Archiv der Kategorie: Frankreich

Was schön war: Mit einem Taxi durch Paris

Neulich kam ich in die Verlegenheit glückliche Lage, endlich einmal mit einem Taxi zwar nicht nach, aber immerhin durch Paris zu fahren. An einem sonnigen, warmen Hochsommertag und mit einem Fahrer, wie ich ihn mir besser nicht hätte wünschen können.

Erste Überraschung: Taxifahren ist in Paris gar nicht so teuer, wie gedacht.
Zweite Überraschung: Taxifahrer sind in Paris gar nicht so unhöflich wie allgemein behauptet („Ist es OK, wenn ich die Fenster aufmache, oder hätten Sie lieber Erfrischung durch die Klimaanlage?“ <3) .
Dritte Überraschung: Ich habe meinen Zug bekommen und zwar sogar noch 3 Minuten schneller als das Taxifahrer-Navi vorhergesagt hatte.

Dabei fing alles gar nicht so großartig an. Nur ein paar Meter von der Gare du Nord entfernt, wurde das Taxi um ein Haar in einen Unfall verwickelt. Ein anderer Fahrer bremste völlig unvermittelt, weil ein LKW auf die Straße gefahren kam. Das Taxi scherte nach links und mein Fahrer schaute zu dem Bremser hinüber – ein junger Fahrer einer privaten Limousine, trotz der sommerlichen Temperaturen in dunklem Anzug mit Krawatte. „Diese jungen Privatchauffeure – haben kaum Fahrpraxis und vor allem keine Erfahrung im Stadtverkehr. Sie sehen immer so erschreckt aus, als sei das ein furchtbarer Job“, erklärte mir der Mann aus dem Fahrersitz. Er selbst trug leichte Hosen, ein kurzärmliges Hemd und eine durchaus vergnügte Miene. „Fahren Sie denn schon lange“ – „Ach, schon ewig. Zwischendurch habe ich zwar etwas anderes gemacht, aber ich komme immer wieder zum Taxifahren zurück. Ein wunderbarer Beruf.“

Als ob er mich für eine Expertin hielte, fragt er mich, ob es OK ist, wenn er diesen Weg nehme, er könne natürlich auch über den Boulevard sowieso oder die Avenue irgendwas fahren. Als ich sage: „Nein, machen Sie nur. Sie kennen die Stadt und den Verkehr“, nickt er kurz und erklärt mir in den folgenden Minuten seine Art von Sehenswürdigkeiten.

„Sehen Sie dort“, sagt er in der Nähe des Louvre, „vor diesem großen Stadthaus mit der etwas schmutzigen Fassade, da standen früher immer Wachleute. Manchmal zwei, meistens aber vier oder sechs. Da wohnte Jacques Chirac.“

Blick auf die Tuillerien in Paris

Ein paar Straßen weiter: „Hier, merken Sie sich dieses Café. Da gibt es die besten Tartelettes aux fruits in ganz Paris. Ich weiß wovon ich rede, ich habe fast alle probiert.“

„Dort drüben, sehen Sie die bunten Fensterläden? Da gibt es Käse. Es steht zwar noch ‚Coiffeur‘ außen dran, aber seit ein paar Monaten ist da ein Käseladen. Ganz ausgezeichnete Auswahl.“

„Wenn Sie selbst einmal mit dem Auto hier unterwegs sind, fahren Sie hier keinesfalls zu schnell. Hier wird immer kontrolliert. Und wenn Sie nur einen Kilometer zu schnell sind, kostet es schon gehörig.“

Kurz vor dem Ziel schimpft eine Dame in ihren Fünfzigern durchs offene Fenster: „Was sollte das denn? Sie haben mich fast umgefahren.“ Murmelnd rekonstruiert der Fahrer, was passiert ist: Dass die Dame die Hand rausgestreckt hatte, um rechts abzubiegen, sich dann aber wohl entschlossen haben musste, geradeaus zu fahren und um die Autos herum auf deren linke Seite zu kurven. Dass ihn keine Schuld treffe außer der, dieses für Pariser Fahrradfahrer durchaus häufiger Verhalten nicht zu antizipieren. Als die Dame uns bei der nächsten Ampel einholt und nun links neben dem Fahrerfenster zum Stehen kommt, beugt er sich trotzdem freundlich zu ihr hinaus und entschuldigt sich für die Situation an der letzten Kreuzung. Die Fahrradfahrerin – mit einem der Leihfahrräder unterwegs , die man überall für wenig Geld mieten kann – brummelt zwar noch immer unwirsch, lächelt aber angesichts der freundlichen Worte irgendwann dann doch vor sich hin.

Tour Montparnasse in Paris mit Werbung für die Olympischen Spiele

Angesichts der Tour Montparnasse und der dort prangenden Werbung für die olympischen Spiele bekomme ich noch einen kurzen Einblick in die Seele eines Sportfans, der auf den Erfolg der Bewerbung für die Spiele 2024 hofft, und dann noch ein paar gute Ratschläge, wie ich Taschendiebe im Bahnhof erkennen und mich vor ihnen schützen könne (kurz: Trau keinem unter 30; vor allem keinem, der betont harmlos tut und die Arme hinter dem Rücken verschränkt 🙂 ).

Mit dem Duft der sommerlichen Stadt in der Nase und angefüllt mit sonnendurchfluteten Blicken auf Boulevards, den Louvre, die Tuillerien, den Eifelturm und kleine Pariser Parks schlendere ich überraschend pünktlich und überraschend ungenervt vom wilden Pariser Verkehr um die Mittagszeit in Richtung Gleis. Vier Stunden später bin ich in Quimper. Hach <3

Schwer auszuhalten: Frankreich vor der Wahl

In Frankreich geht der Wahlkampf in die letzte, entscheidende Runde. Abseits der offiziellen Veranstaltungen und Verlautbarungen beschäftigt mich, was durch Freunde und Bekannte in meine Timeline gespült wird: Offene, wütende, kämpferische Unterstützung für Marine Le Pen und den Front National.

Die, die da posten, sind keine Dummköpfe, keine sozial isolierten Wutbürger, keine Dauermeckerer. Es sind Menschen, die ich als engagierte, weltoffene, hoffnungsvolle Menschen voller Lebensfreude kennengelernt habe. Menschen, mit denen ich während meines Studiums nächtelang diskutiert, gefeiert, getanzt habe. Die ich in den vergangenen Jahren etwas weiter aus den Augen verloren habe, zu denen der Kontakt aber nie ganz abriss. Und die jetzt Dinge posten, die mich erschrecken. Die mich traurig machen. Die ich nicht verstehe.

Das geht zurzeit nicht nur mir so. Und weil es für mich so schwer zu verstehen ist, was da passiert, habe ich nachgefragt. Gefragt, warum diese Menschen den FN wählen werden. Warum sie einer Partei und einer Kandidatin den Sieg wünschen, die so Vieles grundsätzlich ablehnt, was für mich so wichtig ist.

Die Antworten haben mich nachdenklich gemacht. Ein Bekannter, der kein Politiker ist, aber in seinem Berufsleben viel mit der EU-Politik und -Bürokratie zu tun hatte, beschreibt voller Enttäuschung, wie sehr Lobbyisten die Politik in Brüssel und Strasbourg prägen und wie stark ihn das abstößt. Wie wenig er sich repräsentiert fühlt, wenn rund 80% aller französischen EU-Parlamentarier – über alle Parteigrenzen hinweg – gegen ein wichtiges Abkommen stimmen und dieses trotzdem in Frankreich gültg wird.

Eine andere Bekannte erzählt, wie wenig sie den Medien vertraut. Weil diese von einigen wenigen Superreichen nicht nur besessen, sondern auch gesteuert würden. Diese Grafik habe ich in den vergangenen Tagen mehrfach in meiner Timeline gefunden. Ein dritter sagt, er sei immer wieder enttäuscht worden von den Menschen, die als Politiker seit Jahren und Jahrzehnten die französische Politik prägen. Die großen Probleme seien doch seit einer gefühlten Ewigkeit bekannt: Die Vernachlässigung der Jugendlichen in den Vorstädten, die ungerechte Verteilung von Ressourcen, die Abschottung der Eliten an den Grands Écoles, die Unfähigkeit von Politik und Wirtschaft, ausreichend Arbeitsplätze zu schaffen, von denen Menschen leben können.

Und immer wieder der Hinweis, dass die Verlagerung von Kompetenzen nach Brüssel den Franzosen viele Entscheidungen aufgedrängt habe, die das Land in seiner Freiheit beschneiden, die seinen Aufstieg verhindern und seinen Abstieg beschleunigen. Immer und immer wieder höre und lese ich in diesen Gesprächen, dass die EU nur auf dem Papier demokratisch sei. Das ablehende Referendum und die trotzdem erfolgte Zustimmung der französischen Regierung zu den Lissabon-Verträgen wird als Sündenfall empfunden. Oder auch: Was nütze denn die EU und der Euro? Papiere, Ausbildung, Studium – all das werde, trotz vieler Zusagen, wenn es darauf ankommt, ja doch nicht in anderen EU-Ländern anerkannt.

Die Argumente sind verschieden, doch was alle eint, mit denen ich geredet oder geschrieben habe, ist die Tatsache, dass sie sich in der öffentliche Debatte stigmatisiert fühlen. Dass sie als schwarze Schafe in Familie und Freudeskreis und vor allem in der medialen Debatte sehen. Die Wahlempfehlungen gegen Le Pen – wofür auch immmer – machen sie wütend. Sie erkennen darin eine Hexenjagd, einen Lagerwahlkampf, der vor allem eines bewirke: Dass die Verantwortlichen sich nicht inhaltlich mit den brennenden Fragen unserer Zeit auseinander setzen müssen.

Für die, die Französisch können, ein Blick in eine ganz andere Filterblase:

Ich verstehe die Haltung meiner Bekannten jetzt ein wenig besser. Ich kann erkennen, dass wir in der Beschreibung der politischen Notwendigkeiten, in der Wahrnehmung der sozialen Ungerechtigkeiten, in der Einschätzung von gerecht und ungerecht ganz ähnlich denken. Es sind die Schlussfolgerungen, die wir aus diesen Beobachtungen ziehen, die uns grundlegend unterscheiden.

Ich verstehe nun einiges besser. Doch es bleibt dabei: Die Differenz bei der Bewertung der Lage, der Wunsch nach Abschottung anstelle eines gemeinsamen Einsatzes für mehr Menshclichkeit, Solidarität und Gerechtigkeit, die massive Wut auf „das Establishment“ (das natürlich immer die anderen sind) – sie bleiben für mich schwer auszuhalten.

Ich werde nächsten Sonntag wieder für den #PulsofEurope demonstrieren. Denn ich bin und bleibe fest davon überzeugt, dass es sich lohnt, sich für ein solches Europa der Menschen und der Menschenrechte einzusetzen. Ich habe durch die Diskussionen der vergangenen Tage aber auch erlebt, dass es (mir) wichtig ist, die Kommunikationskanäle offenzuhalten, in Verbindung zu beiben, nicht loszulassen – auch wenn es wehtut.

#Vivel’Europe

Frankreichliebe – Europaliebe

Am Sonntag wählen die Franzosen einen neuen Präsidenten. Beziehungsweise bestimmen sie, wer es in den zweiten Wahlgang schafft und dann Präsidentin oder Präsident werden kann. Und je mehr ich von Freunden und Bekannten höre und in deutschen und französischen Medien lese, desto mehr habe ich das Gefühl, dass das Land, das ich liebe, sich grundlegender verändert hat, als ich es bisher wahrhaben wollte.

Meine Liebe zu Frankreich ist irgendwie einfach so entstanden. Ich bin in der Nähe der Grenze groß geworden und habe schon in der Grundschule die ersten französischen Vokabeln gelernt. Ganz selbstverständlich wollte ich unbedingt Französisch als erste Fremdsprache lernen. Und selbst wenn der erste Schüleraustausch in der sechsten Klasse ein kompletter Reinfall war (meine einige Jahre ältere Austauschpartnerin war zum ersten Mal verliebt und verbrachte ihre gesamte Freizeit mit ihrem Freund, während ich allein auf einem kleinen Dorf ohne andere Jugendliche festsaß und mit „bébé“ spielen konnte, dem dreijährigen Nachzüglerkind der Familie, das von allen so babyhaft behandelt wurde, dass es weder sprechen noch sicher laufen konnte oder wollte), habe ich mich unmerklich nach und nach unsterblich in dieses Land, seine Menschen, seine Sprache verliebt.

Außerhalb der Ferien radelten wir mit Freundinnen ins Elsass, kauften Baguette und Käse, und picknickten am Rheinufer – stilecht auf der französischen Seite.

Im Sommer nach dem ersten Austauschversuch war ich wieder in Frankreich. Diesmal bei einer Familie mit einem gleichaltrigen Mädchen, einem kleinen Häuschen mit Garten in einer wundervollen Kleinstadt. In den folgenden Jahren trafen wir uns immer wieder, mal in Deutschland, mal in Frankreich, wir plauderten in unseren beiden Sprachen, spielten mit den Haushühnern in Frankreich und fuhren begeistert mit der Wildwasserbahn im benachbarten Freizeitpark, wenn wir in Deutschland waren. Meine französische Freundin verdrehte den Jungs in meiner Clique reihenweise den Kopf. Ich lernte flirten, und verknallte mich in Diderot und französische Popmusik.

Und dann war da diese Begegnung in meinem ersten Langres-Sommer. An einem langen Wochenendtag besuchten wir die Großeltern der Familie. Gegen Ende des unenedlich langen und unendlich gemütlichen Familienessens, stand der Großvater auf, ging in ein Nachbarzimmer und kam mit einem Buch und einer Dose in der Hand zurück. Er drückte mir lächelnd beides in die Hand und die kleine, frankreichliebende, familiendynamik beobachtende Austauschschülerin, die ich war, saß plötzlich sprach- und ratlos inmitten der Großfamilie. Ich wusste gar nicht mehr, was ich sagen und wie ich die Situation einordnen sollte. Das Buch war „Mein Kampf“ und in der Dose steckten ein paar Reichsmarkscheine.

An die gespannten Blicke und die plötzliche, neugierige Stille am Tisch kann ich mich noch heute lebhaft erinnern. Und auch daran, dass es der Großvater war, der die Stille brach. Er war – neben meinem Vater – der erste Mensch, der mir von seinen Kriegserlebnissen erzählte. Davon, dass er in Deutschland in Kriegsgefangenschaft geraten war. Dass er als Knecht auf einem süddeutschen Bauernhof arbeiten musste. Und dass die Bauernfamilie sehr nett zu ihm gewesen sei. Er habe genug zu essen gehabt und mit viel Geduld habe der Familienvater ihm ein wenig Deutsch beigebracht. Er durfte die Bücher in der guten Stube lesen – oder versuchen, etwas daraus zu verstehen – und er durfte mit der Familie gemeinsam am Tisch sitzen.

Buch und Geldscheine bewahre er auf, um sich immer an diese Menschlichkeit mitten im Krieg zu erinnern. Er konnte sogar noch immer einige Sätze auf deutsch sagen. Eine seiner Töchter hatte seine Liebe zur deutschen Sprache inhaliert und war Deutschlehrerin geworden. Europa war in allen weiteren Gesprächen an diesem Nachmittag und Abend der einzige logische Weg für die Zukunft.

Egal, wie viel ich später lernte und las über deutsch-französische Geschichte: Eindrücklicher habe ich nur sehr selten gespürt, was diese so junge Freundschaft zwischen zwei Völkern bedeutet. Zum ersten Mal habe ich mich an diesem Tag nicht nur als Deutsche gefühlt, sondern als Europäerin. Ich habe es in diesen Stunden als Dreizehn- oder Vierzehnjährige nicht bewusst wahrgenommen, nicht begreifen können, aber ich habe es wohl damals schon gefühlt: Dass wir alle, jede und jeder einzelne von uns, etwas zu einer friedvollen, menschlichen, hoffnungsvollen Wirklichkeit beitragen können.

Wenn viele Franzosen jetzt ernsthaft über einen „Frexit“ nachdenken; wenn Menschen, die ich seit Jahren kenne und schätze, davon sprechen, wie sehr Europa die Freiheit Frankreichs bedrohe; wenn die allgegenwärtige Angst vor dem Terror dazu führt, dass der Wunsch nach der Einschränkung von Freiheiten auch bei Menschen, die ich als weltoffen und kreativ kennengelernt habe, zu Forderungen führt, die auch Gleichheit und Brüderlichkeit einschränken würden, so dass diese nur noch für einige bestimmte Gruppen der Gesellschaft gelten sollen; dann blicke ich über die Grenze, die für mich lange nur noch auf dem Papier bestand, und verstehe die Welt nicht mehr.

Ich weiß, dass man für Liebe nicht immer Verständnis braucht. Dass man jemanden auch dann lieben kann, wenn man ihn gerade gar nicht versteht. Und doch hoffe ich, dass sich am Sonntag, und beim zweiten Wahlgang in vierzehn Tagen, viele Franzosen einlassen auf dieses Experiment, das Europa heißt. Auch wenn – und gerade weil – es keine einfachen Antworten verspricht. Dafür aber Begegnungen, ohne die wir alle so viel ärmer wären.

Vive la France. Vive l’Europe. Vive l’amitié.

Kneipenschild mit der Aufscrift: Heute empfehlen wir: Politisch sein!

Straßenschilder kreativ

Dass die Franzosen Schilder im Straßenverkehr nicht besonders ernst nehmen – geschenkt. Sie ignorieren die Schilder jedoch nur beim Fahren. Denn als Kunstraum werden Straßenschilder durchaus genutzt. Häufig genutzt. Anbei eine kleine Auswahl aus dem Finistère.

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Kreativ gestaltete Straßenschilder in der Bretagne

 
La voilà la blanche hermine…

Straßenschild mit Verschönerung

In Landerneau gibt es nicht nur kreative Schilder, sondern auch kreative Wandmalereien.kreativ verändertes Straßenschild in Landerneau

 

Und eine Zugabe aus Paris.Verändertes Durchfahrt-Verboten-Schild in Paris

Gegensätze und Unverständnis: Zäune in Calais

Holzzaun am Strand von CalaisRomantisch sehen sie aus. Ein wenig nach Frühling am Meer. Von der Sonne beschienen. Eine Verheißung für warme Badetage. Die Zäune am Strand von Calais. Aufhalten sollen sie höchstens das Verwehen des Sandes. Vielleicht stoppen sie ein Handtuch oder eine Strandmuschel vom endgültigen Davonfliegen. Vor allem aber sehen sie malerisch aus.

Strand von Calais mit Holzzaun und Fußgängern im Sonnenschein

Detail eines Holzzauns am Strand von Calais

Holzzaun in der Sonne am Strand vor Calais

Nur wenige hundert Meter entfernt sehen die Zäune ganz anders aus. Meterhoch. Aus stabilem Stahl. Mit Abschlüssen aus Natodraht. Ich war nicht geistesgegenwärtig genug, die Zäune am Fähranleger zu fotografieren. Zu beeindruckend, zu beklemmend, zu sehr zu leidenschaftlichem Widerspruch herausfordernd waren die Zäune für mich. Immer noch. Immer wieder. Daher gibt es nur einige Eindrücke aus dem Busfenster von der Schnellstraße, einige Kilometer entfernt.  Die Zäune verändern die Landschaft. Und unser Bild von Europa. Unsere Idee von Menschlichkeit. Und dann haben wir vom „Dschungel“ von Calais noch gar nicht geredet.

Grenzzäune an der Schnellstraße nach Calais

Grenzzäune rund um Calais

Meterhohe Grenzzäune bei Calais in Nordfrankreich

Wieder etwas weiter, einige Kilometer gen Westen an der Küste entlang, am Cap Gris-Nez schon wieder Zäune. Auch diese sollen Menschen abhalten. Davon, auf die Wiesen am Rande der Klippe zu gehen. Sie verhindern, dass die Besucher die Grasnarbe zerstören und die Erosion der von Wind und Wellen angegriffenen Küste befördern. Die Zäune sind hüfthoch, manche nur knöchelhoch. Draht, ja. Aber natürlich kein Natodraht, wo kämen wir denn da hin. Wo es mannshohe Holzzäune gibt, sollen sie vor allem gut in die Landschaft passen.

kleiner Zaun am Cap Gris-Nez

knöchelhoher Draht, um Touristen von der Wiese am Cap Gris-Nez fernzuhalten

Malerischer Holzzaun als Fußwegbegrenzung am Cap Gris-Nez

Am Cap Gris-Nez gibt es zahlreiche Bunker und Überreste der deutschen Belagerung zu sehen. Sie haben die Landschaft langfristig verändert. In Calais sind die Zäune zwar leichter abbaubar, doch fürchte ich, dass diese Art der Abschottung die Landschaft ebenfalls nachhaltig verändert. Und diesmal nicht nur die natürliche, sondern auch die politische und gesellschaftliche Landschaft.

Diese Art der Abschottung zeigt, wie sehr sich unsere Gesellschaft verändert. Wie sehr uns die Angst – vor „dem Fremden“ und „den Fremden“, vor verunsicherten Wählern und überhaupt vor Veränderungen – vor sich hertreibt.

Ich habe in den vergangenen Monaten vor einigen verschlossenen Grenzen gestanden. Ich habe mit vielen Menschen gesprochen, Geflüchteten, Helfern, politisch Verantwortlichen. Ich habe mit dem Kopf gedacht und mit dem Herzen gefühlt. Ich habe es wirklich versucht. Aber am Ende des Tages stehe ich wieder vor einem Zaun und verstehe es einfach nicht.

Erschütterung

Arc de triomphe in Paris am 11.11.2011, mit Tricolore zu Ehren des Nationalfeiertags (Ende des 1. Weltkriegs)

Ich bin noch immer erschüttert von den Anschlägen in Paris. Gestern Abend, wir wollten gerade schlafen gehen, hörten wir von den Anschlägen. Wir haben den Fernseher angemacht, das Internet. Als würden Informationen helfen, das Unverständliche zu verstehen. Nach einer kurzen Nacht fühlte es sich heute noch genauso unverständlich an.

Was mich ähnlich stark erschüttert sind die Reaktionen einiger Menschen, die den Terror, der sich plötzlich so real anfühlt – weil er an Orten stattfindet, die uns so nah sind, Straßen beherrscht, die ich kenne und liebe -, Menschen also, die diesen Terror instrumentalisieren, Sündenböcke suchen. Menschen, die Flüchtlinge pauschal verdächtigen, die Hass schüren oder glauben, dass sie mit düsteren Andeutungen und fröhlichen Smileys reagieren müssen, wo Anteilnahme und Menschlichkeit gefragt wäre.

Es ekelt mich an, wenn pauschal die Menschen, die vor genau diesem Terror fliehen (den es in Syrien, im Irak und andernorts täglich gibt), jetzt erneut unter den Auswirkungen des Terrors leiden sollen.

Zum Glück gibt es auch das genaue Gegenteil. Staunend und gerührt habe ich verfolgt, wie Menschen in Paris ihre Wohnungen für Fremde geöffnet haben, die gestern Nacht keine Zuflucht hatten, die Schutz suchten und nicht wussten wohin. #PorteOuverte las ich dutzendfach in meiner Timeline. Von Menschen, die nicht mehr nach Hause kamen und von solchen, die ihre Wohnung, ihr Sofa, einen Tee, ein Glas Wein oder Nutella anboten. Inmitten des Entsetzens, der Sprach- und Hilflosigkeit, inmitten der Angst offene Türen und offene Herzen.

#Prayforhumanity

Beauvais: Größenwahn, Sternengeschichten und Stützpfeiler

Alles ist machbar. Immer höher, weiter, schneller, größer. Immer besser. Das klingt verlockend, stimmt aber nicht. Ein Ort, an dem einem klar wird, dass Manches eben nicht geht, dass nicht alles machbar ist, so sehr man es auch will und so viel Geld man auch investiert, dass „besser“ nicht immer auch die richtige Alternative ist, ein solcher Ort ist Beauvais.

Denn in Beauvais steht die Kathedrale Saint Pierre, in der genau das bis heute von außen und innen mehr als deutlich sichtbar wird. Kathedrale Saint-Pierre von außen. Da, wo das Kirchenschiff war, ist der Chorraum zugemauert.

Ja genau, Saint Pierre ist keine vollständige Kirche. Denn Saint Pierre ist zusammengekracht. Und das nicht nur einmal. Zwar hat die Kirche bis heute das höchste gotische Gewölbe (über 48 Meter), aber der Preis, den man dafür gezahlt hat, ist eben, dass die Kirche nicht hielt. Irgendwann ging das Geld aus und die Gotik war aus der Mode gekommen und so blieb das alte, kleine Kirchenschiff von „Notre Dame de la basse œuvre“ einfach stehen, der Chorraum der Kathedrale ist das einzige, was noch da steht. Und auch das nur mit großen Anstrengungen, sprich: Stützbalken außen…Pfeiler der Kathedrale von Beauvais von außen - mit vielen Stahlstützen dazwischen

… und natürlich auch innen. Gar nicht mal so klein und gar nicht mal so wenige.Großer Holzstützpfeiler in der Kathedrale von Beauvais, für den sogar der Boden aufgerissen werden musste

Sehr große, hölzerne Stützpfeiler zwischen den Säulen in der Kathedrale von BeauvaisWenn man drinnen steht und die vielen Stützen sieht, kann einen schon ein etwas mulmiges Gefühl beschleichen. Mich jedenfalls, der Lieblingsmensch war da etwas zuversichtlicher.

Bewundert haben wir die astronomische Uhr aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, die eine wunderbare Figuren-, Flammen- und Musikparade bietet. Und auch wenn die Erklärung, die es zu den Spielzeiten gibt, als furchtbar kitschiger Dialog zwischen Künstler und neugieriger Besucherin gestaltet ist, erfährt man eine Menge über das Wissen, die Theologie und das Leben der Menschen, die die Reste der Kirche im 19. Jahrhundert nutzten.astronmische Uhr aus den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts in der Kathedrale von Beauvais

Direkt neben der „neuen“ Uhr hängt übrigens ihre mittelalterliche Vorgängerin – auch sehr schön.Mittelalterliche Uhr in der Kathedrale von Beauvais

Wenn man den Blick von den Uhren (und den Stützbalken) abwendet, sieht man, wie das Gesamtgebäude geplant war. Man hat einen Eindruck vom Reichtum an Perspektiven, vom Spiel mit Licht und Farben, die hier entstehen sollten.

Wir haben den Gegensatz zwischen schmalen Säulen und massiven Pfeilern bewundert, über filigrane Details gestaunt, die Baukunst der damaligen Zeit ringt einem mehr ab als nur kognitiven Respekt. Die schiere Höhe, die Ornamente, der Detailreichtum berühren auch das Herz. Kunst eben. Wir stehen da mit offenen Mündern und selbst wenn ich weiß, wie damals gebaut wurde (zumindest kann ich es nachlesen oder nachsehen), schlägt mein Herz ein paar Schläge schneller ob der Schönheit.

Man erfährt in St. Pierre aber auch ganz deutlich, im wahrsten Sinne am eigenen Leib, was passiert, wenn hochfliegende Träume abstürzen. „Ikarus“ sei ein Wort, das Kunsthistoriker in Verbindung mit Beauvais häufig verwenden, ist auf einer Infotafel zu lesen. Die Experten sind sich bis heute uneins, was genau der Grund für die beiden Einstürze (des Kirchengewölbes und des Vierungsturms) war. Aber egal, ob falsche Planung oder Pfusch am Bau zum Fiasko führten, die unvollendete Kathedrale ist ein Zeichen für Machbarkeits- und Größenwahn.  Und ich weiß bis heute nicht, ob ich den Mut und die Kühnheit,  die Phantasie, die Leidenschaft und die Verrücktheit der Bauherren bewundern oder ihre Selbstüberschätzung betrauern soll. Teil des sehr hohen Chorgewölbes der Kathedrale von BeauvaisBögen und Fenster des Kapellenkranzes in St. Pierre de BeauvaisKunstvoll geschnitzte Köpfe am hölzernen Chorgestühl in der Kathedrale on BeauvaisBlick auf den Alterraum und das hohe Gewölbe der Kathedrale in BeauvaisKathedrale und historisches Stadttor in BeauvaisKunstvolle Außenfassafe der Kathedrale in Beauvais

Licht und Schatten: Spiel mit Perspektiven in der Kathedrale von Amiens

Es gibt Tage, da finde ich Kunst beruhigend. Eintauchen in eine andere Dimension des Seins. Daher bekommt ihr heute etwas richtig Schönes. Aus Gründen.

Wir waren ja kürzlich in Amiens. Die ganze Stadt ist klasse. Besonders schön ist aber die Kathedrale. Sie ist eine der größten gothischen Kathedralen überhaupt (Notre Dame de Paris würde zweimal hineinpassen) und gilt als Vorbild für den Kölner Dom. Aber ich will euch hier gar nicht mit Daten und Fakten langweilen. Wenn euch die interessieren, könnt ihr sie zum Beispiel hier nachlesen.Kathedrale von Amiens von außen - Portal und Türme

Rückseite der Kathedrale von Amiens mit Kapellenkranz und Rippenbögen von außenWas mich in der Kathedrale von Amiens besonders beeindruckt hat, ist das Spiel mit Licht und Schatten, mit Weite und Enge, mit großen Linien und kleinen Details. Egal wo man steht, man sieht immer mehr als einen Lichteinfall.Seitenschiff in der Kathedrale von Amiens

An vielen Stellen hat man das Gefühl, die Perspektiven multiplizierten sich. Hinter einem Pfeiler, auf dessen einer Seite die nächste Mauer nicht mehr weit ist, eröffnet sich ein langes Kirchenschiff, in dem sich das Licht an vielen Säulen bricht. Etwas weiter zur anderen Seite sieht man wiederum zwei unterschiedlich lange Linien Richtung Seitenschiff und Kapellenkranz. Und legt man den Kopf in den Nacken kommen gleich noch ein paar Perspektiven dazu.Hohe Gotische Bögen, Fenster und Chorumgang in der Kathedrale von Amiens

Blick durch die gusseiserne und teilweise vergoldete Chorschranke auf das historische Chorgestühl in der Kathedrale von Amiens

Der Lieblingsmensch und ich konnten gar nicht aufhören, herumzugehen, das Licht und die Perspektiven auf uns wirken zu lassen. Dazusitzen und zu bewundern, wie das Licht so gebündelt ist, dass es den Chor- und Altarraum besonders erhellt.Blick durch das Hauptschiff auf den hellen Chorraum der Kathedrale von Amiens

Und neben der Bewunderung für die Architekturkunst, der Begeisterung für den Mut, so ein Gebäude überhaupt zu errichten, nebem dem Stillwerden an einem Ort, an dem unzählige Menschen über die Jahrhunderte hinweg ihre Sorgen, ihre Klagen, ihre Freude und Hoffnungen, ihr Gebet vor Gott getragen haben, neben dem Staunen über die vielen wundervollen Details (wie zum Beispiel die in vielen Metern Höhe quasi die gesamte Kathedrale umlaufende Blumengirlande, die an das direkt nebenan liegende Sumpfgelände der Hortillonages anspielt, die übrigens auch der Grund dafür sind, dass es keine Krypta gibt, da der Boden unterhalb der Kathedrale zu feucht dafür ist) – neben all dem konnte ich nicht anders als denken, dass die vielen Persepktiven, die sich an jedem Standort in der Kathedrale eröffnen, ein Sinnbild für unser Leben sind.Säulen, Pfeiler und Lichtspiele in der Kathedrale von Amiens

Wenn wir unseren Standpunkt verändern, können wir neue Linien, neue Zusammenhänge, neue Details sehen. Wenn wir unsere Blickrichtung ändern, auch mal unbequeme Perspektiven einnehmen, sehen wir neue Zusammenhänge, stellen wir fest, dass unser vorheriger Blick uns nur einen Teil der Wahrheit gezeigt hat. Erst wenn wir uns darauf einlassen, einmal ganz herum zu gehen (innen und außen), bekommen wir einen Eindruck vom Gesamten.

Verstärkt hat sich dieser Eindruck abends. Bei einem „Son et lumières“ wurden die Statuen am Hauptportal mithilfe von Strahlern in leuchtenden Farben angestrahlt. So, wie sie früher einmal ausgesehen haben mögen. Ein wunderschöner Anblick. Aber eben auch eine Erinnerung daran, dass Dinge sich verändern können, dass es unterschiedliche (von der jeweiligen Zeit geprägte) Auffassungen von schön und angemessen, von passend und unpassend, von falsch und richtig geben kann. Und dass hinter manchen Dingen, die auf den ersten Blick schlicht aussehen, so viel mehr stecken kann.

Ihr könnt jetzt also ein wenig über Analogien nachdenken. Oder einfach die (laienhaft festgehaltenen) Eindrücke vom farbigen Abendschauspiel genießen. Oder beides. Ich bin fest davon überzeugt, dass genau das sich lohnt.Die Kathedrale von Amiens in bunten Farben angestrahlt

 

 

Durch Licht bunt eingefärbte Figuren und Statuen an der Kathedrale von Amiens - DetailaufnahmeFarbig angestrahlte Apostelstatuen an der Kathedrale von Amiens

Bemerknisse in Amiens

Von Grünpflanzen und Blumen überwachsener Kanal im Parc Saint-Pierre in AmiensAmiens liegt ja quasi auf dem Weg, wenn wir in die Bretagne fahren. Trotzdem haben wir bisher nur einmal eine kurze Nacht dort verbracht und nicht viel von der Stadt gesehen. Zeit, das zu ändern. Also haben der Lieblingsmensch und ich ein Wochenende dort verbracht und was soll ich euch sagen: In der Picardie ist es auch schön.

Hier unsere Top 10-Bemerknisse:

  1. Flüsse in Städten sind ja grundsätzlich großartig. Durch Amiens fließt die Somme inklusive mehrerer Nebenarme. Ganz besonders im alten Weber- und Färber-Viertel Saint-Leu kann man stundenlang bummeln, ohne sich länger als drei Minuten vom Wasser zu entfernen. Abends an der Somme zu sitzen und einen Crozes-Hermitage zu trinken, in den Sonnenuntergang zu blinzeln und den kulturbegeisterten Briten am Nachbartisch sowie den über sie lästernden Bedienungen zuzuhören – großartig.
  2. Ganz besonders wundervoll in Amiens sind die Hortillonages, eine Sumpflandschaft direkt angrenzend an die Altstadt. Früher nutzten Gemüsebauern die besonders fruchtbare Landschaft, heute sind nur noch sieben Profis übrig, die restlichen Grundstücke werden von Privatleuten genutzt und mal mehr, mal weniger  prächtig gepflegt. Alle Grunstücke sind nur übers Wasser erreichbar und es ist erstaunlich, was Menschen  alles übers Wasser auf ihre Grundstücke bringen, um es dort schön zu haben. Man kann sich in kleinen, elektrisch betriebenen, nicht-wasser-verschmutzenden, keine-Wellen-produzierenden-und-dadurch-die-Grundstücke-schonenden kleinen Booten durch das Kanalsystem schippern lassen und erfährt vom Bootsführer sowie den fröhlich hinüberrufenden Anwohnern viel über Land und Leute.
    Hortillonages in Amiens - eine Landschaft aus kleinen Kanälen, Flussarmen der Somme, Sumpflandschaften, Inseln und Brücken
    Brücke über einen Seitenarm der Somme in den Hortillonages in Amiens
    amiens-hortillonages-blumen-am-kanal amiens-hortillonages-garten-blumenpracht
  3. In Frankreich sind nicht nur die Märkte großartig. Auch im Hotel ist es ganz selbstverständlich, dass fair gehandleter Kaffee und Tee ausgeschenkt werden, dass die Frühstückseier von freilaufenden Hühnern stammen, dass Obst saisonal angeboten wird und sowohl die Käse- und Wurstplatte als auch die süßen Gebäckstücke sowie ein großer Teil der Marmaladen aus der direkten Nachbarschaft stammen. Das wird nur im Kleingedruckten erwähnt und nicht groß als Werbe-Thema genutzt. <3 <3 <3
  4. Im Pub, in dem wir 2010 die Zusammenfassung des Argentinienspiels, das wir vorher im Autoradio mit französischem Kommentar gehört hatten, angesehen haben, also in diesem Pub direkt hinter der Kathedrale prangt noch immer ein Fußballhut auf der Zapfanlage. Highlights aus aktuellen Bundesligaspielen werden da auch übertragen. Allerdings hat außer uns niemand auf den Bildschirm gesehen. Und wir auch nicht besonders lange (der Ausblick aus dem Fenster ist einfach zu großartig 🙂 )
  5. Auch in Amiens gibt es einen Belfried. Und großartige Uhren. Und andere nette Bauwerke. Da die Innenstadt klein ist, findet man sie quasi alle, wenn man sich ein Wochenende lang zu Fuß durch die Stadt treiben lässt. Wehe Füße kann man wunderbar bei einem Bierchen ausruhen lassen…
  6. … oder im Sommer an einem „Stadtstrand“, an dem es zwar keinen Strand gibt, dafür aber eine Wiese, Springbrunnen, Liegestühle und Sonnenschirmchen, die schon von weitem zum Ausruhen einladen.
    Bunte Sonnenschirme hängen in der Luft und werben für den Stadtstrand von Amiens
  7. Wer in der wirklich wundervollen Kathedrale von Amiens zum Fotografieren die Stufen der Altarinsel erklimmt, wird von einer resoluten ehrenamtlichen Aufpasserin am Ohrläppchen (AM OHRLÄPPCHEN !!!einself!!) heruntergezogen und in mehreren Sprachen darüber belehrt, dass das nicht erwünscht ist. Keine Angst, das haben wir nicht selbst getestet, der ältere asiatische Herr hatte aber für den Rest der Besichtigung ein ziemlich rotes Ohr.
  8. Wir haben in der Kathedrale nicht nur die Maßregelung eines Touristen sehen müssen, sondern auch zwei Typen beim Vögeln erwischt. Genauer gesagt zwei Tauben, die sich auf dem Kopf der ziemlich furchtbaren Barockstatue über der ebenso furchtbar-barocken Kanzel fröhlich der Zeugung neuer Täubchen hingaben. Das Foto zeigt die Triebtäter einige Sekunden später beim Harmlos-Tun.
    Tauben auf der barocken Kanzel in der Kathedrale von Amiens
  9. Wer beim Gehen des Labyrinths in der Kathedrale mogelt, kommt einem einige Schritte später in die falsche Richtung laufend entgegen. Brettspieler wissen: Mogeln lohnt sich eben nicht. 🙂Labyrinth auf dem Boden der Kathedrale in Amiens
  10. Die Kathedrale ist der Hammer. Und das aktuelle „son et lumières“ auch. Aber dazu ein andermal mehr. Hach.
    Das Portal der Kathedrale von Amiens am Abend

Clafoutis mit Pfirsich und Lavendel

Bei Aurélie von franzoesischkochen.de habe ich kürzlich dieses Rezept gefunden. Weil es so heiß war, hatte ich aber meistens kein besonders ausgeprägtes Backverlangen. Aber heute war es endlich so weit und was soll ich sagen: leeeeeeeeecker.Clafoutis mit Weinbergpfirsichen in einer roten Auflaufschale

Ich habe das Clafoutis-Rezept ein wenig angepasst, daher schreibe ich es euch in meiner Variante nochmal auf.

Man  nehme:

4 Weinberg-Pfirsiche
2 Eier (Größe M)
60 g Buchweizenmehl
40 g Weizenmehl
40 g Zucker
200 ml Milch
1 EL getrockneten Lavendel

Clafoutis mit Weinbergpfirichen noch ohne Puderzuckerdeko

So wird’s gemacht:

Die Milch mit dem Lavendel zu Kochen bringen, vom Herd nehmen und 5 Minuten ziehen lassen.

In der Zwischenzeit die Eier mit dem Zucker und dem Mehl aufschlagen, bis die Masse hell geworden ist.

Dann die Lavendelmilch durch ein Sieb hinzugießen (um den Lavendel herauszufiltern) und alles zu einem glatten Teig verrühren.

Die Pfirsiche halbieren, die Kerne entnehmen und mit der runden Seite nach oben in eine gebutterte Backform setzen. Den Clafoutis-Teig vorsichtig darübergeben und das Ganze für ca. 15 – 20 Minuten bei 190°C backen.

Nach dem Abkühlen den kleinen französischen Kuchen mit etwas Puderzucker dekorieren. Schmeckt auch lauwarm ganz wundervoll.

Bon appétit.Rand der Auflaufform mit etwas Clafoutis, Pfirsichen und Puderzucker