Zeit schenken

grüne und rosa Macarons auf einem GebäcktellerDiverse Händler haben es in diesem Jahr im Bild umgesetzt – Geschichten erzählen ist das neue Werbeerfolgsgeheimnis. Aber sie haben ja recht: Zeit schenken ist einfach am schönsten. Die Zeit, die ich beim Schreiben der Weihnachtspost verbringe, beim Aussuchen und dann beim Einpacken der Geschenke, die Zeit für ein ausgiebiges Telefonat, für einen Besuch beim Adentsfenster.

Und Zeit mit guten Freunden. Mitten in der Adventshektik einen Nachmittag alles andere sein lassen, die Küche und ihre Utensilien mit Zucker und Schokolade einsauen, den Backofen heiß laufen lassen und dabei reden, schweigen, Musik hören, tanzen, Kaffee trinken, Gemüse knabbern, Fotos machen und glücklich sein.Rührmaschine rührt lila eingefärbten Eischnee

Wenn man diese Zeit dann noch mit den nettesten Ladies verbringt, die die Küche in diesem Jahr bevölkert haben und dabei wundervolle Macarons entstehen, dann ist es einfach ein wundervoller Adventstag. Dankeschön, ihr wisst, wer ihr seid <3grüne Macaronschalen auf einem Backblechverschiedene Macarons auf einem Tellerchen angerichtet

Etwas bleibt

Neulich fand ich beim Spaziergehen diesen Baum.Apfelbaum im Winter ohne Laub, an dem noch rote Äpfel hängen

Alle Blätter verloren. Von Windböen zerzaust. Vom Wintergrau umgeben.

Am Ende? Von wegen.

Das Wichtigste bleibt. Die Früchte haben die Krise überdauert. Leuchten an gegen das Grau. Bieten Trost, stillen den Hunger und vielleicht sogar den Durst. Keine Sommersüßigkeit, sondern säuerliche Alltagssüße. Keine Eindeutigkeit. Keine endgültige Antwort. Aber ein Angebot. Ein Zeichen für die Hoffnung.

Ein Hinweis darauf, dass etwas bleibt. Etwas vom Blühen im Frühling, vom Summen der Bienen, vom warmen Sommerregen und dem warmen Duft der Erde im Herbst. Von den Menschen, an die ich mich heute besonders erinnere.

 

Spiel-Adventskalender 2016: The Game

In diesem Jahr bin ich mit allem spät an. Daher passt es, dass auch der Adventskalender für meinen Mann erst heute hier erscheint. Im Rheinland sind Dinge ja ab dem dritten Mal eine Tradition. Also kann ich mit Fug und Recht behaupten, dass ich traditioneller Weise wieder einen Spiel-Adventskalender für meinen Lieblingsmenschen gebacken habe. Nach Funkenschlag und Marco Polo war in diesem Jahr eines unserer aktuellen Lieblingsspiele an der Reihe: The Game.

Kekse aus dem The Game-Adventskalender nebeneinanderThe Game – Das Kartenspiel

Das Spielprinzip ist ganz einfach: Es gibt zwei Karten mit einer 1 und einem Pfeil nach oben und zwei Karten mit einer 100 und einem Pfeil nach unten. Alle anderen Karten dazwischen – also die Karten zwischen 2 und 99 – müssen nun abgelegt werden. Kooperativ. Dabei darf man allerdings nicht sagen, welche Karten man auf der Hand hat. Man kann aber angeben, auf welchen Stapel man gerne spielen möchte und wo am besten vorher keiner mehr etwas ablegen sollte. Ziel ist es, gemeinsam das Spiel zu besiegen.

Wer an der Reihe ist, muss mindestens zwei Karten ablegen und dann wieder nachziehen. Wenn jemand keine oder nicht genug Karten ablegen kann, ist das Spiel zu Ende. Ziel ist es, alle Karten los zu werden, bevor das passiert. Klingt einfach, ist aber durchaus schwer zu gewinnen. Manchmal kann man es einfach nicht verhindern und muss Karten ablegen auf einem Stapel, den ein anderer Mitspieler als reserviert markiert hat. Oder man verspekuliert sich und hofft vergebens auf Mitspieler, die mit einer Karte, die genau 10 kleiner ist als die, die gerade oben liegt, einen Rücksprung initiieren könnten.

Da wird in unseren Runden durchaus heiß diskutiert und es wird ganz schön emotional. Da kann man grübeln oder spontan aus dem Bauch entscheiden. Die anderen glücklich machen oder das Unverständnis aller auf sich ziehen. Und das alles in wenigen Sekunden. Eine schöne Herausforderung. Vor allem aber macht The Game richtig viel Spaß.

The Game – der Adventskalender

Keks mit der Aufschrift The Game in roter ZuckerschriftIn meinem Adventskalender gibt es natürlich nur 24 Karten. Die sind dafür aus Keks mit Schokoüberzug und Zuckerschrift.Karte mit 1 und Keks mit 24

Für alle Neugierigen, hier das Rezept. Ich habe dafür den Teig der Kürbistarte weihnachtlich abgewandelt, weil der Lieblingsmensch den so gerne mochte.

  • 250 g Butter
  • 100 g Zucker
  • 1 Prise Salz
  • 400 g Mehl
  • 6 Esslöffel lauwarmes Wasser
  • 1 Teelöffel Zimt
  • 1 Messerspitze gemahlene Nelken
  • 1 Messerspitze Macisblüte
  • 1 Messerspitze gemahlener Kardamom

Butter, Zucker und Salz miteinander verrühren. Die Hälfte des Mehls unterrühren, dann das Wasser hinzugeben und verrühren. Schließlich den Rest des Mehls mit den Gewürzen mischen und gut unterrühren.

Teig ausrollen, Rechtecke ausschneiden und bei 180°C 12 bis 15Minuten lang backen. Mit Schokolade und Zuckerschrift verzieren. Jeden Tag eine Karte naschen. Viel Spaß!

Ein bisschen Glitzer

Glitzern einer Diskokugel an der DeckeManchmal brauche ich ein bisschen extra Glitzer in meinem Leben. Ein bisschen Tanzen und Wippen und Flügel zum Himmel heben. Flügel? Ja genau. Flügel. Eingeweihte wissen jetzt schon was kommt 🙂

Jaaa, genau. Ich war beim Weihnachtskonzert vom Meister.guildo-horn-weihnachtsmatinee-guildo-weihnachtsmann

Meine erste Begegnung mit Guildo Horn hatte ich 1998 beim Baggerseefest in Oberachern. Dass dann doch nicht am Baggersee stattfand, sondern auf dem Gelände der Acherner Illenau. Denn zwischen der Buchung des Künstlers für das kleine aber feine Fest und dem Partytermin lag eine Entscheidung, die das Ganze etwas größer werden ließ, als zunächst geplant. Genauer gesagt die Entscheidung, wer für Deutschland zum Grand Prix Eurovision de la Chanson (die Älteren werden sich erinnern – und wie viel poetischer klingt das als Eurovision Song Contest – hach). Und das war damals eben Guildo, der uns alle lieb hat.

Und ich stand mit klopfendem Herzen und analogem Fotoapparat zum ersten Mal in meinem Leben in einem echten „Pressegraben“, wurde zusammen mit den Kollegen vom Künstler verspottet und schweißbenetzt und habe das eine oder andere Foto seines entblößten Oberkörpers und seines schweißnassen Haares ergattert.guildo-horn-weihnachtsmatinee-guildo-orthopaedische-struempfe

Im Prinzip hat sich daran nicht viel verändert. Nur dass ich heute nicht mehr ausgewogen und objektiv berichten muss, sondern hemmungslos genießen und mich amüsieren kann.

Danke T. fürs an den Termin erinnen und Karten besorgen. Jederzeit gerne wieder! 🙂guildo-horn-weihnachtsmatinee-guildo-mit-muetze

Kürbis-Mandel-Kuchen mit Zimt

Kürbis ist im Hause Argueveur ein Lieblingsessen. Als Suppe, als Ofengemüse, als Quiche,… in allen Varianten. Seit letztem Jahr gerne auch süß. Da ich die Tarte in diesem Jahr zwar wieder gebacken, aber verschenkt habe, habe ich für den Lieblingsmenschen und ein paar nette Kuchenschnorrer eine neue Variante ausprobiert: Kürbis-Mandel-Kuchen mit Butternut-Kürbis.Kürbis-Mandel-Kuchen auf einer Kuchenplatte

Als Grundlage für den Kürbis-Mandel-Kuchen diente mir dieses Rezept. Da der Lieblingsmensch aber einen herrlichen Butternut statt eines Hokkaido mitgebracht hatte, habe ich das Ganze ein wenig variiert. Hier kommt meine, von allen sehr lecker gefundene, Variante.

Zutaten

  • 400 g Butternut-Kürbis
  • 6 Eier 
  • 300 g Zucker
  • 350 g gemahlene Mandeln
  • 5 EL Mehl
  • 1 EL Backpulver 
  • Saft einer halben Limette
  • Abrieb einer Limettenschale
  • 1/2 TL Zimt

Zubereitung

Den Kürbis vierteln, entkernen und auf mittlerer Schiene im Backofen bei 180°C 45 Minuten lang schmoren. Nach dem Abkühlen lässt sich die Schale ganz leicht abziehen. Dann das Fruchtfleisch mit einer Gabel zerdrücken, bis ein schönes Kürbismus entsteht.

Die Eier trennen und das Eigelb mit dem Zucker gut 5 Minuten schlagen, bis die Masse weiß und fluffig geworden ist. Nach und nach die Hälfte der Mandeln und das mit Backpulver gemischte Mehl hinzugeben. Dann das Kürbismus unterrühren und die restlichen Mandeln, den Zimt, den Limettensaft und die Limettenschale dazugeben und zu einem glatten Teig verrühren.

Zum Schluss das Eiweiß zu Schnee schlagen und langsam in den Mandel-Kürbis-Teig unterheben.angeschnittener Kürbis-Mandel-Kuchen

Ich habe eine Guglhupfform verwendet, ihr könnt aber auch eine Springform oder Muffin-Förmchen nehmen. Bei 180°C für 60 Minuten in den Ofen schieben. Wenn der Kuchen zu dunkel wird, mit Alufolie abdecken.

Tipp: Der Kuchen sollte gar sein (Stäbchenprobe), muss aber nicht völlig trocken gebacken werden. Das Kürbispurré macht den Rührteig sehr schön saftig. Weshalb ich mich genau dafür entschieden habe und den Kürbis nicht reiben wollte. Auch das kann ja eine saftige Basis ergeben, aber die Konsistenz des geschmorten Kürbis‘ finde ich ja einfach immer besonders großartig. Durch die nussige Buttrigkeit des Butternut und den Zimt schmeckt der Kuchen fast schon ein wenig adventlich.Stück vom Kürbis-Mandel-Kuchen auf einem Tellerchen

Beim nächsten Mal werde ich weniger Zucker und vermutlich auch braunen Zucker nehmen – das könnte sehr gut harmonieren.

Diese Kürbis-Variante kommt auf jeden Fall in meine Immer-wieder-Back-Liste. Hammer!

Megalithen und das, was davon übrig blieb, in Plouescat

Nase und Kopf sind dicht – Schnupfen aka Rüsselseuche packt die Welt um mich herum in Watte. Was hilft außer Tee und Wärmflasche? Schöne Erinnerungen. Und die teile ich natürlich viel lieber mit euch als die doofe Erkältung.

Also nehme ich euch mit nach Plouescat, wo es beim Bäcker wirklich leckere, frische Sandwiches zu extrem vernünftigen Preisen gibt – was sich lohnt, wenn man von dort aus eine kleine Tour zu den prähistorischen Überbleibseln des schönen Ortes plant.Küste bei Plouescat in der Bretagne

Wenn man schon Mal da ist, kann man sich aber auch die nicht ganz so prähistorischen Dinge im Ortskern ansehen. In Plouescat gibt es eine historische bretonische Markthalle aus Holz. Sie stammt aus dem 16. Jahrhundert. Die lichtdurchflutete Halle war einst wohl in der gesamten Region verbreitet, aber außer hier und in zwei weiteren Örtchen (Le Faouët – sehr hübsch!! – und Questembert) der Bretagne hat man die historischen Schätzchen überall sonst unverständlicher Weise abgerissen. Die Markthalle ist also nicht nur schön, sondern auch selten. Schön anzusehen sind auch die umliegenden Steinhäuser und Manoirs. Die gegenüberliegende Kirche ist auch recht hübsch – allerdings deutlich mehr von außen als von innen (Kitsch as Kitsch can; wer macht heute noch solche Kirchenfenster?).

Entdeckung bei Ebbe: Allée couverte de Kernivrit

Aber eigentlich wollten der Lieblingsmensch und ich die deutlich älteren Zeugen der Geschichte entdecken, die Plouescat zu bieten hat. Damit wir sie auch finden, haben wir im Office de Tourisme (gleich hinter der schönen Markthalle) einen Plan bekommen. Auf dem auch noch allerhand Kapellchen und Brunnen und fours à goémons eingezeichnet sind. Die haben wir trotz aller pitoresken Schönheit links liegenlassen und sind direkt Richtung Strand aufgebrochen. Genauer gesagt zur Bucht von Kernivrit. Dort gibt es eine allée couverte, die bei Flut – vor allem bei den grandes marées – zu großen Teilen im Wasser verschwindet. Bei Ebbe allerdings liegt das alte Steingrab frei. allée couverte in Plouescat im Nordfinistère in der Bretagne

Allée couverte in Plouescat in Richtung Meer fotografiertPlouescat, allée couverte vom Meer aus fotografiertDie alte Grabstelle, deren „Deckel“ fehlt, liegt jedoch nicht nur schön am Strand, sondern auch in direkter Nachbarschaft zu alten Schiffen. Sehr malerisch.alte Schoffswracks in Plouescat in der BretagneSchiffsfriedhof in der Bretagne in Plouscat

Doch das ist längst nicht alles. Rund um und in Plouescat gibt es immer wieder Menhire. Größere und kleinere. Frei zugängige und solche, die man nur von der Straße aus bewundern kann, da sie auf Privatgrundstücken stehen.Menhir in einem Garten in Plouescatkleiner Menhir in Plouescat

Cam Louis: Artischocke, Felsen und eine Menhirschönheit

Besonders schön ist der Weg durch Farne und Artischockenfelder zum Menhir de Cam Louis. Von der Straße aus führt ein kleiner Spazierweg in Richtung Strand. Schon von weitem kann man den fingerförmigen Stein gut sehen. Menhir de Cam Louis in Plouescat

Menhir von Cam Louis in Plouescat mit ArtischockenfeldZwar verschwindet er unterwegs immer wieder aus dem Blick und wird von Hecken oder Felsen verdeckt. Felsen in Plouescat in der Nordbretagne

Aber Hinweisschilder sorgen dafür, dass man sich nicht verirrt. Die Schilder zeugen davon, dass es hier überzeugte Verfechter der Zweisprachigkeit geben muss. Denn alle Wegweise, Hinweisschilder und Erklärungen sind von Hand in Bretonisch ergänzt worden.Wegweiser Sentier côtier in Plouescat mit handschriftlich hinzugefügter bretonischer Beschriftung

Am Menhir de Cam Louis angekommen, bietet sich aber noch ein weiterer wundervoller Blick: der auf die Felsküste mit ihren wunderschönen Steinformationen. Ich hachze hier auch beim Bilder anschauen und Erinnern noch. Felsformation an der Küste von Plouescat im Nordfinistère

tl;dr:
Plouescat lohnt sich. Sehr schön da!

Dolmen with a view: die Allée couverte von Guilliguy

Was hilft am besten gegen regennasse Herbstabende? Wärmende Erinnerungen. Daher heute für euch: Eine Erinnerung an eine schöne Wanderung am Ende der bretonischen Welt…

Der Weg den Hügel hinauf ist kurz, aber steil. Gesäumt von Farnen, Blüten und dutzenden Schmetterlingen. Hinter hohen Hecken kann man den Hafen von Portsall meistens nur ahnen, doch selbst bei Ebbe ist das Rauschen des Meeres der ständige Begleiter derer, die den Hügel von Guilliguy erklimmen.Blick auf die allée couverte und das Granitkreuz von Guiliguy bei Portsall

Warum sich der Weg um den Hafen herum und den Hügel hinauf lohnt, kann man schon vom Hafen in Portsall aus erkennen: Eine Megalithenanlage und ein altes Granitkreuz zeugen davon, dass Menschen schon vor sehr langer Zeit erkannt haben, wie schön es in Guilliguy ist.Blick auf Dolmen und Granitkreuz in Portsall

Wer Richtung Land sieht, kann neben dem Dolmen einen kleinen Menhir und ein Granitkreuz aus dem 18. Jahrhundert bewundern. Das Kreuz steht aber erst seit gut 120 Jahren hier, vorher zierte es den Friedhof des Dörfchens. Zugegeben: Auf der Landspitze macht es sich besonders gut. Und als Rastplatz für Wanderer eignet sich sein Sockel auch ganz hervorragend.Allée couverte de Guilliguy in Portsall

„C’est debout, sur la pointe du Guilliguy, appuyé sur un dolmen et les yeux fixés sur la mer, qu’il faut aller méditer quand la vie étroite du monde vous blesse ; on devient fort à cet air de l’océan qui vous coule dans la poitrine. On se sent retrempé et vivace.“

Wenn das beengte Leben der Welt einen verletzt, muss man auf die Landspitze von Guilliguy gehen, sich an einen Dolmen anlehnen und, die Augen aufs Meer gerichtet, meditieren; man wird stark von dieser Meeresluft, die einem in die Brust fließt. Man fühlt sich gestärkt und lebendig.

Das Zitat des Schriftstellers Emile Souvestre steht auf dem kleinen Erklärungsschild am Eingang zur Dolmenanlage. Und es stimmt: Hier oben, mit dem Blick auf die Bucht von Portsall kann man sich wunderbar auffüllen mit Wind und Meeresrauschen.argueveur-portsall-blick-allee-couverte-de-guilliguy-blick-auf-die-bucht

 

Blick von der Allée couverte von Guilliguy auf den Hafen von PortsallWer gute Augen hat, sieht gegenüber den Anker der Amoco Cadiz, die 1978 wenige Kilometer vor der Küste auseinanderbrach, sank und eine der größten Ölkatastrophen der Geschichte auslöste.Anker der Amoco Cadiz in Portsall

Auch von dort hat man einen wunderbaren Blick auf die Bucht. Blick auf die Bucht von Portsall

Und – mal was ganz anderes – wer dann noch ein wenig durch den Ort schlendert, kann an Hauswänden, Garagen und Pollern viele Graffitis finden. Hühner-Graffittis, um genau zu sein. Falls jemand deren Geschichte kennt: Gerne in den Kommentaren aufschreiben. Danke 🙂Hühner-Graffitti in Portsall

Spiel 16 in Essen

Für Brettspielefans sind die Internationalen Spieltage in Essen ein Pflichttermin. Und so waren der Lieblingsmensch und meine Wenigkeit natürlich auch in diesem Jahr auf der Spiel 16 dabei.Poster am Eingang der Spiel 16 in Essen

Wie immer war die Messe ein Genuss. In diesem Jahr kam dazu, dass der Lieblingsmensch zum ersten Mal beim Math-Trade von BoardGameGeek mitgemacht hat. Die vielen Spielenerds, die vor den Hallen tauschen, kaufen, verkaufen und das absolute Gewusel sind ein Erlebnis für sich. Und wo sonst bekommt man den berühmten Richard Ham alias Rahdo als unfreiwilligen Fotobomber vor die Kamera. 🙂

Noch ein Pflichtbesuch war der Stand von seiner Frau Jenefer, die bei Gamer Glas in diesem Jahr sehr schöne Meeple-Glasschälchen im Programm hatte. Die könnt ihr dann sicher bei einem der nächsten Spieletests mit erlaubter Spielebegleitnahrung gefüllt im Hintergrund sehen. 🙂

Was uns in diesem Jahr besonders begeistert hat, ist das neue Stefan Feld-Spiel Das Orakel von Delphi. Das haben wir schon in verschiedenen Phasen des Prototyps gespielt und sind begeistert von der finalen Gestaltung. Sehr schöne Grafik, viel und gutes Holzmaterial, gut gemachter, zusammenlegbarer Spielplan. Das kommt hier sicher oft auf den Tisch.

Auch richtig schön geworden ist Phalanxx von Bernd Eisenstein, das wir im Frühjahr schon beim Herner Spielewahnsinn getestet haben. Die signierte Box (juhu) wartet jetzt auf den nächsten Spieleabend.

Irgendwann stolperten wir mehr oder weniger über Das Katastrophenspiel von Kai Herbertz. Hier sind die Spieler humanitäre Helferinnen und Helfer, die Natur- und andere Katastrophen bekämpfen. Für jeden erfolgreichen Einsatz bekommt man Geld, mit dem man besseres Equipment kaufen oder erfahrenere Helfer anwerben kann. Egal ob Hochwasser, Seuchenausbruch oder Waldbrand, hier kann ich mein Hobby mit meinem beruflichen Umfeld verbinden. Wird sicher demnächst auch mit den „echten Helden“ (die sich nicht also solche sehen, aber eben gerade darum welche sind) gespielt. 🙂Schachtel von "Das Katastrophenspiel"

Am Freitag waren wir mit Freunden mit Kind da und da durfte natürlich die obligatorsiche Runde bei Zoch nicht fehlen. Besonders schön fand ich Dreams, bei dem man mit verschiedenen Steinen Bilder in Sternbilder übersetzt. Dabei stehen immer vier Bilder zur Auswahl und alle bis auf einen Mitspieler wissen, welches Bild das richtige ist, das gelegt werden muss. Diese Götter müssen erraten, wer der eine Sterbliche ist, der keine Ahnung hat. Der Sterbliche wiederum muss erraten, welches Bild alle zusammen legen. Und versuchen, nicht als Sterblicher aufzufallen. Spielmatte mit Plastiksteinchen von Dreams

Am Ende gibt es für den Sterblichen Punkte, wenn er das richtige Bild erraten hat und von keinem der anderen als Außenseiter im Olymp enttarnt wurde. Die Götter bekommen Punkte, wenn niemand sie für Sterbliche hielt und wenn sie den richtigen „Betrüger“ herausgefunden haben. Mir gefiel neben dem Material auch das Spielprinzip, allerdings waren einige aus unserer Runde schon nach der zweiten Runde gelangweilt und auch ich fürchte, dass der Wiederspielwert in unseren Spielrunden sehr niedrig wäre.

Besser gefallen hat uns allen Ice Cult, bei dem man versucht, die eigenen Spielfiguren durch das richtige Drehen von durchsichtigen und mit Pfeilen in den Spielerfarben bedruckten Würfeln von der kalten Mitte in die wärmeren Außenbereiche des kreuzförmigen Spielplans zu befördern. Ähnlich wie bei CamelUp kann man dabei andere Spielfiguren als „Mulis“ nutzen und versuchen, huckepack schneller ans Ziel zu kommen. Wer nicht aufpasst, verhilft dabei aber schnell dem Gegner ans Ziel und hat das Nachsehen. Sehr vergnüglich.Spielbrett von Ice Cult mit Spielfiguren und Würfeln

Gut gefallen hat uns auch Schatzjäger von Queen Games. Auch wenn ich dabei gandenlos abgezockt wurde. Wie der Name schon sagt, geht es dabei darum, Schätze zu sammeln und am Ende zu Geld zu machen.
Schachtel des Brettspiels "Schatzjäger"Dazu nutzt man ein Kartendeck, das man sich in jeder der fünf Runden durch Drafting wie bei 7 Wonders zusammenstellt. In drei farbig unterschiedenen Regionen können die farblich passenden Helden auf Schatzsuche gehen. Wer die meisten Punkte einer Farbe gesammelt hat, bekommt den einen, wer die wenigsten Punkte hat den anderen Schatz in dieser Region. Schätze sind bares Geld wert oder verschaffen einem Sonderkarten, mit denen man in der nächsten Runde mehr Geld verdienen kann.Spielplan von "Schatzjäger" am Stand von Queen Games bei der Spiel 16 in Essen

Wenn man die Schätze gefunden hat, muss man noch an bösen Goblins vorbei, was ohne Verlust von Geld nur gelingt, wenn man eine Goblinscheuche oder genügend Wachhunde gesammelt hat. Wer keines von beidem vorweisen kann, muss Wegzoll bezahlen. Und wer die meisten Hunde an seiner Seite hat, sammelt nicht nur den Wegzoll sondern auch noch die finanzielle Unterstützung der Goblins ein. Das Ganze ist sehr amüsant und schön gestaltet – wenn auch deutlich weniger komplex und mit viel weniger Tiefe als 7 Wonders.

Gut gefallen hat uns auch Mysterium von Asmodee. Ein Spieler ist ermordert worden und die anderen versuchen, den Mordfall aufzuklären. Da der Tote gleichzeitig der einzige Zeuge war, muss er durch telepathische Nachrichten das Übermitteln von Bildkarten versuchen, Hinweise auf den Täter, den Tatort und die Tatwaffe zu machen. Mysterium von der Seite des Hinweisgebers aus gesehen

Die Ermittler dürfen sich beim Versuch, die Karten zu deuten, miteinander austauschen. Meint die Übermittlung einer Karte mit Singvogel, dass das Opfer im Wohnzimmer mit Gramophon getötet wurde? Oder ist die Lampe auf dem Bild eher ein Hinweis auf das Schlafzimmer, in dem eine ähnliche Lampe zu sehen ist? Deutet ein Bild einer Vogelscheuche im Nebel auf die Terasse als Tatort hin, weil beides im Freien liegt? Und meint der Eifelturm, dass der Luoi-de-Funès-ähnliche Taxifahrer der Mörder war, weil: beide aus Frankreich?"Mysterium" von der Ermittlerseite aus gesehen

Zwischendurch darf man mit Markern anzeigen, welchen Tipp der Mitspieler man für richtig oder falsch hält. Für jeden richtigen Tipp bekommt das Ermittlerteam Karten, die bei den Ermittlungen helfen. Wer sich gut kennt, hat beim Auswählen und Deuten der Hinweise Vorteile. Aber auch ohne solche Vorkenntnisse kann man bei Mysterium wundervoll ins Fabulieren kommen.

Da der Lieblingsmensch Japanisch lernt und überhaupt ein Asien-Freund ist, haben wir natürlich auch japanische Spiele oder Spiele mit japanischem Thema ausprobiert. Und versucht, mit den freundlichen Menschen an den jeweiligen Ständen ins Gespräch zu kommen, die aber hauptsächlich freundlich kicherten. Wieso denn bloß? 😉Schild an einem japanischen Stand in Essen: Zähler für vorbestellt Kundschaft"

Besonders gut gefallen hat uns das Zwei-Spieler-Spiel 7 Ronin. Schachtel des Spiels "7 Ronin"

Wie der Name andeutet, spielt der eine Spieler eine Ninja-Armee, die ein Dorf überällt und der andere die sieben Ronin, die versuchen, das Dorf und seine Bewohner zu verteidigen. Jeder der Verteidiger hat besondere Fähgkeiten, doch auch die Ninja haben ein paar Tricks auf Lager. Erschwert wird der Ninja-Angriff durch Vorgaben für die Mindest- und Maximalanzahl der angreifenden Kämpfer. Das macht das Spiel jedoch erst richtig ausgewogen und spannend. Die Gestaltung ist erfrischend reduziert und trotzdem detailreich (klingt paradox, ist aber so – irgendwann bekommt ihr eine ausführlichere Vorstellung mit mehr Bildern, dann versteht ihr vermutlich, was ich meine). Wiederspielreiz: 100 Prozent.Spielplan von "7 Ronin"

Richtig schön gestaltet ist auch Tayü von Goliath. Zumindest die Schachtel ist herrlich detailverliebt und authentisch.Schachtel von Tayü

Das Spiel selbst ist dann ganz einfach: Auf einer schwarzen Platte setzen die Spieler abwechselnd von der Mitte aus rote Plättchen mit weißen Linien. Dabei versuchen sie, möglichst viele Endungen auf ihrer Seite des Spielbretts ankommen zu lassen. Dass die Linien dabei passende Verbindungen bilden müssen, macht die Aufgabe zu einer Herausforderung. Das abstrakte Spiel steht für das Bauen von Kanälen, von denen möglichst viele am eigenen Küstenufer enden müssen – klar, dass das bei uns Meeresliebhabern gut ankommt.

Gut gefallen hat uns auch der erste Eindruck von Nisyros von Sunny Games. Dabei geht es darum, am Hang eines Vulkans Ladwirtschaft zu betreiben. Bricht der Vulkan aus, verwandelt sich die Landschaft durch Umdrehen der Plättchen in Lava. Innovativ.Spielplan von Nisyros

 

Was sonst noch war?

Einhornwahnsinn. Viel Einhornwahnsinn. Das ziemlich nervige HOP! wurde von Hostessen mit Einhornhaarreifen und Regenbogenstrumpfhosen in einer Regenbogen-Einhornwelt präsentiert. Es wurde von der wunderbaren Marie Carbouat gestaltet, die schon …and then we held hands gestaltet und uns ein wunderbares Bild in den Deckel der Schachte gemalt hat <3 Muss ich es noch sagen? Das Spiel sieht klasse aus. Spielplan und Spielfiguren des Brettspiels "HOP!"

Spielmaterial von "HOP!"Das war es dann aber schon. Denn das Spiel selbst besteht darin, dass man einen regenbogenfarbigen Ring auf den ausgestreckten Finger eines Mitspielers werfen muss. Vorher zieht man eine Karte, die die Aufgabe schwieriger macht. Durch Hüpfen, auf einem Bein Stehen, einen Spieler, den den Fänger umarmt oder seinen Einhorn-Fang-Finger festhält. Alle tippen, ob man das schafft oder nicht und wer richtig liegt, bekommt Taubenmarker und darf nach drei richtigen Tipps auf den Wolken nach oben klettern. Wer falsch tippt, sammelt Krähen und droht, abzustürzen. Klingt lustig, hat uns allen aber eher so überhaupt nicht gefallen. Da konnten auch die frechen Spielfiguren, die man mit den Würfen in den siebten Himmel befördern soll, nicht mehr viel retten.Stand von "HOP!" auf der Spiel 16 in Essen

Um die Ecke gab es Einhornkuscheltiere, Einhornmützen, Einhornkissenbezüge und sogar Einhorn-Salz- und Pfefferstreuer zu erwerben.Einhornsalzstreuer bei der Spiel 16 in Essen

Plüscheinhrner bei der Spiel 16 in EssenBunte Kuscheleinhörner bei der Spiel 16 in EssenEin paar Meter weiter konnte man dann jedoch den Prototypen von Kill the unicorns probespielen. Wir haben zwar keinen Platz bekommen und die Prototyp-Einhörner hatten keine Hörner. Nach dem Regenbogen-Overkill klingt das aber fürs nächste Jahr verlockend. Sehr verlockend. 🙂

Werbefläche für "Kill the Unicorns" bei der Spiel 16 in Essen

Von Trauer, Dankbarkeit und einem besonderen Geschenk

In den vergangenen Tagen war ich mehrfach sehr berührt und traurig: Mehrere Menschen sind gestorben, die ich sehr geschätzt habe. Mit keinem von ihnen war ich eng befreundet, doch mit jeder und jedem verband mich mehr als nur eine Bekanntschaft.

Ich erinnere mich an Begegnungen, bei denen mehr passiert ist, als nur der Austausch von Worten. An gemeinsam erlebte Momente, die uns miteinander verbunden haben. An Ideen, Gefühle, Überzeugungen, die wir miteinander geteilt und die sich dadurch vermehrt und uns bereichert haben.

Ich erinnere mich an einen Moment in Augsburg, an dem eine meiner Gefährtinnen Worte zum „Gemalten Leben“ Mary Wards fand, die mich tief berührt und mir sehr viel geschenkt haben. An erzählte Erinnerungen und geschenkte Gespräche, an verrückte, aber genau dadurch inspirierende Ideen, an geteiltes Lächeln, verbindendes Schweigen und gemeinsame Freude an der Gemeinschaft.

Ich erinnere mich an eine Begegnung mit einer unglaublichen, unermüdlichen und unsagbar engagierten Kollegin in Kiew, die so echt und ehrlich und herzlich war, als hätten wir uns schon seit Jahren gut gekannt und nicht nur ab und an Mails ausgetauscht. An eine Umarmung und ein Lächeln beim Auspacken eines Käsepakets, an Gänsehaut beim Erzählen aus ihrem Leben und an ein verschmitztes Lachen als Antwort auf Hürden, die andere in den Weg zu legen suchten.

Ich erinnere mich an einen Lehrer mit Vollbart und einem immer locker um den Hals gelegten und nie gebundenen Schal, der mich stark beeindruckt und der meine Liebe zur Musik geweckt, gefördert und ausgebildet hat. An gemeinsame Musik in Ensembles und im Orchester, an Wanderungen mit gar nicht selbstverständlichem Abschluss im heimischen Garten, an Probenwochen und Billardabende, an Hitzeschlachten in der Aula, mit Herzblut geschriebene Arrangements und an einen Wettbewerb, der mir nicht nur durch ein legendäres Verblättern des Dirigenten und eine ganz besondere Fuge im Gedächtnis bleiben wird.

Dass diese Menschen nun nicht mehr da sind, ganz plötzlich oder nach langer, schwerer Krankheit, macht mich traurig. Auch wenn wir uns nicht täglich gesehen haben, nur wenig Kontakt hatten, weit voneinander entfernt wohnten, war da doch eine Verbundenheit, die all diese Distanzen überwindet. Und genau die macht mich gleichzeitig dankbar.

Dankbar, dass wir uns gekannt, Zeit miteinander verbracht, einander Zeit geschenkt haben. Dankbar dafür, dass da mehr war als rein geschäftsmäßige Begegnungen. Dass wir uns trotz unserer Verschiedenheit – oder gerade deswegen – nicht nur von Kopf zu Kopf, sondern von Herz zu Herz begegnen konnten, ist für mich ein Geschenk.

Jeder der drei hat mir etwas geschenkt für mich, meine Entwicklung, meinen Lebensweg. Inspiration, Verbundenheit, Vertrauen und Zutrauen. Und Musik.

Danke für das, was bleibt.