins Herz geschlossen habe, ist der Jardin exotique, der botanische Garten von Roscoff. Dort setzen die Verantwortlichen ganz auf Gegensätze: Pflanzen des Südens im Norden (des Finistère).Blick auf die Bucht von Roscoff vom Jardin exotique aus

Wundervolle Ausblicke nach innen und außen

Der Garten liegt etwas außer- und oberhalb der Innenstadt, direkt neben dem großen Fährhafen Richtung England und Irland. Die Felsen, auf denen der Garten angelegt wurde, haben die Gestalter ganz wunderbar in ihr Konzept eingebaut. Und so wandert man auf dem Rundweg durch die Schönheiten der südlichen Erdhalbkugel hinauf und hinab und kann auch einen Felsen erklettern. Von oben hat man eine wunderbare Aussicht auf die Bucht, die davorliegenden Inselchen und (mit einem Fernglas) bis zu Île de Batz.Blick vom Jardin exotique in Roscoff auf den Fährhafen nach England

Auch an vielen anderen Stellen hat man eine sehr schöne Aussicht auf das Meer. Doch es lohnt sich durchaus, den Blick auch ins Innere des Gartens zu richten. Da gibt es Wasserläufe und Teiche – sogar mit Schildkröten -, an deren Ufern tropische Pflanzen ganz prächtig gedeihen. Es gibt Schattenecken, in denen Farne und andere Schattengewächse sich wohlfühlen und Felslandschaften, auf denen hunderte verschiedene Kakteen  wachsen.Kakteenblüte im Jardin exotique in Roscoff

Blühendes Roscoff im Herbst

Auch im Herbst blüht Vieles. Manchmal sind es aber auch verblühte Schönheiten, die schön aussehen. Blüte im Jardin exotique in Roscoff, Finistère, Bretagne

Kakteenblüte im Jardin exotique in Roscoff, Finistère, Bretagneorange Blüte im Jardin exotique in Roscoff, Finistère, Bretagnegroße lilafarbene, sternförmige Blüte im Jardin exotique in Roscoff, Finistère, Bretagneverblühte Staudenblüte im Jardin Exotique im bretonischen Roscoff an der Nordküste des FinistèreNeben den Augen freut sich aber auch die Nase, denn es riecht überall unterschiedlich. In einem eigenen Abschnitt lädt außerdem ein Gerüchegarten dazu ein, Blätter zu reiben und verschiedene Gewürzsträucher und Düfte zu entdecken.Im Geruchsgarten des Jardin exotique in Roscoff

Bunte Infotafeln klären über die Entdecker verschiedener Pflanzen auf oder erzählen die Geschichten von bretonischen Gartenbaupionieren der Vergangenheit. Und bunte Bänke oder kleine, unter Palmen versteckte Stühle laden zum Bewundern, Riechen, Lauschen oder Entspannen ein.Blick aufs Meer von einer Sitzecke im botanischen Garten in Roscoff

Das Besondere: Der Jardin exotique in Roscoff bekommt keinerlei Subventionen oder Zuschüsse. Er trägt sich ausschließlich durch die Eintrittskosten und den Verkauf exotischer Pflanzen aus der Zucht des Gartens. <3Teich mit Schildkröten im Jardin exotique in Roscoff

Picknick-Platz with a view

Zusatztipp: Nur ein paar Schritte vom Parkplatz entfernt liegt eine Aire de Pique-Nique mit einem grandiosen Ausblick.Aussicht vom Pique-Nique-Platz am Jardin botanique in Roscoffroscoff-jardin-botanique-pique-nique

Pointe du Van im Nebel

pointe-du-van-nebel-argueveur-chapelle-saint-theyPlötzlich tauchte ein Schiff aus dem Nebel auf, es war der Küste schon ganz nah. Laut tönte sein Signalhorn bis zu den Menschen, die stumm auf den Felsen an der Küste standen. Die Arme verschränkt standen sie da und warteten…

Mitten im Nebel kann man sie bildlich vor sich sehen, die so oft beschriebenen Szenen der bretonischen Strandräuber, die so arm und verzweifelt gewesen sein sollen, dass sie Kühen Lampen um die Hörner gebunden hätten, um so Schiffe auf die Klippen zu lenken.pointe-du-van-nebel-argueveur-la-vieille

Mitten im Nebel kann man sich vorstellen, wie die schauerlich-schönen Legenden entstanden vom Tod, der Ankou, die mit der Kutsche umherfährt, um sich ihre nächsten Opfer auszusuchen. Von Korrigans und anderen Wesen, die ihr Unwesen treiben und arglose Spaziergänger vom Weg abbringen.pointe-du-van-nebel-argueveur-eoliennes

Mitten im Nebel kann man erleben, wie sich die Einsamkeit von Insulanern angefühlt haben muss, wenn sie im Sturm nicht übersetzen konnten und – manchmal tagelang – das Festland nicht sehen konnten.

Mitten im Nebel kann es aber auch verträumt sein und schön. Man hört die Stimmen anderer Spaziergänger, aber man kann sie nicht sehen. Es hat ein paar Grad abgekühlt, der Ginsterduft und der Duft des feuchten Farns sind längst nicht mehr so intensiv, wie zuvor im Sonnenschein.pointe-du-van-nebel-argueveur-farn

Man ahnt, dass in den Felsen unter einem, Vögel mit ihren Artgenossen streiten. Das Geschnatter und Gekreische dringt deutlich ans Ohr. Aber so sehr man sich auch anstrengt, man bekommt die Verursacher der Geräusche einfach nicht zu Gesicht. Ein paar Meter kann man sehen – nach vorne, zurück, aufs Meer.pointe-du-van-nebel-argueveur-steilkueste

So einen Nebeltag haben wir im vergangenen Jahr an der Pointe du Van erlebt. Eine herrlich-skurrile, einsam-verträumte, nebel-düstere, ab und an von einem stärkeren Sonnenstrahl, der es schaffte, den Nebel ein wenig zu lichten, erhellte, Szenerie. Wir kennen die Landspitze mittlerweile gut. Ist ja schließlich unsere Lieblingslandspitze an unserem Lieblingsende der Welt. So hatten wir sie aber noch nie erlebt. Gerne wieder. <3pointe-du-van-nebel-argueveur-chapelle-saint-they-von-hinten

Dolmen with a view: die Allée couverte von Guilliguy

Was hilft am besten gegen regennasse Herbstabende? Wärmende Erinnerungen. Daher heute für euch: Eine Erinnerung an eine schöne Wanderung am Ende der bretonischen Welt…

Der Weg den Hügel hinauf ist kurz, aber steil. Gesäumt von Farnen, Blüten und dutzenden Schmetterlingen. Hinter hohen Hecken kann man den Hafen von Portsall meistens nur ahnen, doch selbst bei Ebbe ist das Rauschen des Meeres der ständige Begleiter derer, die den Hügel von Guilliguy erklimmen.Blick auf die allée couverte und das Granitkreuz von Guiliguy bei Portsall

Warum sich der Weg um den Hafen herum und den Hügel hinauf lohnt, kann man schon vom Hafen in Portsall aus erkennen: Eine Megalithenanlage und ein altes Granitkreuz zeugen davon, dass Menschen schon vor sehr langer Zeit erkannt haben, wie schön es in Guilliguy ist.Blick auf Dolmen und Granitkreuz in Portsall

Wer Richtung Land sieht, kann neben dem Dolmen einen kleinen Menhir und ein Granitkreuz aus dem 18. Jahrhundert bewundern. Das Kreuz steht aber erst seit gut 120 Jahren hier, vorher zierte es den Friedhof des Dörfchens. Zugegeben: Auf der Landspitze macht es sich besonders gut. Und als Rastplatz für Wanderer eignet sich sein Sockel auch ganz hervorragend.Allée couverte de Guilliguy in Portsall

„C’est debout, sur la pointe du Guilliguy, appuyé sur un dolmen et les yeux fixés sur la mer, qu’il faut aller méditer quand la vie étroite du monde vous blesse ; on devient fort à cet air de l’océan qui vous coule dans la poitrine. On se sent retrempé et vivace.“

Wenn das beengte Leben der Welt einen verletzt, muss man auf die Landspitze von Guilliguy gehen, sich an einen Dolmen anlehnen und, die Augen aufs Meer gerichtet, meditieren; man wird stark von dieser Meeresluft, die einem in die Brust fließt. Man fühlt sich gestärkt und lebendig.

Das Zitat des Schriftstellers Emile Souvestre steht auf dem kleinen Erklärungsschild am Eingang zur Dolmenanlage. Und es stimmt: Hier oben, mit dem Blick auf die Bucht von Portsall kann man sich wunderbar auffüllen mit Wind und Meeresrauschen.argueveur-portsall-blick-allee-couverte-de-guilliguy-blick-auf-die-bucht

 

Blick von der Allée couverte von Guilliguy auf den Hafen von PortsallWer gute Augen hat, sieht gegenüber den Anker der Amoco Cadiz, die 1978 wenige Kilometer vor der Küste auseinanderbrach, sank und eine der größten Ölkatastrophen der Geschichte auslöste.Anker der Amoco Cadiz in Portsall

Auch von dort hat man einen wunderbaren Blick auf die Bucht. Blick auf die Bucht von Portsall

Und – mal was ganz anderes – wer dann noch ein wenig durch den Ort schlendert, kann an Hauswänden, Garagen und Pollern viele Graffitis finden. Hühner-Graffittis, um genau zu sein. Falls jemand deren Geschichte kennt: Gerne in den Kommentaren aufschreiben. Danke 🙂Hühner-Graffitti in Portsall

Spazierwege an der Küste: Aber Benoît und Lannilis

Und gleich noch ein Rückblick auf die Ferien: Dank des schönen Spätsommerwetters waren wir besonders viel draußen unterwegs. Und haben dabei viele neue Wege ausprobiert.

Direkt neben der Côte des légendes gibt es den schönen Küstenabschnitt, an dem die drei Abers in den Atlantik münden: die Côte des Abers mit dem Aber Wrac’h, dem Aber Ildut und dem Aber Benoît.Blick auf einen kleinen Naturhafen am Aber Benoît bei Lannilis

Alle drei haben große Mündungsdeltas, die bei Ebbe bis weit ins Land hinein austrocknen. Ria heißen diese Flächen hier. Die Landschaften rund um die Abers verändert sich mit den Gezeiten und bietet wunderbare Spazierwege mit ständig neuen Ausblicken. Mal steht man vor Gras- und Algenlandschaften mit tiefen, gewellten Furchen, ein paar Ecken weiter dann wieder vor kleinen Naturhäfen, in denen bunte Boote aus den Wellen schaukeln.Aber Benoît im Nordfinistère in der Bretagne

Nähert man sich der Küste, fällt der Blick immer wieder auf den Phare de l’Île Vierge und seinen beeindruckenden Steinturm. Blickt man ins Landesinnere, sind Hügel, Wälder, weite Felder und einzeln gelegene Bauernhöfe zu sehen.

Wir waren in diesem Jahr zum ersten Mal rund um den Aber Benoît unterwegs und was soll ich sagen: Schön. Sehr schön.Blick auf das Mündungsdelta des Aber Benoît in der Bretagne

Aber Benoît zwichen Ploudalmézeau und Lannilis im FinistèreZum Abschluss sind wir durch den Ortskern von Lannilis gebummelt und haben bei der Maison du Boulanger wirklich leckeres Brot gekauft.Kirchturm von Lannilis

Auch ein Besuch in der Kirche von Lannilis ist beeindruckend. Neben dem hohen Kirchenschiff und der einen oder anderen schönen Heiligenstatue haben uns vor allem die in die Säulen gehauenen Verzierungen und das Lichtspiel der Fenster gefallen. <3 Bunte Farbenspiele auf dem Fußboden der Kirche von Lannilis

 

Grande marée im September: Coeff 111

Wir sind wieder zurück aus dem diesjährigen Bretagne-Urlaub. Daher bekommt ihr hier in den nächsten Tagen immer mal wieder ein paar Neuentdeckungen und alte Lieben aus dem Nordfinistère zu sehen und zu lesen. Los geht’s mit dem Meer. Logisch.

Grande marée ist in der Bretagne immer ein besonderes Highlight. Während der besonders großen Ebbe sieht man viele Fußfischer und während der besonders hohen Flut genießen dutzende Spaziergänger das Wasser, das bis zu den Spazierwegen reicht oder die Wellen, die sich an Steinen und Hafenmauern spektakulär brechen.Hohe Wellen im bretonischen Ort Kerlouan

Eines der besonders guten Dinge an einem Bretagne-Urlaub zum Vollmond im September ist die Tatsache, dass man am zweitgrößten Hochwasser des Jahres teilhaben kann. Dabei dreht sich alles um den Gezeitenkalender und darum, die richtigen Uhrzeiten für die passenden Aktivitäten abzupassen. Nicht, dass man auf dem Spaziergang zur Île Vierge oder beim Sammeln von Muscheln und Krebsen vom zurückfließenden Wasser überrascht wird.Hohe Wellen bei Grande marrée in Kerlouan an der Côte des légendesWellen brechen sich an einem Felsen und spriten meterhoch

Wir gehören zwar nicht zu den pêcheurs à pied, haben aber bei langen Wanderungen am überdurchschnittlich großen Strand, bei Pausen mit Logenblick auf das zurückfließende und mit Macht steigende Wasser und bei nachmittäglichen und abendlichen Spaziergängen auf den Felsen und Dünen das besondere Naturschauspiel voll ausgekostet.Naturhafen bei Brignogan Plage bei HochwasserStrand bei Meneham im Finistère bei Flut

Wasser steht im natürlichen Überlaufbecken der Digue in KerlouanIn diesem Jahr war Hochwasser kurz vor Sonnenuntergang und kurz vor Sonnenaufgang. Schöööön.Sonnenuntergang am Strand von Meneham in Kerlouan bei Flut

Knokke-Heist zum zweiten

Es gibt ja zwei mögliche Ausgangspunkte für die Planung von Reisen. Etwas sehen wollen, das man noch nicht kennt. Oder an einen Ort zurückkehren, an dem es besonders schön war. In diesem Jahr sind der Lieblingsmensch und ich eindeutig zur zweiten Fraktion der Wiederholungstäter -reisenden zu zählen. Und nachdem es uns neulich in Knokke-Heist so gut gefallen hat, waren wir kürzlich gleich nochmal dort.

Wir kamen im Regen an und ich habe mal wieder festgestellt, dass ich das Meer auch bei schlechtem Wetter liebe.Meer vor Knokke-Heist in Flandern bei schlechtem Wetter

 

Schild mit der Aufschrift "Bring your own sunshine"Aber wie das an der Küste so ist, klarte es bald auf und wir konnten Sonne, Strand und Strandpromenade bei strahlendem Sonnenschein und kühlenden Böen genießen.Weiße Buchstaben BEACH vor blauem Himmel in Knokke-Heist in Belgien

 

Albertstrand in Knokke-Heist in Belgien

Blick auf ein sehr wellenbewegtes Meer am Albertstrand in Knokke-HeistVom aufgewirbelten Sand braun gefärbte Wellen in Knokke-Heist, Flandern, BelgienPro-Tipp: In der Saison ist Knokke deutlich belebter als davor, doch so überlaufen wie befürchtet, war es bei weitem nicht. Dieses Mal nächtigten wir näher an der Stadtmitte mit ihren exklusiven Boutiquen, in denen sogar die Schaufensterpuppen Champagner trinken.

Wenn man vom Ortskern auf der Strandpromenade Richtung Holland läuft, werden die Hochhaus-Appartmenthäuser weniger und es gibt sogar vereinzelt Reetdächer. Haus mit Reetdach in Knokke-Heist

Besonders aufgefallen sind uns dieses Mal die kreativen Verbotsschilder für Hunde, die nicht an den Strand dürfen. Neben dem Standard-Hund, der sich aus mehreren Rechtecken zusammensetzt, gibt es an der Strandpromenade noch Schildervariationen, auf denen man bestimmte Hunderassen erkennen kann.

Schild, das ein Hundeverbot am Strand von Knokke-Heist ausweist

Leider gibt es wohl auch Menschen, die Hunde am liebsten ganz verschwinden lassen würden 🙁Hundeverbotsschild mit Hundesilhouette, auf die jemand eine Zielscheibe gemalt hat

 

Auf der positiven Seite auch diesmal: Die unglaublich netten Strandbars, in denen man nach ausgiebigen Wanderungen am Wasser oder auf der Promenade entspannen, lesen und kleine Snacks mit netten Getränken genießen kann (eins kann ich verraten: Gin mit Gurke wird nicht mehr unser Favorit).Holzschild mit "Beach House Rules" wie "Wake Up Smiling", Enjoy the day, Soak Up the Sun, Smile-Giggle-Love

Platte mit Tomate-Mozarella und Pesto sowie zwei Bieren

Lieblingsinsel: Ile de Sein

Blick auf die gesamte Breite der Ile de Sein vom Boot ausKann es wirklich sein, dass ich noch keinen  eigenen Beitrag zur Île de Sein hier geschrieben habe? Dabei müssten hier eigentlich dutzende stehen. Denn diese Insel habe ich ganz besonders in mein Herz geschlossen. Fragt mich nicht, warum, aber irgendwie war das von Anfang an die ganz große Liebe. Obwohl unsere Beziehung ja nicht sooo gut anfing…

Den ersten Blick auf die Insel hat das Wetter mir verwehrt. Da war ich endlich einmal an der Pointe du Raz und was ist? Regen. Dichter, fies-stacheliger Regen (aber was für ein wundervoller Tag).

ile-de-sein-von-pointe-du-van-aus-gesehen

Beim zweiten Mal habe ich es dann direkt gewagt, auf die Insel meiner Träume zu fahren. Doch auch hier: Kein netter Empfang. Orkanböen mit Windstärke 9. Nach einer Nacht im TGV, einer abenteuerlichen Busfahrt (der Fahrer war nicht viel wacher als seine verschlafenen Fahrgäste) und einer guten Stunde Wartezeit im Wind kam eine winzige Fähre, auf der man natürlich nicht draußen sitzen durfte (Mademoiselle, c’est trop dangereux). Drinnen fand mein Magen das aber nur so mittelspaßig. Und nach dem fünften oder so Wellenkamm mit anschließender Talfahrt war es dann mit dem Spaß komplett vorbei. Zumindest bei mir. Meine Mitfahrer – alles gestandene Insulaner – waren dafür umso amüsierter. Und ich konnte gleich eine neue Redewendung lernen: Elle n’a pas le pied marin.

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Und trotzdem habe ich alles an der Reise und der Insel geliebt. Ich bleib eine Woche, mitten im Herbst und als einzige Touristin, die so lange blieb und die Einheimischen fanden mich wohl noch spannender als ich sie. Nach drei Tagen kannte ich zumindest eine ganze Menge Leute und wurde sogar vom Bürgermeister empfangen. Der hatte Henri Queffélec persönlich gekannt und erzählte mir die eine oder andere Erinnerung und Anekdote.

ile-de-sein-vom-boot-aus

ile-de-sein-kirche

Beim Thema (wahre) Anekdoten darf natürlich die Geschichte nicht fehlen, die Sein berühmt gemacht hat: Als Charles de Gaulle am 18. Juni 1940 seinen berühmten Aufruf zum Widerstand über die Äther der BBC verbreiten ließ, fiel seine Rede auf der kleinen Insel, deren Bewohner man gemeinhin für üble Strandräuber und ansonsten für hinterwäldlerisch und bettelarm hielt – auf dieser Insel am Ende der Welt stieß der Appell de Gaules auf jeden Fall auf besonders fruchtbaren Boden. Alle „wehrfähigen“ Männer der Insel – die meisten von ihnen Fischer – setzten nach England über und schlossen sich den Forces Françaises Libres an. Anfangs machten sie bis zu einem Viertel der Seestreitkräfte aus. De Gaulle soll bei einem Begrüßungsrundgang alle Neuankömmlinge gefragt haben, woher sie denn stammten. Als die Männer von Sein ankamen, soll er gesagt haben, er wisse ja, dass die Insel größer sei als ihr Ruf. Aber er habe nicht gewusst, dass sie ein Viertel Frankreichs umfasse. Ein Denkmal erinnert an den Mut der Sénans.

ile-de-sein-kriegerdenkmal

Zwischendurch spazierte ich über die Insel, saß am Strand und zwischen den Felsen mit Büchern und tauchte ein in das Thema meiner Magisterarbeit. Vor allem aber entdeckte ich meinen Lieblingsort am Leuchtturm Nebelhorn, das dieser Seite ihren Namen gegeben hat: Ar Gueveur.  <3 <3 <3

Ich habe ihn im tosenden Sturm gesehen, während die Wellen sich meterhoch daran brachen. Und bei strahlendem Sonnenschein und einer „mer d’huile“, einem ganz ruhigen Meer. Dann kann man um ihn herum klettern und auf der Meerseite sitzen, aufs Wasser schauen, lesen, arbeiten oder einfach nur glücklich sein.

Ja, ja, ist ja schon gut, ihr bekommt Ar Gueveur hier und jetzt in ausufernder Größe zu sehen 🙂

Nebelhorn Ar Gueveur auf der Ile de Sein

Vor einiger Zeit habe ich den Lieblingsmenschen auch nach Sein geschleppt. Bei ruhigem Wasser und praller Sonne übrigens. Er konnte gar nicht glauben, dass man bei der Überfahrt seekrank werden könnte. Pfff.

ile-se-sein-ueberfahrt-segelboote

ile-se-sein-ueberfahrt-historisches-segelboot

Obwohl eine heftige Algenplage mit dem entsprechenden Geruch Gestank alles versuchte, um uns von unserer Liebe zu dem kleinen Eiland abzubringen, haben wir den Tag auf dem Inselchen sehr genossen. Und herausgefunden, dass man in der Mulde hinter Ar Gueveur auch wunderbar zu zweit sitzen, den Wellen lauschen und rundum glücklich sein kann.

ile-de-sein-ausblick-aus-lieblingsmulde

In der Raz de Sein, die man durchquert, um auf die Insel zu kommen, soll es eine Delfinschule geben. Bilder zeugen davon, dass die fröhlichen Tümmler gerne mal die eine oder andere Fähre begleiten oder am Hafen von Sein die Bewohner und Touristen erfreuen. Auch andernorts in der Bretagne gibt es immer wieder Delfinbesuch. Nur wir haben noch keinen gesehen. Scheint so, als müssten wir einfach noch öfter nach Sein hinüberschippern. Man kann sich durchaus schlimmere Schicksale denken. Hach.

ile-de-sein-kapelle

(Don’t) go to Belgium – Teil 2

Surfer und Kitesurfer in Knokke-HeistNeulich haben wir ja die Lieblichkeiten von belgischen Autobahnen ausdauernd auskosten können. Mein erster Rat lautete bei der Hinfahrt: Fahrt nicht nach Belgien. Allerdings gibt es keinen ersten Rat ohne einen zweiten. Und mein zweiter Rat zu Belgien lautet: Seid dort. Viel. Ausgiebig. Ständig.

Strandhäuschen am Strand von Knokke-Heist in Belgien

rot-weiß-gestriefte Strandliegen und ein weißer Windschutz

Denn wenn man erstmal da ist, ist es super. Einfach wunderbar. Da gibt es das Meer, lange Strände, kleine weiße Strandhäuschen, Muscheln, wunderschöne Dünen mit Vögeln und Hasen und Pflanzen. (OK, es gibt auch Quallen, aber irgendwas ist ja immer.) Da findet ihr niedliche Strandbars mit extragemütlichen Sofas, frisch gepressten Obstsäften, schönen Bieren, frischen Tappas und leckeren Cocktails, leichtem Wind und Meeresrauschen.

Strandclub mit der Aufschrift "Beachhouse" in Knokke-Heist

Eingang zu einer Strandbar in Knokke-Heist

Bier und ein Erdbeersmoothie in einer Strandbar

Strandliegen vor weißen Strandhäuschen an der flämischen Küste in Belgien

Segelboote am Hafen in Knokke-Heist in Belgien

Es gibt fröhlich-bunte Windsäcke und elegant über das Wasser düsende Kitesurfer. Freche Spatzen stibitzen sich gegenseitig von den Touristen ergatterte Krümel, junge Möwen unterschätzen die Windböen und taumeln laut quietschend durch die Luft und fröhliche Kinder radeln mit witzig als Miniatureisdielen oder Stuntautos gestalteten Kettcars über die Promenade. Und zwischendrin läuten die „Glocken des Meeres“ an den Masten der Segelboote, die schön herausgeputzt auf den Sommer warten. So schön.

grün-weiß-gestreifte Windsäcke im flämischen Knokke-Heist

Solange man sich nicht umdreht. Denn sobald man seinen Blick vom Meer weg und Richtung Landesinneres lenkt, sieht man eine sterbende Schönheit (oder das, was man in den 50er Jahren für mondän hielt). Wir waren in Knokke-Heist – eher am Ende von Heist als in Knokke. Und sind ausgiebig in beide Richtungen gebummelt.

Hochhäuser an der Strandpromenade von Knokke-Heist in Belgien

Was früher ein mondäner Badeort war, ist heute an vielen Stellen ein Ort des Leerstandes. Alle paar Meter sind Läden und Wohnungen zu verkaufen oder zu vermieten. In den Schaufenstern der zahlreichen Maklerbüros an der Promenade werden allerdings auch für kleine Studios mit Meerblick nur, wenn man sich halsbrecherisch über den Balkon beugt, bedeutende sechsstellige Summen aufgerufen. Das Freizeitprogramm, das in regelmäßigen Abständen auf großen Tafeln angekündigt wird, versucht lauthals, auch jüngere Leute anzuziehen. Jüngere Leute mit Geld, denn Eintritt frei liest man nur selten. Und die überlebenden Restaurants rufen Preise auf, die sich gewaschen haben.

knokke-heist-brasserie-zu-verkaufen

knokke-heist-leerstehende-wohnung

Doch trotz der deutlichen Alterserscheinungen und des krampfhaften Versuchs, weiterhin mondän zu sein, haben der Lieblingsmensch und ich festgestellt, dass der Charme dieser Art von Küstenort uns durchaus gepackt und gefallen hat. Was sicher auch an unserer Unterkunft lag, in der wir in guter Gesellschaft von Marie-Antoinette und allerhand pseudobarockem Schnickschnack gewohnt und die Vorteile einer kleinen Küchenecke und eines liebevoll gepackten Frühstücks-Picknickkorbes am Morgen aus vollem Herzen genossen haben.Büste von Marie-Antoinette im Hotel de Laurier in Knokke-Heist

Belgische Küste: Große Liebe. Gerne wieder.

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Abseits der ausgetretenen Pfade: Saint-Philibert

Es gibt Tage, da brauche ich eine kleine Dosis Meerträumerei. Und heute nehme ich euch mit.

Neulich habe ich euch (und mich) ja nach Sainte-Anne-d’Auray entführt. Quasi um die Ecke, aber etwas abseits der Hauptrouten liegt das Städtchen Saint-Philibert. Wie fast überall gibt es eine kleine, charmante Granitkirche, einen Leuchtturm, einen Dolmen und eine Wassermühle. Alles sehr hübsch, aber nichts Außergewöhnliches. Trotzdem fanden der Lieblingsmensch und ich den Ort super-charmant.

Sonnenuntergang in Saint-Philibert im Morbihan in der Bretagne

Es gibt dort einen wunderschönen Spazierweg um den Dorfkern herum, mit einem kleinen, halb zugewachsenen Teich, einer baumbestandenen Allee, die besonders im frühen Abendlicht so richtig romantisch wirkt, einen auslandenden Sandstrand und einen wunderbaren Blick auf den Golfe du Morbihan.

Teich mit büschen und Sträuchern umwachsen in Saint-Philibert

Allee im Abendsonnenschein

Sandstrand von Saint-Philibert am Abend

Angler am ansonsten leeren Strand

Abends kann man unterhalb des Leuchtturms sitzen, den Sonnenuntergang genießen und Wasserskiern, Möwen und Flugenten zusehen. <3

Sonnenuntergang am Golfe du Morbihan in Saint-Philibert

Von der Abendsonne beleuchtete Flugenten

Backsteingotik: Da muss ich wieder hin

Neulich war ich ja in Stralsund und schon auf dem Hinweg im wahrsten Sinne des Wortes hin und weg. Und dann bin ich abends völlig unbeleckt in Richtung Altstadt gebummelt und wollte eigentlich nur aufs Meer schauen, weil Meer und ich, das ist ja einfach immer große Glückseligkeit. Und  was soll man sagen, schon die Straßenschilder sind dort ziemlich großartig.

Straßenschilder in Stralsund mit der Aufschrift: Seebad, Hafen, Ozeaneum

Stralsund: Statue mit Fisch und Fischerboote auf dem Strelasund im Abendrot

Aber dann habe ich einen Blick durch ein Stadttor geworfen und bin immer meiner Nase nach gelaufen. Und in den nächsten anderthalb Stunden deutlich häufiger mit dem Rücken zum Strelasund gestanden als umgekehrt. Was soll ich euch sagen: Hammer.

Stadttor zur Altstadt in Stralsund

Dabei habe ich wohl die schönste Ecke der Altstadt in der untergehenden Sonne gar nicht entdeckt. Aber was ich gesehen habe, hat mich total verzaubert. Sooo schön sind die Fassaden der alten Hanse-Kaufmannshäuser. Backsteingotik, an mein Herz.

Zwei Hanse-Kaufmannshäuser in Backsteingotik-Optik in Stralsund

Liebevoll restaurierte Fassade in Stralsund

Blick in die Altstadt von Stralsund

Historische Fassade in Stralsund

Historische Fassaden vom Stralsunder Hafen aus gesehen

Und natürlich auch die Fachwerkhäuser.

Fachwerkhäuser in der Altstadt von Stralsund

Alte Fachwerkhäuser in Stralsund

Fachwerkhaus neben dem Johanniskloster in Stralsund

Und Klosterruinen.

Chor des Johannisklosters in Stralsund

Die Abendstimmung mit den verwaschenen Farben und den warmen blau-rosa-goldenen Tönen tat das ihre dazu.

Stadtsilhouette von Stralsund im Abendlicht

Und dann gab es da jede Menge Schiffe. Also eigentlich vor allem eins. Denn OMG, ohne danach zu suchen, stand ich plötzlich vor der Gorch Fock I. Da brach das kleine Fangirl in mir durch und ich stand ziemlich lange einfach nur da und freute mich. Sehr.

Das Segelboot Gorch Fock I im Hafen von Stralsund

Die Gorch Fock in einer unscharfen Nahaufnahme

Wo ich schonmal da war, habe ich am Ende  des Abends dann aber auch noch ausgiebig aufs Meer geschaut. Hach. <3

Blick auf die Stadtmauer von Stralsund und den Strelasund

Zwei Segelboote mit den Namen Schwerelos und sorglos am Hafen von Stralsund

Segelyacht im Yachthafen von Stralsund