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Pointe de la Torche

Ich bin zwar kein Surfergirl, aber die Pointe de la Torche empfehle ich euch trotzdem. Denn dort kann man wunderbar surfen, man kann dort aber auch wunderbar die Nase in den Wind halten und dabei auch noch ein paar Megalithen entdecken. Denn am Ende der Landspitze gibt es eine kleine Erhebung, auf der ein Dolmen, bzw. das, was von ihm übrig blieb. Man muss den Hügel nicht hinaufstürzen und sich der Länge nach flachlegen, versprochen. Man kann das aber natürlich tun und trotzdem einen wunderbaren Tag haben. Habe ich eigens für euch getestet. Bitte, bitte, keine Ursache.Surfer an der Pointe de la torche im südlichen Fnistère

Nach einem Spaziergang durch die Dünen und über den schön langen und bei Ebbe auch großartig breiten Strand kommt man schließlich zur Landspitze, die so heißt, wie sie aussieht: Pointe de la Torche – Fackelspitze. Bei Flut wird das noch deutlicher, dann klettert das Wasser rechts und links so weit nach oben, dass nur eine schmale Landzunge übrig bleibt und der Hügel, der ins Meer ragt, wirklich wie die Flamme einer Fackel aussieht.

Hinter jeder Biegung eröffnen sich dem Wanderer neue beeindruckende Blicken über das Meer und die Felsen der Pointe. Die alle paar Meter aufgestellten Rettungsringe weisen darauf hin, dass das Meer hier nicht nur romantisch ist, sondern dass seine wilden Kräfte gemeinsam mit dem Wind, der auch an schönen Tagen heftige Böen entwickeln kann, durchaus eine ernstzunehmende Gefahr darstellen.Felsnase an der Pointe de la Torche in der Bretagne

Klippen an der Pointe de la torcheGroßer Felsen an der Pointe de la torche im Finistère, BretagneRettungsring auf dem Wanderweg um die Pointe de la torche in der BretagneUnd noch etwas macht nachdenklich: An der Pointe de la Torche – sowohl am Strand als auch auf der Landspitze – sind deutlich die Spuren der deutschen Besatzung zu sehen. Überrest eines deutschen Bunkers an der Pointe de la torcheBunkerteil am Strand der Pointe de la torche

Man kann die Bunkerreste nicht besichtigen, dafür haben wir aber an dem Denkmal innegehalten, das an die Opfer der „Hitlerbanditen“ erinnert, wie der Text es beschreibt.Gedenktafel für die Opfer der Nazis an der Pointe de la torche

Ob die Erbauer der Bunker sich wohl Gedanken über den Dolmen gemacht, ihn überhaupt als solchen erkannt haben? Je näher wir ihm kamen, desto besser haben wir gesehen, wie das Ganggrab aufgebaut gewesen sein muss. Ein wahrhaft majestätischer Ort für die letzte Ruhe.Dolmen auf der Pointe de la torche

Deutlich weniger majestätisch, dafür aber gemütlich sind die Bars und Bistros am Ende der Pointe, wo man einen kleinen Café nehmen und den wagemutigen Surfern bewundernde Blicke zuwerfen kann.

Was schön war: Mit einem Taxi durch Paris

Neulich kam ich in die Verlegenheit glückliche Lage, endlich einmal mit einem Taxi zwar nicht nach, aber immerhin durch Paris zu fahren. An einem sonnigen, warmen Hochsommertag und mit einem Fahrer, wie ich ihn mir besser nicht hätte wünschen können.

Erste Überraschung: Taxifahren ist in Paris gar nicht so teuer, wie gedacht.
Zweite Überraschung: Taxifahrer sind in Paris gar nicht so unhöflich wie allgemein behauptet („Ist es OK, wenn ich die Fenster aufmache, oder hätten Sie lieber Erfrischung durch die Klimaanlage?“ <3) .
Dritte Überraschung: Ich habe meinen Zug bekommen und zwar sogar noch 3 Minuten schneller als das Taxifahrer-Navi vorhergesagt hatte.

Dabei fing alles gar nicht so großartig an. Nur ein paar Meter von der Gare du Nord entfernt, wurde das Taxi um ein Haar in einen Unfall verwickelt. Ein anderer Fahrer bremste völlig unvermittelt, weil ein LKW auf die Straße gefahren kam. Das Taxi scherte nach links und mein Fahrer schaute zu dem Bremser hinüber – ein junger Fahrer einer privaten Limousine, trotz der sommerlichen Temperaturen in dunklem Anzug mit Krawatte. „Diese jungen Privatchauffeure – haben kaum Fahrpraxis und vor allem keine Erfahrung im Stadtverkehr. Sie sehen immer so erschreckt aus, als sei das ein furchtbarer Job“, erklärte mir der Mann aus dem Fahrersitz. Er selbst trug leichte Hosen, ein kurzärmliges Hemd und eine durchaus vergnügte Miene. „Fahren Sie denn schon lange“ – „Ach, schon ewig. Zwischendurch habe ich zwar etwas anderes gemacht, aber ich komme immer wieder zum Taxifahren zurück. Ein wunderbarer Beruf.“

Als ob er mich für eine Expertin hielte, fragt er mich, ob es OK ist, wenn er diesen Weg nehme, er könne natürlich auch über den Boulevard sowieso oder die Avenue irgendwas fahren. Als ich sage: „Nein, machen Sie nur. Sie kennen die Stadt und den Verkehr“, nickt er kurz und erklärt mir in den folgenden Minuten seine Art von Sehenswürdigkeiten.

„Sehen Sie dort“, sagt er in der Nähe des Louvre, „vor diesem großen Stadthaus mit der etwas schmutzigen Fassade, da standen früher immer Wachleute. Manchmal zwei, meistens aber vier oder sechs. Da wohnte Jacques Chirac.“

Blick auf die Tuillerien in Paris

Ein paar Straßen weiter: „Hier, merken Sie sich dieses Café. Da gibt es die besten Tartelettes aux fruits in ganz Paris. Ich weiß wovon ich rede, ich habe fast alle probiert.“

„Dort drüben, sehen Sie die bunten Fensterläden? Da gibt es Käse. Es steht zwar noch ‚Coiffeur‘ außen dran, aber seit ein paar Monaten ist da ein Käseladen. Ganz ausgezeichnete Auswahl.“

„Wenn Sie selbst einmal mit dem Auto hier unterwegs sind, fahren Sie hier keinesfalls zu schnell. Hier wird immer kontrolliert. Und wenn Sie nur einen Kilometer zu schnell sind, kostet es schon gehörig.“

Kurz vor dem Ziel schimpft eine Dame in ihren Fünfzigern durchs offene Fenster: „Was sollte das denn? Sie haben mich fast umgefahren.“ Murmelnd rekonstruiert der Fahrer, was passiert ist: Dass die Dame die Hand rausgestreckt hatte, um rechts abzubiegen, sich dann aber wohl entschlossen haben musste, geradeaus zu fahren und um die Autos herum auf deren linke Seite zu kurven. Dass ihn keine Schuld treffe außer der, dieses für Pariser Fahrradfahrer durchaus häufiger Verhalten nicht zu antizipieren. Als die Dame uns bei der nächsten Ampel einholt und nun links neben dem Fahrerfenster zum Stehen kommt, beugt er sich trotzdem freundlich zu ihr hinaus und entschuldigt sich für die Situation an der letzten Kreuzung. Die Fahrradfahrerin – mit einem der Leihfahrräder unterwegs , die man überall für wenig Geld mieten kann – brummelt zwar noch immer unwirsch, lächelt aber angesichts der freundlichen Worte irgendwann dann doch vor sich hin.

Tour Montparnasse in Paris mit Werbung für die Olympischen Spiele

Angesichts der Tour Montparnasse und der dort prangenden Werbung für die olympischen Spiele bekomme ich noch einen kurzen Einblick in die Seele eines Sportfans, der auf den Erfolg der Bewerbung für die Spiele 2024 hofft, und dann noch ein paar gute Ratschläge, wie ich Taschendiebe im Bahnhof erkennen und mich vor ihnen schützen könne (kurz: Trau keinem unter 30; vor allem keinem, der betont harmlos tut und die Arme hinter dem Rücken verschränkt 🙂 ).

Mit dem Duft der sommerlichen Stadt in der Nase und angefüllt mit sonnendurchfluteten Blicken auf Boulevards, den Louvre, die Tuillerien, den Eifelturm und kleine Pariser Parks schlendere ich überraschend pünktlich und überraschend ungenervt vom wilden Pariser Verkehr um die Mittagszeit in Richtung Gleis. Vier Stunden später bin ich in Quimper. Hach <3

Rollstuhlgerechte Küstenwege

In Deutschland diskutieren wir leider zu wenige Menschen stundenlang noch lange nicht ausreichend über Inklusion. Ich habe den Eindruck, dass die Franzosen hier ausnahmsweise weniger diskutieren, sondern einfach machen.

Direkt um die Ecke von unserem wundervollen Ferienhäuschen zum Beispiel gab es ein paar Kilometer rollstuhlgerechten Strandwanderweg. Das heißt vor allem, dass der Weg für Rollstuhlfahrer zugängig ist und es nicht nur einen kleinen Trampelpfad die Düne hinauf gibt. Außerdem gibt es Picknick-Tische mit nur einer Bank, so dass Rollstuhlfahrerinnen und -fahrer ebenfalls Platz nehmen können. Und Platz genug für Menschen, mit denen die Rollstuhlnutzer_innen unterwegs sind.großer, für Menschen mit Behinderung angelegter Küstenweg mit einem rollstuhlgerechten Picknicktisch

Am Ende des Weges liegt das Museumsdorf Meneham und auch dort kann man bei den traditionellen Festou Deiz zahlreiche Menschen mit Behinderung und viele von ihnen im Rollstuhl antreffen. Dazu gibt es einen behindertengerechten Zugang, behindertengerechte Sanitäranlagen und multimediale Darstellungen im Museumsteil: Dinge nicht nur zum Sehen, sondern auch zum Hören, Fühlen, Riechen. Mit Türen, die zwar niedrig, aber breit genug für Rollstuhlfahrer und Menschen mit Krücken oder Rollator sind.

Auf der „Carte touristique“, die man uns neulich in die Hand gedrückt hat, sind noch mehrere solcher Wanderwege und Sehenswürdigkeiten eingezeichnet. Besonders hervorgehoben wird das nicht. „Wieso auch. Das gehört sich einfach so“, sagt die freundliche Dame an der Kasse des Calvaire von La Roche-Maurice. „C’est normal.“ Zumindest im Finistère. Darf von mir aus gerne ein Exportschlager werden.

Blumenmeer mit Ausblick: Jardin exotique in Roscoff

roscoff-jardin-exotiqueNach einigen Tagen Frühling nutze ich die graue Zwischenepisode für ein paar sonnige Erinnerungen. Gärten, die von jemandem angelegt wurden, der weiß, was er tut, haben es mir ja schon länger angetan. Daher nehme ich euch heute mit in einen Garten, der mein Herz im Sturm erobert hat. Und das nicht nur wegen der Schildkröten (Schildkröten… hach).

Engländer ohne Ende, eine süße Innenstadt mit schnuckeligen Häusern und einem schönen Hafen, Kirchen in Granit und stattliche Bürgerhäuser, das alles in einer schönen Bucht: Roscoff ist wirklich eine Reise wert.

Was ich aber besonders ins Herz geschlossen habe, ist der Jardin exotique, der botanische Garten von Roscoff. Dort setzen die Verantwortlichen ganz auf Gegensätze: Pflanzen des Südens im Norden (des Finistère).Blick auf die Bucht von Roscoff vom Jardin exotique aus

Wundervolle Ausblicke nach innen und außen

Der Garten liegt etwas außer- und oberhalb der Innenstadt, direkt neben dem großen Fährhafen Richtung England und Irland. Die Felsen, auf denen der Garten angelegt wurde, haben die Gestalter ganz wunderbar in ihr Konzept eingebaut. Und so wandert man auf dem Rundweg durch die Schönheiten der südlichen Erdhalbkugel hinauf und hinab und kann auch einen Felsen erklettern. Von oben hat man eine wunderbare Aussicht auf die Bucht, die davorliegenden Inselchen und (mit einem Fernglas) bis zu Île de Batz.Blick vom Jardin exotique in Roscoff auf den Fährhafen nach England

Auch an vielen anderen Stellen hat man eine sehr schöne Aussicht auf das Meer. Doch es lohnt sich durchaus, den Blick auch ins Innere des Gartens zu richten. Da gibt es Wasserläufe und Teiche – sogar mit Schildkröten -, an deren Ufern tropische Pflanzen ganz prächtig gedeihen. Es gibt Schattenecken, in denen Farne und andere Schattengewächse sich wohlfühlen und Felslandschaften, auf denen hunderte verschiedene Kakteen  wachsen.Kakteenblüte im Jardin exotique in Roscoff

Blühendes Roscoff im Herbst

Auch im Herbst blüht Vieles. Manchmal sind es aber auch verblühte Schönheiten, die schön aussehen. Blüte im Jardin exotique in Roscoff, Finistère, Bretagne

Kakteenblüte im Jardin exotique in Roscoff, Finistère, Bretagneorange Blüte im Jardin exotique in Roscoff, Finistère, Bretagnegroße lilafarbene, sternförmige Blüte im Jardin exotique in Roscoff, Finistère, Bretagneverblühte Staudenblüte im Jardin Exotique im bretonischen Roscoff an der Nordküste des FinistèreNeben den Augen freut sich aber auch die Nase, denn es riecht überall unterschiedlich. In einem eigenen Abschnitt lädt außerdem ein Gerüchegarten dazu ein, Blätter zu reiben und verschiedene Gewürzsträucher und Düfte zu entdecken.Im Geruchsgarten des Jardin exotique in Roscoff

Bunte Infotafeln klären über die Entdecker verschiedener Pflanzen auf oder erzählen die Geschichten von bretonischen Gartenbaupionieren der Vergangenheit. Und bunte Bänke oder kleine, unter Palmen versteckte Stühle laden zum Bewundern, Riechen, Lauschen oder Entspannen ein.Blick aufs Meer von einer Sitzecke im botanischen Garten in Roscoff

Das Besondere: Der Jardin exotique in Roscoff bekommt keinerlei Subventionen oder Zuschüsse. Er trägt sich ausschließlich durch die Eintrittskosten und den Verkauf exotischer Pflanzen aus der Zucht des Gartens. <3Teich mit Schildkröten im Jardin exotique in Roscoff

Picknick-Platz with a view

Zusatztipp: Nur ein paar Schritte vom Parkplatz entfernt liegt eine Aire de Pique-Nique mit einem grandiosen Ausblick.Aussicht vom Pique-Nique-Platz am Jardin botanique in Roscoffroscoff-jardin-botanique-pique-nique

Pointe du Van im Nebel

pointe-du-van-nebel-argueveur-chapelle-saint-theyPlötzlich tauchte ein Schiff aus dem Nebel auf, es war der Küste schon ganz nah. Laut tönte sein Signalhorn bis zu den Menschen, die stumm auf den Felsen an der Küste standen. Die Arme verschränkt standen sie da und warteten…

Mitten im Nebel kann man sie bildlich vor sich sehen, die so oft beschriebenen Szenen der bretonischen Strandräuber, die so arm und verzweifelt gewesen sein sollen, dass sie Kühen Lampen um die Hörner gebunden hätten, um so Schiffe auf die Klippen zu lenken.pointe-du-van-nebel-argueveur-la-vieille

Mitten im Nebel kann man sich vorstellen, wie die schauerlich-schönen Legenden entstanden vom Tod, der Ankou, die mit der Kutsche umherfährt, um sich ihre nächsten Opfer auszusuchen. Von Korrigans und anderen Wesen, die ihr Unwesen treiben und arglose Spaziergänger vom Weg abbringen.pointe-du-van-nebel-argueveur-eoliennes

Mitten im Nebel kann man erleben, wie sich die Einsamkeit von Insulanern angefühlt haben muss, wenn sie im Sturm nicht übersetzen konnten und – manchmal tagelang – das Festland nicht sehen konnten.

Mitten im Nebel kann es aber auch verträumt sein und schön. Man hört die Stimmen anderer Spaziergänger, aber man kann sie nicht sehen. Es hat ein paar Grad abgekühlt, der Ginsterduft und der Duft des feuchten Farns sind längst nicht mehr so intensiv, wie zuvor im Sonnenschein.pointe-du-van-nebel-argueveur-farn

Man ahnt, dass in den Felsen unter einem, Vögel mit ihren Artgenossen streiten. Das Geschnatter und Gekreische dringt deutlich ans Ohr. Aber so sehr man sich auch anstrengt, man bekommt die Verursacher der Geräusche einfach nicht zu Gesicht. Ein paar Meter kann man sehen – nach vorne, zurück, aufs Meer.pointe-du-van-nebel-argueveur-steilkueste

So einen Nebeltag haben wir im vergangenen Jahr an der Pointe du Van erlebt. Eine herrlich-skurrile, einsam-verträumte, nebel-düstere, ab und an von einem stärkeren Sonnenstrahl, der es schaffte, den Nebel ein wenig zu lichten, erhellte, Szenerie. Wir kennen die Landspitze mittlerweile gut. Ist ja schließlich unsere Lieblingslandspitze an unserem Lieblingsende der Welt. So hatten wir sie aber noch nie erlebt. Gerne wieder. <3pointe-du-van-nebel-argueveur-chapelle-saint-they-von-hinten

Straßenschilder kreativ

Dass die Franzosen Schilder im Straßenverkehr nicht besonders ernst nehmen – geschenkt. Sie ignorieren die Schilder jedoch nur beim Fahren. Denn als Kunstraum werden Straßenschilder durchaus genutzt. Häufig genutzt. Anbei eine kleine Auswahl aus dem Finistère.

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Kreativ gestaltete Straßenschilder in der Bretagne

 
La voilà la blanche hermine…

Straßenschild mit Verschönerung

In Landerneau gibt es nicht nur kreative Schilder, sondern auch kreative Wandmalereien.kreativ verändertes Straßenschild in Landerneau

 

Und eine Zugabe aus Paris.Verändertes Durchfahrt-Verboten-Schild in Paris

Megalithen und das, was davon übrig blieb, in Plouescat

Nase und Kopf sind dicht – Schnupfen aka Rüsselseuche packt die Welt um mich herum in Watte. Was hilft außer Tee und Wärmflasche? Schöne Erinnerungen. Und die teile ich natürlich viel lieber mit euch als die doofe Erkältung.

Also nehme ich euch mit nach Plouescat, wo es beim Bäcker wirklich leckere, frische Sandwiches zu extrem vernünftigen Preisen gibt – was sich lohnt, wenn man von dort aus eine kleine Tour zu den prähistorischen Überbleibseln des schönen Ortes plant.Küste bei Plouescat in der Bretagne

Wenn man schon Mal da ist, kann man sich aber auch die nicht ganz so prähistorischen Dinge im Ortskern ansehen. In Plouescat gibt es eine historische bretonische Markthalle aus Holz. Sie stammt aus dem 16. Jahrhundert. Die lichtdurchflutete Halle war einst wohl in der gesamten Region verbreitet, aber außer hier und in zwei weiteren Örtchen (Le Faouët – sehr hübsch!! – und Questembert) der Bretagne hat man die historischen Schätzchen überall sonst unverständlicher Weise abgerissen. Die Markthalle ist also nicht nur schön, sondern auch selten. Schön anzusehen sind auch die umliegenden Steinhäuser und Manoirs. Die gegenüberliegende Kirche ist auch recht hübsch – allerdings deutlich mehr von außen als von innen (Kitsch as Kitsch can; wer macht heute noch solche Kirchenfenster?).

Entdeckung bei Ebbe: Allée couverte de Kernivrit

Aber eigentlich wollten der Lieblingsmensch und ich die deutlich älteren Zeugen der Geschichte entdecken, die Plouescat zu bieten hat. Damit wir sie auch finden, haben wir im Office de Tourisme (gleich hinter der schönen Markthalle) einen Plan bekommen. Auf dem auch noch allerhand Kapellchen und Brunnen und fours à goémons eingezeichnet sind. Die haben wir trotz aller pitoresken Schönheit links liegenlassen und sind direkt Richtung Strand aufgebrochen. Genauer gesagt zur Bucht von Kernivrit. Dort gibt es eine allée couverte, die bei Flut – vor allem bei den grandes marées – zu großen Teilen im Wasser verschwindet. Bei Ebbe allerdings liegt das alte Steingrab frei. allée couverte in Plouescat im Nordfinistère in der Bretagne

Allée couverte in Plouescat in Richtung Meer fotografiertPlouescat, allée couverte vom Meer aus fotografiertDie alte Grabstelle, deren „Deckel“ fehlt, liegt jedoch nicht nur schön am Strand, sondern auch in direkter Nachbarschaft zu alten Schiffen. Sehr malerisch.alte Schoffswracks in Plouescat in der BretagneSchiffsfriedhof in der Bretagne in Plouscat

Doch das ist längst nicht alles. Rund um und in Plouescat gibt es immer wieder Menhire. Größere und kleinere. Frei zugängige und solche, die man nur von der Straße aus bewundern kann, da sie auf Privatgrundstücken stehen.Menhir in einem Garten in Plouescatkleiner Menhir in Plouescat

Cam Louis: Artischocke, Felsen und eine Menhirschönheit

Besonders schön ist der Weg durch Farne und Artischockenfelder zum Menhir de Cam Louis. Von der Straße aus führt ein kleiner Spazierweg in Richtung Strand. Schon von weitem kann man den fingerförmigen Stein gut sehen. Menhir de Cam Louis in Plouescat

Menhir von Cam Louis in Plouescat mit ArtischockenfeldZwar verschwindet er unterwegs immer wieder aus dem Blick und wird von Hecken oder Felsen verdeckt. Felsen in Plouescat in der Nordbretagne

Aber Hinweisschilder sorgen dafür, dass man sich nicht verirrt. Die Schilder zeugen davon, dass es hier überzeugte Verfechter der Zweisprachigkeit geben muss. Denn alle Wegweise, Hinweisschilder und Erklärungen sind von Hand in Bretonisch ergänzt worden.Wegweiser Sentier côtier in Plouescat mit handschriftlich hinzugefügter bretonischer Beschriftung

Am Menhir de Cam Louis angekommen, bietet sich aber noch ein weiterer wundervoller Blick: der auf die Felsküste mit ihren wunderschönen Steinformationen. Ich hachze hier auch beim Bilder anschauen und Erinnern noch. Felsformation an der Küste von Plouescat im Nordfinistère

tl;dr:
Plouescat lohnt sich. Sehr schön da!

Dolmen with a view: die Allée couverte von Guilliguy

Was hilft am besten gegen regennasse Herbstabende? Wärmende Erinnerungen. Daher heute für euch: Eine Erinnerung an eine schöne Wanderung am Ende der bretonischen Welt…

Der Weg den Hügel hinauf ist kurz, aber steil. Gesäumt von Farnen, Blüten und dutzenden Schmetterlingen. Hinter hohen Hecken kann man den Hafen von Portsall meistens nur ahnen, doch selbst bei Ebbe ist das Rauschen des Meeres der ständige Begleiter derer, die den Hügel von Guilliguy erklimmen.Blick auf die allée couverte und das Granitkreuz von Guiliguy bei Portsall

Warum sich der Weg um den Hafen herum und den Hügel hinauf lohnt, kann man schon vom Hafen in Portsall aus erkennen: Eine Megalithenanlage und ein altes Granitkreuz zeugen davon, dass Menschen schon vor sehr langer Zeit erkannt haben, wie schön es in Guilliguy ist.Blick auf Dolmen und Granitkreuz in Portsall

Wer Richtung Land sieht, kann neben dem Dolmen einen kleinen Menhir und ein Granitkreuz aus dem 18. Jahrhundert bewundern. Das Kreuz steht aber erst seit gut 120 Jahren hier, vorher zierte es den Friedhof des Dörfchens. Zugegeben: Auf der Landspitze macht es sich besonders gut. Und als Rastplatz für Wanderer eignet sich sein Sockel auch ganz hervorragend.Allée couverte de Guilliguy in Portsall

„C’est debout, sur la pointe du Guilliguy, appuyé sur un dolmen et les yeux fixés sur la mer, qu’il faut aller méditer quand la vie étroite du monde vous blesse ; on devient fort à cet air de l’océan qui vous coule dans la poitrine. On se sent retrempé et vivace.“

Wenn das beengte Leben der Welt einen verletzt, muss man auf die Landspitze von Guilliguy gehen, sich an einen Dolmen anlehnen und, die Augen aufs Meer gerichtet, meditieren; man wird stark von dieser Meeresluft, die einem in die Brust fließt. Man fühlt sich gestärkt und lebendig.

Das Zitat des Schriftstellers Emile Souvestre steht auf dem kleinen Erklärungsschild am Eingang zur Dolmenanlage. Und es stimmt: Hier oben, mit dem Blick auf die Bucht von Portsall kann man sich wunderbar auffüllen mit Wind und Meeresrauschen.argueveur-portsall-blick-allee-couverte-de-guilliguy-blick-auf-die-bucht

 

Blick von der Allée couverte von Guilliguy auf den Hafen von PortsallWer gute Augen hat, sieht gegenüber den Anker der Amoco Cadiz, die 1978 wenige Kilometer vor der Küste auseinanderbrach, sank und eine der größten Ölkatastrophen der Geschichte auslöste.Anker der Amoco Cadiz in Portsall

Auch von dort hat man einen wunderbaren Blick auf die Bucht. Blick auf die Bucht von Portsall

Und – mal was ganz anderes – wer dann noch ein wenig durch den Ort schlendert, kann an Hauswänden, Garagen und Pollern viele Graffitis finden. Hühner-Graffittis, um genau zu sein. Falls jemand deren Geschichte kennt: Gerne in den Kommentaren aufschreiben. Danke 🙂Hühner-Graffitti in Portsall

Spazierwege an der Küste: Aber Benoît und Lannilis

Und gleich noch ein Rückblick auf die Ferien: Dank des schönen Spätsommerwetters waren wir besonders viel draußen unterwegs. Und haben dabei viele neue Wege ausprobiert.

Direkt neben der Côte des légendes gibt es den schönen Küstenabschnitt, an dem die drei Abers in den Atlantik münden: die Côte des Abers mit dem Aber Wrac’h, dem Aber Ildut und dem Aber Benoît.Blick auf einen kleinen Naturhafen am Aber Benoît bei Lannilis

Alle drei haben große Mündungsdeltas, die bei Ebbe bis weit ins Land hinein austrocknen. Ria heißen diese Flächen hier. Die Landschaften rund um die Abers verändert sich mit den Gezeiten und bietet wunderbare Spazierwege mit ständig neuen Ausblicken. Mal steht man vor Gras- und Algenlandschaften mit tiefen, gewellten Furchen, ein paar Ecken weiter dann wieder vor kleinen Naturhäfen, in denen bunte Boote aus den Wellen schaukeln.Aber Benoît im Nordfinistère in der Bretagne

Nähert man sich der Küste, fällt der Blick immer wieder auf den Phare de l’Île Vierge und seinen beeindruckenden Steinturm. Blickt man ins Landesinnere, sind Hügel, Wälder, weite Felder und einzeln gelegene Bauernhöfe zu sehen.

Wir waren in diesem Jahr zum ersten Mal rund um den Aber Benoît unterwegs und was soll ich sagen: Schön. Sehr schön.Blick auf das Mündungsdelta des Aber Benoît in der Bretagne

Aber Benoît zwichen Ploudalmézeau und Lannilis im FinistèreZum Abschluss sind wir durch den Ortskern von Lannilis gebummelt und haben bei der Maison du Boulanger wirklich leckeres Brot gekauft.Kirchturm von Lannilis

Auch ein Besuch in der Kirche von Lannilis ist beeindruckend. Neben dem hohen Kirchenschiff und der einen oder anderen schönen Heiligenstatue haben uns vor allem die in die Säulen gehauenen Verzierungen und das Lichtspiel der Fenster gefallen. <3 Bunte Farbenspiele auf dem Fußboden der Kirche von Lannilis

 

Grande marée im September: Coeff 111

Wir sind wieder zurück aus dem diesjährigen Bretagne-Urlaub. Daher bekommt ihr hier in den nächsten Tagen immer mal wieder ein paar Neuentdeckungen und alte Lieben aus dem Nordfinistère zu sehen und zu lesen. Los geht’s mit dem Meer. Logisch.

Grande marée ist in der Bretagne immer ein besonderes Highlight. Während der besonders großen Ebbe sieht man viele Fußfischer und während der besonders hohen Flut genießen dutzende Spaziergänger das Wasser, das bis zu den Spazierwegen reicht oder die Wellen, die sich an Steinen und Hafenmauern spektakulär brechen.Hohe Wellen im bretonischen Ort Kerlouan

Eines der besonders guten Dinge an einem Bretagne-Urlaub zum Vollmond im September ist die Tatsache, dass man am zweitgrößten Hochwasser des Jahres teilhaben kann. Dabei dreht sich alles um den Gezeitenkalender und darum, die richtigen Uhrzeiten für die passenden Aktivitäten abzupassen. Nicht, dass man auf dem Spaziergang zur Île Vierge oder beim Sammeln von Muscheln und Krebsen vom zurückfließenden Wasser überrascht wird.Hohe Wellen bei Grande marrée in Kerlouan an der Côte des légendesWellen brechen sich an einem Felsen und spriten meterhoch

Wir gehören zwar nicht zu den pêcheurs à pied, haben aber bei langen Wanderungen am überdurchschnittlich großen Strand, bei Pausen mit Logenblick auf das zurückfließende und mit Macht steigende Wasser und bei nachmittäglichen und abendlichen Spaziergängen auf den Felsen und Dünen das besondere Naturschauspiel voll ausgekostet.Naturhafen bei Brignogan Plage bei HochwasserStrand bei Meneham im Finistère bei Flut

Wasser steht im natürlichen Überlaufbecken der Digue in KerlouanIn diesem Jahr war Hochwasser kurz vor Sonnenuntergang und kurz vor Sonnenaufgang. Schöööön.Sonnenuntergang am Strand von Meneham in Kerlouan bei Flut