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Spiel-Adventskalender 2016: The Game

In diesem Jahr bin ich mit allem spät an. Daher passt es, dass auch der Adventskalender für meinen Mann erst heute hier erscheint. Im Rheinland sind Dinge ja ab dem dritten Mal eine Tradition. Also kann ich mit Fug und Recht behaupten, dass ich traditioneller Weise wieder einen Spiel-Adventskalender für meinen Lieblingsmenschen gebacken habe. Nach Funkenschlag und Marco Polo war in diesem Jahr eines unserer aktuellen Lieblingsspiele an der Reihe: The Game.

Kekse aus dem The Game-Adventskalender nebeneinanderThe Game – Das Kartenspiel

Das Spielprinzip ist ganz einfach: Es gibt zwei Karten mit einer 1 und einem Pfeil nach oben und zwei Karten mit einer 100 und einem Pfeil nach unten. Alle anderen Karten dazwischen – also die Karten zwischen 2 und 99 – müssen nun abgelegt werden. Kooperativ. Dabei darf man allerdings nicht sagen, welche Karten man auf der Hand hat. Man kann aber angeben, auf welchen Stapel man gerne spielen möchte und wo am besten vorher keiner mehr etwas ablegen sollte. Ziel ist es, gemeinsam das Spiel zu besiegen.

Wer an der Reihe ist, muss mindestens zwei Karten ablegen und dann wieder nachziehen. Wenn jemand keine oder nicht genug Karten ablegen kann, ist das Spiel zu Ende. Ziel ist es, alle Karten los zu werden, bevor das passiert. Klingt einfach, ist aber durchaus schwer zu gewinnen. Manchmal kann man es einfach nicht verhindern und muss Karten ablegen auf einem Stapel, den ein anderer Mitspieler als reserviert markiert hat. Oder man verspekuliert sich und hofft vergebens auf Mitspieler, die mit einer Karte, die genau 10 kleiner ist als die, die gerade oben liegt, einen Rücksprung initiieren könnten.

Da wird in unseren Runden durchaus heiß diskutiert und es wird ganz schön emotional. Da kann man grübeln oder spontan aus dem Bauch entscheiden. Die anderen glücklich machen oder das Unverständnis aller auf sich ziehen. Und das alles in wenigen Sekunden. Eine schöne Herausforderung. Vor allem aber macht The Game richtig viel Spaß.

The Game – der Adventskalender

Keks mit der Aufschrift The Game in roter ZuckerschriftIn meinem Adventskalender gibt es natürlich nur 24 Karten. Die sind dafür aus Keks mit Schokoüberzug und Zuckerschrift.Karte mit 1 und Keks mit 24

Für alle Neugierigen, hier das Rezept. Ich habe dafür den Teig der Kürbistarte weihnachtlich abgewandelt, weil der Lieblingsmensch den so gerne mochte.

  • 250 g Butter
  • 100 g Zucker
  • 1 Prise Salz
  • 400 g Mehl
  • 6 Esslöffel lauwarmes Wasser
  • 1 Teelöffel Zimt
  • 1 Messerspitze gemahlene Nelken
  • 1 Messerspitze Macisblüte
  • 1 Messerspitze gemahlener Kardamom

Butter, Zucker und Salz miteinander verrühren. Die Hälfte des Mehls unterrühren, dann das Wasser hinzugeben und verrühren. Schließlich den Rest des Mehls mit den Gewürzen mischen und gut unterrühren.

Teig ausrollen, Rechtecke ausschneiden und bei 180°C 12 bis 15Minuten lang backen. Mit Schokolade und Zuckerschrift verzieren. Jeden Tag eine Karte naschen. Viel Spaß!

Hildabrötchen in der Schokovariante

Adventszeit ist Backzeit. Und beim Entspannen hilft das Teigkneten auch. Die Maschine ist daher dieser Tage des öfteren arbeitslos 🙂

Zusätzlich zu den traditionellen Hildas, die hier im Advent Pflicht sind, gibt es bei uns in diesem Jahr zum ersten Mal eine Schokovariante, inspiriert von Miss Blueberrymuffin.Hildabrötchen vor der Keksdose

Für den Teig:

125 g Butter
125 g Zucker
1 Ei
200 g Mehl
50 g Kakaopulver

Butter und Zucker aufschlagen, Ei gut unterrühren. Mehl und Kakao unter die Masse rühren, bis ein glatter Teig entstanden ist. Den Teig für die Hildabrötchen für mindestens 1 Stunde in den Kühlschrank stellen.

Danach den Teig ausrollen und ausstechen. Ihr könntet auch Keksstempel versuchen – ich persönlich finde jedoch, dass die meisten Motive auf hellem Teig besser zur Geltung kommen.Verschiedene Stempelkekse und andere Plätzchen auf einem Tisch

Bei 180°C ca. 8-10 Minuten backen. Solange die Kekse noch warm sind, lassen sie sich besonders gut mit Marmelade füllen. Bei mir ist es Himbeermarmelade – die Mischung aus Schokosüße und Früchtsäure finde ich einfach ziemlich großartig.

Mit ein bisschen Puderzucker beschneien – servieren.

Habt einen schönen Advent!

 

Advent 2015

Krippendarstellung am Portal einer bretonsichen Kapelle, das Kind in Marias Armen fehltIm Angesicht der Gewalt, der Kriege, im Angesicht von Folter und Grausamkeiten – so viele Fragen.

Konfrontiert mit Hass und Angst und Vorurteilen – so viele Fragen.

Da sind Krankheiten, sinnloses Leid, so viel Ungerechtigkeit – und so viele Fragen.

Wir fühlen uns hilflos, kraftlos, ohnmächtig – und haben so viele Fragen.

Advent.

Keine Antworten. Aber eine Verheißung.

Rorate coeli.

 

Schoko-Crincle-Plätzchen

Fast überall hat es schon geschneit, im Vorgebirge nicht. Seit heute ist das zumindest in meiner Küche anders, denn es gibt Schoko-Crincle-Plätzchen mit einer Extra-Portion Schnee. Gefunden habe ich das Rezept bei Juliane von Schöner Tag noch. Da hier im Hause jedoch echte Schokoholics wohnen, habe ich das Rezept verändert und 70-prozentige Schokolade statt Vollmilch verwendet, den Zusatzkakao durch Mehl ersetzt und und etwas weniger Zucker verwendet.Schoko-Crincle-Plaetzchen mit Adventsdekoration

Hier mein Rezept:

200 g  dunkle Schokolade (70% Kakao-Anteil)
100 g Butter
2 Eier und 2 Eigelb
100 g Zucker
250 g Mehl
1/2 TL Backpulver
2 TL Zimt
1 Prise Salz
ca. 80 -100 g Puderzucker zum Wälzen

Schokolade und Butte über dem Wasserbad schmelzen und gut verrühren.
In der Zwischenzeit die Eier mit dem Zucker aufschlagen, das Mehl mit Backpulver, Zimt und Salz mischen und gut unterrühren. Zum Schluss die flüssige Schokoladenmischung unterrühren. Der Teig ist warm und weich. Abkühlen lassen und für mindestens 1 Stunde in den Kühlschrank stellen.

Schokoladen-Crincle-Plaetzchen vor einem Ton-Weihnachtsbaum

Wenn der Teig kalt und fester geworden ist, stecht ihr mit einem Löffel kleine Mengen ab und rollt diese in den Handflächen zu Kugeln. In Puderzucker wälzen und mit genug Abstand drumherum auf ein Blech setzen. Bei 170°C ca. 14 Minuten backen. Abkühlen lassen und dem Schokogenuss anheimfallen – oder verschenken, denn das Rezept ergibt 80 bis 90 Plätzchen.

Habt einen schönen Start in den Advent!

Weihnachtsbäckerei: Alle Jahre wieder

Etagere mit verschiedenen selbstgemachten PlätzchenAuf die Weihnachtsbäckerei freue ich mich immer schon Wochen vorher. Da kann man so richtig ausgiebig kneten, rühren, ausrollen und ausstechen, alte Traditionen pflegen und gleichzeitig kreativ sein. Ein paar Dinge sind bei uns Pflicht: Elisenlebkuchen, Spekulatiusplätzchen, Lebkuchen „am Stück“ nach einem alten Familienrezept (diesmal unter anderem in Form von Tannenbäumchen, mit einem großen Dankeschön an Aurélie für die Deko-Idee) und natürlich Spritzgebäck.

Da einige, die das Backwerk live und in Farbe genascht haben, nach den Rezepten gefragt haben, (und als Gedankenstütze für mich fürs nächste Jahr 😉 ) hier ein paar Rezepte:

Schoko-Tännchen

Weihnachtliche Brownies

Weihnachtliche Brownies

200 g Walnüsse
200 g Zartbitterschokolade (70%)
180 g Butter
3 Eier
100 g Zucker
125 g brauner Zucker
100 g Crème fraîche
110 g Mehl
Butter und braunen Zucker für das Blech

Im Prinzip ist das ein Brownie-Rezept, für das ich eine Basis von Victoire Paluel-Marmont ein wenig angepasst habe.
Zuerst die Walnüsse grob hacken. Dann die Schokolade im Wasserbad schmelzen, die Butter hinzugeben, ebenfalls schmelzen lassen und das Ganze zu einer glatten Masse verrühren.
In der Zwischenzeit die Eier und den Zucker gemeinsam aufschlagen, die Schokoladenmischung nach und nach dazugeben und gut verrühren. Nun noch das Mehl, die Nüsse und zum Schluss die Crème fraîche ausgiebig unterrühren.

Ein tiefes Backbleck (oder eine Backform, am besten rechteckig) buttern und mit braunem Zucker ausstreuen.

Bei 170°C etwa 20 Minuten backen. Auskühlen lassen und dann die Masse in kleine Dreiecke schneiden. Mit Zuckerguss Linien auftragen und bunte Streusel als Weihnachtsbaum-Deko daraufstreuen. Trocknen lassen und am besten schichtweise, getrennt durch eine Lage Backpapier, in einer Dose lagern.

Elche auf Keks

Kekse mit Elchmotiv als Stempel aufgedrücktDie Elche haben bei uns mittlerweile auch Tradition. Ich backe sie immer mit Buchweizenmehl, wie die Glückskekse, die eindeutig auch unterm Jahr immer gut ankommen. Danke an Anja von Meine Torteria für die Anregung.

100 g Zucker
1 Pck Vanillezucker
2 Eier
125 g Buchweizenmehl
125 g Weizenmehl

Zucker und Butter ausgiebig aufschlagen, Eier unterrühren und das Mehl unterkneten. Ich habe noch ein paar Umdrehungen aus meiner Vanillemühle dazugegeben – Vanillezucker geht aber auch – und den Teig etwas mehr als eine Stunde kaltgestellt.
Dann ausrollen, Elch-Stempel in den Teig drücken und drumherum ausstechen. Bei 180°C Ober-Unter-Hitze für 8 bis 10 Minuten in den Backofen schieben.

Elisenlebkuchen

3 Elisenlebkuchen, einer Natur, einer mit weißer Schokoglasur, einer mit dunkler Schokolade5 Eier
400 g Zucker
abgeriebene Schale von 2 Zitronen
3 EL Zitronensaft
1 Pck. Lebkuchengewürz
650 g gemahlene Mandeln
je 1 Pck Zitronat und Orangeat
1 Päckchen Backoblaten

Eier und Zucker so lange schaumig schlagen, bis die Masse ganz hell geworden ist. Alle übrigen Zutaten mit einem großen Löffel unterheben.

Den Teig auf die Backoblaten streichen und zwei Stunden antrocknen lassen.
Danach die Lebkuchen bei 160°C für ca. 20 Minuten backen. Sie sollten hellbraun werden. Abkühlen lassen und nach Belieben verzieren (zum Beispiel mit Schokolade, Zuckerguss, Punschglasur,…).

Hildabrödle / Spitzbuben

HildabrötchenIn meiner badischen Heimat heißen die mit Marmelade gefüllten Plätzchen Hildas (und Plätzchen nennt man Brödle, also Hildabrödle).

In der Eifler Familie meines Vaters nennt man sie Spitzbuben. Der Lieblingsmensch hat sie nun Hildaspitzen getauft. Wie auch immer: Sie gehören hier zum Pflichtprogramm.

400 g Mehl
160 g Zucker
1 Pck. Vanillezucker
200 g Butter
2 Eier

Hildabrötchen mit Sternausstecher in der MitteAus den Zutaten einen Mürbeteig herstellen, kalt stellen. Dann ausrollen und die Hildakekse ausstechen. Wenn man Terrassen haben will, muss man mindestens 3 immer kleiner werdende Formen nehmen. Man kann aber natürlich auch Doppeldecker machen und braucht dann immer zwei gleiche Kekse. Wer mag, kann aus dem oberen Keks ein kleines Muster ausstechen, also zum Beispiel aus der Mitte eines großen Sterns einen kleinen Stern ausstechen. Da die Kekse nach dem Backen mit Marmelade gefüllt werden, sieht man diese dann durchscheinen.

Bei 180°C werden die Plätzchen etwa 8 bis 10 Minuten gebacken. Danach möglichst schnell mit Marmelade (wir mögen gerne Cassis, also schwarze Johannisbeere, oder Himbeer) bestreichen und zusammensetzen. Nach dem Auskühlen mit Puderzucker bestreuen.

Mandel-Weihnachtsmänner

Kleine Mandelplätzchen it rot eingefärbtem Mützchen und KokosflockenbartUnd, dieses Mal neu im Sortiment und mal wieder eine Anregung aus Annas Kalorienreich. Anna hat einfach immer großartige Ideen und da konnte ich nicht wiederstehen und habe auch diese fröhlichen Mandel-Weihnachstmann-Bande gebacken und das Rezeot nur leicht angepasst:

250 g Mehl
250 g gemahlene Mandeln
150 g Butter
150 g Zucker

1 Pck. Vanillezucker
1 TL Zimt
2 kleine Eier (oder ein großes, ich hatte aber nur kleine da 🙂
1 Prise Salz

Nahaufnahme von zwei WeihnachtsmännernAlle Zutaten zu einem glatten Teig verkneten. Mindestens eine Stunde kalt stellen. Dann kleine Kugel formen (ich habe knapp 40 Stück herausbekommen) und zu Weihnachtsmännern weiterentwickeln, indem ihr die Mützchen zieht und ihnen ein wenig Schwung gebt. Ich habe die Weihnachtswichtel leicht angedrückt und bei 180°C etwa 20 Minuten gebacken. Dann den oberen Teig rot färben. Ich hatte noch rote Candymelts, die ich im Wasserbad geschmolzen und mit ein paar Tropfen Rapsöl geschmeidiger gemacht habe. Der Bart besteht aus Zuckerguss und Kokosraspeln. Augen aufsetzen oder aufspritzen, gut trocknen lassen, fertig.

Lebkuchen

3 Lebkuchen in Kegelform, mit gefärbter Schokolage grün angestrichen und mit Zukerfarbe und bunten Streuseln als Tannenbäumchen verziertDavon brauchen wir hier und zum Mitbringen immmer große Mengen. Das Familienrezept ist ein echter Exportschlager.  Es gab sie schon in Kastenform, als Guglhupf, als Muffins oder Cupcakes mit Spekulatiussahne oder Marzipandekor. In diesem Jahr sind es (unter anderem) kleine Tannenbäumchen geworden.

Wenn ihr erstmal kleinere Brötchen, äh Kuchen backen wollt, könnt ihr das Rezept ohne Probleme halbieren oder dritteln.

450 g Rübenkraut (vielleicht kennt ihr es auch als Zuckerrübensirup)
450 g Zucker
6 Eier
2 Tassen Milch
2 Päckchen Lebkuchengewürz
1 kg Mehl
2 Päckchen Backpulver

Lebkuchengugls und Schoko-TannenbäumchenDas Rübenkraut mit dem Zucker und den Eiern gut verrühren, dann langsam die Milch unterrühren, bis eine glatte Masse entstanden ist. Diese dann auf höherer Stufe schön luftig aufschlagen. Das Mehl mit dem Backpulver und den Gewürzen mischen und nach und nach unterrühren. Es entsteht ein schwerer, dunkler, glänzender Teig.

In die gewünschten Formen füllen und bei 180°C etwa 45 bis 50 Minuten backen (Guglhupf oder Kastenfor). Kleinere Formen wie Muffins oder die Tannenbäumchen brauchen etwas weniger lang.

Bei der Dekoration könnt ihr eurer Kreativität freien Lauf lassen. Viel Spaß und guten Appetit!

Funkenschlag-Adventskalender

Wir spielen hier ja gerne. Und der Lieblingsmensch spielt ja besonders gerne Funkenschlag. Daher hat er in diesem Jahr einen ganz besonderen Adventskalender bekommen – einen Funkenschlag-Adventskalender.

Wie bei Funkenschlag gibt es verschiedene Kraftwerkskarten (Mandelkekse), die mit verschiedenen Arten von Kraftwerken bemalt sind. Okay, meine Zeichenkünste lassen sehr zu wünschen übrig. Und das liegt nicht nur am Zuckerguss.

Alle Kekse meines FunkenschlagadventskalendersAber der Lieblingsmensch hat auf Anhieb erkannt, was es sein soll und war entsprechend begeistert. Und da ich beim Backen ein paar Ersatzkekse gebacken hatte (für den Fall, dass einige beim Bemalen zerbrechen), und da keiner Zerbrochen ist und ich somit die Möglichkeit hatte, schonmal zu probieren, kann ich mir vorstellen, dass er das nach dem Probieren des ersten Kekses auch noch sein wird (wehe, wenn nicht 😉 )

Die Kekse in der Dose.Vier Adventskalender-Kekse mit verschiedenen mit Zuckerschrift gemalten KraftwerkenAdventskalender-Keks mit der Nummer 20 und drei Windrädern

 

Adventskalender 2014: Was haben Palmzweige mit Weihnachten zu tun?

Geschmückter Tannenbaum auf dem Sechtemer WeihnachtsmarktIn unserem Dorf gibt es jedes Jahr einen „Lebendigen Adventskalender“. Was sich dahinter verbirgt, hatte ich euch ja letztes Jahr schon erzählt. Jeden Abend wird bei einer Familie ein Fenster geöffnet und ein wenig gefeiert. Sonntagabends gibt es Andachten in den Kirchen, immer im Wechsel in der katholischen und der evangelischen. Dabei halten Laien die Ansprachen. Und heute Abend war ich dran.

Aus dem Evangelium nach Matthäus (Kapitel 22, 1-9, zitiert nach der Einheitsübersetzung):

„Als sich Jesus mit seinen Begleitern Jerusalem näherte und nach Betfage am Ölberg kam, schickte er zwei Jünger voraus und sagte zu ihnen: Geht in das Dorf, das vor euch liegt; dort werdet ihr eine Eselin angebunden finden und ein Fohlen bei ihr. Bindet sie los und bringt sie zu mir! Und wenn euch jemand zur Rede stellt, dann sagt: Der Herr braucht sie, er lässt sie aber bald zurückbringen. Das ist geschehen, damit sich erfüllte, was durch den Propheten gesagt worden ist: Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir. Er ist friedfertig und er reitet auf einer Eselin und auf einem Fohlen, dem Jungen eines Lasttiers.
Die Jünger gingen und taten, was Jesus ihnen aufgetragen hatte. Sie brachten die Eselin und das Fohlen, legten ihre Kleider auf sie, und er setzte sich darauf. Viele Menschen breiteten ihre Kleider auf der Straße aus, andere schnitten Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg. Die Leute aber, die vor ihm hergingen und die ihm folgten, riefen: Hosanna dem Sohn Davids! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn. Hosanna in der Höhe!“

Der Text, den wir gerade gehört haben, ist vermutlich einer der bekannteren Texte in der Bibel. Er berichtet vom feierlichen und von allen gefeierten Einzug Jesu in Jerusalem. Die Menschen breiten ihre Kleider auf der Straße aus und winken begeistert mit Palmzweigen.

Palmzweige? Moment, da war doch was. Palmzweige gehören doch, wie der Name schon sagt, zum Palmsonntag. Zum Beginn der Karwoche, zu Ostern. Diese Szene steht doch vor dem Beginn der Passion, dem Bericht vom Leiden und Sterben Jesu. Was hat das denn mit der Zeit vor Weihnachten zu tun? Warum hören wir diesen Text ausgerechnet heute, am ersten Advent?

Jesus selbst gibt uns eine Antwort, wenn er sagt: „Wenn euch jemand zur Rede stellt, dann sagt: Das ist geschehen, damit sich erfüllte, was durch den Propheten gesagt worden ist: Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir.“

Und schon sind wir mittendrin im Advent, denn das kommt uns in dieser Zeit viel vertrauter vor. „Tochter Zion, sieh, dein König kommt.“

Das Lied, das wir gerade gesungen haben, nimmt diesen Kontrast auf: „Singt dem König Freudenpsalmen“ – das Palmsonntagslied schlechthin. Doch dann heißt es: „Völker ebnet seine Bahn“. Da klingt doch „Ebnet dem Herrn den Weg“ durch. Da hören wir schon: „Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, daß der König der Ehren einziehe!“

Und wenn wir genau hinhören und hinsehen, dann fallen uns nicht nur Ähnlichkeiten in den Texten auf. Auch die Symbole lassen sich vergleichen. Das Grün der Palmzweige am Palmsonntag findet sich auch im Tannengrün des Advents wieder. Grün ist die Farbe der Hoffnung. Und die Tannenzweige künden vom Leben der Natur – mitten im Winter. Die Tannenzweige – wie auch die Palmzweige – sind immergrün. Sie strahlen das ganze Jahr in voller Pracht und können ein Zeichen dafür sein, dass die Hoffnung nicht auszulöschen ist. Dass Gott uns mit Jesus ein Versprechen gegeben hat, das immer währt.

Und noch eine Parallele lässt sich finden: Die Farben der Kleider, die die Menschen auf die Straße legen, spiegelt sich in den Farben der Kerzen des Advents und in den Farben, mit denen wir in den kommenden Tagen und Wochen unsere Fenster dekorieren. In der dunklen Nacht geben die Kerzen und die hell erleuchteten Fenster Zeugnis vom Licht, das mit Jesus in die Welt gekommen ist. Jesus, das Wort, das Fleisch geworden ist, ist wie das Licht in der Nacht.

Und was ist mit uns? Sind auch wir im Advent vergleichbar mit den Menschen am Palmsonntag? Freuen wir uns, dass Jesus kommt? Jubeln wir ihm zu, wie einem König? Hat er wirklich einen Platz, eine Bedeutung in unserem täglichen Leben?

Und wenn er sie hat, wie gestalten wir dann unsere Adventszeit? Brauchen wir das Große, immer Bessere, Hellere, Schönere? Oder können wir nicht vielmehr gerade in den einfachen, unscheinbaren, alltäglichen Dingen entdecken, was es heißt, dass unser König kommt. Was es heißt, dass Gott sich uns ganz hingibt, dass seine Nähe für uns besonders deutlich spürbar wird.

Um zu entdecken, was es für uns ganz persönlich bedeutet, dass Gott in Jesus geworden ist, dass er den Tod überwunden und uns den Weg in ein neues Leben geöffnet hat, kann es ausreichen, dass wir uns beim Anzünden der Kerzen auf dem Adventskranz einen Moment lang ganz durchfluten lassen von der Vorfreude auf das Weihnachtsfest. Es kann ausreichen, dass wir in der Schlange an der Kasse einen Moment innehalten und uns an den erinnern, der der Anlass für die besonderen Einkäufe ist. Sicher wird ein wenig von dieser besonderen Bedeutung auch spürbar, wenn wir uns abends treffen, um ein liebevoll gestaltetes Fenster zu öffnen, um miteinander zu singen und zu beten.

Vielleicht gelingt es uns sogar, ein wenig von dieser Vorfreude, von unserer Hoffnung, vom Licht des Advents denen zu schenken, die dieses Licht und seine Wärme besonders dringend brauchen: Menschen, die um einen geliebten Menschen trauern. Freunden, Nachbarn oder Kollegen, die schon lange oder besonders schwer krank sind. Menschen, deren Hoffnungen enttäuscht wurden, die nicht mehr weiter wissen, die aus ihrer Heimat fliehen mussten, Menschen, die vor Angst nicht mehr ein noch aus wissen, die keine Hoffnung mehr haben.

Wir können die Kraft dafür schöpfen, wenn wir die alten Texte hören und immer neu der Verheißung lauschen: „Sieh, dein König kommt zu dir.“ Jesus, das Licht in der Nacht, der König, der uns die Erlösung bringen wird.

Dann können auch wir in der Weihnachtsnacht rufen, wie die Menge damals in Jerusalem: „Hosanna dem Sohn Davids! Gesegnet sei der, der kommt im Namen des Herrn. Hosanna in der Höhe!“

Adventskalender

In unserem Dorf gibt es einen „lebendigen Adventskalender“. Jeden Abend gestaltet eine andere Familie ein Fenster. Man trifft sich vor dem Haus, singt und betet gemeinsam und freut sich über das feierliche Öffnen der Jalousien, das Einschalten des Lichtes und die vielen schönen Motive. Nach dem Segen gibt es Glühwein und Kinderpunsch, Lebkuchen und Plätzchen, nette Gespräche und Kinderlachen.

Jeder Abend ist anders. Mal spielt eine Jugendgruppe Gitarre, Geige und Klarinette, mal gibt es feierliche Blasmusik oder a capella Gesang. An einigen Abenden hören wir Texte aus modernen Bibelübersetzungen, an anderen selbst geschriebene Segenszeilen. Mal kenne ich viele, mal lerne ich neue Leute kennen. Ich entdecke Straßen und Ecken in unserem Dorf und genieße die Gemeinschaft mit Freunden, Bekannten, Fremden.

In diesem Jahr habe ich es nicht sonderlich oft geschafft, dabei zu sein. Eher im Gegenteil. Aber allein, dass ich weiß: Zu Hause treffen sich gerade Menschen und feiern Advent, zaubert gegen halb sieben zuverlässig einen kurzen, von Zauber angehauchten Moment in meine Gedanken. Und in mein Herz.